Sperrung der Strecke Freiburg–Bern im Sommer. Ein Rückschlag für die Verkehrsverlagerung?
- ShortId
-
25.3856
- Id
-
20253856
- Updated
-
14.11.2025 02:36
- Language
-
de
- Title
-
Sperrung der Strecke Freiburg–Bern im Sommer. Ein Rückschlag für die Verkehrsverlagerung?
- AdditionalIndexing
-
15;48
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><ol><li><span>Gemäss Rückmeldung der SBB wurden wie bei allen grösseren Bautätigkeiten mehrere Varianten für die Intervall- und Ersatzkonzepte geprüft. Die vielen anstehenden Bautätigkeiten auf der Strecke Bern – Freiburg erfordern einen grösseren Eingriff in den Betrieb. Die Vor- und Nachteile einer Totalsperre wurden sorgfältig und im Sinne der Kundenorientierung beurteilt. Die betroffenen Kantone und Bahnunternehmen wurden frühzeitig einbezogen. Die Vorteile, konzentriert in einer Totalsperre und dafür in einer kürzeren Zeitdauer zu bauen, haben überwogen. Bei Sperren in der Nacht und an Wochenenden würde die Bauzeit drei Jahre betragen. Mit der Totalsperre wird sie auf acht Wochen reduziert. </span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="2"><li><span>Pro Tag stehen rund 80 Busse auf fünf verschiedenen Linien für den Ersatzverkehr zur Verfügung. Diese verkehren zum Beispiel zwischen Freiburg und Bern ohne Zwischenhalt von 5 – 20 Uhr durchgehend im 10-Minuten-Takt und ab 20 Uhr im 15-Minuten-Takt, allerdings mit einer deutlich längeren Fahrzeit.</span></li></ol><p><span> </span></p><p><span>Weil die betroffene Strecke stark befahren ist, braucht es auf dieser mehr Substanzerhalt als auf anderen Strecken. Regelmässige Unterhaltsarbeiten sind unverzichtbar, damit die Züge zwischen Lausanne und Bern auch in Zukunft sicher unterwegs sind und pünktlich ankommen. Den Reisenden zwischen der Genfersee-Region und der Deutschschweiz steht die Bahnverbindung am Jurasüdfuss via Neuenburg – Biel/Bienne – Olten zur Verfügung. Züge auf dieser Linie werden auf die maximale Länge verlängert. Zudem verkehren am Morgen und Abend zusätzliche Fernverkehrszüge zwischen Neuenburg und Lausanne. Auch zwischen Bern und Neuenburg werden längere Züge eingesetzt.</span></p><p><span>Der Hauptteil des Güterverkehrs auf der West-Ost-Achse verkehrt schon heute über die Linie am Jurasüdfuss via Solothurn – Biel/Bienne – Neuenburg. Für den Güterverkehr konnten im Zusammenhang mit der Totalsperre Bern – Freiburg einvernehmliche Lösungen gefunden werden. </span></p><p><span> </span></p><ol start="3"><li><span>Die SBB geht nicht davon aus, dass eine nachhaltige Verlagerung von der Schiene auf die Strasse resultieren wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Kundinnen und Kunden trotz vorübergehenden Einschränkungen wieder zum ÖV zurückkehren. Die SBB hat frühzeitig Kantone und Behörden in die Lösungsfindung bezüglich Ersatzverkehr mit insgesamt fünf Bahnersatzlinien per Bus einbezogen. Damit, sowie mit der Lenkung der Reisenden über die Jurasüdfusslinie, hat die SBB ein möglichst attraktives Ersatzangebot bereitgestellt. Das ASTRA wird im aktuellen Fall die Auswirkungen auf die Nationalstrasse N12 - und ausgewählte Kantons- und Gemeindestrassen - anhand von Verkehrszählerdaten und Auswertungen von Reisezeitdaten analysieren.</span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="4"><li><span>Streckensperrungen kommen auch in anderen Landesteilen der Schweiz vor und werden zukünftig häufiger, sofern das Bauvolumen von Substanzerhalt und Ausbau in dem heute geplanten Mass bewältigt werden soll. Beispielsweise musste die Strecke im St. Galler Rheintal (St. Margrethen – Buchs) abschnittsweise für Ausbaumassnahmen in den Jahren 2023 und 2024 ebenfalls über mehrere Monate gesperrt werden. Derzeit ist baustellenbedingt auch die Bahnstrecke zwischen Basel und Laufen für mehrere Monate unterbrochen, wo ebenfalls zahlreiche Bahnersatzbusse im Einsatz sind. </span><span> </span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="5"><li><span>Der Bundesrat erachtet das Risiko der Rückverlagerung auf die Strasse bei einer zweimonatigen Streckensperrung als geringer als bei abnehmender Qualität der Schieneninfrastruktur als Resultat ungenügender Unterhaltsarbeiten.</span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="6"><li><span>In der Schweiz sind bei Bauarbeiten keine finanziellen Entschädigungen durch die Eisenbahnverkehrsunternehmen oder anderen Transportunternehmen vorgesehen. Weil in den Bussen keine 1. Klasse angeboten wird, können die Abonnemente in 2. Klasse umgetauscht werden und die Differenz dazu wird rückerstattet.</span></li></ol></span>
- <p>Die Totalsperre der Bahnstrecke Freiburg–Bern für mehr als zwei Monate in diesem Sommer wird im Kanton Freiburg, dem grössten Pendlerkanton der Schweiz, zu grossen Problemen führen. Die Pendlerinnen und Pendler aus dem Kanton Freiburg sind stark auf ihre Zugverbindungen angewiesen, insbesondere nach Bern und in die Deutschschweiz. Sie fürchten die längeren Reisezeiten, die Bedingungen in den mit Sicherheit überfüllten Bussen und das Verbot, ihr Velo zu transportieren. Mitten in der Sommersaison und während der Fussball-Europameisterschaft der Frauen ist die Totalsperre der erwähnten Strecke auch für den Tourismus von grossem Nachteil; sie führt wahrscheinlich zu Einnahmeausfällen für die lokale Wirtschaft. </p><p>Schliesslich birgt der Entscheid der Sperrung das grosse Risiko, dass Pendlerinnen und Pendler auf das Privatauto umsteigen und auch längerfristig die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel in Frage stellen.</p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten: </p><p> </p><p>1) Hat die SBB weniger einschneidende Alternativen zur Totalsperre der Strecke Freiburg–Bern in Betracht gezogen, z. B. eine auf ein Gleis beschränkte Sperre? </p><p>2) Ist sich der Bundesrat bewusst, dass die erwähnte Strecke quasi als Rückgrat der Schweiz für die Verbindung zwischen West- und Deutschschweiz unentbehrlich ist und die SBB diese nicht einfach mit dem Verweis auf Ersatzbusse sperren kann?</p><p>3) Die Sperrung wird sicherlich eine Verkehrsverlagerung auf die Strasse zur Folge haben. Wird in den verschiedenen Gemeinden der Kantone Waadt, Freiburg und Bern eine Bewertung dieser Verlagerung in Betracht gezogen? </p><p>4) Nach dem Debakel rund um den Umbau des Bahnhofs Lausanne und allen damit verbundenen Unannehmlichkeiten für die SBB-Reisenden fühlen sich die Westschweizerinnen und Westschweizer durch diese kompromisslose Sperrung einmal mehr als vernachlässigte Minderheit. Was sagt der Bundesrat dazu?</p><p>5) Vor dem Hintergrund steigender Tarife und zunehmend überfüllter Züge könnte eine vollständige Streckensperrung die Bevölkerung zur Nutzung von Privatautos verleiten. Wie schätzt der Bundesrat die Lage ein?</p><p>6) Zieht der Bundesrat angesichts der vielen Unannehmlichkeiten eine finanzielle Entschädigung für die Nutzerinnen und Nutzer der erwähnten Strecke in Betracht?</p>
- Sperrung der Strecke Freiburg–Bern im Sommer. Ein Rückschlag für die Verkehrsverlagerung?
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
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-
- Index
- 0
- Texts
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- <span><ol><li><span>Gemäss Rückmeldung der SBB wurden wie bei allen grösseren Bautätigkeiten mehrere Varianten für die Intervall- und Ersatzkonzepte geprüft. Die vielen anstehenden Bautätigkeiten auf der Strecke Bern – Freiburg erfordern einen grösseren Eingriff in den Betrieb. Die Vor- und Nachteile einer Totalsperre wurden sorgfältig und im Sinne der Kundenorientierung beurteilt. Die betroffenen Kantone und Bahnunternehmen wurden frühzeitig einbezogen. Die Vorteile, konzentriert in einer Totalsperre und dafür in einer kürzeren Zeitdauer zu bauen, haben überwogen. Bei Sperren in der Nacht und an Wochenenden würde die Bauzeit drei Jahre betragen. Mit der Totalsperre wird sie auf acht Wochen reduziert. </span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="2"><li><span>Pro Tag stehen rund 80 Busse auf fünf verschiedenen Linien für den Ersatzverkehr zur Verfügung. Diese verkehren zum Beispiel zwischen Freiburg und Bern ohne Zwischenhalt von 5 – 20 Uhr durchgehend im 10-Minuten-Takt und ab 20 Uhr im 15-Minuten-Takt, allerdings mit einer deutlich längeren Fahrzeit.</span></li></ol><p><span> </span></p><p><span>Weil die betroffene Strecke stark befahren ist, braucht es auf dieser mehr Substanzerhalt als auf anderen Strecken. Regelmässige Unterhaltsarbeiten sind unverzichtbar, damit die Züge zwischen Lausanne und Bern auch in Zukunft sicher unterwegs sind und pünktlich ankommen. Den Reisenden zwischen der Genfersee-Region und der Deutschschweiz steht die Bahnverbindung am Jurasüdfuss via Neuenburg – Biel/Bienne – Olten zur Verfügung. Züge auf dieser Linie werden auf die maximale Länge verlängert. Zudem verkehren am Morgen und Abend zusätzliche Fernverkehrszüge zwischen Neuenburg und Lausanne. Auch zwischen Bern und Neuenburg werden längere Züge eingesetzt.</span></p><p><span>Der Hauptteil des Güterverkehrs auf der West-Ost-Achse verkehrt schon heute über die Linie am Jurasüdfuss via Solothurn – Biel/Bienne – Neuenburg. Für den Güterverkehr konnten im Zusammenhang mit der Totalsperre Bern – Freiburg einvernehmliche Lösungen gefunden werden. </span></p><p><span> </span></p><ol start="3"><li><span>Die SBB geht nicht davon aus, dass eine nachhaltige Verlagerung von der Schiene auf die Strasse resultieren wird. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Kundinnen und Kunden trotz vorübergehenden Einschränkungen wieder zum ÖV zurückkehren. Die SBB hat frühzeitig Kantone und Behörden in die Lösungsfindung bezüglich Ersatzverkehr mit insgesamt fünf Bahnersatzlinien per Bus einbezogen. Damit, sowie mit der Lenkung der Reisenden über die Jurasüdfusslinie, hat die SBB ein möglichst attraktives Ersatzangebot bereitgestellt. Das ASTRA wird im aktuellen Fall die Auswirkungen auf die Nationalstrasse N12 - und ausgewählte Kantons- und Gemeindestrassen - anhand von Verkehrszählerdaten und Auswertungen von Reisezeitdaten analysieren.</span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="4"><li><span>Streckensperrungen kommen auch in anderen Landesteilen der Schweiz vor und werden zukünftig häufiger, sofern das Bauvolumen von Substanzerhalt und Ausbau in dem heute geplanten Mass bewältigt werden soll. Beispielsweise musste die Strecke im St. Galler Rheintal (St. Margrethen – Buchs) abschnittsweise für Ausbaumassnahmen in den Jahren 2023 und 2024 ebenfalls über mehrere Monate gesperrt werden. Derzeit ist baustellenbedingt auch die Bahnstrecke zwischen Basel und Laufen für mehrere Monate unterbrochen, wo ebenfalls zahlreiche Bahnersatzbusse im Einsatz sind. </span><span> </span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="5"><li><span>Der Bundesrat erachtet das Risiko der Rückverlagerung auf die Strasse bei einer zweimonatigen Streckensperrung als geringer als bei abnehmender Qualität der Schieneninfrastruktur als Resultat ungenügender Unterhaltsarbeiten.</span></li></ol><p><span> </span></p><ol start="6"><li><span>In der Schweiz sind bei Bauarbeiten keine finanziellen Entschädigungen durch die Eisenbahnverkehrsunternehmen oder anderen Transportunternehmen vorgesehen. Weil in den Bussen keine 1. Klasse angeboten wird, können die Abonnemente in 2. Klasse umgetauscht werden und die Differenz dazu wird rückerstattet.</span></li></ol></span>
- <p>Die Totalsperre der Bahnstrecke Freiburg–Bern für mehr als zwei Monate in diesem Sommer wird im Kanton Freiburg, dem grössten Pendlerkanton der Schweiz, zu grossen Problemen führen. Die Pendlerinnen und Pendler aus dem Kanton Freiburg sind stark auf ihre Zugverbindungen angewiesen, insbesondere nach Bern und in die Deutschschweiz. Sie fürchten die längeren Reisezeiten, die Bedingungen in den mit Sicherheit überfüllten Bussen und das Verbot, ihr Velo zu transportieren. Mitten in der Sommersaison und während der Fussball-Europameisterschaft der Frauen ist die Totalsperre der erwähnten Strecke auch für den Tourismus von grossem Nachteil; sie führt wahrscheinlich zu Einnahmeausfällen für die lokale Wirtschaft. </p><p>Schliesslich birgt der Entscheid der Sperrung das grosse Risiko, dass Pendlerinnen und Pendler auf das Privatauto umsteigen und auch längerfristig die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel in Frage stellen.</p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten: </p><p> </p><p>1) Hat die SBB weniger einschneidende Alternativen zur Totalsperre der Strecke Freiburg–Bern in Betracht gezogen, z. B. eine auf ein Gleis beschränkte Sperre? </p><p>2) Ist sich der Bundesrat bewusst, dass die erwähnte Strecke quasi als Rückgrat der Schweiz für die Verbindung zwischen West- und Deutschschweiz unentbehrlich ist und die SBB diese nicht einfach mit dem Verweis auf Ersatzbusse sperren kann?</p><p>3) Die Sperrung wird sicherlich eine Verkehrsverlagerung auf die Strasse zur Folge haben. Wird in den verschiedenen Gemeinden der Kantone Waadt, Freiburg und Bern eine Bewertung dieser Verlagerung in Betracht gezogen? </p><p>4) Nach dem Debakel rund um den Umbau des Bahnhofs Lausanne und allen damit verbundenen Unannehmlichkeiten für die SBB-Reisenden fühlen sich die Westschweizerinnen und Westschweizer durch diese kompromisslose Sperrung einmal mehr als vernachlässigte Minderheit. Was sagt der Bundesrat dazu?</p><p>5) Vor dem Hintergrund steigender Tarife und zunehmend überfüllter Züge könnte eine vollständige Streckensperrung die Bevölkerung zur Nutzung von Privatautos verleiten. Wie schätzt der Bundesrat die Lage ein?</p><p>6) Zieht der Bundesrat angesichts der vielen Unannehmlichkeiten eine finanzielle Entschädigung für die Nutzerinnen und Nutzer der erwähnten Strecke in Betracht?</p>
- Sperrung der Strecke Freiburg–Bern im Sommer. Ein Rückschlag für die Verkehrsverlagerung?
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