Freiwilliges Engagement zur Stärkung der Demokratie und des Gemeinwohls nutzen
- ShortId
-
25.4350
- Id
-
20254350
- Updated
-
19.11.2025 16:12
- Language
-
de
- Title
-
Freiwilliges Engagement zur Stärkung der Demokratie und des Gemeinwohls nutzen
- AdditionalIndexing
-
44;28;04
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p><span>Der Bundesrat ist sich bewusst, wie unverzichtbar das zivilgesellschaftliche Engagement für die Gemeinschaft in verschiedensten Bereichen ist. Er hat bereits bei anderen Gelegenheiten (insbesondere Po.</span><span> </span><span>17.3536 Schmid-Federer «Nationales Konzept Freiwilligenarbeit», Ip.</span><span> </span><span>20.4679 Studer Lilian «Förderung der Freiwilligenarbeit») auf die Finanzhilfen hingewiesen, die an Organisationen in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Altershilfe oder Sport ausgerichtet werden.</span></p><p><span>Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft sowie die bereits aktiven Organisationen leisten einen wichtigen Beitrag zur Information und zur Förderung der Freiwilligenarbeit. Mehrere Publikationen und laufende Studien liefern oder werden einen Teil der Elemente liefern, die das Postulat mit dem erwähnten Bericht verlangt. </span></p><p><span>Der Freiwilligenmonitor 2025 informiert über die Motivation der ehrenamtlich tätigen Personen, die sich teilweise je nach Bereich und Art des Engagements unterscheidet. Eine frühere Publikation des Gottlieb Duttweiler Institute (Schamochowiec J., Thalmann L., Müller A., Die neuen Freiwilligen ‒ Die Zukunft zivilgesellschaftlicher Partizipation, 2018) hat sich mit der Entwicklung der Motive und der Erwartungen von Freiwilligen befasst.</span></p><p><span>Im Sport, dem grössten Bereich für freiwilliges und ehrenamtliches Engagement, beleuchten die Studien des Schweizer Sportobservatoriums beispielsweise den Umfang der Freiwilligenarbeit, die übernommenen Ämter, die Motive und das Potenzial der Massnahmen zur Förderung des Ehrenamts, insbesondere auf Clubebene (Bürgi R., Lamprecht M., Gebert A., Stamm H., Sportvereine in der Schweiz ‒ Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven, 2023; neue Studie Sport Schweiz, erscheint 2026).</span></p><p><span>Was die Förderung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen angeht, die unter das Kinder- und Jugendförderungsgesetz fällt (KJFG; SR</span><span> </span><em><span>446.1</span></em><span>), erarbeitet das Bundesamt für Sozialversicherungen derzeit ein Konzept und einen praktischen Leitfaden zu den Möglichkeiten einer Stärkung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus findet im November 2025 ein Nationales Forum politische Bildung statt, das zusammen mit der Interkantonalen Fachkonferenz Citoyenneté organisiert wird.</span></p><p><span>Das zivilgesellschaftliche Engagement im Bereich Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt gehört zu den Zielen der kantonalen Integrationsprogramme (KIP). Die Auswertung der kantonalen Eingaben zeigt auf, dass ca. ein Dutzend Kantone für die aktuelle Programmperiode den Fokus explizit auf die Weiterentwicklung der Förderung von Freiwilligenarbeit gelegt haben (SEM, Wie gestalten die Kantone die spezifische Integrationsförderung?, 2025).</span></p><p><span>Das Staatssekretariat für Migration (SEM) unterstützt auf nationaler Ebene den Erfahrungsaustausch und die Weiterentwicklung in diesem Bereich. Zum Thema des zivilgesellschaftlichen Engagements von Personen mit Migrationshintergrund liegt beispielsweise die Studie des Schweizerischen Roten Kreuzes mit dem Titel «Der Beitrag von Personen mit Migrationshintergrund zu Freiwilligenarbeit in der Schweiz» (2021) vor. </span></p><p><span>Übergeordnet wurde im aktuellen Arbeitsprogramm 2022–2026 der Tripartiten Konferenz (TK), in der Vertreterinnen und Vertreter aller drei Staatsebenen mitwirken, der thematische Schwerpunkt «Zusammenleben und Zusammenhalt» festgelegt. In diesem Rahmen findet 2026 eine nationale Tagung statt, die sich mit der Rolle des Staates bei der Förderung von Partizipation und zivilgesellschaftlichem Engagement befasst. Die Ergebnisse dieser Tagung sollen in die weiteren Arbeiten der TK sowie in andere relevante Bereiche einfliessen.</span></p><p><span>Weiter ist derzeit eine Revision geplant, um den Jugendurlaub für Lernende und Arbeitnehmende unter 30</span><span> </span><span>Jahren von einer auf zwei Wochen zu verlängern (Art.</span><span> </span><span>329</span><em><span>e</span></em><span> Abs.</span><span> </span><span>1 OR) und dessen Anwendungsbereich auszuweiten: In Zukunft soll der Urlaub auch für die offene Kinder- und Jugendarbeit, beispielsweise in Jugendzentren, und nicht nur für die Tätigkeit in einer Organisation bezogen werden können. Der Bundesrat wird Mitte 2026 eine Botschaft zu dieser Änderung vorlegen. </span></p><p><span>Angesichts der laufenden Arbeiten und der bereits verfügbaren Informationen erscheint es dem Bundesrat weder zweckmässig noch notwendig, einen neuen Bericht auszuarbeiten.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Eine freiheitliche Gesellschaft lebt vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. Dieses zu fördern, liegt im Interesse des Bundes. Besonders bei jungen Menschen stärkt Engagement das Verantwortungsgefühl und den Gemeinsinn. Der Freiwilligen-Monitor 2025 zeigt zudem: Engagierte sind vernetzter und ihr Vertrauen in die Institutionen wird stärker, was Isolation und Polarisierung vorbeugt.</p><p>Dennoch bleiben viele Ämter in Vereinen, Verbänden oder in der Politik unbesetzt. Deshalb soll der Bundesrat bestehende Förderinstrumente prüfen und verbessern, um mehr Menschen für den richtigen Ort zu gewinnen. Der Bundesrat soll einen Bericht zu bestehenden Förderinstrumenten für freiwilliges Engagement erstellen und dabei Handlungsbedarf abklären. Dafür soll er sich auch bei den Kantonen erkundigen. Folgende Fragen sollen geklärt werden:</p><ol><li>In welchen Bereichen – von der Schulzeit über das Erwerbsleben bis ins Rentenalter – wird freiwilliges Engagement bereits gefördert?</li><li>Weshalb besteht, wie es der Freiwilligenmonitor 2025 der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft aufzeigt, eine deutliche Diskrepanz zwischen der hohen Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit in der Bevölkerung (rund 40 % der über 15-Jährigen) und der vergleichsweise geringen Bereitschaft, Ämter in Vereinen, Verbänden oder in der Politik zu übernehmen (rund 4 % der über 15-Jährigen)? Welche Handlungsempfehlungen kann der Bund erarbeiten, um dieses Potenzial besser zu nutzen und mehr Menschen zur Übernahme solcher Ämter zu motivieren?</li><li>Welche Massnahmen eignen sich, insbesondere das freiwillige Engagement junger Menschen zu stärken? Und welche Massnahmen eignen sich, um auch Jugendliche mit Migrationserfahrung einzubeziehen?</li><li>Wo bestehen allenfalls Förderlücken oder Fehlanreize? Und welche Rahmenbedingungen müssten angepasst werden, damit die Förderung an bestehenden Orten effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden kann?</li><li>Welche (Pilot-)Projekte bestehen auf kommunaler, kantonaler oder zivilgesellschaftlicher Ebene, in denen Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund durch freiwilliges Engagement zur eigenen Integration beitragen? Welche Lehren lassen sich daraus für einen möglichen Förderbedarf und eine Übertragung auf Bundesebene ziehen?</li></ol>
- Freiwilliges Engagement zur Stärkung der Demokratie und des Gemeinwohls nutzen
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <span><p><span>Der Bundesrat ist sich bewusst, wie unverzichtbar das zivilgesellschaftliche Engagement für die Gemeinschaft in verschiedensten Bereichen ist. Er hat bereits bei anderen Gelegenheiten (insbesondere Po.</span><span> </span><span>17.3536 Schmid-Federer «Nationales Konzept Freiwilligenarbeit», Ip.</span><span> </span><span>20.4679 Studer Lilian «Förderung der Freiwilligenarbeit») auf die Finanzhilfen hingewiesen, die an Organisationen in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Altershilfe oder Sport ausgerichtet werden.</span></p><p><span>Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft sowie die bereits aktiven Organisationen leisten einen wichtigen Beitrag zur Information und zur Förderung der Freiwilligenarbeit. Mehrere Publikationen und laufende Studien liefern oder werden einen Teil der Elemente liefern, die das Postulat mit dem erwähnten Bericht verlangt. </span></p><p><span>Der Freiwilligenmonitor 2025 informiert über die Motivation der ehrenamtlich tätigen Personen, die sich teilweise je nach Bereich und Art des Engagements unterscheidet. Eine frühere Publikation des Gottlieb Duttweiler Institute (Schamochowiec J., Thalmann L., Müller A., Die neuen Freiwilligen ‒ Die Zukunft zivilgesellschaftlicher Partizipation, 2018) hat sich mit der Entwicklung der Motive und der Erwartungen von Freiwilligen befasst.</span></p><p><span>Im Sport, dem grössten Bereich für freiwilliges und ehrenamtliches Engagement, beleuchten die Studien des Schweizer Sportobservatoriums beispielsweise den Umfang der Freiwilligenarbeit, die übernommenen Ämter, die Motive und das Potenzial der Massnahmen zur Förderung des Ehrenamts, insbesondere auf Clubebene (Bürgi R., Lamprecht M., Gebert A., Stamm H., Sportvereine in der Schweiz ‒ Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven, 2023; neue Studie Sport Schweiz, erscheint 2026).</span></p><p><span>Was die Förderung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen angeht, die unter das Kinder- und Jugendförderungsgesetz fällt (KJFG; SR</span><span> </span><em><span>446.1</span></em><span>), erarbeitet das Bundesamt für Sozialversicherungen derzeit ein Konzept und einen praktischen Leitfaden zu den Möglichkeiten einer Stärkung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Darüber hinaus findet im November 2025 ein Nationales Forum politische Bildung statt, das zusammen mit der Interkantonalen Fachkonferenz Citoyenneté organisiert wird.</span></p><p><span>Das zivilgesellschaftliche Engagement im Bereich Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt gehört zu den Zielen der kantonalen Integrationsprogramme (KIP). Die Auswertung der kantonalen Eingaben zeigt auf, dass ca. ein Dutzend Kantone für die aktuelle Programmperiode den Fokus explizit auf die Weiterentwicklung der Förderung von Freiwilligenarbeit gelegt haben (SEM, Wie gestalten die Kantone die spezifische Integrationsförderung?, 2025).</span></p><p><span>Das Staatssekretariat für Migration (SEM) unterstützt auf nationaler Ebene den Erfahrungsaustausch und die Weiterentwicklung in diesem Bereich. Zum Thema des zivilgesellschaftlichen Engagements von Personen mit Migrationshintergrund liegt beispielsweise die Studie des Schweizerischen Roten Kreuzes mit dem Titel «Der Beitrag von Personen mit Migrationshintergrund zu Freiwilligenarbeit in der Schweiz» (2021) vor. </span></p><p><span>Übergeordnet wurde im aktuellen Arbeitsprogramm 2022–2026 der Tripartiten Konferenz (TK), in der Vertreterinnen und Vertreter aller drei Staatsebenen mitwirken, der thematische Schwerpunkt «Zusammenleben und Zusammenhalt» festgelegt. In diesem Rahmen findet 2026 eine nationale Tagung statt, die sich mit der Rolle des Staates bei der Förderung von Partizipation und zivilgesellschaftlichem Engagement befasst. Die Ergebnisse dieser Tagung sollen in die weiteren Arbeiten der TK sowie in andere relevante Bereiche einfliessen.</span></p><p><span>Weiter ist derzeit eine Revision geplant, um den Jugendurlaub für Lernende und Arbeitnehmende unter 30</span><span> </span><span>Jahren von einer auf zwei Wochen zu verlängern (Art.</span><span> </span><span>329</span><em><span>e</span></em><span> Abs.</span><span> </span><span>1 OR) und dessen Anwendungsbereich auszuweiten: In Zukunft soll der Urlaub auch für die offene Kinder- und Jugendarbeit, beispielsweise in Jugendzentren, und nicht nur für die Tätigkeit in einer Organisation bezogen werden können. Der Bundesrat wird Mitte 2026 eine Botschaft zu dieser Änderung vorlegen. </span></p><p><span>Angesichts der laufenden Arbeiten und der bereits verfügbaren Informationen erscheint es dem Bundesrat weder zweckmässig noch notwendig, einen neuen Bericht auszuarbeiten.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Eine freiheitliche Gesellschaft lebt vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. Dieses zu fördern, liegt im Interesse des Bundes. Besonders bei jungen Menschen stärkt Engagement das Verantwortungsgefühl und den Gemeinsinn. Der Freiwilligen-Monitor 2025 zeigt zudem: Engagierte sind vernetzter und ihr Vertrauen in die Institutionen wird stärker, was Isolation und Polarisierung vorbeugt.</p><p>Dennoch bleiben viele Ämter in Vereinen, Verbänden oder in der Politik unbesetzt. Deshalb soll der Bundesrat bestehende Förderinstrumente prüfen und verbessern, um mehr Menschen für den richtigen Ort zu gewinnen. Der Bundesrat soll einen Bericht zu bestehenden Förderinstrumenten für freiwilliges Engagement erstellen und dabei Handlungsbedarf abklären. Dafür soll er sich auch bei den Kantonen erkundigen. Folgende Fragen sollen geklärt werden:</p><ol><li>In welchen Bereichen – von der Schulzeit über das Erwerbsleben bis ins Rentenalter – wird freiwilliges Engagement bereits gefördert?</li><li>Weshalb besteht, wie es der Freiwilligenmonitor 2025 der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft aufzeigt, eine deutliche Diskrepanz zwischen der hohen Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit in der Bevölkerung (rund 40 % der über 15-Jährigen) und der vergleichsweise geringen Bereitschaft, Ämter in Vereinen, Verbänden oder in der Politik zu übernehmen (rund 4 % der über 15-Jährigen)? Welche Handlungsempfehlungen kann der Bund erarbeiten, um dieses Potenzial besser zu nutzen und mehr Menschen zur Übernahme solcher Ämter zu motivieren?</li><li>Welche Massnahmen eignen sich, insbesondere das freiwillige Engagement junger Menschen zu stärken? Und welche Massnahmen eignen sich, um auch Jugendliche mit Migrationserfahrung einzubeziehen?</li><li>Wo bestehen allenfalls Förderlücken oder Fehlanreize? Und welche Rahmenbedingungen müssten angepasst werden, damit die Förderung an bestehenden Orten effizienter und wirkungsvoller umgesetzt werden kann?</li><li>Welche (Pilot-)Projekte bestehen auf kommunaler, kantonaler oder zivilgesellschaftlicher Ebene, in denen Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund durch freiwilliges Engagement zur eigenen Integration beitragen? Welche Lehren lassen sich daraus für einen möglichen Förderbedarf und eine Übertragung auf Bundesebene ziehen?</li></ol>
- Freiwilliges Engagement zur Stärkung der Demokratie und des Gemeinwohls nutzen
Back to List