Fehlende Gesundheitsdaten und höhere Krankenversicherungsprämien

ShortId
25.4366
Id
20254366
Updated
06.01.2026 10:12
Language
de
Title
Fehlende Gesundheitsdaten und höhere Krankenversicherungsprämien
AdditionalIndexing
2841;36;24;04
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><span>1. Eine Bevölkerungskohorte ist eine Langzeitstudie (je nach Studienzielen ca. 10–30 Jahre), mit der das Auftreten von Krankheiten beobachtet und Hypothesen über Zusammenhänge mit Expositionen oder Verhaltensweisen aufgestellt werden können. Der Nutzen und die Ausrichtung einer solchen Kohorte liegt demnach in der Gewinnung langfristiger Ergebnisse zu Gesundheitsrisiken. In diesem Sinne ist eine Bevölkerungskohorte kein Instrument zur Steuerung des Gesundheitssystems und eignet sich nicht zur Bewertung seiner Effizienz. Stattdessen gibt es im Gesundheitswesen bereits zahlreiche Datenbanken, die Informationen über die Entwicklung von Krankheiten, die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und die Gesundheitskosten liefern können. Die Krankenkassenprämien widerspiegeln jedoch nur die Kosten eines Jahres, und die Prämien richten sich nach den Kosten.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) liegen zahlreiche Daten zur Analyse des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen vor. So zeigt beispielsweise das Monitoring der Krankenversicherungs-Kostenentwicklung (MOKKE) die Kostenentwicklung in den verschiedenen Kantonen und Leistungserbringergruppen auf. Die Abrechnungsdaten reichen jedoch nicht aus, um kausale Zusammenhänge zu untersuchen. Diesbezüglich fehlt es derzeit an Kapazitäten für den Datenaustausch, der insbesondere ein besseres Verständnis der Behandlungsverläufe von Patientinnen und Patienten und damit der Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen ermöglichen würde. Das Projekt DigiSanté soll genau diese Rahmenbedingungen verbessern, um die Digitalisierung und Standardisierung im Gesundheitswesen zu beschleunigen und so den Datenaustausch zu erleichtern. Das Projekt sieht somit eine bessere Nutzung der relevanten Informationen vor, um zur kontinuierlichen Verbesserung des Gesundheitswesens beizutragen. Dieser Schritt ist zentral, um die Steuerung des Gesundheitssystems zu verbessern.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. Eine nationale Kohorte könnte relevante Informationen zur Entwicklung aller Determinanten der Bevölkerungsgesundheit (insbesondere Verhaltensweisen, Umweltfaktoren und sozioökonomische Verhältnisse) liefern. Durch die Bereitstellung gesamtschweizerischer Vergleichsdaten könnte sie zu einem besseren Verständnis der Gesundheitsrisiken auf nationaler und regionaler Ebene beitragen. Sie könnte politische Entscheidungen, insbesondere in den Bereichen Gesundheitsschutz und Prävention, fundiert untermauern. Neue Ergebnisse der Global Burden of Disease Studie (Vollset et al, 2024, The Lancet, Volume 403 (10440), 2204 – 2256) zeigen insbesondere den Nutzen einer raschen Intensivierung der Präventionsmassnahmen, um die Inzidenz und Morbidität chronischer Krankheiten zu senken und damit die gesamte Versorgungslast zu verringern, die in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Durch solche Massnahmen könnte der wachsende Druck auf das Gesundheitswesen besser bewältigt werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass das Gesundheitswesen vor grossen Herausforderungen steht und dass die Bereitstellung verlässlicher Gesundheitsdaten von zentraler Bedeutung ist. Er ist überzeugt, dass eine nationale Kohorte nützlich wäre, aber auch der Ansicht, dass bereits zahlreiche Informationsquellen bestehen, die besser genutzt werden könnten, wenn sie für Forschende leichter zugänglich wären. In diesem Sinne soll das Projekt DigiSanté auch den Austausch und die Nutzung von Gesundheitsdaten fördern. Der Bundesrat wird weiterhin Initiativen unterstützen, die ein regelmässiges Monitoring der Gesundheit in der Schweizer Bevölkerung ermöglichen, und sich auch künftig für ein qualitativ hochstehendes und effizientes Gesundheitswesen einsetzen.</span></p></span>
  • <p>Der Bundesrat hat angekündigt, das Projekt Schweizer Gesundheitsstudie nicht weiterzuverfolgen, obwohl das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bereits eine Pilotstudie durchgeführt hat und zahlreiche Bundesämter ihr Interesse bekundet haben (Bundesamt für Umwelt, Bundesamt für Statistik, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, SECO). Der Entscheid wurde mit dem Entlastungspaket des Bundes begründet.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Parallel dazu steigen die Krankenversicherungsprämien seit Jahren an; allein im nächsten Jahr um durchschnittlich 4,4&nbsp;Prozent. Ohne zuverlässige Daten über die Gesundheitsentwicklung sind gezielte und wirksame Prävention und Gesundheitsförderung, eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Gesundheitsversorgung und eine nachhaltige Steuerung des Gesundheitssystems und anderer gesundheitsrelevanter Bereiche wie Umweltpolitik oder Raumplanung nicht möglich.</p><p>&nbsp;</p><p>Eine nationale Gesundheitskohorte erhebt regelmässig und wiederholt Gesundheitsdaten von rund 100&nbsp;000 repräsentativ ausgewählten Personen. So könnte sie dazu beitragen, die Ursachen und die komplexe Entwicklung chronischer Erkrankungen besser zu verstehen, gezieltere Präventionsstrategien zu entwickeln und evidenzbasierte Entscheidungen in der Gesundheitspolitik zu treffen.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Diese Daten wären nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Gesundheitspolitik sowie für die Steuerung der Gesundheitskosten von grösster Bedeutung.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Wie beurteilt der Bundesrat den Zusammenhang zwischen unzureichenden Langzeitdaten im Gesundheitsbereich und steigenden Krankenversicherungsprämien?&nbsp;</li><li>Welche konkreten Daten fehlen dem BAG aktuell für eine bessere Analyse der Ursachen und Auswirkungen des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen und die Umsetzung gezielter Massnahmen?&nbsp;</li><li>Welche Rolle könnte eine nationale Gesundheitskohorte bei der mittel- und langfristigen Dämpfung der Gesundheitskosten und der Stabilisierung der Prämienentwicklung einnehmen?&nbsp;</li><li>Kann der Bundesrat die Mehrkosten für das Gesundheitswesen einschätzen, die durch die fehlenden Daten langfristig entstehen? Ist der Bundesrat angesichts der aktuellen Finanzlage des Bundes bereit, auf eine Massnahme zu verzichten, die künftig zu Einsparungen führen wird?</li></ul>
  • Fehlende Gesundheitsdaten und höhere Krankenversicherungsprämien
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><span>1. Eine Bevölkerungskohorte ist eine Langzeitstudie (je nach Studienzielen ca. 10–30 Jahre), mit der das Auftreten von Krankheiten beobachtet und Hypothesen über Zusammenhänge mit Expositionen oder Verhaltensweisen aufgestellt werden können. Der Nutzen und die Ausrichtung einer solchen Kohorte liegt demnach in der Gewinnung langfristiger Ergebnisse zu Gesundheitsrisiken. In diesem Sinne ist eine Bevölkerungskohorte kein Instrument zur Steuerung des Gesundheitssystems und eignet sich nicht zur Bewertung seiner Effizienz. Stattdessen gibt es im Gesundheitswesen bereits zahlreiche Datenbanken, die Informationen über die Entwicklung von Krankheiten, die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und die Gesundheitskosten liefern können. Die Krankenkassenprämien widerspiegeln jedoch nur die Kosten eines Jahres, und die Prämien richten sich nach den Kosten.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) liegen zahlreiche Daten zur Analyse des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen vor. So zeigt beispielsweise das Monitoring der Krankenversicherungs-Kostenentwicklung (MOKKE) die Kostenentwicklung in den verschiedenen Kantonen und Leistungserbringergruppen auf. Die Abrechnungsdaten reichen jedoch nicht aus, um kausale Zusammenhänge zu untersuchen. Diesbezüglich fehlt es derzeit an Kapazitäten für den Datenaustausch, der insbesondere ein besseres Verständnis der Behandlungsverläufe von Patientinnen und Patienten und damit der Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen ermöglichen würde. Das Projekt DigiSanté soll genau diese Rahmenbedingungen verbessern, um die Digitalisierung und Standardisierung im Gesundheitswesen zu beschleunigen und so den Datenaustausch zu erleichtern. Das Projekt sieht somit eine bessere Nutzung der relevanten Informationen vor, um zur kontinuierlichen Verbesserung des Gesundheitswesens beizutragen. Dieser Schritt ist zentral, um die Steuerung des Gesundheitssystems zu verbessern.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>3. Eine nationale Kohorte könnte relevante Informationen zur Entwicklung aller Determinanten der Bevölkerungsgesundheit (insbesondere Verhaltensweisen, Umweltfaktoren und sozioökonomische Verhältnisse) liefern. Durch die Bereitstellung gesamtschweizerischer Vergleichsdaten könnte sie zu einem besseren Verständnis der Gesundheitsrisiken auf nationaler und regionaler Ebene beitragen. Sie könnte politische Entscheidungen, insbesondere in den Bereichen Gesundheitsschutz und Prävention, fundiert untermauern. Neue Ergebnisse der Global Burden of Disease Studie (Vollset et al, 2024, The Lancet, Volume 403 (10440), 2204 – 2256) zeigen insbesondere den Nutzen einer raschen Intensivierung der Präventionsmassnahmen, um die Inzidenz und Morbidität chronischer Krankheiten zu senken und damit die gesamte Versorgungslast zu verringern, die in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Durch solche Massnahmen könnte der wachsende Druck auf das Gesundheitswesen besser bewältigt werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass das Gesundheitswesen vor grossen Herausforderungen steht und dass die Bereitstellung verlässlicher Gesundheitsdaten von zentraler Bedeutung ist. Er ist überzeugt, dass eine nationale Kohorte nützlich wäre, aber auch der Ansicht, dass bereits zahlreiche Informationsquellen bestehen, die besser genutzt werden könnten, wenn sie für Forschende leichter zugänglich wären. In diesem Sinne soll das Projekt DigiSanté auch den Austausch und die Nutzung von Gesundheitsdaten fördern. Der Bundesrat wird weiterhin Initiativen unterstützen, die ein regelmässiges Monitoring der Gesundheit in der Schweizer Bevölkerung ermöglichen, und sich auch künftig für ein qualitativ hochstehendes und effizientes Gesundheitswesen einsetzen.</span></p></span>
    • <p>Der Bundesrat hat angekündigt, das Projekt Schweizer Gesundheitsstudie nicht weiterzuverfolgen, obwohl das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bereits eine Pilotstudie durchgeführt hat und zahlreiche Bundesämter ihr Interesse bekundet haben (Bundesamt für Umwelt, Bundesamt für Statistik, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation, SECO). Der Entscheid wurde mit dem Entlastungspaket des Bundes begründet.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Parallel dazu steigen die Krankenversicherungsprämien seit Jahren an; allein im nächsten Jahr um durchschnittlich 4,4&nbsp;Prozent. Ohne zuverlässige Daten über die Gesundheitsentwicklung sind gezielte und wirksame Prävention und Gesundheitsförderung, eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Gesundheitsversorgung und eine nachhaltige Steuerung des Gesundheitssystems und anderer gesundheitsrelevanter Bereiche wie Umweltpolitik oder Raumplanung nicht möglich.</p><p>&nbsp;</p><p>Eine nationale Gesundheitskohorte erhebt regelmässig und wiederholt Gesundheitsdaten von rund 100&nbsp;000 repräsentativ ausgewählten Personen. So könnte sie dazu beitragen, die Ursachen und die komplexe Entwicklung chronischer Erkrankungen besser zu verstehen, gezieltere Präventionsstrategien zu entwickeln und evidenzbasierte Entscheidungen in der Gesundheitspolitik zu treffen.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Diese Daten wären nicht nur für die Forschung, sondern auch für die Gesundheitspolitik sowie für die Steuerung der Gesundheitskosten von grösster Bedeutung.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Wie beurteilt der Bundesrat den Zusammenhang zwischen unzureichenden Langzeitdaten im Gesundheitsbereich und steigenden Krankenversicherungsprämien?&nbsp;</li><li>Welche konkreten Daten fehlen dem BAG aktuell für eine bessere Analyse der Ursachen und Auswirkungen des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen und die Umsetzung gezielter Massnahmen?&nbsp;</li><li>Welche Rolle könnte eine nationale Gesundheitskohorte bei der mittel- und langfristigen Dämpfung der Gesundheitskosten und der Stabilisierung der Prämienentwicklung einnehmen?&nbsp;</li><li>Kann der Bundesrat die Mehrkosten für das Gesundheitswesen einschätzen, die durch die fehlenden Daten langfristig entstehen? Ist der Bundesrat angesichts der aktuellen Finanzlage des Bundes bereit, auf eine Massnahme zu verzichten, die künftig zu Einsparungen führen wird?</li></ul>
    • Fehlende Gesundheitsdaten und höhere Krankenversicherungsprämien

Back to List