Welche Unterstützung erhalten unsere Start-ups?

ShortId
25.4115
Id
20254115
Updated
19.12.2025 12:44
Language
de
Title
Welche Unterstützung erhalten unsere Start-ups?
AdditionalIndexing
15;24;04
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>1. Der Bundesrat ist sich der besonderen Situation bewusst, in welcher sich Start-ups und Jungunternehmen insbesondere während der Wachstumsphase befinden können. Zwei Analysen im Auftrag der Bundesverwaltung haben gezeigt, dass ein Innovationsfonds den Reifegrad des Schweizer Risikokapitalmarktes – auch bezüglich Kooperationsmodellen mit privaten Investoren im Sinne der skizzierten «Matching Grants» – erhöhen kann (</span><a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/72184.pdf"><span>Prüfauftrag zur Einführung eines Schweizer Innovationsfonds, IWSB – Institut für Wirtschaftsstudien Basel und Hochschule Luzern, Schlussbericht, April 2022</span></a><span> und </span><a href="https://www.seco.admin.ch/dam/seco/de/dokumente/Standortfoerderung/KMU-Politik/Finanzierung%20der%20KMU/grundlagen_zur_einfuehrung_eines_schweizer_innovationsfonds.pdf.download.pdf/Beilage%2002%20Schlussbericht%20Swiss%20Economics%20SE%20DE%20zu%20AsP%20WBF.pdf"><span>Grundlagen zur Einführung eines Schweizer Innovationsfonds, Swiss Economics SE AG und Universität St. Gallen, März 2022</span></a><span>). </span><span>Dem gegenüber steht der fehlende finanzielle Handlungsspielraum des Bundesrates </span><span>für einen solchen Fonds (siehe unten).</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Dem Prinzip von «Matching Funds» kommt in der Innovationsförderung der Schweiz eine hohe Bedeutung zu und hat sich aus Sicht des Bundesrats bewährt. So unterstützt Innosuisse in ihrer Projektförderung die gemeinsame Durchführung von Innovations</span><span>­</span><span>projekten privater oder öffentlicher Unternehmen oder Organisationen (sog. Umsetzungs</span><span>­</span><span>partner) zusammen mit einem oder mehreren Forschungspartnern. Diese Projektförderung steht – wie alle Förderinstrumente der Innosuisse – auch Start-ups zur Verfügung. Es handelt sich um eine Form von «Matching Grant», da die Umsetzungspartner eine Eigen</span><span>­</span><span>leistung im Umfang von 40-60 Prozent zu erbringen haben, während Innosuisse die Kosten der Forschungspartner finanziert. Um wissenschaftsbasierten Start-ups international konkurrenzfähige Rahmenbedingungen zu bieten und am Standort Schweiz ein nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen, kann Innosuisse seit 2023 zudem direkt Beiträge an die Projekt</span><span>­</span><span>kosten der Start-ups gewähren, wenn ihr Vorhaben zur Vorbereitung des erstmaligen Markteintritts erforderlich ist (Start-up Innovationsprojekte). Innosuisse kann bis zu 70% der Kosten übernehmen, während das Start-up die restlichen mindestens 30% trägt. Mit dem Entlastungspaket 27 schlägt der Bundesrat eine Reduktion des maximalen Beitrags von Innosuisse auf 50% vor.</span><br><span>&nbsp;</span></p><p><span>2./3. In seiner Antwort auf die inzwischen zurückgezogene Motion</span><span>&nbsp;</span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20233845"><u><span>23.3845</span></u></a><span> («Schaffung eines Innovationsfonds») anerkennt der Bundesrat den potenziell positiven Beitrag eines Innovationsfonds zur Stärkung des Start-up-Standorts Schweiz. In der gleichen Antwort hält der Bundesrat fest, dass er angesichts der bereits umgesetzten Massnahmen zugunsten von Start-ups sowie der herausfordernden Finanzperspektiven des Bundeshaushalts für die nächsten Jahre nicht über den erforderlichen Handlungsspielraum verfügt, um einen Innovationsfonds zu schaffen. Die finanzpolitische Sachlage hat sich seither nicht verbessert.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Bundesrat wurde im Rahmen des Postulats </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253427"><u><span>25.3427</span></u></a><span> WBK-S beauftragt zu prüfen, wie die Rahmenbedingungen für verstärkte Investitionen in das Wachstum von Start-ups verbessert werden können. </span><span>Im Hinblick auf den Postulatsbericht wird der Frage nachgegangen, ob weitere Massnahmen angezeigt sind.</span></p></span>
  • <p>Die Investitionen in Start-ups gehen erheblich zurück. Im Jahr&nbsp;2024 sind sie um 15&nbsp;Prozent gesunken, sprich von 2,71 auf 2,3&nbsp;Milliarden Franken.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Diese Entwicklung ist besorgniserregend und hat weitreichende Folgen: die Schwächung unserer Wirtschaftsstruktur, die Abwanderung von Fachkräften und einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit in strategisch wichtigen Branchen. Hinzu kommt, dass zahlreiche sogenannte&nbsp;«Scale-ups»&nbsp;– schnell wachsende Jungunternehmen&nbsp;– ins Ausland abwandern&nbsp;(Übernahme, Börsennotierung), sodass schliesslich andere Volkswirtschaften profitieren.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Ein wirksames Instrument, um dem Investitionsrückgang und der drohenden Abwanderung entgegenzuwirken, scheinen sogenannte&nbsp;«Matching Grants», also eine öffentliche Kofinanzierung, zu sein. Dieses Instrument kompensiert Marktineffizienzen und sichert erfolgreichen Start-ups eine Zukunft in der Schweiz.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Im Rahmen dieses Modells ist die Vergabe von Fördermitteln&nbsp;– insbesondere durch den Bund&nbsp;– an die Bedingung geknüpft, dass das betreffende Start-up zusätzliche Mittel aus unterschiedlichen Finanzierungsquellen einwirbt und für eine bestimmte Zeit in der Schweiz verbleibt. Der Bundesbeitrag würde nur ausbezahlt werden, wenn die erwähnten Voraussetzungen erfüllt sind. Die Einführung besagter&nbsp;«Matching Grants» erfordert die Einrichtung eines&nbsp;«Dachfonds», in dem öffentliche und private Mittel gebündelt werden. Die Auswahl der Projekte obliege dabei den privaten Akteuren.</p><p>&nbsp;</p><p>In Ländern wie Grossbritannien, Südkorea und Singapur wird dieses Förderinstrument bereits sehr erfolgreich verwendet. Die Vorteile sind vielfältig: Es fördert Innovationen, erzeugt einen finanziellen&nbsp;«Schneeballeffekt» und reduziert das Risiko für die Beteiligten. Zudem sichert es der öffentlichen Hand ein strategisches Mitspracherecht.&nbsp;</p><p>Es geht nicht darum, dass der Bund an die Stelle der Privatwirtschaft tritt, sondern dass seine Unterstützung als Sprungbrett für die Entwicklung von Start-ups dienen kann. Dabei handelt es sich um Investitionen und nicht um Ausgaben. Die Beteiligungen des Bundes an den SBB, der Swisscom, der Post, der RUAG und weiteren Unternehmen beliefen sich im Jahr&nbsp;2024 auf über 74,6&nbsp;Milliarden Franken. Im Vergleich dazu wären die paar hundert Millionen, die der Bund für die Finanzierung von&nbsp;«Matching Grants» einsetzen würde, ein überschaubarer und langfristig rentabler Beitrag.</p><p>&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>&nbsp;</p><p>1) Hat der Bundesrat die Vorteile von&nbsp;«Matching Grants» für die Schweiz geprüft?&nbsp;</p><p>2) Unter welchen Bedingungen wäre der Bundesrat bereit, dieses System einzuführen und in einen Dachfonds zu investieren?</p><p>3) Erwägt der Bundesrat andere Lösungen, um unsere Start-ups zu unterstützen?</p><p>&nbsp;</p>
  • Welche Unterstützung erhalten unsere Start-ups?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. Der Bundesrat ist sich der besonderen Situation bewusst, in welcher sich Start-ups und Jungunternehmen insbesondere während der Wachstumsphase befinden können. Zwei Analysen im Auftrag der Bundesverwaltung haben gezeigt, dass ein Innovationsfonds den Reifegrad des Schweizer Risikokapitalmarktes – auch bezüglich Kooperationsmodellen mit privaten Investoren im Sinne der skizzierten «Matching Grants» – erhöhen kann (</span><a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/72184.pdf"><span>Prüfauftrag zur Einführung eines Schweizer Innovationsfonds, IWSB – Institut für Wirtschaftsstudien Basel und Hochschule Luzern, Schlussbericht, April 2022</span></a><span> und </span><a href="https://www.seco.admin.ch/dam/seco/de/dokumente/Standortfoerderung/KMU-Politik/Finanzierung%20der%20KMU/grundlagen_zur_einfuehrung_eines_schweizer_innovationsfonds.pdf.download.pdf/Beilage%2002%20Schlussbericht%20Swiss%20Economics%20SE%20DE%20zu%20AsP%20WBF.pdf"><span>Grundlagen zur Einführung eines Schweizer Innovationsfonds, Swiss Economics SE AG und Universität St. Gallen, März 2022</span></a><span>). </span><span>Dem gegenüber steht der fehlende finanzielle Handlungsspielraum des Bundesrates </span><span>für einen solchen Fonds (siehe unten).</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Dem Prinzip von «Matching Funds» kommt in der Innovationsförderung der Schweiz eine hohe Bedeutung zu und hat sich aus Sicht des Bundesrats bewährt. So unterstützt Innosuisse in ihrer Projektförderung die gemeinsame Durchführung von Innovations</span><span>­</span><span>projekten privater oder öffentlicher Unternehmen oder Organisationen (sog. Umsetzungs</span><span>­</span><span>partner) zusammen mit einem oder mehreren Forschungspartnern. Diese Projektförderung steht – wie alle Förderinstrumente der Innosuisse – auch Start-ups zur Verfügung. Es handelt sich um eine Form von «Matching Grant», da die Umsetzungspartner eine Eigen</span><span>­</span><span>leistung im Umfang von 40-60 Prozent zu erbringen haben, während Innosuisse die Kosten der Forschungspartner finanziert. Um wissenschaftsbasierten Start-ups international konkurrenzfähige Rahmenbedingungen zu bieten und am Standort Schweiz ein nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen, kann Innosuisse seit 2023 zudem direkt Beiträge an die Projekt</span><span>­</span><span>kosten der Start-ups gewähren, wenn ihr Vorhaben zur Vorbereitung des erstmaligen Markteintritts erforderlich ist (Start-up Innovationsprojekte). Innosuisse kann bis zu 70% der Kosten übernehmen, während das Start-up die restlichen mindestens 30% trägt. Mit dem Entlastungspaket 27 schlägt der Bundesrat eine Reduktion des maximalen Beitrags von Innosuisse auf 50% vor.</span><br><span>&nbsp;</span></p><p><span>2./3. In seiner Antwort auf die inzwischen zurückgezogene Motion</span><span>&nbsp;</span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20233845"><u><span>23.3845</span></u></a><span> («Schaffung eines Innovationsfonds») anerkennt der Bundesrat den potenziell positiven Beitrag eines Innovationsfonds zur Stärkung des Start-up-Standorts Schweiz. In der gleichen Antwort hält der Bundesrat fest, dass er angesichts der bereits umgesetzten Massnahmen zugunsten von Start-ups sowie der herausfordernden Finanzperspektiven des Bundeshaushalts für die nächsten Jahre nicht über den erforderlichen Handlungsspielraum verfügt, um einen Innovationsfonds zu schaffen. Die finanzpolitische Sachlage hat sich seither nicht verbessert.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Bundesrat wurde im Rahmen des Postulats </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253427"><u><span>25.3427</span></u></a><span> WBK-S beauftragt zu prüfen, wie die Rahmenbedingungen für verstärkte Investitionen in das Wachstum von Start-ups verbessert werden können. </span><span>Im Hinblick auf den Postulatsbericht wird der Frage nachgegangen, ob weitere Massnahmen angezeigt sind.</span></p></span>
    • <p>Die Investitionen in Start-ups gehen erheblich zurück. Im Jahr&nbsp;2024 sind sie um 15&nbsp;Prozent gesunken, sprich von 2,71 auf 2,3&nbsp;Milliarden Franken.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Diese Entwicklung ist besorgniserregend und hat weitreichende Folgen: die Schwächung unserer Wirtschaftsstruktur, die Abwanderung von Fachkräften und einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit in strategisch wichtigen Branchen. Hinzu kommt, dass zahlreiche sogenannte&nbsp;«Scale-ups»&nbsp;– schnell wachsende Jungunternehmen&nbsp;– ins Ausland abwandern&nbsp;(Übernahme, Börsennotierung), sodass schliesslich andere Volkswirtschaften profitieren.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Ein wirksames Instrument, um dem Investitionsrückgang und der drohenden Abwanderung entgegenzuwirken, scheinen sogenannte&nbsp;«Matching Grants», also eine öffentliche Kofinanzierung, zu sein. Dieses Instrument kompensiert Marktineffizienzen und sichert erfolgreichen Start-ups eine Zukunft in der Schweiz.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Im Rahmen dieses Modells ist die Vergabe von Fördermitteln&nbsp;– insbesondere durch den Bund&nbsp;– an die Bedingung geknüpft, dass das betreffende Start-up zusätzliche Mittel aus unterschiedlichen Finanzierungsquellen einwirbt und für eine bestimmte Zeit in der Schweiz verbleibt. Der Bundesbeitrag würde nur ausbezahlt werden, wenn die erwähnten Voraussetzungen erfüllt sind. Die Einführung besagter&nbsp;«Matching Grants» erfordert die Einrichtung eines&nbsp;«Dachfonds», in dem öffentliche und private Mittel gebündelt werden. Die Auswahl der Projekte obliege dabei den privaten Akteuren.</p><p>&nbsp;</p><p>In Ländern wie Grossbritannien, Südkorea und Singapur wird dieses Förderinstrument bereits sehr erfolgreich verwendet. Die Vorteile sind vielfältig: Es fördert Innovationen, erzeugt einen finanziellen&nbsp;«Schneeballeffekt» und reduziert das Risiko für die Beteiligten. Zudem sichert es der öffentlichen Hand ein strategisches Mitspracherecht.&nbsp;</p><p>Es geht nicht darum, dass der Bund an die Stelle der Privatwirtschaft tritt, sondern dass seine Unterstützung als Sprungbrett für die Entwicklung von Start-ups dienen kann. Dabei handelt es sich um Investitionen und nicht um Ausgaben. Die Beteiligungen des Bundes an den SBB, der Swisscom, der Post, der RUAG und weiteren Unternehmen beliefen sich im Jahr&nbsp;2024 auf über 74,6&nbsp;Milliarden Franken. Im Vergleich dazu wären die paar hundert Millionen, die der Bund für die Finanzierung von&nbsp;«Matching Grants» einsetzen würde, ein überschaubarer und langfristig rentabler Beitrag.</p><p>&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>&nbsp;</p><p>1) Hat der Bundesrat die Vorteile von&nbsp;«Matching Grants» für die Schweiz geprüft?&nbsp;</p><p>2) Unter welchen Bedingungen wäre der Bundesrat bereit, dieses System einzuführen und in einen Dachfonds zu investieren?</p><p>3) Erwägt der Bundesrat andere Lösungen, um unsere Start-ups zu unterstützen?</p><p>&nbsp;</p>
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