Synthetische Opioide und Fentanyl. Ist die Schweiz vorbereitet?

ShortId
25.3920
Id
20253920
Updated
14.11.2025 02:42
Language
de
Title
Synthetische Opioide und Fentanyl. Ist die Schweiz vorbereitet?
AdditionalIndexing
2841;09
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Der Konsum von Opioiden stellt für die Behörden in den USA und Kanada eine immer grössere Herausforderung dar: Tausende Opfer und eine Überbelastung des Gesundheits- und Sozialwesens sind die Folge. Das Problem wird insbesondere durch Fentanyl beschleunigt, eine Substanz, die fünfzigmal stärker ist als Heroin und für über 75% aller konsumbedingten Todesfälle in den USA verantwortlich ist. Auch in Europa wird diese Droge unterdessen öfters vorgefunden. Die EU verschärft das Monitoring durch die EU-Drogen Agentur (EUDA) und initiiert Massnahmen zur Schadensminderung, wie der Bereitstellung des Notfallmedikamentes Naloxon, welches bei einer Fentanyl Überdosis angewendet wird.</p><p>&nbsp;</p><p>In der Schweiz ist der Konsum von hochpotenten, synthetischen Opioiden aktuell noch auf tiefem Niveau stabil, es besteht jedoch das Risiko eines erhöhten Aufkommens und Konsums von Opioiden aus illegalen Quellen. Ein Monitoring der Situation fehlt. Mit diesem Postulat ist zu prüfen, wie ein Frühwarnsystem mit Daten aus Drug Checkins, Polizei, Gesundheitseinrichtungen und Kantonen oder andere Systeme zur Früherkennung aussehen könnte. Zudem ist zu prüfen, ob die bestehenden Massnahmen zur Suchttherapie, Schadensminderung und zur Angebotskontrolle auch für synthetische Opioide ausreichend vorhanden sind (Konsumräume, drug checkings, niederschwellige Wohnangebote, aufsuchende Suchtarbeit etc.) und ob der Zugang zum Notfallmedikament Naloxon, welches seit Juni 2025 in der Schweiz zugelassen ist, gewährleistet werden kann (Verfügbarkeit, Vorräte, niederschwelligem Zugang (off the counter), Kostenübernahme durch Krankenkasse, Information für Fachpersonen und Betroffene zum Umgang mit Überdosierungen).&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Der Fokus der Drogenpolitik liegt aktuell primär auf der Regelung von Cannabis. Diese soll hiermit mit einer Strategie zur Vorbereitung auf eine potenzielle Fentanylwelle ergänzt werden. Der Bundesrat wird gebeten, das Risiko von Fentanyl und anderen synthetischen Opioiden zu prüfen und Bericht zu erstatten, welche spezifischen Massnahmen zu diesem Zeitpunkt&nbsp;sinnvoll und geeignet sind.&nbsp;</p>
  • <span><p><span>Der Bundesrat ist sich der gesundheitlichen und sozialen Schäden bewusst, die durch die Opioidkrise in den USA und Kanada verursacht werden. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Vier-Säulen-Politik bestehend aus Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression geeignet ist, um dem missbräuchlichen Konsum von synthetischen Opioiden zu begegnen. Gemäss Betäubungsmittelgesetz (BetmG; SR 812.121) liegt die Zuständigkeit für Massnahmen in den vier Bereichen primär bei den Kantonen. Um einer Zunahme des Konsums von synthetischen Opioiden entgegenwirken zu können, haben einige Städte und Kantone bereits Vorbereitungen getroffen. Der Bund steht mit ihnen in engem Austausch und unterstützt sie dabei (z.B. im Bereich der Lagebeobachtung). Im Mai 2025 hat der Bund einen runden Tisch zu Kokain und Opioiden organisiert, an dem sich Städte, Kantone und Fachverbände über die jüngsten Entwicklungen und Lösungsansätze austauschten.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Auch wenn die Situation in der Schweiz nicht mit der in Nordamerika vergleichbar ist, kann eine schnelle Veränderung der Lage nicht ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dazu Massnahmen eingeleitet, um sich auf eine mögliche Verschärfung der Lage im Bereich der hochpotenten synthetischen Opioide wie Fentanyl-Derivate vorzubereiten. Zu diesen Vorbereitungen gehören unter anderem die Lagebeobachtung und Lageeinschätzung (z.B. durch Analyse von Informationen aus nationalem Referenzlabor BetmG, Drug Checking Angeboten, Kontakt- und Anlaufstellen). Abwassermonitoring kann auch eine wichtige Rolle spielen. Die Methodik wurde in einem vierjährigen Pilotprojekt erfolgreich getestet und die Weiterführung wird angestrebt.</span><span> </span><span>Auf den bestehenden Monitorings und Austauschgefässen kann aufgebaut werden. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Im Bereich der Krisenprävention stehen Massnahmen im Vordergrund, die darauf abzielen, die Auswirkungen einer starken Verbreitung synthetischer Opioide abzufedern (beispielsweise durch Schadensminderung). Für eine Phase der Krisenbewältigung ist unter anderem die Gründung einer Taskforce bestehend aus Bund, Kantonen, Städten und Fachorganisationen vorgesehen, welche Massnahmen prüft, die rasch an die konkrete Situation angepasst werden können. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Mit diesen Vorkehrungen kann eine problematische Entwicklung in der Schweiz frühzeitig erkannt, und im Krisenfall angemessen und schnell darauf reagiert werden. Da die laufenden Arbeiten die Anliegen des Postulats bereits aufgreifen, erachtet der Bundesrat einen zusätzlichen Bericht als nicht erforderlich.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, zu untersuchen und Bericht zu erstatten, wie ein System zur Früherkennung von synthetischen Opioiden und insbesondere Fentanyl in der Schweiz aussehen könnte, und ob weiterer Handlungsbedarf in den Bereichen Suchttherapie, Schadensminderung, Angebotskontrolle und Wissenstransfer besteht.</p>
  • Synthetische Opioide und Fentanyl. Ist die Schweiz vorbereitet?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Der Konsum von Opioiden stellt für die Behörden in den USA und Kanada eine immer grössere Herausforderung dar: Tausende Opfer und eine Überbelastung des Gesundheits- und Sozialwesens sind die Folge. Das Problem wird insbesondere durch Fentanyl beschleunigt, eine Substanz, die fünfzigmal stärker ist als Heroin und für über 75% aller konsumbedingten Todesfälle in den USA verantwortlich ist. Auch in Europa wird diese Droge unterdessen öfters vorgefunden. Die EU verschärft das Monitoring durch die EU-Drogen Agentur (EUDA) und initiiert Massnahmen zur Schadensminderung, wie der Bereitstellung des Notfallmedikamentes Naloxon, welches bei einer Fentanyl Überdosis angewendet wird.</p><p>&nbsp;</p><p>In der Schweiz ist der Konsum von hochpotenten, synthetischen Opioiden aktuell noch auf tiefem Niveau stabil, es besteht jedoch das Risiko eines erhöhten Aufkommens und Konsums von Opioiden aus illegalen Quellen. Ein Monitoring der Situation fehlt. Mit diesem Postulat ist zu prüfen, wie ein Frühwarnsystem mit Daten aus Drug Checkins, Polizei, Gesundheitseinrichtungen und Kantonen oder andere Systeme zur Früherkennung aussehen könnte. Zudem ist zu prüfen, ob die bestehenden Massnahmen zur Suchttherapie, Schadensminderung und zur Angebotskontrolle auch für synthetische Opioide ausreichend vorhanden sind (Konsumräume, drug checkings, niederschwellige Wohnangebote, aufsuchende Suchtarbeit etc.) und ob der Zugang zum Notfallmedikament Naloxon, welches seit Juni 2025 in der Schweiz zugelassen ist, gewährleistet werden kann (Verfügbarkeit, Vorräte, niederschwelligem Zugang (off the counter), Kostenübernahme durch Krankenkasse, Information für Fachpersonen und Betroffene zum Umgang mit Überdosierungen).&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Der Fokus der Drogenpolitik liegt aktuell primär auf der Regelung von Cannabis. Diese soll hiermit mit einer Strategie zur Vorbereitung auf eine potenzielle Fentanylwelle ergänzt werden. Der Bundesrat wird gebeten, das Risiko von Fentanyl und anderen synthetischen Opioiden zu prüfen und Bericht zu erstatten, welche spezifischen Massnahmen zu diesem Zeitpunkt&nbsp;sinnvoll und geeignet sind.&nbsp;</p>
    • <span><p><span>Der Bundesrat ist sich der gesundheitlichen und sozialen Schäden bewusst, die durch die Opioidkrise in den USA und Kanada verursacht werden. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Vier-Säulen-Politik bestehend aus Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression geeignet ist, um dem missbräuchlichen Konsum von synthetischen Opioiden zu begegnen. Gemäss Betäubungsmittelgesetz (BetmG; SR 812.121) liegt die Zuständigkeit für Massnahmen in den vier Bereichen primär bei den Kantonen. Um einer Zunahme des Konsums von synthetischen Opioiden entgegenwirken zu können, haben einige Städte und Kantone bereits Vorbereitungen getroffen. Der Bund steht mit ihnen in engem Austausch und unterstützt sie dabei (z.B. im Bereich der Lagebeobachtung). Im Mai 2025 hat der Bund einen runden Tisch zu Kokain und Opioiden organisiert, an dem sich Städte, Kantone und Fachverbände über die jüngsten Entwicklungen und Lösungsansätze austauschten.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Auch wenn die Situation in der Schweiz nicht mit der in Nordamerika vergleichbar ist, kann eine schnelle Veränderung der Lage nicht ausgeschlossen werden. Aus diesem Grund hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dazu Massnahmen eingeleitet, um sich auf eine mögliche Verschärfung der Lage im Bereich der hochpotenten synthetischen Opioide wie Fentanyl-Derivate vorzubereiten. Zu diesen Vorbereitungen gehören unter anderem die Lagebeobachtung und Lageeinschätzung (z.B. durch Analyse von Informationen aus nationalem Referenzlabor BetmG, Drug Checking Angeboten, Kontakt- und Anlaufstellen). Abwassermonitoring kann auch eine wichtige Rolle spielen. Die Methodik wurde in einem vierjährigen Pilotprojekt erfolgreich getestet und die Weiterführung wird angestrebt.</span><span> </span><span>Auf den bestehenden Monitorings und Austauschgefässen kann aufgebaut werden. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Im Bereich der Krisenprävention stehen Massnahmen im Vordergrund, die darauf abzielen, die Auswirkungen einer starken Verbreitung synthetischer Opioide abzufedern (beispielsweise durch Schadensminderung). Für eine Phase der Krisenbewältigung ist unter anderem die Gründung einer Taskforce bestehend aus Bund, Kantonen, Städten und Fachorganisationen vorgesehen, welche Massnahmen prüft, die rasch an die konkrete Situation angepasst werden können. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Mit diesen Vorkehrungen kann eine problematische Entwicklung in der Schweiz frühzeitig erkannt, und im Krisenfall angemessen und schnell darauf reagiert werden. Da die laufenden Arbeiten die Anliegen des Postulats bereits aufgreifen, erachtet der Bundesrat einen zusätzlichen Bericht als nicht erforderlich.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, zu untersuchen und Bericht zu erstatten, wie ein System zur Früherkennung von synthetischen Opioiden und insbesondere Fentanyl in der Schweiz aussehen könnte, und ob weiterer Handlungsbedarf in den Bereichen Suchttherapie, Schadensminderung, Angebotskontrolle und Wissenstransfer besteht.</p>
    • Synthetische Opioide und Fentanyl. Ist die Schweiz vorbereitet?

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