Burger King machts vor. Keine Hühner der Qualzuchtrasse Ross 308
- ShortId
-
25.4370
- Id
-
20254370
- Updated
-
06.01.2026 11:14
- Language
-
de
- Title
-
Burger King machts vor. Keine Hühner der Qualzuchtrasse Ross 308
- AdditionalIndexing
-
52;15
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Hühnerrasse Ross 308, die international wegen Qualzucht in der Kritik steht, wird in der Schweizer Pouletmast noch immer eingesetzt. Hinter dem Labornamen Ross 308 verbirgt sich eine speziell gezüchtete Rasse, die besonders schnell gemästet werden kann. So erreichen die Küken, die bei der Geburt etwa 40 Gramm wiegen, in 35 Tagen etwa zwei Kilo, also das 50-fache ihres ursprünglichen Gewichts. Dann sind sie schlachtreif. Die Elterntiere der Hochleistungsrasse werden dabei von ausländischen Zuchtkonzernen importiert. Das rasante Wachstum geht ausserdem mit gesundheitlichen Schäden einher: Oft brechen Beinchen, weil sie das Gewicht nicht mehr tragen können, sie haben deformierte Gliedmassen oder sterben sogar noch vor ihren kurzen 35 Tagen Lebenszeit. Zahlreiche Studien belegen<a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/enquetes-en-elevages/ross-308-de/#footnote-1"><u>[1]</u></a> <a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/enquetes-en-elevages/ross-308-de/#footnote-2"><u>[2]</u></a> <a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/enquetes-en-elevages/ross-308-de/#footnote-3"><u>[3]</u></a> <a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/enquetes-en-elevages/ross-308-de/#footnote-4"><u>[4]</u></a> , dass diese Zucht für schwere Gesundheitsprobleme, erhöhte Sterblichkeit und Schmerzen von «extremer» Intensität verantwortlich ist. Besonders häufig treten Lahmheiten auf – so stark, dass manche Tiere nur noch kriechend Futter oder Wasser erreichen. </p><p>Die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit führt ausserdem dazu, dass auch Haltungssysteme wie BTS oder RAUS obsolet werden: Ein Aussenklimabereich ist nun einmal sinnlos, wenn die Hühner ihn aufgrund der deformierten Gliedmassen gar nicht erreichen können. Die Kritik wird auch international laut: Immer mehr Unternehmen – darunter Burger King und LDC, der führende europäische Hühnerproduzent – verzichten auf die schnellwachsende Hühnerrasse, während sie in der Schweiz noch immer zum Einsatz kommt. Im Sinne der in der Verfassung verankerten Tierwürde und dem Verbot der Tierquälerei sollte daher auch in der Schweiz auf diese extreme Hochleistungsrasse verzichtet und eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes vorgenommen werden.</p>
- <span><p><span>Bei der Zucht von Mastgeflügel wird zwischen schnell und langsam wachsenden Zuchtlinien unterschieden. Die Produktion von Geflügelfleisch von schnell wachsenden Tieren ist sehr effizient und weist eine günstige Umweltbilanz aus. Grund dafür ist eine bessere Futterverwertung, zumal die Futtermenge, die pro Kilogramm Gewichtszuwachs benötigt wird, deutlich tiefer ist als bei langsam wachsenden Rassen. Das Fleisch entspricht den qualitativen Ansprüchen der Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten und ist markant kostengünstiger zu produzieren als bei langsam wachsendem Mastgeflügel.</span></p><p><span> </span></p><p><span>In der Schweiz beträgt der Anteil an Mastpoulets der Zuchtlinie Ross 308 ca. 90%.</span></p><p><span>Schnell wachsende Hühnerrassen werden üblicherweise bereits im Alter von 35-42 Tagen geschlachtet. Zahlreiche Merkmale, die bei solchen Rassen zu starken gesundheitlichen Belastungen führen können, entwickeln sich erst mit zunehmendem Alter.</span></p><p><span>Neben der Wahl der Rasse ist die Haltung massgeblich mitentscheidend für das Wohl der Tiere. Im Jahr 2023 wurden hierzulande 97.9% der Mastpoulets im Tierwohlprogramm BTS (Besonders Tierfreundliche Stallhaltungssysteme) gehalten. Als besonders tierfreundlich gelten Mehrbereich-Haltungssysteme mit verschiedenen Funktionsbereichen, insbesondere Zugang in einen Aussenklimabereich. Die Tiere können sich frei bewegen, Ruhe- und Bewegungsmöglichkeiten sowie genügend Tageslicht im Stall sind weitere Programmanforderungen (Agrarbericht 2024 des Bundesamts für Landwirtschaft; www.agrarbericht.ch).</span></p><p><span>Der Veterinärdienst Schweiz hat in den Jahren 2021-2023 ein Vollzugsschwerpunktprogramm Geflügel durchgeführt. In dessen Rahmen wurden bei Mastpoulets verschiedene Punkte in Bezug auf ihre Gesundheit vertieft kontrolliert. Das Programm stellte der Schweizer Geflügelhaltung ein gutes Zeugnis aus. Beim Kontrollpunkt «Verletzungen und Pflege» wurden bei mehr als 99% der kontrollierten Mastpoulet-Haltungen keine Mängel festgestellt (</span><a href="http://www.blv.admin.ch"><span>www.blv.admin.ch</span></a><span> > Tiere > Nutztierhaltung > Geflügel > Schwerpunktprogramm 2021-2023).</span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Entwicklungen im Ausland werden verfolgt, dabei interessiert insbesondere, welche andere – voraussichtlich ebenfalls schnell wachsende – Rasse anstelle von Ross 308 gewählt wird. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Inlandanteil bei Geflügelfleisch in der Schweiz heute bei knapp 64% liegt (Aviforum, Geflügelwirtschaft in Zahlen 6/2025, unter www.aviforum.ch). Geflügelfleisch aus dem Ausland dürfte derzeit zum Grossteil ebenfalls von Ross 308 stammen. Ein Verbot des schnell wachsenden Mastgeflügels in der Schweiz würde zu einer Verteuerung des hiesigen Angebots und damit voraussichtlich zu einem erhöhten Bedarf von – kostengünstigerem – Import-Geflügelfleisch führen. Dabei sind die ausländischen Haltebedingungen oftmals tiefer als in der Schweiz, was dem Tierwohl letztlich zuwiderlaufen würde.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Alternativen zu den schnell wachsenden Rassen sind bereits vorhanden. Im Biobereich werden langsamer wachsende Zuchtlinien eingesetzt. Die Mindestmastdauer für Mastpoulets beträgt nach der Bio-Verordnung (SR</span><span> </span><span>910.18) 63 Tage und beim RAUS-Beitrag (Regelmässiger Auslauf ins Freie) nach der Direktzahlungsverordnung (DZV; SR</span><span> </span><span>910.13) 56 Tage. Labelorganisationen, deren Produkte mehrheitlich über die Grossverteiler vermarktet werden, können den Mehrwert von langsamer wachsenden Mastpoulets nach der Geflügelkennzeichnungsverordnung (GKZV; SR</span><span> </span><span>916.342) kennzeichnen. Der Anteil an Pouletfleisch nach den RAUS- oder Bio-Kriterien beträgt heute rund 8 bzw. 3% (Agrarbericht 2024). </span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat setzt sich dafür ein, die Transformation hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen im In- und Ausland voranzutreiben. Er ist sich bewusst, dass die freien Kaufentscheide der Konsumentinnen und Konsumenten dabei eine wesentliche Rolle spielen. Er erinnert auch daran, dass die Massentierhaltungsinitiative im September 2022 von den Schweizer Stimmberechtigten und mit Ausnahme von Basel-Stadt von allen Ständen mit 62.9% Nein-Stimmen abgelehnt wurde. Mit dieser Initiative wären die Bio Suisse Richtlinien für die Produktion von Mastpoulets verbindlich erklärt worden, was eine Mindestmastdauer von 63 Tagen und somit den Einsatz von deutlich langsamer wachsenden Rassen bedeutet hätte.</span><span></span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, durch eine Änderung von Artikel 10 des Tierschutzgesetzes, die umstrittene Hochleistungs - Hühnerrasse Ross 308 in der Hühnermast zu verbieten.</p><p> </p>
- Burger King machts vor. Keine Hühner der Qualzuchtrasse Ross 308
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die Hühnerrasse Ross 308, die international wegen Qualzucht in der Kritik steht, wird in der Schweizer Pouletmast noch immer eingesetzt. Hinter dem Labornamen Ross 308 verbirgt sich eine speziell gezüchtete Rasse, die besonders schnell gemästet werden kann. So erreichen die Küken, die bei der Geburt etwa 40 Gramm wiegen, in 35 Tagen etwa zwei Kilo, also das 50-fache ihres ursprünglichen Gewichts. Dann sind sie schlachtreif. Die Elterntiere der Hochleistungsrasse werden dabei von ausländischen Zuchtkonzernen importiert. Das rasante Wachstum geht ausserdem mit gesundheitlichen Schäden einher: Oft brechen Beinchen, weil sie das Gewicht nicht mehr tragen können, sie haben deformierte Gliedmassen oder sterben sogar noch vor ihren kurzen 35 Tagen Lebenszeit. Zahlreiche Studien belegen<a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/enquetes-en-elevages/ross-308-de/#footnote-1"><u>[1]</u></a> <a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/enquetes-en-elevages/ross-308-de/#footnote-2"><u>[2]</u></a> <a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/enquetes-en-elevages/ross-308-de/#footnote-3"><u>[3]</u></a> <a href="https://observatoireduspecisme.ch/nos-dossiers/enquetes-en-elevages/ross-308-de/#footnote-4"><u>[4]</u></a> , dass diese Zucht für schwere Gesundheitsprobleme, erhöhte Sterblichkeit und Schmerzen von «extremer» Intensität verantwortlich ist. Besonders häufig treten Lahmheiten auf – so stark, dass manche Tiere nur noch kriechend Futter oder Wasser erreichen. </p><p>Die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit führt ausserdem dazu, dass auch Haltungssysteme wie BTS oder RAUS obsolet werden: Ein Aussenklimabereich ist nun einmal sinnlos, wenn die Hühner ihn aufgrund der deformierten Gliedmassen gar nicht erreichen können. Die Kritik wird auch international laut: Immer mehr Unternehmen – darunter Burger King und LDC, der führende europäische Hühnerproduzent – verzichten auf die schnellwachsende Hühnerrasse, während sie in der Schweiz noch immer zum Einsatz kommt. Im Sinne der in der Verfassung verankerten Tierwürde und dem Verbot der Tierquälerei sollte daher auch in der Schweiz auf diese extreme Hochleistungsrasse verzichtet und eine entsprechende Änderung des Tierschutzgesetzes vorgenommen werden.</p>
- <span><p><span>Bei der Zucht von Mastgeflügel wird zwischen schnell und langsam wachsenden Zuchtlinien unterschieden. Die Produktion von Geflügelfleisch von schnell wachsenden Tieren ist sehr effizient und weist eine günstige Umweltbilanz aus. Grund dafür ist eine bessere Futterverwertung, zumal die Futtermenge, die pro Kilogramm Gewichtszuwachs benötigt wird, deutlich tiefer ist als bei langsam wachsenden Rassen. Das Fleisch entspricht den qualitativen Ansprüchen der Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten und ist markant kostengünstiger zu produzieren als bei langsam wachsendem Mastgeflügel.</span></p><p><span> </span></p><p><span>In der Schweiz beträgt der Anteil an Mastpoulets der Zuchtlinie Ross 308 ca. 90%.</span></p><p><span>Schnell wachsende Hühnerrassen werden üblicherweise bereits im Alter von 35-42 Tagen geschlachtet. Zahlreiche Merkmale, die bei solchen Rassen zu starken gesundheitlichen Belastungen führen können, entwickeln sich erst mit zunehmendem Alter.</span></p><p><span>Neben der Wahl der Rasse ist die Haltung massgeblich mitentscheidend für das Wohl der Tiere. Im Jahr 2023 wurden hierzulande 97.9% der Mastpoulets im Tierwohlprogramm BTS (Besonders Tierfreundliche Stallhaltungssysteme) gehalten. Als besonders tierfreundlich gelten Mehrbereich-Haltungssysteme mit verschiedenen Funktionsbereichen, insbesondere Zugang in einen Aussenklimabereich. Die Tiere können sich frei bewegen, Ruhe- und Bewegungsmöglichkeiten sowie genügend Tageslicht im Stall sind weitere Programmanforderungen (Agrarbericht 2024 des Bundesamts für Landwirtschaft; www.agrarbericht.ch).</span></p><p><span>Der Veterinärdienst Schweiz hat in den Jahren 2021-2023 ein Vollzugsschwerpunktprogramm Geflügel durchgeführt. In dessen Rahmen wurden bei Mastpoulets verschiedene Punkte in Bezug auf ihre Gesundheit vertieft kontrolliert. Das Programm stellte der Schweizer Geflügelhaltung ein gutes Zeugnis aus. Beim Kontrollpunkt «Verletzungen und Pflege» wurden bei mehr als 99% der kontrollierten Mastpoulet-Haltungen keine Mängel festgestellt (</span><a href="http://www.blv.admin.ch"><span>www.blv.admin.ch</span></a><span> > Tiere > Nutztierhaltung > Geflügel > Schwerpunktprogramm 2021-2023).</span></p><p><span> </span></p><p><span>Die Entwicklungen im Ausland werden verfolgt, dabei interessiert insbesondere, welche andere – voraussichtlich ebenfalls schnell wachsende – Rasse anstelle von Ross 308 gewählt wird. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Inlandanteil bei Geflügelfleisch in der Schweiz heute bei knapp 64% liegt (Aviforum, Geflügelwirtschaft in Zahlen 6/2025, unter www.aviforum.ch). Geflügelfleisch aus dem Ausland dürfte derzeit zum Grossteil ebenfalls von Ross 308 stammen. Ein Verbot des schnell wachsenden Mastgeflügels in der Schweiz würde zu einer Verteuerung des hiesigen Angebots und damit voraussichtlich zu einem erhöhten Bedarf von – kostengünstigerem – Import-Geflügelfleisch führen. Dabei sind die ausländischen Haltebedingungen oftmals tiefer als in der Schweiz, was dem Tierwohl letztlich zuwiderlaufen würde.</span></p><p><span> </span></p><p><span>Alternativen zu den schnell wachsenden Rassen sind bereits vorhanden. Im Biobereich werden langsamer wachsende Zuchtlinien eingesetzt. Die Mindestmastdauer für Mastpoulets beträgt nach der Bio-Verordnung (SR</span><span> </span><span>910.18) 63 Tage und beim RAUS-Beitrag (Regelmässiger Auslauf ins Freie) nach der Direktzahlungsverordnung (DZV; SR</span><span> </span><span>910.13) 56 Tage. Labelorganisationen, deren Produkte mehrheitlich über die Grossverteiler vermarktet werden, können den Mehrwert von langsamer wachsenden Mastpoulets nach der Geflügelkennzeichnungsverordnung (GKZV; SR</span><span> </span><span>916.342) kennzeichnen. Der Anteil an Pouletfleisch nach den RAUS- oder Bio-Kriterien beträgt heute rund 8 bzw. 3% (Agrarbericht 2024). </span></p><p><span> </span></p><p><span>Der Bundesrat setzt sich dafür ein, die Transformation hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen im In- und Ausland voranzutreiben. Er ist sich bewusst, dass die freien Kaufentscheide der Konsumentinnen und Konsumenten dabei eine wesentliche Rolle spielen. Er erinnert auch daran, dass die Massentierhaltungsinitiative im September 2022 von den Schweizer Stimmberechtigten und mit Ausnahme von Basel-Stadt von allen Ständen mit 62.9% Nein-Stimmen abgelehnt wurde. Mit dieser Initiative wären die Bio Suisse Richtlinien für die Produktion von Mastpoulets verbindlich erklärt worden, was eine Mindestmastdauer von 63 Tagen und somit den Einsatz von deutlich langsamer wachsenden Rassen bedeutet hätte.</span><span></span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, durch eine Änderung von Artikel 10 des Tierschutzgesetzes, die umstrittene Hochleistungs - Hühnerrasse Ross 308 in der Hühnermast zu verbieten.</p><p> </p>
- Burger King machts vor. Keine Hühner der Qualzuchtrasse Ross 308
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