Talentstrategie Schweiz. Momentum nutzen!
- ShortId
-
25.4048
- Id
-
20254048
- Updated
-
19.11.2025 16:22
- Language
-
de
- Title
-
Talentstrategie Schweiz. Momentum nutzen!
- AdditionalIndexing
-
15;08;44
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Schweiz investiert seit Jahrzehnten in hochwertige Bildung, Forschung und Innovation und ist im globalen Wettbewerb um Talente stark positioniert. Internationale Entwicklungen eröffnen derzeit ausserordentliche Chancen:</p><p>Politische und regulatorische Veränderungen in wichtigen Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorten – etwa verschärfte Einwanderungsbestimmungen, restriktivere Forschungspolitik oder abnehmende Standortattraktivität – führen dazu, dass Fachkräfte, Forschende, Gründerinnen und Absolventen nach Alternativen mit Stabilität, verlässlicher Finanzierung und guten Lebensbedingungen suchen. In den USA zeigt sich dies besonders deutlich, aber auch in anderen Ländern.</p><p>Die Schweiz erfüllt diese Kriterien und kann ihre Anziehungskraft gezielt erhöhen. Andere Staaten haben durch Talentprogramme, vereinfachte Visa oder Servicestellen bereits stärker vorgelegt. Dieses Zeitfenster darf nicht verpasst werden. Anders als bei Sonderprogrammen oder koordinierter Abwerbung, die der Bundesrat bereits abgelehnt hat, geht es hier nicht um Privilegien für bestimmte Herkunftsländer, sondern um eine faire, international anschlussfähige Talentstrategie.</p><p>Ein „Talent Desk Schweiz“ – als zentrale Anlaufstelle für Forschende, Fachkräfte und Unternehmerinnen – könnte ein Instrument sein, um Hürden abzubauen, Verfahren zu beschleunigen und Standortvorteile sichtbar zu machen. Der Bundesrat soll im beantragten Bericht Optionen und Modelle prüfen, die den Zuzug und die Bindung von Spitzenkräften fördern – und dabei internationale Best Practices berücksichtigen.</p>
- <span><p><span>Der Bundesrat ist sich bewusst, wie wichtig es ist, hochqualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu binden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) zu sichern, insbesondere im aktuellen internationalen Kontext.</span></p><p><span>In seiner Stellungnahme vom 21.</span><span> </span><span>Mai</span><span> </span><span>2025 zur inzwischen abgelehnten Motion</span><span> </span><span>25.3254 Hurni erinnerte der Bundesrat an die Grundsätze der Schweizer BFI-Politik und sprach sich gegen eine koordinierte Abwerbung von Forschenden aus bestimmten Ländern aus. Diese Haltung gilt weiterhin und prägt auch die Überlegungen zum vorliegenden Postulat.</span></p><p><span>Das Schweizer BFI-System zeichnet sich bereits heute durch hohe Exzellenz und einen hervorragenden internationalen Ruf aus. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die bestehenden Instrumente zur Förderung des BFI-Standorts Schweiz nach wie vor geeignet sind, um hochqualifizierte Fachkräfte anzuziehen und langfristig zu binden. Die Schweizer Hochschulen geniessen bei der Rekrutierung nationaler und internationaler Spitzentalente weitgehende Autonomie, was die internationale Mobilität fördert: Laut Bundesamt für Statistik (BFS) besitzen 56% der Doktorierenden und die Hälfte der Dozierenden in der Schweiz keine Schweizer Staatsbürgerschaft. Bei den Postdoktorierenden ist dieser Anteil sogar deutlich höher. Besonders im ETH-Bereich zeigt sich die Attraktivität der Schweiz: An der ETH</span><span> </span><span>Zürich liegt der Ausländeranteil bei den Dozierenden bei 65%, an der ETH</span><span> </span><span>Lausanne sogar bei 70%. Der BFI-Standort Schweiz, der von leistungsstarken Wirtschaftsakteuren und Institutionen getragen wird, verfügt somit über einen offenen, wettbewerbsfähigen und stabilen Rahmen. Die dezentrale Organisation ermöglicht es, gezielt Massnahmen umzusetzen, die sowohl den Marktbedürfnissen als auch regionalen Gegebenheiten gerecht werden. Dabei kommt ein massgeschneiderter, bewährter und fairer Ansatz zur Anwendung, der den internationalen Standards entspricht. Darüber hinaus tragen auch die allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in der Schweiz zur Attraktivität des Standorts bei.</span></p><p><span>Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und Innosuisse spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung der grenzüberschreitenden Forschungs- und Innovationszusammenarbeit. Innosuisse bietet zahlreiche Unterstützungsinstrumente und hat seit dem 1.</span><span> </span><span>Juli</span><span> </span><span>2025 für ein Jahr den Vorsitz des Netzwerks Eureka inne. Der Bund fördert die Fachkräftemobilität und die Internationalisierung des BFI-Bereichs durch verschiedene Programme und insbesondere durch sein Engagement für eine Vollassoziierung der Schweiz an die EU-Programme Horizon</span><span> </span><span>Europe und Erasmus+. Die entsprechende Unterzeichnung des EU-Programmabkommens EUPA konnte Anfang November vorgenommen werden, womit die vorläufige, rückwirkende Assoziierung an Horizon Europe auf den 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist. Schliesslich zieht auch der Status als Gastland des CERN hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland an.</span></p><p><span>Zur Entlastung der Unternehmen hat das Staatssekretariat für Migration SEM im Jahr 2023 administrative Erleichterungen auf Weisungsstufe eingeführt, welche die Verfahren für die Zulassung zum Arbeitsmarkt von gut qualifizierten Erwerbstätigen aus Nicht-EU/EFTA-Staaten in Berufen mit erhöhtem Fachkräftemangel verschlanken. Seit April 2025 unterstehen arbeitsmarktliche Gesuche für Ausländerinnen und Ausländer mit Abschluss einer schweizerischen Hoch- oder Fachhochschule zudem nicht mehr dem zweistufigen Zustimmungsverfahren Kantone – Bund. Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) arbeitet derzeit eine Vorlage aus, um die Zulassungsbedingungen für Drittstaatsangehörige mit einem Abschluss des schweizerischen Hoch- und Fachhochschulbereichs sowie der höheren Berufsbildung zu vereinfachen (Geschäft 20.067). Die Vernehmlassung zur dafür erforderlichen Anpassung des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR </span><em><span>142.20</span></em><span>) dauerte bis zum 2. Juni 2025.</span></p><p><br></p><p><span>Aus diesen Gründen und angesichts der aktuellen Haushaltslage hält es der Bundesrat nicht für angezeigt, die mögliche Schaffung eines «Talent Desk Schweiz» zu prüfen oder diese Fragen vertieft in einem Bericht zu analysieren. Er wird jedoch weiterhin die internationalen Entwicklungen verfolgen und gegebenenfalls die bestehenden Instrumente anpassen, um die Attraktivität der Schweiz für hochqualifizierte Fachkräfte dauerhaft zu gewährleisten.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht darzulegen, wie die Schweiz internationale Mobilität nutzen kann, um Fachkräfte und Forschende für den Standort Schweiz zu gewinnen, zu halten oder zurückzugewinnen.<br>Der Bericht soll insbesondere analysieren:</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Welche internationalen Entwicklungen derzeit zu einer erhöhten Mobilität hochqualifizierter Talente führen.</li><li>Welche Standortvorteile der Schweiz im internationalen Vergleich besonders wirksam eingesetzt werden können.</li><li>Welche organisatorischen oder institutionellen Instrumente (z. B. ein zentraler „Talent Desk Schweiz“) geeignet wären, um den Zugang und die Ansiedlung solcher Talente zu erleichtern.</li><li>Welche Strategien und Modelle andere Länder bereits entwickelt haben (z. B. Singapur, Kanada, Estland, Deutschland, Niederlande) und wie die Schweiz im Vergleich positioniert ist.</li></ul>
- Talentstrategie Schweiz. Momentum nutzen!
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die Schweiz investiert seit Jahrzehnten in hochwertige Bildung, Forschung und Innovation und ist im globalen Wettbewerb um Talente stark positioniert. Internationale Entwicklungen eröffnen derzeit ausserordentliche Chancen:</p><p>Politische und regulatorische Veränderungen in wichtigen Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorten – etwa verschärfte Einwanderungsbestimmungen, restriktivere Forschungspolitik oder abnehmende Standortattraktivität – führen dazu, dass Fachkräfte, Forschende, Gründerinnen und Absolventen nach Alternativen mit Stabilität, verlässlicher Finanzierung und guten Lebensbedingungen suchen. In den USA zeigt sich dies besonders deutlich, aber auch in anderen Ländern.</p><p>Die Schweiz erfüllt diese Kriterien und kann ihre Anziehungskraft gezielt erhöhen. Andere Staaten haben durch Talentprogramme, vereinfachte Visa oder Servicestellen bereits stärker vorgelegt. Dieses Zeitfenster darf nicht verpasst werden. Anders als bei Sonderprogrammen oder koordinierter Abwerbung, die der Bundesrat bereits abgelehnt hat, geht es hier nicht um Privilegien für bestimmte Herkunftsländer, sondern um eine faire, international anschlussfähige Talentstrategie.</p><p>Ein „Talent Desk Schweiz“ – als zentrale Anlaufstelle für Forschende, Fachkräfte und Unternehmerinnen – könnte ein Instrument sein, um Hürden abzubauen, Verfahren zu beschleunigen und Standortvorteile sichtbar zu machen. Der Bundesrat soll im beantragten Bericht Optionen und Modelle prüfen, die den Zuzug und die Bindung von Spitzenkräften fördern – und dabei internationale Best Practices berücksichtigen.</p>
- <span><p><span>Der Bundesrat ist sich bewusst, wie wichtig es ist, hochqualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu binden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) zu sichern, insbesondere im aktuellen internationalen Kontext.</span></p><p><span>In seiner Stellungnahme vom 21.</span><span> </span><span>Mai</span><span> </span><span>2025 zur inzwischen abgelehnten Motion</span><span> </span><span>25.3254 Hurni erinnerte der Bundesrat an die Grundsätze der Schweizer BFI-Politik und sprach sich gegen eine koordinierte Abwerbung von Forschenden aus bestimmten Ländern aus. Diese Haltung gilt weiterhin und prägt auch die Überlegungen zum vorliegenden Postulat.</span></p><p><span>Das Schweizer BFI-System zeichnet sich bereits heute durch hohe Exzellenz und einen hervorragenden internationalen Ruf aus. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die bestehenden Instrumente zur Förderung des BFI-Standorts Schweiz nach wie vor geeignet sind, um hochqualifizierte Fachkräfte anzuziehen und langfristig zu binden. Die Schweizer Hochschulen geniessen bei der Rekrutierung nationaler und internationaler Spitzentalente weitgehende Autonomie, was die internationale Mobilität fördert: Laut Bundesamt für Statistik (BFS) besitzen 56% der Doktorierenden und die Hälfte der Dozierenden in der Schweiz keine Schweizer Staatsbürgerschaft. Bei den Postdoktorierenden ist dieser Anteil sogar deutlich höher. Besonders im ETH-Bereich zeigt sich die Attraktivität der Schweiz: An der ETH</span><span> </span><span>Zürich liegt der Ausländeranteil bei den Dozierenden bei 65%, an der ETH</span><span> </span><span>Lausanne sogar bei 70%. Der BFI-Standort Schweiz, der von leistungsstarken Wirtschaftsakteuren und Institutionen getragen wird, verfügt somit über einen offenen, wettbewerbsfähigen und stabilen Rahmen. Die dezentrale Organisation ermöglicht es, gezielt Massnahmen umzusetzen, die sowohl den Marktbedürfnissen als auch regionalen Gegebenheiten gerecht werden. Dabei kommt ein massgeschneiderter, bewährter und fairer Ansatz zur Anwendung, der den internationalen Standards entspricht. Darüber hinaus tragen auch die allgemeinen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in der Schweiz zur Attraktivität des Standorts bei.</span></p><p><span>Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und Innosuisse spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung der grenzüberschreitenden Forschungs- und Innovationszusammenarbeit. Innosuisse bietet zahlreiche Unterstützungsinstrumente und hat seit dem 1.</span><span> </span><span>Juli</span><span> </span><span>2025 für ein Jahr den Vorsitz des Netzwerks Eureka inne. Der Bund fördert die Fachkräftemobilität und die Internationalisierung des BFI-Bereichs durch verschiedene Programme und insbesondere durch sein Engagement für eine Vollassoziierung der Schweiz an die EU-Programme Horizon</span><span> </span><span>Europe und Erasmus+. Die entsprechende Unterzeichnung des EU-Programmabkommens EUPA konnte Anfang November vorgenommen werden, womit die vorläufige, rückwirkende Assoziierung an Horizon Europe auf den 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist. Schliesslich zieht auch der Status als Gastland des CERN hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland an.</span></p><p><span>Zur Entlastung der Unternehmen hat das Staatssekretariat für Migration SEM im Jahr 2023 administrative Erleichterungen auf Weisungsstufe eingeführt, welche die Verfahren für die Zulassung zum Arbeitsmarkt von gut qualifizierten Erwerbstätigen aus Nicht-EU/EFTA-Staaten in Berufen mit erhöhtem Fachkräftemangel verschlanken. Seit April 2025 unterstehen arbeitsmarktliche Gesuche für Ausländerinnen und Ausländer mit Abschluss einer schweizerischen Hoch- oder Fachhochschule zudem nicht mehr dem zweistufigen Zustimmungsverfahren Kantone – Bund. Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) arbeitet derzeit eine Vorlage aus, um die Zulassungsbedingungen für Drittstaatsangehörige mit einem Abschluss des schweizerischen Hoch- und Fachhochschulbereichs sowie der höheren Berufsbildung zu vereinfachen (Geschäft 20.067). Die Vernehmlassung zur dafür erforderlichen Anpassung des Ausländer- und Integrationsgesetzes (AIG, SR </span><em><span>142.20</span></em><span>) dauerte bis zum 2. Juni 2025.</span></p><p><br></p><p><span>Aus diesen Gründen und angesichts der aktuellen Haushaltslage hält es der Bundesrat nicht für angezeigt, die mögliche Schaffung eines «Talent Desk Schweiz» zu prüfen oder diese Fragen vertieft in einem Bericht zu analysieren. Er wird jedoch weiterhin die internationalen Entwicklungen verfolgen und gegebenenfalls die bestehenden Instrumente anpassen, um die Attraktivität der Schweiz für hochqualifizierte Fachkräfte dauerhaft zu gewährleisten.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht darzulegen, wie die Schweiz internationale Mobilität nutzen kann, um Fachkräfte und Forschende für den Standort Schweiz zu gewinnen, zu halten oder zurückzugewinnen.<br>Der Bericht soll insbesondere analysieren:</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Welche internationalen Entwicklungen derzeit zu einer erhöhten Mobilität hochqualifizierter Talente führen.</li><li>Welche Standortvorteile der Schweiz im internationalen Vergleich besonders wirksam eingesetzt werden können.</li><li>Welche organisatorischen oder institutionellen Instrumente (z. B. ein zentraler „Talent Desk Schweiz“) geeignet wären, um den Zugang und die Ansiedlung solcher Talente zu erleichtern.</li><li>Welche Strategien und Modelle andere Länder bereits entwickelt haben (z. B. Singapur, Kanada, Estland, Deutschland, Niederlande) und wie die Schweiz im Vergleich positioniert ist.</li></ul>
- Talentstrategie Schweiz. Momentum nutzen!
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