Die Post verlagert ihre IT-Dienstleistungen nach Portugal. Beabsichtigt der Bundesrat, darauf zu reagieren?
- ShortId
-
25.4038
- Id
-
20254038
- Updated
-
16.12.2025 07:31
- Language
-
de
- Title
-
Die Post verlagert ihre IT-Dienstleistungen nach Portugal. Beabsichtigt der Bundesrat, darauf zu reagieren?
- AdditionalIndexing
-
34;15;44;04
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Unter dem Vorwand, sich in der Schweiz wegen eines Mangels an IT-Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt nicht weiterentwickeln zu können, kündigt die Post – die, wie bekannt, im Eigentum des Bundes ist und bereits die portugiesische Konzerngesellschaft Spice-P S.A. gegründet hat – die Verlagerung ihres IT-Bereichs nach Lissabon an, wo 200 IT-Fachkräfte eingestellt werden.</p><p>Tatsächlich hat die Rekrutierung bereits begonnen. Ein Blick auf die Website <a href="https://career-pt.swisspost.ch/en">https://career-pt.swisspost.ch/en</a> zeigt, dass die gesuchten Profile – anders, als man vielleicht erwarten würde – keineswegs hochspezialisiert sind. Gefragt sind vielmehr grundlegende und standardisierte Ausbildungen, wie sie für Einstiegspositionen in der Schweiz üblich sind.</p><p>Noch bedenklicher: Laut dem Bericht des SECO «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt» vom Juli 2025 sind 6038 Personen bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren als arbeitslos registriert – was einem Anstieg von 190 Arbeitssuchenden innerhalb eines Monats und 923 Arbeitssuchenden innerhalb eines Jahres entspricht</p><p><a href="https://cms.news.admin.ch/dam/fr/seco/A6hAJ1fxxqNA/2025-07_Die_Lage_auf_dem_Arbeitsmarkt_FR+%281%29.pdf">(https://cms.news.admin.ch/dam/de/seco/A6hAJ1fxxqNA/2025-07_Die_Lage_auf_dem_Arbeitsmarkt_DE+%281%29.pdf).</a></p><p>Die Post verlagert ihre Geschäftstätigkeit folglich nicht etwa, weil sie im Ausland Kompetenzen sucht, die in der Schweiz nicht vorhanden wären, sondern einzig, um tiefere Löhne zahlen zu können – zulasten des Schweizer Arbeitsmarkts.</p><p>So liegt der Jahreslohn für Junior-Fullstack-Entwicklerinnen und -Entwickler direkt nach der Ausbildung in der Schweiz zwischen 62 500 und 100 000 Schweizerfranken. Für Senior-Entwicklerinnen und -Entwickler mit rund fünf Jahren Berufserfahrung liegt der Jahreslohn zwischen 90 000 und 130 000 Schweizerfranken.</p><p>Löhne in dieser Höhe sind für IT-Fachkräfte in Portugal offensichtlich unrealistisch.</p><p>Um die Strategie der Auslagerung zu kaschieren, bemüht die Post den längst überholten Mythos eines IT-Fachkräftemangels in der Schweiz, obwohl es in Wahrheit einzig darum geht, Lohnkosten zu senken.</p><p>Ein solches Vorgehen ist für ein Unternehmen im Eigentum des Bundes, dessen Arbeitslosenversicherung für erwerbslose IT-Fachkräfte aufkommt, inakzeptabel. Daher ist eine entschlossene Reaktion des Bundesrats gefordert.</p>
- <span><p><span>Der Bundesrat steuert die Schweizerische Post mit der Vorgabe von strategischen Zielen. Dabei erwartet er von der Post eine fortschrittliche und sozialverantwortliche Personalpolitik. Auf das operative Geschäft nimmt er grundsätzlich keinen Einfluss.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Post verfügt seit 2022 über einen IT-Standort in Lissabon. Nach den bisher guten Erfahrungen plant die Post einen schrittweisen Ausbau dieses Auslandstandortes bis Ende 2030, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und zeitgemässe Leistungen anbieten zu können. Laut Post wird dies keine Kündigungen in der Schweiz zur Folge haben. Es soll also keine Verlagerung von Arbeitsplätzen geben. Gemäss den Angaben der Post wird es in der Schweiz aufgrund der natürlichen Fluktuation in den kommenden fünf Jahren zu rund 500 Vakanzen kommen. Davon sollen rund 130 Stellen im Ausland besetzt werden, womit künftig rund 20% der IT-Stellen im Ausland angesiedelt sein werden. Die Schweiz soll aber weiterhin der Hauptstandort für IT-Leistungen bleiben und ein Grossteil der zukünftigen Vakanzen soll weiterhin in der Schweiz rekrutiert werden. Auch hat die Post in den vergangenen Jahren in der Schweiz zusätzliche IT-Stellen aufgebaut. Im Jahr 2024 wurde in Lausanne ein neuer Standort eröffnet, um insbesondere Talente aus der Westschweiz zu gewinnen. Im Übrigen kann erwähnt werden, dass rund 80% der Auszubildenden im IT-Bereich nach erfolgreichem Lehrabschluss von der Post weiterbeschäftigt werden.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Aufbau von IT-Stellen im Ausland ist mit den strategischen Zielen der Post vereinbar, weil er dazu dient, IT-Talente auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu rekrutieren und die Geschäftstätigkeit in der Schweiz zu unterstützen resp. die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Unternehmens zu sichern. Eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit der Post in Bezug auf den Aufbau von Stellen im Ausland könnte die Konkurrenzfähigkeit in der Schweiz beeinträchtigen. Der Bundesrat sieht damit keine Notwendigkeit für eine Anpassung der strategischen Ziele.</span></p></span>
- <p>Zur Auslagerung der IT-Dienstleistungen der Post in ihre portugiesische Konzerngesellschaft SPICE-P S.A., den sogenannten «IT-Campus» in Lissabon, gibt die Post vor, dazu gezwungen zu sein, weil in der Schweiz keine IT-Fachkräfte zu finden seien. Dies ist jedoch nur ein Vorwand – wenn nicht sogar eine grobe Unwahrheit, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bestätigen kann. Beabsichtigt der Bundesrat, tatenlos hinzunehmen, dass Arbeitssuchende in diesem Bereich in der Schweiz von einem öffentlich-rechtlichen Unternehmen, das sich im Eigentum des Bundes befindet, ignoriert werden?</p>
- Die Post verlagert ihre IT-Dienstleistungen nach Portugal. Beabsichtigt der Bundesrat, darauf zu reagieren?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Unter dem Vorwand, sich in der Schweiz wegen eines Mangels an IT-Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt nicht weiterentwickeln zu können, kündigt die Post – die, wie bekannt, im Eigentum des Bundes ist und bereits die portugiesische Konzerngesellschaft Spice-P S.A. gegründet hat – die Verlagerung ihres IT-Bereichs nach Lissabon an, wo 200 IT-Fachkräfte eingestellt werden.</p><p>Tatsächlich hat die Rekrutierung bereits begonnen. Ein Blick auf die Website <a href="https://career-pt.swisspost.ch/en">https://career-pt.swisspost.ch/en</a> zeigt, dass die gesuchten Profile – anders, als man vielleicht erwarten würde – keineswegs hochspezialisiert sind. Gefragt sind vielmehr grundlegende und standardisierte Ausbildungen, wie sie für Einstiegspositionen in der Schweiz üblich sind.</p><p>Noch bedenklicher: Laut dem Bericht des SECO «Die Lage auf dem Arbeitsmarkt» vom Juli 2025 sind 6038 Personen bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren als arbeitslos registriert – was einem Anstieg von 190 Arbeitssuchenden innerhalb eines Monats und 923 Arbeitssuchenden innerhalb eines Jahres entspricht</p><p><a href="https://cms.news.admin.ch/dam/fr/seco/A6hAJ1fxxqNA/2025-07_Die_Lage_auf_dem_Arbeitsmarkt_FR+%281%29.pdf">(https://cms.news.admin.ch/dam/de/seco/A6hAJ1fxxqNA/2025-07_Die_Lage_auf_dem_Arbeitsmarkt_DE+%281%29.pdf).</a></p><p>Die Post verlagert ihre Geschäftstätigkeit folglich nicht etwa, weil sie im Ausland Kompetenzen sucht, die in der Schweiz nicht vorhanden wären, sondern einzig, um tiefere Löhne zahlen zu können – zulasten des Schweizer Arbeitsmarkts.</p><p>So liegt der Jahreslohn für Junior-Fullstack-Entwicklerinnen und -Entwickler direkt nach der Ausbildung in der Schweiz zwischen 62 500 und 100 000 Schweizerfranken. Für Senior-Entwicklerinnen und -Entwickler mit rund fünf Jahren Berufserfahrung liegt der Jahreslohn zwischen 90 000 und 130 000 Schweizerfranken.</p><p>Löhne in dieser Höhe sind für IT-Fachkräfte in Portugal offensichtlich unrealistisch.</p><p>Um die Strategie der Auslagerung zu kaschieren, bemüht die Post den längst überholten Mythos eines IT-Fachkräftemangels in der Schweiz, obwohl es in Wahrheit einzig darum geht, Lohnkosten zu senken.</p><p>Ein solches Vorgehen ist für ein Unternehmen im Eigentum des Bundes, dessen Arbeitslosenversicherung für erwerbslose IT-Fachkräfte aufkommt, inakzeptabel. Daher ist eine entschlossene Reaktion des Bundesrats gefordert.</p>
- <span><p><span>Der Bundesrat steuert die Schweizerische Post mit der Vorgabe von strategischen Zielen. Dabei erwartet er von der Post eine fortschrittliche und sozialverantwortliche Personalpolitik. Auf das operative Geschäft nimmt er grundsätzlich keinen Einfluss.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Post verfügt seit 2022 über einen IT-Standort in Lissabon. Nach den bisher guten Erfahrungen plant die Post einen schrittweisen Ausbau dieses Auslandstandortes bis Ende 2030, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und zeitgemässe Leistungen anbieten zu können. Laut Post wird dies keine Kündigungen in der Schweiz zur Folge haben. Es soll also keine Verlagerung von Arbeitsplätzen geben. Gemäss den Angaben der Post wird es in der Schweiz aufgrund der natürlichen Fluktuation in den kommenden fünf Jahren zu rund 500 Vakanzen kommen. Davon sollen rund 130 Stellen im Ausland besetzt werden, womit künftig rund 20% der IT-Stellen im Ausland angesiedelt sein werden. Die Schweiz soll aber weiterhin der Hauptstandort für IT-Leistungen bleiben und ein Grossteil der zukünftigen Vakanzen soll weiterhin in der Schweiz rekrutiert werden. Auch hat die Post in den vergangenen Jahren in der Schweiz zusätzliche IT-Stellen aufgebaut. Im Jahr 2024 wurde in Lausanne ein neuer Standort eröffnet, um insbesondere Talente aus der Westschweiz zu gewinnen. Im Übrigen kann erwähnt werden, dass rund 80% der Auszubildenden im IT-Bereich nach erfolgreichem Lehrabschluss von der Post weiterbeschäftigt werden.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Aufbau von IT-Stellen im Ausland ist mit den strategischen Zielen der Post vereinbar, weil er dazu dient, IT-Talente auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu rekrutieren und die Geschäftstätigkeit in der Schweiz zu unterstützen resp. die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Unternehmens zu sichern. Eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit der Post in Bezug auf den Aufbau von Stellen im Ausland könnte die Konkurrenzfähigkeit in der Schweiz beeinträchtigen. Der Bundesrat sieht damit keine Notwendigkeit für eine Anpassung der strategischen Ziele.</span></p></span>
- <p>Zur Auslagerung der IT-Dienstleistungen der Post in ihre portugiesische Konzerngesellschaft SPICE-P S.A., den sogenannten «IT-Campus» in Lissabon, gibt die Post vor, dazu gezwungen zu sein, weil in der Schweiz keine IT-Fachkräfte zu finden seien. Dies ist jedoch nur ein Vorwand – wenn nicht sogar eine grobe Unwahrheit, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) bestätigen kann. Beabsichtigt der Bundesrat, tatenlos hinzunehmen, dass Arbeitssuchende in diesem Bereich in der Schweiz von einem öffentlich-rechtlichen Unternehmen, das sich im Eigentum des Bundes befindet, ignoriert werden?</p>
- Die Post verlagert ihre IT-Dienstleistungen nach Portugal. Beabsichtigt der Bundesrat, darauf zu reagieren?
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