Frauenmangel in der Wissenschaft. Warum zögert der Bundesrat?
- ShortId
-
25.3886
- Id
-
20253886
- Updated
-
14.11.2025 02:41
- Language
-
de
- Title
-
Frauenmangel in der Wissenschaft. Warum zögert der Bundesrat?
- AdditionalIndexing
-
28;32;24;44
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><span>1. Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung der Erhöhung des Frauenanteils im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Wie er in seinem Bericht vom 14.</span><span> </span><span>Mai 2025 (</span><a href="http://www.sbfi.admin.ch"><u><span>www.sbfi.admin.ch</span></u></a><span> > Bildung > Bildungsraum Schweiz > Transversale und stufenübergreifende Themen > MINT-Förderung) festhält, sieht er derzeit auf Bundesebene keinen Handlungsbedarf in Form neuer Initiativen. Ein Teil der im Rahmen der externen Studie vorgeschlagenen Massnahmen liegt nämlich nicht in der Kompetenz des Bundes. Der Bundesrat lädt daher die Kantone und weiteren Akteure ein, die Ergebnisse des Berichts sowie der externen Studie zu prüfen und bei Bedarf in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich zusätzliche Massnahmen zu ergreifen. </span><br><span>Die Schaffung eines Kompetenzzentrums würde nur einen begrenzten Mehrwert bringen, da die Akademien der Wissenschaften Schweiz im Rahmen des MINT-Mandats bereits seit der BFI-Periode</span><span> </span><span>2013‒2016 zahlreiche Aufgaben zur Koordination der Massnahmen und zur Vernetzung der Akteure erfolgreich wahrnehmen (</span><a href="https://akademien-schweiz.ch/"><u><span>www.akademien-schweiz.ch</span></u></a><span> > Themen und Aufgaben > MINT Schweiz > MINT 2025-2028). Zur Förderung des Nachwuchses und insbesondere zur Erhöhung des Frauenanteils im MINT-Bereich bevorzugt der Bund freiwillige Massnahmen anstelle von obligatorischen Quoten oder «Gender Budgeting». Die gezielte Förderung des Nachwuchses, insbesondere von Mädchen und Frauen, bleibt ein übergeordnetes Ziel des Bundes.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. Der Bundesrat teilt die Besorgnis über den Fachkräftemangel in den MINT-Berufen und anerkennt, dass die Untervertretung von Frauen ein ungenügend ausgeschöpftes Potenzial darstellt. Um diesem Problem entgegenzuwirken und dazu beizutragen, dass die Schweiz ein exzellenter Wissenschafts- und Innovationsstandort bleibt, unterstützt der Bund seit vielen Jahren gezielte Massnahmen und Initiativen. Auf Basis des Berufsbildungsgesetzes (Art.</span><span> </span><span>54 und 55 BBG; SR</span><span> </span><em><span>412.10</span></em><span>) fördert der Bund unter anderem die Organisation von regionalen Berufsmessen, Berufsmeisterschaften (SwissSkills) und den Nationalen Zukunftstag. Die Hochschulen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Sie verfügen über Kooperationsnetzwerke und sind bei der Suche nach Talenten spezifisch im MINT-Bereich aktiv und innovativ unterwegs. So ist der Frauenanteil unter den MINT-Studierenden an den universitären Hochschulen seit 2013/2014 von 36 auf 39,4</span><span> </span><span>Prozent (2022/2023) gestiegen, an den Fachhochschulen von 18 auf 23</span><span> </span><span>Prozent. Auf Doktoratsstufe machen Frauen inzwischen 42</span><span> </span><span>Prozent der MINT-Doktorierenden aus (</span><a href="http://www.bfs.admin.ch"><u><span>www.bfs.admin.ch</span></u></a><span> > Veröffentlichungen > MINT-Fächer an den Hochschulen: Ausgabe 2024). Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) schenkt der Beteiligung von Wissenschaftlerinnen in seinen Förderinstrumenten und bei der Förderung des Nachwuchses in der Wissenschaft besondere Aufmerksamkeit. Er setzt sich für gute Rahmenbedingungen bei seinen Förderinstrumenten ein und unterstützt Massnahmen in den Bereichen Mentoring, Beratung und Netzwerkbildung für Nachwuchswissenschaftlerinnen. An den vom SNF geförderten Projekten betrug der Frauenanteil per Ende 2024 rund 40</span><span> </span><span>Prozent und bei der Projektleitung knapp 34</span><span> </span><span>Prozent.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. Der Bundesrat misst dem BFI-Bereich grosse Bedeutung bei. Angesichts der angespannten Haushaltslage muss die Stabilität der öffentlichen Finanzen garantiert werden. Dies ist auch für die Gewährleistung solider Rahmenbedingungen im BFI-Bereich entscheidend. Die Massnahmen zur Budgetkonsolidierung werden gezielt umgesetzt, um die Effizienz zu steigern und die Qualität des Schweizer BFI-Systems aufrechtzuerhalten. Es gilt zudem zu beachten, dass es den Kantonen bzw. den Hochschulen, z.B. mit höheren Gebühren, möglich ist, die Folgen des Entlastungspaketes 2027 (EP 27) aufzufangen. Die Botschaft zum EP 27 wird voraussichtlich im September 2025 vom Bundesrat zuhanden des Parlaments verabschiedet.</span></p></span>
- <p>Im Mai 2025 hat der Bundesrat einen Bericht zur Nachwuchsförderung und zur Erhöhung des Frauenanteils in technischen und wissenschaftlichen Berufen verabschiedet. Der Bericht stellt fest, dass es bei der Erhöhung des Frauenanteils in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) noch einige Hürden zu überwinden gilt. In diesem Bereich herrscht Fachkräftemangel, und einer der Gründe dafür ist der geringe Frauenanteil. </p><p> </p><p>Im Auftrag des Bundes haben die Akademien der Wissenschaften Schweiz eine Reihe von Empfehlungen zur gezielten Förderung des Frauenanteils in MINT-Ausbildungen erarbeitet.</p><p> </p><p>Eine mögliche Massnahme ist die Entwicklung einer nationalen MINT-Strategie und die Einrichtung eines Kompetenzzentrums zur Koordination relevanter Akteure. </p><p> </p><p>Weiter werden spezifische Initiativen wie Quoten und das sogenannte «Gender Budgeting» empfohlen, d. h. die Zuweisung von Mitteln nach Geschlecht, um die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Mit solchen befristeten, freiwilligen Massnahmen könnte der Frauenmangel behoben werden.</p><p> </p><p>Der Frauenanteil von 15 % in Studiengängen wie Informatik und Ingenieurwesen ist seit Jahren stabil, was beweist, dass wir unsere Bemühungen verstärken sollten. Hinter Italien, Rumänien, Polen und Griechenland bildet die Schweiz in diesem Bereich das Schlusslicht der westlichen Länder.</p><p> </p><p>Auch wenn die kantonalen Institutionen einen Grossteil der Verantwortung für Bildung und Beratung tragen, muss der Bund seinen Beitrag leisten und allen voran bei der Koordination der Partner Impulse geben. </p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p> </p><ul><li>Warum weigert er sich trotz eines dokumentierten Berichts, die Empfehlungen der Fachpersonen zu befolgen, und belässt es bei den bestehenden, unzureichenden Massnahmen?</li><li>Wird der Fachkräftemangel im MINT-Bereich, allen voran der Frauenmangel, nicht mittelfristig dem guten Ruf des Forschungsstandorts Schweiz schaden?</li><li>Werden die Einsparungen, die der Bundesrat in seinem Entlastungspaket vorsieht, dem oft gepriesenen ganzheitlichen Bildungssystem schaden?</li></ul>
- Frauenmangel in der Wissenschaft. Warum zögert der Bundesrat?
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <span><p><span>1. Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung der Erhöhung des Frauenanteils im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Wie er in seinem Bericht vom 14.</span><span> </span><span>Mai 2025 (</span><a href="http://www.sbfi.admin.ch"><u><span>www.sbfi.admin.ch</span></u></a><span> > Bildung > Bildungsraum Schweiz > Transversale und stufenübergreifende Themen > MINT-Förderung) festhält, sieht er derzeit auf Bundesebene keinen Handlungsbedarf in Form neuer Initiativen. Ein Teil der im Rahmen der externen Studie vorgeschlagenen Massnahmen liegt nämlich nicht in der Kompetenz des Bundes. Der Bundesrat lädt daher die Kantone und weiteren Akteure ein, die Ergebnisse des Berichts sowie der externen Studie zu prüfen und bei Bedarf in ihrem eigenen Zuständigkeitsbereich zusätzliche Massnahmen zu ergreifen. </span><br><span>Die Schaffung eines Kompetenzzentrums würde nur einen begrenzten Mehrwert bringen, da die Akademien der Wissenschaften Schweiz im Rahmen des MINT-Mandats bereits seit der BFI-Periode</span><span> </span><span>2013‒2016 zahlreiche Aufgaben zur Koordination der Massnahmen und zur Vernetzung der Akteure erfolgreich wahrnehmen (</span><a href="https://akademien-schweiz.ch/"><u><span>www.akademien-schweiz.ch</span></u></a><span> > Themen und Aufgaben > MINT Schweiz > MINT 2025-2028). Zur Förderung des Nachwuchses und insbesondere zur Erhöhung des Frauenanteils im MINT-Bereich bevorzugt der Bund freiwillige Massnahmen anstelle von obligatorischen Quoten oder «Gender Budgeting». Die gezielte Förderung des Nachwuchses, insbesondere von Mädchen und Frauen, bleibt ein übergeordnetes Ziel des Bundes.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. Der Bundesrat teilt die Besorgnis über den Fachkräftemangel in den MINT-Berufen und anerkennt, dass die Untervertretung von Frauen ein ungenügend ausgeschöpftes Potenzial darstellt. Um diesem Problem entgegenzuwirken und dazu beizutragen, dass die Schweiz ein exzellenter Wissenschafts- und Innovationsstandort bleibt, unterstützt der Bund seit vielen Jahren gezielte Massnahmen und Initiativen. Auf Basis des Berufsbildungsgesetzes (Art.</span><span> </span><span>54 und 55 BBG; SR</span><span> </span><em><span>412.10</span></em><span>) fördert der Bund unter anderem die Organisation von regionalen Berufsmessen, Berufsmeisterschaften (SwissSkills) und den Nationalen Zukunftstag. Die Hochschulen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Sie verfügen über Kooperationsnetzwerke und sind bei der Suche nach Talenten spezifisch im MINT-Bereich aktiv und innovativ unterwegs. So ist der Frauenanteil unter den MINT-Studierenden an den universitären Hochschulen seit 2013/2014 von 36 auf 39,4</span><span> </span><span>Prozent (2022/2023) gestiegen, an den Fachhochschulen von 18 auf 23</span><span> </span><span>Prozent. Auf Doktoratsstufe machen Frauen inzwischen 42</span><span> </span><span>Prozent der MINT-Doktorierenden aus (</span><a href="http://www.bfs.admin.ch"><u><span>www.bfs.admin.ch</span></u></a><span> > Veröffentlichungen > MINT-Fächer an den Hochschulen: Ausgabe 2024). Der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SNF) schenkt der Beteiligung von Wissenschaftlerinnen in seinen Förderinstrumenten und bei der Förderung des Nachwuchses in der Wissenschaft besondere Aufmerksamkeit. Er setzt sich für gute Rahmenbedingungen bei seinen Förderinstrumenten ein und unterstützt Massnahmen in den Bereichen Mentoring, Beratung und Netzwerkbildung für Nachwuchswissenschaftlerinnen. An den vom SNF geförderten Projekten betrug der Frauenanteil per Ende 2024 rund 40</span><span> </span><span>Prozent und bei der Projektleitung knapp 34</span><span> </span><span>Prozent.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. Der Bundesrat misst dem BFI-Bereich grosse Bedeutung bei. Angesichts der angespannten Haushaltslage muss die Stabilität der öffentlichen Finanzen garantiert werden. Dies ist auch für die Gewährleistung solider Rahmenbedingungen im BFI-Bereich entscheidend. Die Massnahmen zur Budgetkonsolidierung werden gezielt umgesetzt, um die Effizienz zu steigern und die Qualität des Schweizer BFI-Systems aufrechtzuerhalten. Es gilt zudem zu beachten, dass es den Kantonen bzw. den Hochschulen, z.B. mit höheren Gebühren, möglich ist, die Folgen des Entlastungspaketes 2027 (EP 27) aufzufangen. Die Botschaft zum EP 27 wird voraussichtlich im September 2025 vom Bundesrat zuhanden des Parlaments verabschiedet.</span></p></span>
- <p>Im Mai 2025 hat der Bundesrat einen Bericht zur Nachwuchsförderung und zur Erhöhung des Frauenanteils in technischen und wissenschaftlichen Berufen verabschiedet. Der Bericht stellt fest, dass es bei der Erhöhung des Frauenanteils in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) noch einige Hürden zu überwinden gilt. In diesem Bereich herrscht Fachkräftemangel, und einer der Gründe dafür ist der geringe Frauenanteil. </p><p> </p><p>Im Auftrag des Bundes haben die Akademien der Wissenschaften Schweiz eine Reihe von Empfehlungen zur gezielten Förderung des Frauenanteils in MINT-Ausbildungen erarbeitet.</p><p> </p><p>Eine mögliche Massnahme ist die Entwicklung einer nationalen MINT-Strategie und die Einrichtung eines Kompetenzzentrums zur Koordination relevanter Akteure. </p><p> </p><p>Weiter werden spezifische Initiativen wie Quoten und das sogenannte «Gender Budgeting» empfohlen, d. h. die Zuweisung von Mitteln nach Geschlecht, um die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Mit solchen befristeten, freiwilligen Massnahmen könnte der Frauenmangel behoben werden.</p><p> </p><p>Der Frauenanteil von 15 % in Studiengängen wie Informatik und Ingenieurwesen ist seit Jahren stabil, was beweist, dass wir unsere Bemühungen verstärken sollten. Hinter Italien, Rumänien, Polen und Griechenland bildet die Schweiz in diesem Bereich das Schlusslicht der westlichen Länder.</p><p> </p><p>Auch wenn die kantonalen Institutionen einen Grossteil der Verantwortung für Bildung und Beratung tragen, muss der Bund seinen Beitrag leisten und allen voran bei der Koordination der Partner Impulse geben. </p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p> </p><ul><li>Warum weigert er sich trotz eines dokumentierten Berichts, die Empfehlungen der Fachpersonen zu befolgen, und belässt es bei den bestehenden, unzureichenden Massnahmen?</li><li>Wird der Fachkräftemangel im MINT-Bereich, allen voran der Frauenmangel, nicht mittelfristig dem guten Ruf des Forschungsstandorts Schweiz schaden?</li><li>Werden die Einsparungen, die der Bundesrat in seinem Entlastungspaket vorsieht, dem oft gepriesenen ganzheitlichen Bildungssystem schaden?</li></ul>
- Frauenmangel in der Wissenschaft. Warum zögert der Bundesrat?
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