Schnell wachsende Hühnerrassen. Aktuelle Situation und mögliche Entwicklungen
- ShortId
-
25.4268
- Id
-
20254268
- Updated
-
13.11.2025 20:46
- Language
-
de
- Title
-
Schnell wachsende Hühnerrassen. Aktuelle Situation und mögliche Entwicklungen
- AdditionalIndexing
-
2841;52;55
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><span>Bei der Zucht von Mastgeflügel wird zwischen schnell und langsam wachsenden Zuchtlinien unterschieden. Die Produktion von Geflügelfleisch von schnell wachsenden Tieren ist sehr effizient und weist eine günstige Umweltbilanz aus. Grund dafür ist eine bessere Futterverwertung, zumal die Futtermenge, die pro Kilogramm Gewichtszuwachs benötigt wird, deutlich tiefer ist als bei langsam wachsenden Rassen. Das Fleisch entspricht den qualitativen Ansprüchen der Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten und ist markant kostengünstiger zu produzieren als bei langsam wachsendem Mastgeflügel.</span></p><p><span> </span></p><p><span>1. In der Schweiz beträgt der Anteil an Mastpoulets der Zuchtlinie Ross 308 ca. 90%.</span></p><p><span>Schnell wachsende Hühnerrassen werden üblicherweise bereits im Alter von 35-42 Tagen geschlachtet. Zahlreiche Merkmale, die bei solchen Rassen zu starken gesundheitlichen Belastungen führen können, entwickeln sich erst mit zunehmendem Alter.</span></p><p><span>Neben der Wahl der Rasse ist die Haltung massgeblich mitentscheidend für das Wohl der Tiere. Im Jahr 2023 wurden hierzulande 97.9% der Mastpoulets im Tierwohlprogramm BTS (Besonders Tierfreundliche Stallhaltungssysteme) gehalten. Als besonders tierfreundlich gelten Mehrbereich-Haltungssysteme mit verschiedenen Funktionsbereichen, insbesondere Zugang in einen Aussenklimabereich. Die Tiere können sich frei bewegen, Ruhe- und Bewegungsmöglichkeiten sowie genügend Tageslicht im Stall sind weitere Programmanforderungen (Agrarbericht 2024 des Bundesamts für Landwirtschaft; www.agrarbericht.ch).</span></p><p><span>Der Veterinärdienst Schweiz hat in den Jahren 2021-2023 ein Vollzugsschwerpunktprogramm Geflügel durchgeführt. In dessen Rahmen wurden bei Mastpoulets verschiedene Punkte in Bezug auf ihre Gesundheit vertieft kontrolliert. Das Programm stellte der Schweizer Geflügelhaltung ein gutes Zeugnis aus. Beim Kontrollpunkt «Verletzungen und Pflege» wurden bei mehr als 99% der kontrollierten Mastpoulet-Haltungen keine Mängel festgestellt (</span><a href="http://www.blv.admin.ch"><span>www.blv.admin.ch</span></a><span> > Tiere > Nutztierhaltung > Geflügel > Schwerpunktprogramm 2021-2023).</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. Die Entwicklungen im Ausland werden verfolgt, dabei interessiert insbesondere, welche andere – voraussichtlich ebenfalls schnell wachsende – Rasse anstelle von Ross 308 gewählt wird. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Inlandanteil bei Geflügelfleisch in der Schweiz heute bei knapp 64% liegt (Aviforum, Geflügelwirtschaft in Zahlen 6/2025, unter www.aviforum.ch). Geflügelfleisch aus dem Ausland dürfte derzeit zum Grossteil ebenfalls von Ross 308 stammen. Ein Verbot des schnell wachsenden Mastgeflügels in der Schweiz würde zu einer Verteuerung des hiesigen Angebots und damit voraussichtlich zu einem erhöhten Bedarf von – kostengünstigerem – Import-Geflügelfleisch führen. Dabei sind die ausländischen Haltebedingungen oftmals tiefer als in der Schweiz, was dem Tierwohl letztlich zuwiderlaufen würde.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. und 4. Alternativen zu den schnell wachsenden Rassen sind bereits vorhanden. Im Biobereich werden langsamer wachsende Zuchtlinien eingesetzt. Die Mindestmastdauer für Mastpoulets beträgt nach der Bio-Verordnung (SR</span><span> </span><span>910.18) 63 Tage und beim RAUS-Beitrag (Regelmässiger Auslauf ins Freie) nach der Direktzahlungsverordnung (DZV; SR</span><span> </span><span>910.13) 56 Tage. Labelorganisationen, deren Produkte mehrheitlich über die Grossverteiler vermarktet werden, können den Mehrwert von langsamer wachsenden Mastpoulets nach der Geflügelkennzeichnungsverordnung (GKZV; SR</span><span> </span><span>916.342) kennzeichnen. Der Anteil an Pouletfleisch nach den RAUS- oder Bio-Kriterien beträgt heute rund 8 bzw. 3% (Agrarbericht 2024). </span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat setzt sich dafür ein, die Transformation hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen im In- und Ausland voranzutreiben. Er ist sich bewusst, dass die freien Kaufentscheide der Konsumentinnen und Konsumenten dabei eine wesentliche Rolle spielen. Er erinnert auch daran, dass die Massentierhaltungsinitiative im September 2022 von den Schweizer Stimmberechtigten und mit Ausnahme von Basel-Stadt von allen Ständen mit 62.9% Nein-Stimmen abgelehnt wurde. Mit dieser Initiative wären die Bio Suisse Richtlinien für die Produktion von Mastpoulets verbindlich erklärt worden, was eine Mindestmastdauer von 63 Tagen und somit den Einsatz von deutlich langsamer wachsenden Rassen bedeutet hätte.</span><span></span></p></span>
- <p>Bei der Hühnermast werden schnell wachsende Zuchtlinien wie Ross 308 ausgewählt, um in Rekordzeit möglichst viel Fleisch zu produzieren. Die Mastdauer beträgt nur 35 Tage. In dieser Zeit können die Hühner das 50-Fache ihres Schlüpfgewichts erreichen. 2016 wies die EU darauf hin, dass Hühner ein Gewicht von 1,5 kg inzwischen in weniger als einem Monat erreichten, während dafür in den 1950er Jahren noch 120 Tage nötig waren – ein Symptom für das Streben nach immer mehr Ertrag.<br>Diese Leistung hat aber einen hohen Preis, und zwar in Bezug auf das Tierwohl. Eine Untersuchung in der Schweiz hat gezeigt, dass in Micarna-Mastanlagen mit Ross-308-Hühnern die Tiere stark leiden: Sie brechen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen und ihre Organe sind zu klein, um die enorme Muskelmasse zu versorgen.<br>Angesichts dieser Tatsachen zeichnen sich alternative Lösungen ab. Lidl und Burger King France haben angekündigt, spätestens ab 2026 auf Ross 308 zu verzichten. LDC hat das Ausstiegsdatum auf 2028 festgelegt. Andere Akteure bleiben hingegen untätig, so die Micarna in der Schweiz.<br>Die Gesellschaft interessiert sich immer mehr für das Schicksal der Tiere. Daher müssen die Herstellungsmethoden grundlegend umgestaltet werden. Es geht ganz generell darum, unser Verhältnis zu den Lebewesen zu überdenken und mehr Respekt und Ausgewogenheit anzustreben.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten: </p><ol><li>Welchen Anteil machen die Mastpoulets schnell wachsender Rassen in der Schweiz aus und welche Folgen sind bekannt (Tiergesundheit, Sterblichkeit, Krankheiten)?</li><li>Stehen die Nutzung dieser Rassen, ihre Zucht und ihre Einfuhr zur Diskussion? Hat der Bundesrat diesbezüglich die Absicht, sich von den Initiativen anderer Länder (wie Dänemark) oder französischer Konzerne inspirieren zu lassen?</li><li>Beabsichtigt der Bundesrat, zu prüfen, ob in der Schweiz langsamer wachsende Hühnerrassen gefördert oder vorgeschrieben werden können?</li><li>Welche Anreize (Hilfen, Subventionen, Forschung, Partnerschaften mit den Detailhändlern) könnten den Übergang zu langsamer wachsenden Rassen begleiten?</li></ol>
- Schnell wachsende Hühnerrassen. Aktuelle Situation und mögliche Entwicklungen
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <span><p><span>Bei der Zucht von Mastgeflügel wird zwischen schnell und langsam wachsenden Zuchtlinien unterschieden. Die Produktion von Geflügelfleisch von schnell wachsenden Tieren ist sehr effizient und weist eine günstige Umweltbilanz aus. Grund dafür ist eine bessere Futterverwertung, zumal die Futtermenge, die pro Kilogramm Gewichtszuwachs benötigt wird, deutlich tiefer ist als bei langsam wachsenden Rassen. Das Fleisch entspricht den qualitativen Ansprüchen der Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten und ist markant kostengünstiger zu produzieren als bei langsam wachsendem Mastgeflügel.</span></p><p><span> </span></p><p><span>1. In der Schweiz beträgt der Anteil an Mastpoulets der Zuchtlinie Ross 308 ca. 90%.</span></p><p><span>Schnell wachsende Hühnerrassen werden üblicherweise bereits im Alter von 35-42 Tagen geschlachtet. Zahlreiche Merkmale, die bei solchen Rassen zu starken gesundheitlichen Belastungen führen können, entwickeln sich erst mit zunehmendem Alter.</span></p><p><span>Neben der Wahl der Rasse ist die Haltung massgeblich mitentscheidend für das Wohl der Tiere. Im Jahr 2023 wurden hierzulande 97.9% der Mastpoulets im Tierwohlprogramm BTS (Besonders Tierfreundliche Stallhaltungssysteme) gehalten. Als besonders tierfreundlich gelten Mehrbereich-Haltungssysteme mit verschiedenen Funktionsbereichen, insbesondere Zugang in einen Aussenklimabereich. Die Tiere können sich frei bewegen, Ruhe- und Bewegungsmöglichkeiten sowie genügend Tageslicht im Stall sind weitere Programmanforderungen (Agrarbericht 2024 des Bundesamts für Landwirtschaft; www.agrarbericht.ch).</span></p><p><span>Der Veterinärdienst Schweiz hat in den Jahren 2021-2023 ein Vollzugsschwerpunktprogramm Geflügel durchgeführt. In dessen Rahmen wurden bei Mastpoulets verschiedene Punkte in Bezug auf ihre Gesundheit vertieft kontrolliert. Das Programm stellte der Schweizer Geflügelhaltung ein gutes Zeugnis aus. Beim Kontrollpunkt «Verletzungen und Pflege» wurden bei mehr als 99% der kontrollierten Mastpoulet-Haltungen keine Mängel festgestellt (</span><a href="http://www.blv.admin.ch"><span>www.blv.admin.ch</span></a><span> > Tiere > Nutztierhaltung > Geflügel > Schwerpunktprogramm 2021-2023).</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. Die Entwicklungen im Ausland werden verfolgt, dabei interessiert insbesondere, welche andere – voraussichtlich ebenfalls schnell wachsende – Rasse anstelle von Ross 308 gewählt wird. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Inlandanteil bei Geflügelfleisch in der Schweiz heute bei knapp 64% liegt (Aviforum, Geflügelwirtschaft in Zahlen 6/2025, unter www.aviforum.ch). Geflügelfleisch aus dem Ausland dürfte derzeit zum Grossteil ebenfalls von Ross 308 stammen. Ein Verbot des schnell wachsenden Mastgeflügels in der Schweiz würde zu einer Verteuerung des hiesigen Angebots und damit voraussichtlich zu einem erhöhten Bedarf von – kostengünstigerem – Import-Geflügelfleisch führen. Dabei sind die ausländischen Haltebedingungen oftmals tiefer als in der Schweiz, was dem Tierwohl letztlich zuwiderlaufen würde.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. und 4. Alternativen zu den schnell wachsenden Rassen sind bereits vorhanden. Im Biobereich werden langsamer wachsende Zuchtlinien eingesetzt. Die Mindestmastdauer für Mastpoulets beträgt nach der Bio-Verordnung (SR</span><span> </span><span>910.18) 63 Tage und beim RAUS-Beitrag (Regelmässiger Auslauf ins Freie) nach der Direktzahlungsverordnung (DZV; SR</span><span> </span><span>910.13) 56 Tage. Labelorganisationen, deren Produkte mehrheitlich über die Grossverteiler vermarktet werden, können den Mehrwert von langsamer wachsenden Mastpoulets nach der Geflügelkennzeichnungsverordnung (GKZV; SR</span><span> </span><span>916.342) kennzeichnen. Der Anteil an Pouletfleisch nach den RAUS- oder Bio-Kriterien beträgt heute rund 8 bzw. 3% (Agrarbericht 2024). </span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat setzt sich dafür ein, die Transformation hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen im In- und Ausland voranzutreiben. Er ist sich bewusst, dass die freien Kaufentscheide der Konsumentinnen und Konsumenten dabei eine wesentliche Rolle spielen. Er erinnert auch daran, dass die Massentierhaltungsinitiative im September 2022 von den Schweizer Stimmberechtigten und mit Ausnahme von Basel-Stadt von allen Ständen mit 62.9% Nein-Stimmen abgelehnt wurde. Mit dieser Initiative wären die Bio Suisse Richtlinien für die Produktion von Mastpoulets verbindlich erklärt worden, was eine Mindestmastdauer von 63 Tagen und somit den Einsatz von deutlich langsamer wachsenden Rassen bedeutet hätte.</span><span></span></p></span>
- <p>Bei der Hühnermast werden schnell wachsende Zuchtlinien wie Ross 308 ausgewählt, um in Rekordzeit möglichst viel Fleisch zu produzieren. Die Mastdauer beträgt nur 35 Tage. In dieser Zeit können die Hühner das 50-Fache ihres Schlüpfgewichts erreichen. 2016 wies die EU darauf hin, dass Hühner ein Gewicht von 1,5 kg inzwischen in weniger als einem Monat erreichten, während dafür in den 1950er Jahren noch 120 Tage nötig waren – ein Symptom für das Streben nach immer mehr Ertrag.<br>Diese Leistung hat aber einen hohen Preis, und zwar in Bezug auf das Tierwohl. Eine Untersuchung in der Schweiz hat gezeigt, dass in Micarna-Mastanlagen mit Ross-308-Hühnern die Tiere stark leiden: Sie brechen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen und ihre Organe sind zu klein, um die enorme Muskelmasse zu versorgen.<br>Angesichts dieser Tatsachen zeichnen sich alternative Lösungen ab. Lidl und Burger King France haben angekündigt, spätestens ab 2026 auf Ross 308 zu verzichten. LDC hat das Ausstiegsdatum auf 2028 festgelegt. Andere Akteure bleiben hingegen untätig, so die Micarna in der Schweiz.<br>Die Gesellschaft interessiert sich immer mehr für das Schicksal der Tiere. Daher müssen die Herstellungsmethoden grundlegend umgestaltet werden. Es geht ganz generell darum, unser Verhältnis zu den Lebewesen zu überdenken und mehr Respekt und Ausgewogenheit anzustreben.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten: </p><ol><li>Welchen Anteil machen die Mastpoulets schnell wachsender Rassen in der Schweiz aus und welche Folgen sind bekannt (Tiergesundheit, Sterblichkeit, Krankheiten)?</li><li>Stehen die Nutzung dieser Rassen, ihre Zucht und ihre Einfuhr zur Diskussion? Hat der Bundesrat diesbezüglich die Absicht, sich von den Initiativen anderer Länder (wie Dänemark) oder französischer Konzerne inspirieren zu lassen?</li><li>Beabsichtigt der Bundesrat, zu prüfen, ob in der Schweiz langsamer wachsende Hühnerrassen gefördert oder vorgeschrieben werden können?</li><li>Welche Anreize (Hilfen, Subventionen, Forschung, Partnerschaften mit den Detailhändlern) könnten den Übergang zu langsamer wachsenden Rassen begleiten?</li></ol>
- Schnell wachsende Hühnerrassen. Aktuelle Situation und mögliche Entwicklungen
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