Einbezug urbaner Hitzeinseln in die Naturgefahrenkarte des Bundes
- ShortId
-
25.3933
- Id
-
20253933
- Updated
-
14.11.2025 02:36
- Language
-
de
- Title
-
Einbezug urbaner Hitzeinseln in die Naturgefahrenkarte des Bundes
- AdditionalIndexing
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52;2841;2846
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Klimaerhitzung birgt immer mehr Risiken für die Menschen und die Natur. Der Bericht «Klima-Risikoanalyse für die Schweiz» des Bundesamts für Umwelt (BAFU) hat diese Risiken kürzlich erneut bewertet und schätzt ihre Entwicklung bis zum Jahr 2060 ein. Die zunehmende Hitzebelastung stellt weiterhin das grösste Risiko dar.<br>In Städten und Agglomerationen entstehen durch Bodenversiegelung, dichte Bebauung und fehlende Durchgrünung sogenannte urbane Hitzeinseln, in denen die Temperaturen im Vergleich zum Umland deutlich höher liegen – tagsüber und insbesondere auch nachts.</p><p>Diese Hitzebelastung stellt eine zunehmende Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. Sie führt zu einer erhöhten Sterblichkeit, insbesondere bei älteren Menschen, Kleinkindern und Personen mit Vorerkrankungen. Zudem beeinträchtigt sie die Leistungsfähigkeit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität grosser Bevölkerungsgruppen und kann bestehende soziale Ungleichheiten verschärfen.</p><p>Trotz dieser wissenschaftlich belegten Risiken werden Hitzeinseln bislang nicht systematisch als Naturgefahr in den offiziellen Naturgefahrenkarten berücksichtigt. Dabei sind diese Karten ein zentrales Instrument für Raumplanung, Katastrophenvorsorge und bauliche Schutzmassnahmen. Ein Einbezug urbaner Hitzeinseln ist daher zwingend notwendig, um gezielt Anpassungsstrategien umzusetzen – etwa durch Begrünung, Entsiegelung, stadtklimatische Korridore, hitzebeständige Bauweisen oder die gezielte Steuerung der Bauzonennutzung.</p><p>Die Massnahme steht im Einklang mit den Zielen der nationalen Anpassungsstrategie an den Klimawandel sowie der Klimastrategie 2050 des Bundes. Der Bund soll hier eine koordinierende Rolle übernehmen und sicherstellen, dass künftig auch die Hitzebelastung raumbezogen sichtbar gemacht und in der Planung berücksichtigt werden kann.</p>
- <span><p><span>Die gesundheitlichen Auswirkungen der zunehmenden Hitzebelastung werden in der Klima-Risikoanalyse des Bundesamts für Umwelt (BAFU) als grösstes Risiko des Klimawandels in der Schweiz eingestuft. Besonders betroffen sind städtische Gebiete, in denen die Sommerhitze durch den Hitzeinseleffekt verstärkt wird. Eine gesamtschweizerische, einheitliche Grundlage im Bereich «Hitze» müsste mittels eines Ausbaues des von MeteoSchweiz aufwändig betriebenen Monitoring- und Vorhersagesystems für Hitze entwickelt werden.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Kantone sind heute verpflichtet, Gefahrenkarten für gravitative Naturgefahren gemäss Bundesgesetz über den Wasserbau (SR 721.100) und Waldgesetz (SR 921.0) zu erstellen, da diese Naturgefahren lokal und mit unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit auftreten. Hingegen wäre es sachfremd, die Kantone zu verpflichten, urbane Hitzeinseln in die Gefahrenkarten aufzunehmen. Im Weiteren sind zur Reduktion und Anpassung an Hitzeinseln andere Instrumente und Strategien, beispielsweise in den Bereichen Siedlungsgestaltung, Gesundheitsschutz, Klimaanalysen und Warnsysteme, ebenfalls zielführend. </span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Kantone erarbeiten bereits die erforderlichen Grundlagen zum Umgang mit urbanen Hitzeinseln. Heute verfügen 15 Kantone über Klimaanalysekarten, Planhinweiskarten und/oder Klimaszenarienkarten. Diese «Klimakarten» decken einen Grossteil der tief gelegenen Siedlungsgebiete ab. Sie dienen den Städten und Gemeinden als Grundlage, um Hitzeinseln heute und im zukünftigen Klima zu identifizieren und sie in der Planung zu berücksichtigen. Zudem haben bereits einige Städte und Agglomerationen eigene Klimakarten entwickelt.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Seit 2025 unterstützt der Bund die Kantone und Gemeinden mit dem neuen Förderprogramm Adapt+ bei der Umsetzung konkreter Anpassungsmassnahmen. Im Rahmen von Adapt+ können auch Finanzhilfen für das Erstellen von Klimakarten gewährt werden.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die notwendigen rechtlichen, konzeptionellen und technischen Grundlagen zu schaffen, damit urbane Hitzeinseln als relevante klimabedingte Gefährdung in die Naturgefahrenkarte des Bundes aufgenommen werden können. Ziel ist es, eine gesamtschweizerisch einheitliche Grundlage für raumplanerische, gesundheitliche und präventive Massnahmen zur Hitzeminderung und -anpassung zu schaffen.</p>
- Einbezug urbaner Hitzeinseln in die Naturgefahrenkarte des Bundes
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
-
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die Klimaerhitzung birgt immer mehr Risiken für die Menschen und die Natur. Der Bericht «Klima-Risikoanalyse für die Schweiz» des Bundesamts für Umwelt (BAFU) hat diese Risiken kürzlich erneut bewertet und schätzt ihre Entwicklung bis zum Jahr 2060 ein. Die zunehmende Hitzebelastung stellt weiterhin das grösste Risiko dar.<br>In Städten und Agglomerationen entstehen durch Bodenversiegelung, dichte Bebauung und fehlende Durchgrünung sogenannte urbane Hitzeinseln, in denen die Temperaturen im Vergleich zum Umland deutlich höher liegen – tagsüber und insbesondere auch nachts.</p><p>Diese Hitzebelastung stellt eine zunehmende Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. Sie führt zu einer erhöhten Sterblichkeit, insbesondere bei älteren Menschen, Kleinkindern und Personen mit Vorerkrankungen. Zudem beeinträchtigt sie die Leistungsfähigkeit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität grosser Bevölkerungsgruppen und kann bestehende soziale Ungleichheiten verschärfen.</p><p>Trotz dieser wissenschaftlich belegten Risiken werden Hitzeinseln bislang nicht systematisch als Naturgefahr in den offiziellen Naturgefahrenkarten berücksichtigt. Dabei sind diese Karten ein zentrales Instrument für Raumplanung, Katastrophenvorsorge und bauliche Schutzmassnahmen. Ein Einbezug urbaner Hitzeinseln ist daher zwingend notwendig, um gezielt Anpassungsstrategien umzusetzen – etwa durch Begrünung, Entsiegelung, stadtklimatische Korridore, hitzebeständige Bauweisen oder die gezielte Steuerung der Bauzonennutzung.</p><p>Die Massnahme steht im Einklang mit den Zielen der nationalen Anpassungsstrategie an den Klimawandel sowie der Klimastrategie 2050 des Bundes. Der Bund soll hier eine koordinierende Rolle übernehmen und sicherstellen, dass künftig auch die Hitzebelastung raumbezogen sichtbar gemacht und in der Planung berücksichtigt werden kann.</p>
- <span><p><span>Die gesundheitlichen Auswirkungen der zunehmenden Hitzebelastung werden in der Klima-Risikoanalyse des Bundesamts für Umwelt (BAFU) als grösstes Risiko des Klimawandels in der Schweiz eingestuft. Besonders betroffen sind städtische Gebiete, in denen die Sommerhitze durch den Hitzeinseleffekt verstärkt wird. Eine gesamtschweizerische, einheitliche Grundlage im Bereich «Hitze» müsste mittels eines Ausbaues des von MeteoSchweiz aufwändig betriebenen Monitoring- und Vorhersagesystems für Hitze entwickelt werden.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Kantone sind heute verpflichtet, Gefahrenkarten für gravitative Naturgefahren gemäss Bundesgesetz über den Wasserbau (SR 721.100) und Waldgesetz (SR 921.0) zu erstellen, da diese Naturgefahren lokal und mit unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit auftreten. Hingegen wäre es sachfremd, die Kantone zu verpflichten, urbane Hitzeinseln in die Gefahrenkarten aufzunehmen. Im Weiteren sind zur Reduktion und Anpassung an Hitzeinseln andere Instrumente und Strategien, beispielsweise in den Bereichen Siedlungsgestaltung, Gesundheitsschutz, Klimaanalysen und Warnsysteme, ebenfalls zielführend. </span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Kantone erarbeiten bereits die erforderlichen Grundlagen zum Umgang mit urbanen Hitzeinseln. Heute verfügen 15 Kantone über Klimaanalysekarten, Planhinweiskarten und/oder Klimaszenarienkarten. Diese «Klimakarten» decken einen Grossteil der tief gelegenen Siedlungsgebiete ab. Sie dienen den Städten und Gemeinden als Grundlage, um Hitzeinseln heute und im zukünftigen Klima zu identifizieren und sie in der Planung zu berücksichtigen. Zudem haben bereits einige Städte und Agglomerationen eigene Klimakarten entwickelt.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Seit 2025 unterstützt der Bund die Kantone und Gemeinden mit dem neuen Förderprogramm Adapt+ bei der Umsetzung konkreter Anpassungsmassnahmen. Im Rahmen von Adapt+ können auch Finanzhilfen für das Erstellen von Klimakarten gewährt werden.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die notwendigen rechtlichen, konzeptionellen und technischen Grundlagen zu schaffen, damit urbane Hitzeinseln als relevante klimabedingte Gefährdung in die Naturgefahrenkarte des Bundes aufgenommen werden können. Ziel ist es, eine gesamtschweizerisch einheitliche Grundlage für raumplanerische, gesundheitliche und präventive Massnahmen zur Hitzeminderung und -anpassung zu schaffen.</p>
- Einbezug urbaner Hitzeinseln in die Naturgefahrenkarte des Bundes
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