Swisscom. Offshoring aus Kostengründen statt Fachkräftemangel
- ShortId
-
25.4088
- Id
-
20254088
- Updated
-
19.11.2025 15:13
- Language
-
de
- Title
-
Swisscom. Offshoring aus Kostengründen statt Fachkräftemangel
- AdditionalIndexing
-
44;34;15;04
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Swisscom ist mehrheitlich im Besitz des Bundes und trägt damit eine besondere Verantwortung gegenüber dem Schweizer Arbeitsmarkt und der Gesellschaft. Die aktuelle Entwicklung hin zu systematischem Offshoring aus Kostengründen stellt diese Verantwortung infrage. Es braucht eine politische Debatte darüber, welche Rolle Swisscom künftig spielen soll – als global agierendes Unternehmen oder als verlässliche Arbeitgeberin mit starker Verankerung in der Schweiz.</p>
- <span><p><span>Zu 1: Der Markt für Telekommunikations- und IT-Dienstleistungen in der Schweiz ist durch hohe Dynamik, starken Innovationswettbewerb, Preisdruck und anhaltenden Fachkräftemangel geprägt. Ausländische IT-Dienstleister und internationale Tech-Konzerne setzen Schweizer Telekommunikationsanbieter und IT-Dienstleister zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Viele Schweizer Unternehmen kompensieren den Fachkräftemangel und die Kosten durch Near- und Offshoring von IT-Dienstleistungen. Auch die Swisscom, die nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt wird, verfolgt eine ähnliche Strategie wie andere Unternehmen derselben Branche. Aktuell beschäftigt die Swisscom in der Schweiz rund 16'000 Mitarbeitende, in Riga und Rotterdam rund 600 Mitarbeitende. Die Swisscom geht davon aus, dass dieser Ausbau in den nächsten Jahren weitergehen wird, eine grosse Mehrheit der Arbeitsplätze aber auch langfristig in der Schweiz bleiben wird. Der gesamte Telekommunikations- und ICT-Sektor in der Schweiz umfasst rund 150’000 Vollzeitstellen (Quelle: Beschäftigungsstatistik des Bundesamts für Statistik). Die von Swisscom geplante Auslagerung ist zu gering, um den Schweizer Arbeitsmarkt wesentlich zu beeinflussen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Zu 3: Die Schweiz ist und bleibt der zentrale Standort von Swisscom. Durch den Aufbau der DevOps-Zentren in Rotterdam und Riga kann Swisscom klassisches Outsourcing an Drittanbieter vermeiden und ihre Geschäftstätigkeit in der Schweiz unterstützen. Dadurch werden die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Swisscom gestärkt. </span></p><p><span> </span></p><p><span>Zu 2, 4 und 5: Der Aufbau von Stellen im Ausland ist mit den strategischen Zielen der Swisscom vereinbar, insbesondere, wenn er dazu dient, IT-Talente auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu rekrutieren und die Geschäftstätigkeit in der Schweiz zu unterstützen. Eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit der Swisscom könnte dazu führen, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit nicht mehr konkurrenzfähig wäre. Der Bundesrat sieht daher keine Notwendigkeit für eine Anpassungen der strategischen Ziele.</span></p></span>
- <p>Die Swisscom hat in den letzten Jahren wiederholt Stellen ins Ausland verlagert. In den Interpellationen <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20234441">23.4441</a> und <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20183596">18.3596</a> wurde bereits auf die zunehmenden Offshoring-Projekte hingewiesen, die ursprünglich mit dem Fachkräftemangel begründet wurden. Nun wird aber immer deutlicher, dass die Auslagerungen primär aus Kostengründen erfolgen. </p><p>Während in der Schweiz Stellen abgebaut oder nicht mehr nachbesetzt werden, entstehen neue Arbeitsplätze in Lettland, Holland, Polen, Bulgarien oder Italien. Diese Praxis wirft grundlegende Fragen zur Rolle eines bundesnahen Unternehmens auf, das sich zunehmend von seinem Heimmarkt entfernt. </p><p>Vor dem Hintergrund der strategischen Ziele des Bundesrates für die Swisscom – insbesondere hinsichtlich ihrer Funktion als attraktive Arbeitgeberin und ihrer Verankerung in der Schweiz – stellt sich die Frage, ob diese Ziele noch mit der aktuellen Unternehmenspraxis vereinbar sind.<br> </p><ol><li>Wie beurteilt der Bundesrat die Tatsache, dass Swisscom Arbeitsplätze in der Schweiz abbaut und gleichzeitig im Ausland aufbaut – und welche arbeitsmarktpolitischen Auswirkungen erwartet er daraus?</li><li>Sieht der Bundesrat in dieser Offshoring-Strategie einen Widerspruch zu den personal-, wirtschafts- und sicherheitspolitischen Zielen, die Swisscom als mehrheitlich bundeseigenes Unternehmen in der Schweiz zu erfüllen hat?</li><li>Wie bewertet der Bundesrat die langfristigen Folgen dieser Strategie auf Innovationskraft, Know-how-Erhalt und Standortbindung der Swisscom?</li><li>Welche Rahmenbedingungen und Vorgaben schafft der Bund, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und Swisscom zu einer stärkeren Verankerung in der Schweiz zu verpflichten?</li><li>Ist der Bundesrat bereit, die strategischen Zielvorgaben für Swisscom zu überarbeiten, um Offshoring zu begrenzen und Arbeitsplätze sowie Kompetenzen in der Schweiz zu sichern?</li></ol><p> </p>
- Swisscom. Offshoring aus Kostengründen statt Fachkräftemangel
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Die Swisscom ist mehrheitlich im Besitz des Bundes und trägt damit eine besondere Verantwortung gegenüber dem Schweizer Arbeitsmarkt und der Gesellschaft. Die aktuelle Entwicklung hin zu systematischem Offshoring aus Kostengründen stellt diese Verantwortung infrage. Es braucht eine politische Debatte darüber, welche Rolle Swisscom künftig spielen soll – als global agierendes Unternehmen oder als verlässliche Arbeitgeberin mit starker Verankerung in der Schweiz.</p>
- <span><p><span>Zu 1: Der Markt für Telekommunikations- und IT-Dienstleistungen in der Schweiz ist durch hohe Dynamik, starken Innovationswettbewerb, Preisdruck und anhaltenden Fachkräftemangel geprägt. Ausländische IT-Dienstleister und internationale Tech-Konzerne setzen Schweizer Telekommunikationsanbieter und IT-Dienstleister zunehmend unter Wettbewerbsdruck. Viele Schweizer Unternehmen kompensieren den Fachkräftemangel und die Kosten durch Near- und Offshoring von IT-Dienstleistungen. Auch die Swisscom, die nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt wird, verfolgt eine ähnliche Strategie wie andere Unternehmen derselben Branche. Aktuell beschäftigt die Swisscom in der Schweiz rund 16'000 Mitarbeitende, in Riga und Rotterdam rund 600 Mitarbeitende. Die Swisscom geht davon aus, dass dieser Ausbau in den nächsten Jahren weitergehen wird, eine grosse Mehrheit der Arbeitsplätze aber auch langfristig in der Schweiz bleiben wird. Der gesamte Telekommunikations- und ICT-Sektor in der Schweiz umfasst rund 150’000 Vollzeitstellen (Quelle: Beschäftigungsstatistik des Bundesamts für Statistik). Die von Swisscom geplante Auslagerung ist zu gering, um den Schweizer Arbeitsmarkt wesentlich zu beeinflussen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Zu 3: Die Schweiz ist und bleibt der zentrale Standort von Swisscom. Durch den Aufbau der DevOps-Zentren in Rotterdam und Riga kann Swisscom klassisches Outsourcing an Drittanbieter vermeiden und ihre Geschäftstätigkeit in der Schweiz unterstützen. Dadurch werden die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Swisscom gestärkt. </span></p><p><span> </span></p><p><span>Zu 2, 4 und 5: Der Aufbau von Stellen im Ausland ist mit den strategischen Zielen der Swisscom vereinbar, insbesondere, wenn er dazu dient, IT-Talente auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu rekrutieren und die Geschäftstätigkeit in der Schweiz zu unterstützen. Eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit der Swisscom könnte dazu führen, dass das Unternehmen auf absehbare Zeit nicht mehr konkurrenzfähig wäre. Der Bundesrat sieht daher keine Notwendigkeit für eine Anpassungen der strategischen Ziele.</span></p></span>
- <p>Die Swisscom hat in den letzten Jahren wiederholt Stellen ins Ausland verlagert. In den Interpellationen <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20234441">23.4441</a> und <a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20183596">18.3596</a> wurde bereits auf die zunehmenden Offshoring-Projekte hingewiesen, die ursprünglich mit dem Fachkräftemangel begründet wurden. Nun wird aber immer deutlicher, dass die Auslagerungen primär aus Kostengründen erfolgen. </p><p>Während in der Schweiz Stellen abgebaut oder nicht mehr nachbesetzt werden, entstehen neue Arbeitsplätze in Lettland, Holland, Polen, Bulgarien oder Italien. Diese Praxis wirft grundlegende Fragen zur Rolle eines bundesnahen Unternehmens auf, das sich zunehmend von seinem Heimmarkt entfernt. </p><p>Vor dem Hintergrund der strategischen Ziele des Bundesrates für die Swisscom – insbesondere hinsichtlich ihrer Funktion als attraktive Arbeitgeberin und ihrer Verankerung in der Schweiz – stellt sich die Frage, ob diese Ziele noch mit der aktuellen Unternehmenspraxis vereinbar sind.<br> </p><ol><li>Wie beurteilt der Bundesrat die Tatsache, dass Swisscom Arbeitsplätze in der Schweiz abbaut und gleichzeitig im Ausland aufbaut – und welche arbeitsmarktpolitischen Auswirkungen erwartet er daraus?</li><li>Sieht der Bundesrat in dieser Offshoring-Strategie einen Widerspruch zu den personal-, wirtschafts- und sicherheitspolitischen Zielen, die Swisscom als mehrheitlich bundeseigenes Unternehmen in der Schweiz zu erfüllen hat?</li><li>Wie bewertet der Bundesrat die langfristigen Folgen dieser Strategie auf Innovationskraft, Know-how-Erhalt und Standortbindung der Swisscom?</li><li>Welche Rahmenbedingungen und Vorgaben schafft der Bund, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und Swisscom zu einer stärkeren Verankerung in der Schweiz zu verpflichten?</li><li>Ist der Bundesrat bereit, die strategischen Zielvorgaben für Swisscom zu überarbeiten, um Offshoring zu begrenzen und Arbeitsplätze sowie Kompetenzen in der Schweiz zu sichern?</li></ol><p> </p>
- Swisscom. Offshoring aus Kostengründen statt Fachkräftemangel
Back to List