Vorsorgeprinzip. Sollen PFAS-haltige Skiwachse verboten werden?

ShortId
25.4300
Id
20254300
Updated
15.12.2025 07:14
Language
de
Title
Vorsorgeprinzip. Sollen PFAS-haltige Skiwachse verboten werden?
AdditionalIndexing
52;2841;28
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt seit 2020, auf den Einsatz von PFAS-haltigen Skiwachsen zu verzichten. Diese langlebigen Chemikalien können durch Abrieb über die Atemwege in den Körper gelangen, wo sie sich anreichern und zu schweren Erkrankungen führen können.</p><p>Im für den Langlauf bekannten Obergoms im Kanton Wallis wurden 2023 ausserordentlich hohe PFAS-Werte festgestellt. Es wird vermutet, dass diese Chemikalien vom Abrieb von fluorhaltigen Wachsen herrühren. Der Internationale Ski- und Snowboardverband FIS und der Internationale Biathlonverband IBU haben darauf reagiert, indem sie ab der Saison 2023/24 ein Verbot von fluorhaltigen Wachsen (d.&nbsp;h. Wachsen, die PFAS enthalten) bei Wettkämpfen eingeführt haben.</p><p>Seither haben die Wachslieferanten ihr Angebot vollständig oder teilweise angepasst. Ebenso empfiehlt der Bund Amateursportlerinnen und -sportlern, nur noch PFAS-freie Wachse zu kaufen. Dies wäre einfach, weil die Lieferanten PFAS-freie Wachse entsprechend kennzeichnen. Dennoch werden fluorhaltige Wachse in der Schweiz offensichtlich noch immer angeboten und verwendet.</p>
  • <span><p><span>1) Aufgrund einer Umfrage bei Generalimporteurinnen von Skiwachsen, Sportartikelhändlerinnen sowie dem Verband Swiss Ski schätzt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Verbrauch von PFAS enthaltenden Skiwachsen in der Saison 2023/24 auf 600</span><span>&nbsp;</span><span>–</span><span>&nbsp;</span><span>800</span><span>&nbsp;</span><span>kg. Davon entfielen 500</span><span>&nbsp;</span><span>kg auf in FIS-Wettkämpfen verwendete Wachse (vgl. </span><a href="http://www.bafu.admin.ch"><u><span>www.bafu.admin.ch</span></u></a><span> &gt; Themen &gt; Thema Chemikalien &gt; Industriechemikalien nach Stoff &gt; Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen &gt; Dokumente &gt; </span><a href="https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/chemikalien/fachinfo-daten/Bericht%20Skiwachs.pdf.download.pdf/Bericht_Skiwachs.pdf"><u><span>«Verwendung fluorhaltiger Skiwachse in der Schweiz»</span></u></a><span>). Seit der Saison 2024/25 dürfen die Athletinnen und Athleten aufgrund des von der FIS erlassenen Verbots keine fluorhaltigen Wachse mehr verwenden. Zwei marktführende Herstellerinnen haben mitgeteilt, dass sie in der Schweiz seit dem Jahr 2021 einzig fluorfreie Wachse im Angebot hätten. Zwei weitere bedeutende Generalimporteurinnen gaben an, dass der Anteil fluorfreier Wachse an ihrem Absatz rund 90</span><span>&nbsp;</span><span>Prozent betrage.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2) und 4) Laut dem BAFU vorliegenden Informationen basieren die noch in Skiwachsen eingesetzten PFAS auf Vorläuferverbindungen der Perfluorhexansäure. Der Bundesrat erachtet deren Verwendung als nicht essenziell. Er hat Ende 2024 im Rahmen einer Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung ein Verbot der Abgabe solcher PFAS enthaltender Produkte </span><span></span><span> einschliesslich Skiwachse </span><span></span><span> in eine Vernehmlassung gegeben und die Revision am 29. Oktober 2025 verabschiedet.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3) Es waren im Spitzensport erhebliche Anstrengungen nötig, geeignete fluorfreie Substitute in Skiwachsen zu finden. Das BAFU hat die Information über die aktuell verfügbaren Alternativen in seinem oben erwähnten Bericht aufgezeigt und entsprechende Empfehlungen an Herstellerinnen von Skiwachsen sowie an Freizeitsportlerinnen und -sportler gegeben, begleitend zu den Hinweisen auf künftige Beschränkungen.</span></p></span>
  • <p>Vor fünf Jahren empfahl der Bundesrat die Motion 20.3593,&nbsp; die ein allgemeines Verbot für fluorhaltige Wachse verlangte, zur Ablehnung. In seiner Antwort auf die Interpellation 23.4368 schrieb er dann, dass «im Sinne des Vorsorgeprinzips das Ziel» sei, «den Einsatz von PFAS in der Zukunft auf unverzichtbare Verwendungen («essential use») zu beschränken».</p><p>&nbsp;</p><p>Der Bundesrat wird um die Beantwortung der folgenden Fragen gebeten:</p><p>&nbsp;</p><p>1.&nbsp;Wie viel Wachs wird in der Schweiz pro Skisaison verkauft? Wie viel davon enthält PFAS?</p><p>2.&nbsp;Wenn es für die Berufssportlerinnen und -sportler möglich ist, auf die fluorhaltigen Wachse zu verzichten und auf Alternativen umzusteigen, kann man dann sagen, dass es sich um eine verzichtbare Verwendung handelt? Falls nein, weshalb nicht? Falls ja, weshalb will man dann für die Einführung eines Verbots den Abschluss der europäischen Verhandlungen abwarten?</p><p>3.&nbsp;Die raschen Fortschritte beim Ersatz der PFAS in den Wachsen zeigen, dass es möglich ist, in kurzer Zeit Alternativen zu finden und diese bis zur Marktreife zu entwickeln. Sind dem Bundesrat weitere, freiwillige Beschränkungen bekannt? Falls ja, welche? Ist er bereit, solche freiwillige Massnahmen zu identifizieren und zu unterstützen?</p><p>4.&nbsp;Ist er der Meinung, dass eine umfassende Beschränkung mehr Wirkung zeigt als der freiwillige Verzicht, um das Ziel, den Einsatz auf die unverzichtbaren Verwendungen zu beschränken, rasch zu erreichen?&nbsp;Falls ja, ab wann soll die Beschränkung gelten? Falls nein, warum nicht?</p>
  • Vorsorgeprinzip. Sollen PFAS-haltige Skiwachse verboten werden?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt seit 2020, auf den Einsatz von PFAS-haltigen Skiwachsen zu verzichten. Diese langlebigen Chemikalien können durch Abrieb über die Atemwege in den Körper gelangen, wo sie sich anreichern und zu schweren Erkrankungen führen können.</p><p>Im für den Langlauf bekannten Obergoms im Kanton Wallis wurden 2023 ausserordentlich hohe PFAS-Werte festgestellt. Es wird vermutet, dass diese Chemikalien vom Abrieb von fluorhaltigen Wachsen herrühren. Der Internationale Ski- und Snowboardverband FIS und der Internationale Biathlonverband IBU haben darauf reagiert, indem sie ab der Saison 2023/24 ein Verbot von fluorhaltigen Wachsen (d.&nbsp;h. Wachsen, die PFAS enthalten) bei Wettkämpfen eingeführt haben.</p><p>Seither haben die Wachslieferanten ihr Angebot vollständig oder teilweise angepasst. Ebenso empfiehlt der Bund Amateursportlerinnen und -sportlern, nur noch PFAS-freie Wachse zu kaufen. Dies wäre einfach, weil die Lieferanten PFAS-freie Wachse entsprechend kennzeichnen. Dennoch werden fluorhaltige Wachse in der Schweiz offensichtlich noch immer angeboten und verwendet.</p>
    • <span><p><span>1) Aufgrund einer Umfrage bei Generalimporteurinnen von Skiwachsen, Sportartikelhändlerinnen sowie dem Verband Swiss Ski schätzt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Verbrauch von PFAS enthaltenden Skiwachsen in der Saison 2023/24 auf 600</span><span>&nbsp;</span><span>–</span><span>&nbsp;</span><span>800</span><span>&nbsp;</span><span>kg. Davon entfielen 500</span><span>&nbsp;</span><span>kg auf in FIS-Wettkämpfen verwendete Wachse (vgl. </span><a href="http://www.bafu.admin.ch"><u><span>www.bafu.admin.ch</span></u></a><span> &gt; Themen &gt; Thema Chemikalien &gt; Industriechemikalien nach Stoff &gt; Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen &gt; Dokumente &gt; </span><a href="https://www.bafu.admin.ch/dam/bafu/de/dokumente/chemikalien/fachinfo-daten/Bericht%20Skiwachs.pdf.download.pdf/Bericht_Skiwachs.pdf"><u><span>«Verwendung fluorhaltiger Skiwachse in der Schweiz»</span></u></a><span>). Seit der Saison 2024/25 dürfen die Athletinnen und Athleten aufgrund des von der FIS erlassenen Verbots keine fluorhaltigen Wachse mehr verwenden. Zwei marktführende Herstellerinnen haben mitgeteilt, dass sie in der Schweiz seit dem Jahr 2021 einzig fluorfreie Wachse im Angebot hätten. Zwei weitere bedeutende Generalimporteurinnen gaben an, dass der Anteil fluorfreier Wachse an ihrem Absatz rund 90</span><span>&nbsp;</span><span>Prozent betrage.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2) und 4) Laut dem BAFU vorliegenden Informationen basieren die noch in Skiwachsen eingesetzten PFAS auf Vorläuferverbindungen der Perfluorhexansäure. Der Bundesrat erachtet deren Verwendung als nicht essenziell. Er hat Ende 2024 im Rahmen einer Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung ein Verbot der Abgabe solcher PFAS enthaltender Produkte </span><span></span><span> einschliesslich Skiwachse </span><span></span><span> in eine Vernehmlassung gegeben und die Revision am 29. Oktober 2025 verabschiedet.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3) Es waren im Spitzensport erhebliche Anstrengungen nötig, geeignete fluorfreie Substitute in Skiwachsen zu finden. Das BAFU hat die Information über die aktuell verfügbaren Alternativen in seinem oben erwähnten Bericht aufgezeigt und entsprechende Empfehlungen an Herstellerinnen von Skiwachsen sowie an Freizeitsportlerinnen und -sportler gegeben, begleitend zu den Hinweisen auf künftige Beschränkungen.</span></p></span>
    • <p>Vor fünf Jahren empfahl der Bundesrat die Motion 20.3593,&nbsp; die ein allgemeines Verbot für fluorhaltige Wachse verlangte, zur Ablehnung. In seiner Antwort auf die Interpellation 23.4368 schrieb er dann, dass «im Sinne des Vorsorgeprinzips das Ziel» sei, «den Einsatz von PFAS in der Zukunft auf unverzichtbare Verwendungen («essential use») zu beschränken».</p><p>&nbsp;</p><p>Der Bundesrat wird um die Beantwortung der folgenden Fragen gebeten:</p><p>&nbsp;</p><p>1.&nbsp;Wie viel Wachs wird in der Schweiz pro Skisaison verkauft? Wie viel davon enthält PFAS?</p><p>2.&nbsp;Wenn es für die Berufssportlerinnen und -sportler möglich ist, auf die fluorhaltigen Wachse zu verzichten und auf Alternativen umzusteigen, kann man dann sagen, dass es sich um eine verzichtbare Verwendung handelt? Falls nein, weshalb nicht? Falls ja, weshalb will man dann für die Einführung eines Verbots den Abschluss der europäischen Verhandlungen abwarten?</p><p>3.&nbsp;Die raschen Fortschritte beim Ersatz der PFAS in den Wachsen zeigen, dass es möglich ist, in kurzer Zeit Alternativen zu finden und diese bis zur Marktreife zu entwickeln. Sind dem Bundesrat weitere, freiwillige Beschränkungen bekannt? Falls ja, welche? Ist er bereit, solche freiwillige Massnahmen zu identifizieren und zu unterstützen?</p><p>4.&nbsp;Ist er der Meinung, dass eine umfassende Beschränkung mehr Wirkung zeigt als der freiwillige Verzicht, um das Ziel, den Einsatz auf die unverzichtbaren Verwendungen zu beschränken, rasch zu erreichen?&nbsp;Falls ja, ab wann soll die Beschränkung gelten? Falls nein, warum nicht?</p>
    • Vorsorgeprinzip. Sollen PFAS-haltige Skiwachse verboten werden?

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