12 045 Abtreibungen im Jahr 2023. Wie reagiert der Bundesrat auf den neuen Höchststand?

ShortId
25.3848
Id
20253848
Updated
14.11.2025 02:40
Language
de
Title
12 045 Abtreibungen im Jahr 2023. Wie reagiert der Bundesrat auf den neuen Höchststand?
AdditionalIndexing
2836;36;2841;28
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>1. und 2. Tatsächlich haben die Schwangerschaftsabbrüche in der Schweiz zugenommen, sie bleiben aber im internationalen Vergleich niedrig. Zudem ist auch zu beobachten, dass die Schwangerschaftsabbruchraten bei Jugendlichen (15-19 Jahre) seit 2015 in der gleichen Grössenordnung bleiben. </span></p><p><span>Wie der Bericht des Bundesamtes für Statistik (BFS) von 2022 «Schwangerschaften und Geburten unter schwierigen Bedingungen» (abrufbar unter www.bfs.admin.ch &gt; Statistiken &gt; Gesundheit &gt; Gesundheitszustand &gt; Reproduktive Gesundheit &gt; Schwangerschaftsabbrüche) aufzeigt, reflektiert die Rate der Schwangerschaftsabbrüche sowohl gesellschaftliche Einflüsse als auch individuelle Entscheide, welche sich je nach Kontext unterschiedlich ausprägen können. Wie Entwicklungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und Gleichstellung die Rate der Schwangerschaftsabbrüche oder die Familienplanung im Allgemeinen beeinflussen, ist jedoch komplex.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. und 4. Wie erwähnt sind die Gründe für Schwangerschaftsabbrüche sehr individuell. Das Bundesgesetz über die Schwangerschaftsberatungsstellen (SR 857.5) gewährleistet, dass Frauen und ihren Begleitpersonen schweizweit kostenlose Angebote für fachlich anerkannte medizinische und psychosoziale Beratung zur Verfügung stehen. Zuständig für die Umsetzung sind die Kantone. Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion von Siebenthal 20.3301 «Optimierung der Informations- und Beratungstätigkeit für Frauen und Problemschwangerschaften» festgehalten hat, sieht er keinen Handlungsbedarf in diesem Bereich. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. und 6. Es liegt in der Verantwortung der Kantone und Gemeinden, Personen mit sozialen Leistungen und finanziellen Mitteln zu unterstützen, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft sicherstellen können. Es ist wichtig, dass Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben frei entscheiden können. Die genannten Leistungen sowie die Unterstützungen durch Hilfswerke und Stiftungen bilden ein zusätzliches Netz, das dazu beiträgt, Härtefälle abzufedern.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>7. Die obenerwähnte Studie des BFS «Schwangerschaften und Geburten unter schwierigen Bedingungen» zeigt, dass Schwangerschaftsabbrüche in 97% aus psychosozialen Gründen erfolgen. Dank einer detaillierteren Erhebung in 8 Kantonen konnten diese Gründe genauer betrachtet werden: Am häufigsten wurde angegeben, dass die Frau sich nicht in der Lage fühlt, ein Kind zu erziehen, die Frau oder ihr Partner sich gegenwärtig kein Kind wünschen, sowie die Unvereinbarkeit mit der aktuellen Ausbildung oder der beruflichen Situation. Der Bundesrat sieht keinen Bedarf, eine weitere Studie in Auftrag zu geben.</span></p></span>
  • <p>2023 wurde mit 12’045 Schwangerschaftsabbrüchen ein neuer Höchststand erreicht – mehr als je zuvor seit Einführung der Fristenlösung im Jahr 2002 (Quelle: BFS).</p><p>Unabhängige Beratungsstellen berichten, dass Schwangerschaftskonflikte selten aus einer bewussten Ablehnung des Kindes entstehen. Vielmehr seien Überforderung, biografische Krisen, Partnerschaftsprobleme oder äusserer Druck häufig ausschlaggebend. Viele Frauen beschreiben ihre Entscheidung im Nachhinein als einen Schritt, den sie sich nie gewünscht hätten.</p><p>Die steigenden Abtreibungszahlen zeigen vor allem, dass sich viele Frauen mitten in unserer Gesellschaft in ausweglose Situationen gedrängt sehen, in denen eine Schwangerschaft keinen Platz zu haben scheint. Fehlt aber eine echte Alternative zur Abtreibung, bleibt auch die Freiheit eine Illusion – Selbstbestimmung und Autonomie verkommen zu leeren Versprechen.</p><ol><li>Wie beurteilt der Bundesrat den Höchststand von 12’045 Schwangerschaftsabbrüchen im Jahr 2023?&nbsp;</li><li>Welche Hauptursachen für diese Entwicklung erkennt der Bundesrat in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und Gleichstellung?</li><li>Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass sich viele Frauen im Schwangerschaftskonflikt nicht aus Überzeugung, sondern aus einem Mangel an realen Alternativen für einen Abbruch entscheiden?</li><li>Sieht der Bundesrat eine staatliche Pflicht, Massnahmen dafür zu ergreifen, dass Schwangere in Not nicht aus Druck oder Perspektivlosigkeit handeln?</li><li>Welche konkreten Massnahmen sieht der Bundesrat vor, um Schwangeren in Not lebenspraktische Hilfsangebote zugänglich zu machen, die ein «Ja» zum Leben ihres Kindes möglich machen?&nbsp;</li><li>Ist der Bundesrat bereit, den Ausbau von Unterstützungsangeboten zu fördern, die unter dem Ansatz «Hilfe statt Abtreibung» eine echte Alternative zur Abtreibung aufzeigen?</li><li>Ist der Bundesrat bereit, eine interdisziplinäre und repräsentative Studie zu beauftragen, die systematisch untersucht, welche Faktoren tatsächlich ausschlaggebend für die Entscheidung zur Abtreibung sind – insbesondere, in welchem Ausmass äusserer Druck, Überforderung oder das Fehlen realistischer Alternativen eine Rolle spielen?</li></ol>
  • 12 045 Abtreibungen im Jahr 2023. Wie reagiert der Bundesrat auf den neuen Höchststand?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. und 2. Tatsächlich haben die Schwangerschaftsabbrüche in der Schweiz zugenommen, sie bleiben aber im internationalen Vergleich niedrig. Zudem ist auch zu beobachten, dass die Schwangerschaftsabbruchraten bei Jugendlichen (15-19 Jahre) seit 2015 in der gleichen Grössenordnung bleiben. </span></p><p><span>Wie der Bericht des Bundesamtes für Statistik (BFS) von 2022 «Schwangerschaften und Geburten unter schwierigen Bedingungen» (abrufbar unter www.bfs.admin.ch &gt; Statistiken &gt; Gesundheit &gt; Gesundheitszustand &gt; Reproduktive Gesundheit &gt; Schwangerschaftsabbrüche) aufzeigt, reflektiert die Rate der Schwangerschaftsabbrüche sowohl gesellschaftliche Einflüsse als auch individuelle Entscheide, welche sich je nach Kontext unterschiedlich ausprägen können. Wie Entwicklungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und Gleichstellung die Rate der Schwangerschaftsabbrüche oder die Familienplanung im Allgemeinen beeinflussen, ist jedoch komplex.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. und 4. Wie erwähnt sind die Gründe für Schwangerschaftsabbrüche sehr individuell. Das Bundesgesetz über die Schwangerschaftsberatungsstellen (SR 857.5) gewährleistet, dass Frauen und ihren Begleitpersonen schweizweit kostenlose Angebote für fachlich anerkannte medizinische und psychosoziale Beratung zur Verfügung stehen. Zuständig für die Umsetzung sind die Kantone. Wie der Bundesrat in seiner Antwort auf die Motion von Siebenthal 20.3301 «Optimierung der Informations- und Beratungstätigkeit für Frauen und Problemschwangerschaften» festgehalten hat, sieht er keinen Handlungsbedarf in diesem Bereich. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. und 6. Es liegt in der Verantwortung der Kantone und Gemeinden, Personen mit sozialen Leistungen und finanziellen Mitteln zu unterstützen, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht aus eigener Kraft sicherstellen können. Es ist wichtig, dass Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen, im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben frei entscheiden können. Die genannten Leistungen sowie die Unterstützungen durch Hilfswerke und Stiftungen bilden ein zusätzliches Netz, das dazu beiträgt, Härtefälle abzufedern.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>7. Die obenerwähnte Studie des BFS «Schwangerschaften und Geburten unter schwierigen Bedingungen» zeigt, dass Schwangerschaftsabbrüche in 97% aus psychosozialen Gründen erfolgen. Dank einer detaillierteren Erhebung in 8 Kantonen konnten diese Gründe genauer betrachtet werden: Am häufigsten wurde angegeben, dass die Frau sich nicht in der Lage fühlt, ein Kind zu erziehen, die Frau oder ihr Partner sich gegenwärtig kein Kind wünschen, sowie die Unvereinbarkeit mit der aktuellen Ausbildung oder der beruflichen Situation. Der Bundesrat sieht keinen Bedarf, eine weitere Studie in Auftrag zu geben.</span></p></span>
    • <p>2023 wurde mit 12’045 Schwangerschaftsabbrüchen ein neuer Höchststand erreicht – mehr als je zuvor seit Einführung der Fristenlösung im Jahr 2002 (Quelle: BFS).</p><p>Unabhängige Beratungsstellen berichten, dass Schwangerschaftskonflikte selten aus einer bewussten Ablehnung des Kindes entstehen. Vielmehr seien Überforderung, biografische Krisen, Partnerschaftsprobleme oder äusserer Druck häufig ausschlaggebend. Viele Frauen beschreiben ihre Entscheidung im Nachhinein als einen Schritt, den sie sich nie gewünscht hätten.</p><p>Die steigenden Abtreibungszahlen zeigen vor allem, dass sich viele Frauen mitten in unserer Gesellschaft in ausweglose Situationen gedrängt sehen, in denen eine Schwangerschaft keinen Platz zu haben scheint. Fehlt aber eine echte Alternative zur Abtreibung, bleibt auch die Freiheit eine Illusion – Selbstbestimmung und Autonomie verkommen zu leeren Versprechen.</p><ol><li>Wie beurteilt der Bundesrat den Höchststand von 12’045 Schwangerschaftsabbrüchen im Jahr 2023?&nbsp;</li><li>Welche Hauptursachen für diese Entwicklung erkennt der Bundesrat in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und Gleichstellung?</li><li>Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass sich viele Frauen im Schwangerschaftskonflikt nicht aus Überzeugung, sondern aus einem Mangel an realen Alternativen für einen Abbruch entscheiden?</li><li>Sieht der Bundesrat eine staatliche Pflicht, Massnahmen dafür zu ergreifen, dass Schwangere in Not nicht aus Druck oder Perspektivlosigkeit handeln?</li><li>Welche konkreten Massnahmen sieht der Bundesrat vor, um Schwangeren in Not lebenspraktische Hilfsangebote zugänglich zu machen, die ein «Ja» zum Leben ihres Kindes möglich machen?&nbsp;</li><li>Ist der Bundesrat bereit, den Ausbau von Unterstützungsangeboten zu fördern, die unter dem Ansatz «Hilfe statt Abtreibung» eine echte Alternative zur Abtreibung aufzeigen?</li><li>Ist der Bundesrat bereit, eine interdisziplinäre und repräsentative Studie zu beauftragen, die systematisch untersucht, welche Faktoren tatsächlich ausschlaggebend für die Entscheidung zur Abtreibung sind – insbesondere, in welchem Ausmass äusserer Druck, Überforderung oder das Fehlen realistischer Alternativen eine Rolle spielen?</li></ol>
    • 12 045 Abtreibungen im Jahr 2023. Wie reagiert der Bundesrat auf den neuen Höchststand?

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