Starker Franken. Was macht die Schweizerische Nationalbank?
- ShortId
-
25.4158
- Id
-
20254158
- Updated
-
05.12.2025 09:37
- Language
-
de
- Title
-
Starker Franken. Was macht die Schweizerische Nationalbank?
- AdditionalIndexing
-
15;24
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>(i) Es ist korrekt, dass sich der Franken seit Mitte 2023 real und handelsgewichtet aufgewertet hat. Die Aufwertung des Frankens gegenüber dem US-Dollar im bisherigen Jahr 2025 folgt allerdings auf eine längere Phase, in der der Franken gegenüber dem Dollar real an Wert verloren hatte, und kann gewissermassen als Normalisierung angesehen werden. Im historischen Vergleich kann somit derzeit nicht von einer ausgeprägten Frankenstärke gegenüber dem US-Dollar gesprochen werden. Hinzu kommt, dass sich der Franken gegenüber dem Euro, der für die Schweizer Wirtschaft nach wie vor die wichtigste Handelspartnerwährung darstellt, in den vergangenen Monaten zwar leicht aufgewertet, aber im historischen Vergleich relativ stabil entwickelt hat. Insgesamt ist die derzeitige Wechselkurssituation nicht mit den teilweise sehr grossen Aufwertungsschüben des Frankens in den Jahren ab 2010 zu vergleichen. Dennoch ist die Exportindustrie aktuell gefordert, jüngst insbesondere durch die seit dem 7. August 2025 von den USA erhobenen Zusatzzölle.</p><p> </p><p>(ii) Das Mandat der SNB besteht darin, die Preisstabilität zu gewährleisten. Dabei trägt sie der konjunkturellen Entwicklung Rechnung. Mit der Zinssteuerung sowie bei Bedarf mit Interventionen am Devisenmarkt verfügt die SNB über geeignete geldpolitische Instrumente, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, um im Falle von Deflationsrisiken einem übermässigen Aufwertungsdruck entgegenzuwirken. Ob, wann und in welchem Umfang die SNB am Devisenmarkt interveniert, liegt in ihrem Ermessen. Die SNB ist bei der Wahrnehmung ihrer geldpolitischen Aufgaben unabhängig (Art. 6 Nationalbankgesetz; Art. 99 Abs. 2 Bundesverfassung).</p><p> </p><p>(iii) Der Bundesrat setzt vor allem auf die Ausweitung und Vereinfachung der Kurzarbeitsentschädigung (KAE), um Unternehmen mit vorübergehenden Arbeitsausfällen gezielt zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten. Zudem werden Exportförderungsinstrumente wie die Switzerland Global Enterprise (S-GE) und die Schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV) gestärkt, damit betroffene Unternehmen beim Aufbau neuer Absatzmärkte konkrete Hilfe erhalten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erschliessung und Aktualisierung von Freihandelsabkommen, die den internationalen Marktzugang erleichtern und die Diversifizierung der Exportmärkte fördern. Ergänzend treibt der Bundesrat die Reduktion der administrativen Belastung voran, um Unternehmen finanziell wie organisatorisch zu entlasten und so die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Schweiz zu sichern.</p><p> </p><p>(iv) Ein Mindestkurs kann unter Umständen eine potenziell wirksame Massnahme sein, um einem starken Aufwertungsdruck mit schädlichen Folgen für die Preisstabilität und die Konjunktur temporär entgegenzuwirken und die Aufwertung abzufedern. Die Expertengruppe des Bundes rechnet in ihrer aktuellen Prognose vom 16. Oktober 2025 jedoch nicht mit einem starken Konjunktureinbruch. Für das laufende und für das nächste Jahr prognostiziert sie ein unterdurchschnittliches Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 1,3 %, gefolgt von einer Abschwächung auf 0,9 %.</p>
- <p>Der Export- und Industriestandort der Schweiz leidet unter den hohen US-Zöllen und der damit verbundenen hohen Unsicherheit. Doch bereits vor Trumps Zollhammer haben diverse der betroffenen Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Grund dafür ist unter anderem der starke Franken, der die Exportindustrie seit längerer Zeit stark belastet. </p><p> </p><p>Im bisherigen Jahr 2025 hat sich der Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar um mehr als 7% aufgewertet. Der starke Franken ist für den Schweizer Industriestandort schon seit längerer Zeit ein erhebliches Problem. Besonders betroffen sind namentlich die Metall-, Elektro- und Metallindustrie, die Pharma- und Chemiebranche und die Uhren- und Schmuckindustrie, die ihre Produkte und Dienstleistungen auf dem internationalen Markt verkaufen müssen und deren Wettbewerbsfähigkeit stark beeinträchtigt wird. Aber auch die Hotellerie- und Tourismusbranche leidet darunter. </p><p> </p><p>Die SNB verfügt über geldpolitische Instrumente, um diesen Aufwertungsdruck abzufedern. Damit könnte sie einen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Industrie und zur Erhaltung von Arbeitsplätzen beitragen. Während der Finanzkrise nach 2007 betonte die SNB die Wechselkursstabilität regelmässig als Voraussetzung für Preisstabilität und hat entsprechende Interventionen am Devisenmarkt vorgenommen, um den massiven Aufwertungsdruck zu dämpfen. Sie sprach davon, «exzessive Frankenstärke» verhindern zu wollen, was in der Einführung eines expliziten Mindestkurses CHF/Euro endete. Heute ist die Kommunikation der SNB sehr zurückhaltend, obwohl eine klare Kommunikation als Signal an die Devisenmarktteilnehmer einen stabilisierenden Effekt hätte. </p><p> </p><p>Teilt der Bundesrat die Analyse, dass der starke Franken für die Exportindustrie bereits vor Ankündigung der US-Zölle eine massive Belastung darstellte? </p><p> </p><p>Wie beurteilt er die Wirksamkeit der geldpolitischen Massnahmen der SNB zur Stabilisierung des Wechselkurses?</p><p> </p><p>Welche unterstützenden Massnahmen sieht der Bundesrat, die spezifisch für die betroffenen Branchen wirksam sind, ohne massive Mitnahmeeffekte über die ganze Volkswirtschaft hinweg auszulösen (wie das bei Steuersenkungen der Fall ist)? </p><p> </p><p>Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass die Verteidigung eines impliziten Mindestkurses CHF/USD durch die entsprechende Kommunikation der SNB ein wirksames Instrument zur Stützung der betroffenen Branchen wäre?</p>
- Starker Franken. Was macht die Schweizerische Nationalbank?
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>(i) Es ist korrekt, dass sich der Franken seit Mitte 2023 real und handelsgewichtet aufgewertet hat. Die Aufwertung des Frankens gegenüber dem US-Dollar im bisherigen Jahr 2025 folgt allerdings auf eine längere Phase, in der der Franken gegenüber dem Dollar real an Wert verloren hatte, und kann gewissermassen als Normalisierung angesehen werden. Im historischen Vergleich kann somit derzeit nicht von einer ausgeprägten Frankenstärke gegenüber dem US-Dollar gesprochen werden. Hinzu kommt, dass sich der Franken gegenüber dem Euro, der für die Schweizer Wirtschaft nach wie vor die wichtigste Handelspartnerwährung darstellt, in den vergangenen Monaten zwar leicht aufgewertet, aber im historischen Vergleich relativ stabil entwickelt hat. Insgesamt ist die derzeitige Wechselkurssituation nicht mit den teilweise sehr grossen Aufwertungsschüben des Frankens in den Jahren ab 2010 zu vergleichen. Dennoch ist die Exportindustrie aktuell gefordert, jüngst insbesondere durch die seit dem 7. August 2025 von den USA erhobenen Zusatzzölle.</p><p> </p><p>(ii) Das Mandat der SNB besteht darin, die Preisstabilität zu gewährleisten. Dabei trägt sie der konjunkturellen Entwicklung Rechnung. Mit der Zinssteuerung sowie bei Bedarf mit Interventionen am Devisenmarkt verfügt die SNB über geeignete geldpolitische Instrumente, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, um im Falle von Deflationsrisiken einem übermässigen Aufwertungsdruck entgegenzuwirken. Ob, wann und in welchem Umfang die SNB am Devisenmarkt interveniert, liegt in ihrem Ermessen. Die SNB ist bei der Wahrnehmung ihrer geldpolitischen Aufgaben unabhängig (Art. 6 Nationalbankgesetz; Art. 99 Abs. 2 Bundesverfassung).</p><p> </p><p>(iii) Der Bundesrat setzt vor allem auf die Ausweitung und Vereinfachung der Kurzarbeitsentschädigung (KAE), um Unternehmen mit vorübergehenden Arbeitsausfällen gezielt zu unterstützen und Arbeitsplätze zu erhalten. Zudem werden Exportförderungsinstrumente wie die Switzerland Global Enterprise (S-GE) und die Schweizerische Exportrisikoversicherung (SERV) gestärkt, damit betroffene Unternehmen beim Aufbau neuer Absatzmärkte konkrete Hilfe erhalten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erschliessung und Aktualisierung von Freihandelsabkommen, die den internationalen Marktzugang erleichtern und die Diversifizierung der Exportmärkte fördern. Ergänzend treibt der Bundesrat die Reduktion der administrativen Belastung voran, um Unternehmen finanziell wie organisatorisch zu entlasten und so die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Schweiz zu sichern.</p><p> </p><p>(iv) Ein Mindestkurs kann unter Umständen eine potenziell wirksame Massnahme sein, um einem starken Aufwertungsdruck mit schädlichen Folgen für die Preisstabilität und die Konjunktur temporär entgegenzuwirken und die Aufwertung abzufedern. Die Expertengruppe des Bundes rechnet in ihrer aktuellen Prognose vom 16. Oktober 2025 jedoch nicht mit einem starken Konjunktureinbruch. Für das laufende und für das nächste Jahr prognostiziert sie ein unterdurchschnittliches Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 1,3 %, gefolgt von einer Abschwächung auf 0,9 %.</p>
- <p>Der Export- und Industriestandort der Schweiz leidet unter den hohen US-Zöllen und der damit verbundenen hohen Unsicherheit. Doch bereits vor Trumps Zollhammer haben diverse der betroffenen Unternehmen Kurzarbeit angemeldet. Grund dafür ist unter anderem der starke Franken, der die Exportindustrie seit längerer Zeit stark belastet. </p><p> </p><p>Im bisherigen Jahr 2025 hat sich der Schweizer Franken gegenüber dem US-Dollar um mehr als 7% aufgewertet. Der starke Franken ist für den Schweizer Industriestandort schon seit längerer Zeit ein erhebliches Problem. Besonders betroffen sind namentlich die Metall-, Elektro- und Metallindustrie, die Pharma- und Chemiebranche und die Uhren- und Schmuckindustrie, die ihre Produkte und Dienstleistungen auf dem internationalen Markt verkaufen müssen und deren Wettbewerbsfähigkeit stark beeinträchtigt wird. Aber auch die Hotellerie- und Tourismusbranche leidet darunter. </p><p> </p><p>Die SNB verfügt über geldpolitische Instrumente, um diesen Aufwertungsdruck abzufedern. Damit könnte sie einen Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Industrie und zur Erhaltung von Arbeitsplätzen beitragen. Während der Finanzkrise nach 2007 betonte die SNB die Wechselkursstabilität regelmässig als Voraussetzung für Preisstabilität und hat entsprechende Interventionen am Devisenmarkt vorgenommen, um den massiven Aufwertungsdruck zu dämpfen. Sie sprach davon, «exzessive Frankenstärke» verhindern zu wollen, was in der Einführung eines expliziten Mindestkurses CHF/Euro endete. Heute ist die Kommunikation der SNB sehr zurückhaltend, obwohl eine klare Kommunikation als Signal an die Devisenmarktteilnehmer einen stabilisierenden Effekt hätte. </p><p> </p><p>Teilt der Bundesrat die Analyse, dass der starke Franken für die Exportindustrie bereits vor Ankündigung der US-Zölle eine massive Belastung darstellte? </p><p> </p><p>Wie beurteilt er die Wirksamkeit der geldpolitischen Massnahmen der SNB zur Stabilisierung des Wechselkurses?</p><p> </p><p>Welche unterstützenden Massnahmen sieht der Bundesrat, die spezifisch für die betroffenen Branchen wirksam sind, ohne massive Mitnahmeeffekte über die ganze Volkswirtschaft hinweg auszulösen (wie das bei Steuersenkungen der Fall ist)? </p><p> </p><p>Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass die Verteidigung eines impliziten Mindestkurses CHF/USD durch die entsprechende Kommunikation der SNB ein wirksames Instrument zur Stützung der betroffenen Branchen wäre?</p>
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