Eine nationale Gesundheitskohorte als Investition in die Zukunft der öffentlichen Gesundheit

ShortId
25.4261
Id
20254261
Updated
09.12.2025 07:25
Language
de
Title
Eine nationale Gesundheitskohorte als Investition in die Zukunft der öffentlichen Gesundheit
AdditionalIndexing
2841;36;1236
1
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <span><p><span>1. Unsere Gesundheit wird von vielen Faktoren wie Umwelteinflüssen und dem individuellen Verhalten bestimmt. Das langfristige Verfolgen einer grossen Anzahl Personen ermöglicht es, wichtige Einflussfaktoren herauszuarbeiten und daraus gezielte Massnahmen abzuleiten wie etwa die Festlegung von Grenzwerten in Nahrungsmitteln. Für Einzel</span><span>­</span><span>substanzen oder Substanzgruppen wie die PFAS können regionale Unterschiede untersucht werden, die in Kombination mit Umweltdaten Hinweise auf die wichtigsten Belastungsquellen geben. Eine Bioprobenbank ermöglicht zudem Auswertungen zu regionalen Unterschieden und Zeitreihenanalysen, etwa um zu prüfen, ob Verbote von PFOS und PFOA die Belastung reduziert haben, oder ob es weitere Massnahmen braucht. Insgesamt würde eine solche Kohorte dazu beitragen, evidenzbasierte Grundlagen für politische Entscheide zu schaffen, die wissenschaftliche Forschung im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Schweiz zu stärken und fundierte Entscheidungen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Zurzeit gibt es nur wenige national repräsentative Daten zum Gesundheitszustand der Schweizer Bevölkerung und zu Faktoren, die diesen beeinflussen. Regional sind einige Daten vorhanden, sie sind aber zur Zeit für Forschende nicht immer in ausreichendem Masse zugänglich und nicht harmonisiert erhoben. Die meisten vorhandenen Daten betreffen Erwachsene. Einen Überblick über fehlende Daten zu Kinder- und Jugendgesundheit gibt der Gesundheitsbericht des OBSAN von 2020. Aktuell konkretisiert das BAG diese Datenlücken im Rahmen des ersten Berichts zum Schweizer Monitoring-System der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Eine Vielzahl fehlender Gesundheitsdaten einschliesslich der oben genannten könnten innerhalb einer nationalen Kohorte erhoben werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. Eine nationale Kohorte würde es ermöglichen, die langfristige Entwicklung des Gesundheitszustands und der Qualität und Leistungsfähigkeit der Gesundheitsversorgung in der Schweiz zu beobachten und besser zu verstehen, wie z.B. Umwelteinflüsse und Lebensweise mit der Entwicklung von Krankheiten zusammenhängen. Für die Schweizer Gesundheitsstudie sollten die zentralen Fragestellungen gemeinsam mit den beteiligten bundesinternen und bundesexternen Akteuren definiert werden; die konkrete Ausrichtung war daher noch offen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. In Deutschland, Frankreich, England und den meisten anderen europäischen Ländern gibt es bereits nationale Bevölkerungskohorten oder Humanbiomonitoring (HBM)-Programme. Die Pilotstudie für die Schweizer Gesundheitsstudie wurde bereits in engem wissenschaftlichem Austausch mit dem EU-Projekt HBM4EU durchgeführt. Auch für die geplante Gesundheitsstudie wäre ein europäischer Anschluss angestrebt worden, um bei Fragestellungen mit grossem Stichprobenbedarf den gesamten Datenpool zu nutzen und gemeinsame Analysen zu ermöglichen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. Die Kooperation mit Dritten wie etwa Forschungseinrichtungen und -infrastrukturen, Kantonen, Gesundheitseinrichtungen und privaten Partnern ist für die Durchführung eines Projekts dieser Grössenordnung essenziell. Eine (Mit-)Finanzierung durch Dritte (Forschungseinrichtungen, Kantone oder private Unternehmen) wäre wünschenswert, insbesondere angesichts der finanziellen Lage des Bundes und der hohen geschätzten Kosten. Bei der Einbindung privater Organisationen kommen der Transparenz bezüglich möglicher Partnerschaften, der Sicherstellung der Unabhängigkeit der Datenerhebung und dem Datenschutz zentrale Bedeutung zu, um das Vertrauen der Teilnehmenden zu gewährleisten.</span></p></span>
  • <p>Der Bundesrat bestätigt in seiner Antwort auf die Interpellation 25.3875 von Nationalrätin Manuela Weichelt («Nimmt der Bund seine gesetzlichen Aufgaben zum Schutz der Gesundheit wahr?»), dass Gesundheitsdaten für die Forschung- und Gesundheitspolitik von essenzieller Bedeutung sind und das auch ein grosses Interesse an einer solchen Gesundheitskohorte besteht.&nbsp;Eine nationale Kohorte ermöglicht die regelmässige Erhebung von Gesundheitsdaten von rund 100'000 repräsentativ ausgewählten Personen über alle Altersgruppen hinweg. Damit können Ursachen und Verläufe von chronischen Erkrankungen besser verstanden, Präventionsstrategien gezielter entwickelt und gesundheitspolitische Entscheidungen evidenzbasiert getroffen werden. Weiter erlaubt eine Kohorte die Auswirkungen von Umweltbelastungen (z.B. PFAS, Pestizide, Hitze, Lärm), sozialer Ungleichheit, Ernährung, Bewegung und weiteren Faktoren auf die Gesundheit der Bevölkerung zu erforschen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.</p><p>Eine Pilotstudie, welche das BAG durchgeführt hat, hat diesbezüglich bereits wichtige Daten zur Belastung der Schweizer Bevölkerung bezüglich per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat und für gesundheitlich relevante Metalle (Blei, Quecksilber u.a.) geliefert.</p><p>Die Sistierung des Projekts durch das BAG ist angesichts des Potenzials und der bereits geleisteten Vorarbeiten nicht nachvollziehbar und könnte langfristig negative Konsequenzen für die Volksgesundheit haben. Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Welchen konkreten Beitrag kann eine nationale Gesundheitskohorte im Umgang mit langwierigen Umwelt- und Gesundheitsproblemen wie PFAS leisten? Was wäre der Nutzen einer solchen Infrastruktur, wenn eine Kohortenstudie bereits bestünde und langfristige Blutproben vorlägen?</li><li>Welche konkreten Daten fehlen heute in der Schweiz, die durch eine Gesundheitskohorte erhoben werden könnten?</li><li>Welche weiteren Themen sollte die geplante Gesundheitskohorte neben der Belastung durch Pestizide umfassen?</li><li>Wie steht die Schweiz bezüglich Gesundheitskohorte im internationalen Vergleich da? Würde eine Erhebung international abgestimmt erfolgen oder gilt es nationale Besonderheiten zu berücksichtigen?&nbsp;</li><li>Kann sich der Bundesrat bei Durchführung und Finanzierung eine Kooperation mit Dritten vorstellen?</li></ol>
  • Eine nationale Gesundheitskohorte als Investition in die Zukunft der öffentlichen Gesundheit
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. Unsere Gesundheit wird von vielen Faktoren wie Umwelteinflüssen und dem individuellen Verhalten bestimmt. Das langfristige Verfolgen einer grossen Anzahl Personen ermöglicht es, wichtige Einflussfaktoren herauszuarbeiten und daraus gezielte Massnahmen abzuleiten wie etwa die Festlegung von Grenzwerten in Nahrungsmitteln. Für Einzel</span><span>­</span><span>substanzen oder Substanzgruppen wie die PFAS können regionale Unterschiede untersucht werden, die in Kombination mit Umweltdaten Hinweise auf die wichtigsten Belastungsquellen geben. Eine Bioprobenbank ermöglicht zudem Auswertungen zu regionalen Unterschieden und Zeitreihenanalysen, etwa um zu prüfen, ob Verbote von PFOS und PFOA die Belastung reduziert haben, oder ob es weitere Massnahmen braucht. Insgesamt würde eine solche Kohorte dazu beitragen, evidenzbasierte Grundlagen für politische Entscheide zu schaffen, die wissenschaftliche Forschung im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Schweiz zu stärken und fundierte Entscheidungen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Zurzeit gibt es nur wenige national repräsentative Daten zum Gesundheitszustand der Schweizer Bevölkerung und zu Faktoren, die diesen beeinflussen. Regional sind einige Daten vorhanden, sie sind aber zur Zeit für Forschende nicht immer in ausreichendem Masse zugänglich und nicht harmonisiert erhoben. Die meisten vorhandenen Daten betreffen Erwachsene. Einen Überblick über fehlende Daten zu Kinder- und Jugendgesundheit gibt der Gesundheitsbericht des OBSAN von 2020. Aktuell konkretisiert das BAG diese Datenlücken im Rahmen des ersten Berichts zum Schweizer Monitoring-System der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Eine Vielzahl fehlender Gesundheitsdaten einschliesslich der oben genannten könnten innerhalb einer nationalen Kohorte erhoben werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. Eine nationale Kohorte würde es ermöglichen, die langfristige Entwicklung des Gesundheitszustands und der Qualität und Leistungsfähigkeit der Gesundheitsversorgung in der Schweiz zu beobachten und besser zu verstehen, wie z.B. Umwelteinflüsse und Lebensweise mit der Entwicklung von Krankheiten zusammenhängen. Für die Schweizer Gesundheitsstudie sollten die zentralen Fragestellungen gemeinsam mit den beteiligten bundesinternen und bundesexternen Akteuren definiert werden; die konkrete Ausrichtung war daher noch offen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. In Deutschland, Frankreich, England und den meisten anderen europäischen Ländern gibt es bereits nationale Bevölkerungskohorten oder Humanbiomonitoring (HBM)-Programme. Die Pilotstudie für die Schweizer Gesundheitsstudie wurde bereits in engem wissenschaftlichem Austausch mit dem EU-Projekt HBM4EU durchgeführt. Auch für die geplante Gesundheitsstudie wäre ein europäischer Anschluss angestrebt worden, um bei Fragestellungen mit grossem Stichprobenbedarf den gesamten Datenpool zu nutzen und gemeinsame Analysen zu ermöglichen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>5. Die Kooperation mit Dritten wie etwa Forschungseinrichtungen und -infrastrukturen, Kantonen, Gesundheitseinrichtungen und privaten Partnern ist für die Durchführung eines Projekts dieser Grössenordnung essenziell. Eine (Mit-)Finanzierung durch Dritte (Forschungseinrichtungen, Kantone oder private Unternehmen) wäre wünschenswert, insbesondere angesichts der finanziellen Lage des Bundes und der hohen geschätzten Kosten. Bei der Einbindung privater Organisationen kommen der Transparenz bezüglich möglicher Partnerschaften, der Sicherstellung der Unabhängigkeit der Datenerhebung und dem Datenschutz zentrale Bedeutung zu, um das Vertrauen der Teilnehmenden zu gewährleisten.</span></p></span>
    • <p>Der Bundesrat bestätigt in seiner Antwort auf die Interpellation 25.3875 von Nationalrätin Manuela Weichelt («Nimmt der Bund seine gesetzlichen Aufgaben zum Schutz der Gesundheit wahr?»), dass Gesundheitsdaten für die Forschung- und Gesundheitspolitik von essenzieller Bedeutung sind und das auch ein grosses Interesse an einer solchen Gesundheitskohorte besteht.&nbsp;Eine nationale Kohorte ermöglicht die regelmässige Erhebung von Gesundheitsdaten von rund 100'000 repräsentativ ausgewählten Personen über alle Altersgruppen hinweg. Damit können Ursachen und Verläufe von chronischen Erkrankungen besser verstanden, Präventionsstrategien gezielter entwickelt und gesundheitspolitische Entscheidungen evidenzbasiert getroffen werden. Weiter erlaubt eine Kohorte die Auswirkungen von Umweltbelastungen (z.B. PFAS, Pestizide, Hitze, Lärm), sozialer Ungleichheit, Ernährung, Bewegung und weiteren Faktoren auf die Gesundheit der Bevölkerung zu erforschen und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.</p><p>Eine Pilotstudie, welche das BAG durchgeführt hat, hat diesbezüglich bereits wichtige Daten zur Belastung der Schweizer Bevölkerung bezüglich per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat und für gesundheitlich relevante Metalle (Blei, Quecksilber u.a.) geliefert.</p><p>Die Sistierung des Projekts durch das BAG ist angesichts des Potenzials und der bereits geleisteten Vorarbeiten nicht nachvollziehbar und könnte langfristig negative Konsequenzen für die Volksgesundheit haben. Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Welchen konkreten Beitrag kann eine nationale Gesundheitskohorte im Umgang mit langwierigen Umwelt- und Gesundheitsproblemen wie PFAS leisten? Was wäre der Nutzen einer solchen Infrastruktur, wenn eine Kohortenstudie bereits bestünde und langfristige Blutproben vorlägen?</li><li>Welche konkreten Daten fehlen heute in der Schweiz, die durch eine Gesundheitskohorte erhoben werden könnten?</li><li>Welche weiteren Themen sollte die geplante Gesundheitskohorte neben der Belastung durch Pestizide umfassen?</li><li>Wie steht die Schweiz bezüglich Gesundheitskohorte im internationalen Vergleich da? Würde eine Erhebung international abgestimmt erfolgen oder gilt es nationale Besonderheiten zu berücksichtigen?&nbsp;</li><li>Kann sich der Bundesrat bei Durchführung und Finanzierung eine Kooperation mit Dritten vorstellen?</li></ol>
    • Eine nationale Gesundheitskohorte als Investition in die Zukunft der öffentlichen Gesundheit

Back to List