Schweizerische oder portugiesische Post? Der ehemalige gelbe Riese hält seine Versprechen nicht

ShortId
25.4166
Id
20254166
Updated
06.01.2026 08:27
Language
de
Title
Schweizerische oder portugiesische Post? Der ehemalige gelbe Riese hält seine Versprechen nicht
AdditionalIndexing
34;44;04
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>Der Bundesrat steuert die Schweizerische Post mit der Vorgabe von strategischen Zielen. Dabei erwartet er von der Post eine fortschrittliche und sozialverantwortliche Personalpolitik. Auf das operative Geschäft nimmt er grundsätzlich keinen Einfluss.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Die Post verfügt seit 2022 über einen IT-Standort in Lissabon. Nach den bisher guten Erfahrungen plant die Post einen schrittweisen Ausbau dieses Auslandstandortes bis Ende 2030, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und zeitgemässe Leistungen anbieten zu können. Laut Post wird dies keine Kündigungen in der Schweiz zur Folge haben. Es soll also keine Verlagerung von Arbeitsplätzen geben. Die Post rechnet damit, dass es in der Schweiz aufgrund der natürlichen Fluktuation in den kommenden fünf Jahren zu rund 500 Vakanzen kommen wird. Davon sollen rund 130 Stellen im Ausland besetzt werden, womit künftig rund 20% der IT-Stellen im Ausland liegen werden. Die Schweiz soll aber weiterhin der Hauptstandort für IT-Leistungen bleiben und ein Grossteil der zukünftigen Vakanzen soll weiterhin in der Schweiz rekrutiert werden. So hat die Post in den vergangenen Jahren in der Schweiz zusätzliche IT-Stellen aufgebaut. Beispielsweise wurde im Jahr 2024 in Lausanne ein neuer Standort eröffnet, um insbesondere Talente aus der Westschweiz zu gewinnen. Im Übrigen kann erwähnt werden, dass rund 80% der Auszubildenden im IT-Bereich nach erfolgreichem Lehrabschluss von der Post weiterbeschäftigt werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Aufbau von IT-Stellen im Ausland ist mit den strategischen Zielen der Post vereinbar, weil er dazu dient, IT-Talente auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu rekrutieren und die Geschäftstätigkeit in der Schweiz zu unterstützen resp. die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Unternehmens zu sichern. Eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit der Post in Bezug auf den Aufbau von Stellen im Ausland resp. von Auslandsbeteiligungen könnte ihre Konkurrenzfähigkeit in der Schweiz beeinträchtigen. Der Bundesrat sieht damit keine Notwendigkeit für eine Anpassung der strategischen Ziele.</span></p></span>
  • <p>Die Schweizerische Post beabsichtigt, bis 2030 200 IT-Arbeitsplätze von der Schweiz nach Portugal zu verlagern, und begründet dies mit der Notwendigkeit, hochqualifizierte IT-Fachleute zu finden. Im Wesentlichen werden die Arbeitsplätze in Portugal um 200 zunehmen, während sie in der Schweiz in gleichem Masse (wenn nicht sogar stärker) abnehmen werden.</p><p>Das Thema war bereits im Jahr 2022 aufgetaucht, als die Post eine Tochtergesellschaft in Lissabon eröffnete und ankündigte, mittelfristig 120 Stellen in Portugal zu besetzen. Nun zeigt sich, dass die Zahlen viel höher sind.&nbsp;</p><p>Zudem kündigte die Post gleichzeitig mit der Eröffnung der Tochtergesellschaft in Lissabon an, 200 zusätzliche IT-Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen zu wollen (siehe Stellungnahme des Bundesrates zur Motion 22.3945). Nun ist aber das Gegenteil der Fall.</p><p>In der Vergangenheit hat sich der&nbsp;Bundesrat&nbsp;in seinen Stellungnahmen zu parlamentarischen Vorstössen immer geweigert, gegen Verlagerungen von Arbeitsplätzen durch die Post vorzugehen, indem er sich auf die Autonomie des Unternehmens berief.</p><p>Die Post verlagert nicht nur Arbeitsplätze, sondern baut auch ihre Beteiligungen im Ausland aus, nicht selten mit Verlusten. Derzeit ist der "Gelbe Riese" an rund 45 ausländischen Unternehmen beteiligt.</p><p>Deshalb bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ul><li>Wie beurteilt der Bundesrat den Plan der Schweizerischen Post, in&nbsp;Lissabon bis 2030 200 Arbeitsplätze zu schaffen, während in der Schweiz die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Sektor um Hunderte sinken wird?</li><li>Laut der Stellungnahme des Bundesrates zur Motion 22.3945 «hält die Post weiterhin an ihrem Ziel fest, rund 200 neue IT-Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen.» Nun scheint dieses Ziel aufgegeben worden zu sein und sich sogar ins Gegenteil zu verkehren (Streichung von Hunderten von Arbeitsplätzen in der Schweiz "ohne Entlassungen"). Wie steht der Bundesrat dazu?</li><li>Will der Bundesrat die Verlagerungen der Schweizerischen Post bremsen, zumal gleichzeitig Dienstleistungen in der Schweiz abgebaut werden?</li><li>Plant der Bundesrat, bei der Festlegung der strategischen Ziele der Post die Auslandsbeteiligungen der Post einzuschränken, auch in Anbetracht der Tatsache, dass diese nicht selten defizitär sind?&nbsp;</li></ul>
  • Schweizerische oder portugiesische Post? Der ehemalige gelbe Riese hält seine Versprechen nicht
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>Der Bundesrat steuert die Schweizerische Post mit der Vorgabe von strategischen Zielen. Dabei erwartet er von der Post eine fortschrittliche und sozialverantwortliche Personalpolitik. Auf das operative Geschäft nimmt er grundsätzlich keinen Einfluss.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Die Post verfügt seit 2022 über einen IT-Standort in Lissabon. Nach den bisher guten Erfahrungen plant die Post einen schrittweisen Ausbau dieses Auslandstandortes bis Ende 2030, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und zeitgemässe Leistungen anbieten zu können. Laut Post wird dies keine Kündigungen in der Schweiz zur Folge haben. Es soll also keine Verlagerung von Arbeitsplätzen geben. Die Post rechnet damit, dass es in der Schweiz aufgrund der natürlichen Fluktuation in den kommenden fünf Jahren zu rund 500 Vakanzen kommen wird. Davon sollen rund 130 Stellen im Ausland besetzt werden, womit künftig rund 20% der IT-Stellen im Ausland liegen werden. Die Schweiz soll aber weiterhin der Hauptstandort für IT-Leistungen bleiben und ein Grossteil der zukünftigen Vakanzen soll weiterhin in der Schweiz rekrutiert werden. So hat die Post in den vergangenen Jahren in der Schweiz zusätzliche IT-Stellen aufgebaut. Beispielsweise wurde im Jahr 2024 in Lausanne ein neuer Standort eröffnet, um insbesondere Talente aus der Westschweiz zu gewinnen. Im Übrigen kann erwähnt werden, dass rund 80% der Auszubildenden im IT-Bereich nach erfolgreichem Lehrabschluss von der Post weiterbeschäftigt werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Aufbau von IT-Stellen im Ausland ist mit den strategischen Zielen der Post vereinbar, weil er dazu dient, IT-Talente auf dem internationalen Arbeitsmarkt zu rekrutieren und die Geschäftstätigkeit in der Schweiz zu unterstützen resp. die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Unternehmens zu sichern. Eine Einschränkung der unternehmerischen Freiheit der Post in Bezug auf den Aufbau von Stellen im Ausland resp. von Auslandsbeteiligungen könnte ihre Konkurrenzfähigkeit in der Schweiz beeinträchtigen. Der Bundesrat sieht damit keine Notwendigkeit für eine Anpassung der strategischen Ziele.</span></p></span>
    • <p>Die Schweizerische Post beabsichtigt, bis 2030 200 IT-Arbeitsplätze von der Schweiz nach Portugal zu verlagern, und begründet dies mit der Notwendigkeit, hochqualifizierte IT-Fachleute zu finden. Im Wesentlichen werden die Arbeitsplätze in Portugal um 200 zunehmen, während sie in der Schweiz in gleichem Masse (wenn nicht sogar stärker) abnehmen werden.</p><p>Das Thema war bereits im Jahr 2022 aufgetaucht, als die Post eine Tochtergesellschaft in Lissabon eröffnete und ankündigte, mittelfristig 120 Stellen in Portugal zu besetzen. Nun zeigt sich, dass die Zahlen viel höher sind.&nbsp;</p><p>Zudem kündigte die Post gleichzeitig mit der Eröffnung der Tochtergesellschaft in Lissabon an, 200 zusätzliche IT-Arbeitsplätze in der Schweiz schaffen zu wollen (siehe Stellungnahme des Bundesrates zur Motion 22.3945). Nun ist aber das Gegenteil der Fall.</p><p>In der Vergangenheit hat sich der&nbsp;Bundesrat&nbsp;in seinen Stellungnahmen zu parlamentarischen Vorstössen immer geweigert, gegen Verlagerungen von Arbeitsplätzen durch die Post vorzugehen, indem er sich auf die Autonomie des Unternehmens berief.</p><p>Die Post verlagert nicht nur Arbeitsplätze, sondern baut auch ihre Beteiligungen im Ausland aus, nicht selten mit Verlusten. Derzeit ist der "Gelbe Riese" an rund 45 ausländischen Unternehmen beteiligt.</p><p>Deshalb bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ul><li>Wie beurteilt der Bundesrat den Plan der Schweizerischen Post, in&nbsp;Lissabon bis 2030 200 Arbeitsplätze zu schaffen, während in der Schweiz die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Sektor um Hunderte sinken wird?</li><li>Laut der Stellungnahme des Bundesrates zur Motion 22.3945 «hält die Post weiterhin an ihrem Ziel fest, rund 200 neue IT-Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen.» Nun scheint dieses Ziel aufgegeben worden zu sein und sich sogar ins Gegenteil zu verkehren (Streichung von Hunderten von Arbeitsplätzen in der Schweiz "ohne Entlassungen"). Wie steht der Bundesrat dazu?</li><li>Will der Bundesrat die Verlagerungen der Schweizerischen Post bremsen, zumal gleichzeitig Dienstleistungen in der Schweiz abgebaut werden?</li><li>Plant der Bundesrat, bei der Festlegung der strategischen Ziele der Post die Auslandsbeteiligungen der Post einzuschränken, auch in Anbetracht der Tatsache, dass diese nicht selten defizitär sind?&nbsp;</li></ul>
    • Schweizerische oder portugiesische Post? Der ehemalige gelbe Riese hält seine Versprechen nicht

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