Geschlossene Staatskarrieren verhindern

ShortId
25.4383
Id
20254383
Updated
19.11.2025 15:20
Language
de
Title
Geschlossene Staatskarrieren verhindern
AdditionalIndexing
04;44;15
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die meisten Top-Kader der Bundesverwaltung haben geschlossene Staatskarrieren hinter sich. Sie haben nie in hoher Führungsverantwortung in der Privatwirtschaft gearbeitet. Akademische Hintergründe und fachliche Karrieren dominieren. Das hat seine Vorteile, aber eben auch seine Nachteile. Mehr Austausch und mehr Wechsel zwischen den Sphären auf Führungsebene können bereichernd sein. Die viel gelobte Interdisziplinarität sollte auf den obersten Führungsetagen mehr Gewicht bekommen. Das kann helfen, sich nicht in der eigenen Logik zu verlieren. Es stellt den Praxisbezug her. Es hält die Verbindung zwischen Staat und Gesellschaft aufrecht. Es wäre eine Fortführung des Milizgedankens. Es würde die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz der Verwaltung weiter stärken. Unternehmerisches, agiles und innovatives Denken sowie vielfältige strategische und operative Führungsverantwortung auf höchster Stufe sind heute mehr denn je auch beim Staat gefragt, um mit den komplexen und vielschichtigen Herausforderungen einer schnelllebigen Welt klarzukommen. Und das lernt man nicht in Lehrbüchern oder an der Uni, sondern in der unternehmerischen Praxis. Ziel ist es, mehr aus der Binnenperspektive von Staat und Verwaltung auszubrechen. Organisationen, die externe Führungserfahrungen systematisch einbinden, sind anpassungsfähiger und weniger anfällig für Pfadabhängigkeiten. Starre Strukturen sind heute ein Hauptproblem bei der Führung. Da braucht es Abhilfe. Stärkere Durchlässigkeit zwischen Verwaltung und Privatwirtschaft wäre da von grossem Vorteil. Sie fördert auch das gegenseitige Verständnis und die Kommunikation. Auch die OECD und verschiedene Governance-Studien weisen regelmässig darauf hin, dass Mischkarrieren – also Laufbahnen, die zwischen öffentlichem und privatem Sektor wechseln – die Qualität von politischen Prozessen und die Effizienz von Verwaltungshandeln erhöhen können. Es würde beim Staat das Verständnis für die Funktionsweise von Organisationen ausserhalb des öffentlichen Sektors verbessern und etwa auch Beschäftigten in der Verwaltung den Wechsel zurück in die Privatwirtschaft erleichtern.</p>
  • <span><p><span>Der Bundesrat begrüsst die Durchlässigkeit zwischen dem staatlichen und dem privatwirtschaftlichen Sektor – nicht nur, aber auch für Spitzenkader. Sie trägt dazu bei, die Verbindungen zwischen Staat und Gesellschaft zu stärken, den gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch und das gegenseitige Verständnis zu fördern, und sie ist für beide Seiten wertvoll. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Zentral für die Durchlässigkeit ist der Zugang zur Information über offene Stellen. Offene (Führungs-)positionen in der Bundesverwaltung werden auf dem Online-Stellenportal der Bundesverwaltung (</span><a href="http://www.stelle.admin.ch"><u><span>www.stelle.admin.ch</span></u></a><span>) ausgeschrieben und sind für alle Interessierten, ob extern oder intern, einsehbar/abonnierbar. Interessierte Topkader aus der Privatwirtschaft können sich also auf Positionen in der Bundesverwaltung bewerben. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Bundesrat ist bestrebt, die Arbeitsbedingungen in der Bundesverwaltung so auszugestalten, dass für die zu erfüllenden Aufgaben gut qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Ein wichtiger Punkt ist dabei auch, dass die Arbeitsinhalte in der Bundesverwaltung von vielen Personen als interessant und sinnhaft angesehen werden. Im Bereich der Nebenleistungen ist die Konkurrenzfähigkeit der Bundesverwaltung weitgehend gewährleistet, während die Vergütung für höhere und höchste Kader, im Vergleich vor allem mit grösseren Unternehmen der Privatwirtschaft, Defizite aufweist, insbesondere weil beim Bund keine variablen Vergütungsteile bestehen (s. Vergleichsstudie über die Anstellungsbedingungen der Bundesverwaltung gegenüber dem öffentlichen, halböffentlichen und privaten Sektor von PricewaterhouseCoopers AG; www.</span><a href="https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=102818"><span>news.admin.ch/de/nsb?id=102818</span></a><span>).</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Was den Wechsel von Topkadern aus der Bundesverwaltung in die Privatwirtschaft angeht, so kommt dies regelmässig vor. Solche Wechsel werden jedoch nicht selten kritisch beurteilt (s. z.B. Ip. Masshardt 19.4550 Karenzfrist für Angestellte des obersten Kaders der Bundesverwaltung). Es geht dabei insbesondere um allfällige Interessenkonflikte. Eine Massnahme zur Vermeidung von Interessenkonflikten besteht in der vertraglichen Vereinbarung von Karenzfristen (s. Art. 94b BPV; SR 172.220.111.3). Strengere Karenzfristregelungen für Topkader der Bundesverwaltung hätten jedoch weitere negative Auswirkungen, wenn Spitzenkräfte in die Privatwirtschaft wechseln wollen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Die Voraussetzungen für Wechsel von Topkadern aus der Privatwirtschaft in die Bundesverwaltung bestehen. Letztlich ist es jedoch immer ein persönlicher Entscheid, sich für eine Position in der Bundesverwaltung zu bewerben. Allfälligen Förderungsbemühungen in diesem Bereich – über interessante Arbeitsinhalte und konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen hinaus – sind daher Grenzen gesetzt. </span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, den Wechsel von Führungskräften aus der Privatwirtschaft in die Bundesverwaltung und umgekehrt zu fördern. Die Vergütungshöhe soll nicht Teil dieser Förderung sein. Es geht insbesondere darum, geschlossene Amts- und Staatskarrieren zu verhindern.</p>
  • Geschlossene Staatskarrieren verhindern
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die meisten Top-Kader der Bundesverwaltung haben geschlossene Staatskarrieren hinter sich. Sie haben nie in hoher Führungsverantwortung in der Privatwirtschaft gearbeitet. Akademische Hintergründe und fachliche Karrieren dominieren. Das hat seine Vorteile, aber eben auch seine Nachteile. Mehr Austausch und mehr Wechsel zwischen den Sphären auf Führungsebene können bereichernd sein. Die viel gelobte Interdisziplinarität sollte auf den obersten Führungsetagen mehr Gewicht bekommen. Das kann helfen, sich nicht in der eigenen Logik zu verlieren. Es stellt den Praxisbezug her. Es hält die Verbindung zwischen Staat und Gesellschaft aufrecht. Es wäre eine Fortführung des Milizgedankens. Es würde die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz der Verwaltung weiter stärken. Unternehmerisches, agiles und innovatives Denken sowie vielfältige strategische und operative Führungsverantwortung auf höchster Stufe sind heute mehr denn je auch beim Staat gefragt, um mit den komplexen und vielschichtigen Herausforderungen einer schnelllebigen Welt klarzukommen. Und das lernt man nicht in Lehrbüchern oder an der Uni, sondern in der unternehmerischen Praxis. Ziel ist es, mehr aus der Binnenperspektive von Staat und Verwaltung auszubrechen. Organisationen, die externe Führungserfahrungen systematisch einbinden, sind anpassungsfähiger und weniger anfällig für Pfadabhängigkeiten. Starre Strukturen sind heute ein Hauptproblem bei der Führung. Da braucht es Abhilfe. Stärkere Durchlässigkeit zwischen Verwaltung und Privatwirtschaft wäre da von grossem Vorteil. Sie fördert auch das gegenseitige Verständnis und die Kommunikation. Auch die OECD und verschiedene Governance-Studien weisen regelmässig darauf hin, dass Mischkarrieren – also Laufbahnen, die zwischen öffentlichem und privatem Sektor wechseln – die Qualität von politischen Prozessen und die Effizienz von Verwaltungshandeln erhöhen können. Es würde beim Staat das Verständnis für die Funktionsweise von Organisationen ausserhalb des öffentlichen Sektors verbessern und etwa auch Beschäftigten in der Verwaltung den Wechsel zurück in die Privatwirtschaft erleichtern.</p>
    • <span><p><span>Der Bundesrat begrüsst die Durchlässigkeit zwischen dem staatlichen und dem privatwirtschaftlichen Sektor – nicht nur, aber auch für Spitzenkader. Sie trägt dazu bei, die Verbindungen zwischen Staat und Gesellschaft zu stärken, den gegenseitigen Wissens- und Erfahrungsaustausch und das gegenseitige Verständnis zu fördern, und sie ist für beide Seiten wertvoll. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Zentral für die Durchlässigkeit ist der Zugang zur Information über offene Stellen. Offene (Führungs-)positionen in der Bundesverwaltung werden auf dem Online-Stellenportal der Bundesverwaltung (</span><a href="http://www.stelle.admin.ch"><u><span>www.stelle.admin.ch</span></u></a><span>) ausgeschrieben und sind für alle Interessierten, ob extern oder intern, einsehbar/abonnierbar. Interessierte Topkader aus der Privatwirtschaft können sich also auf Positionen in der Bundesverwaltung bewerben. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Der Bundesrat ist bestrebt, die Arbeitsbedingungen in der Bundesverwaltung so auszugestalten, dass für die zu erfüllenden Aufgaben gut qualifiziertes Personal zur Verfügung steht. Ein wichtiger Punkt ist dabei auch, dass die Arbeitsinhalte in der Bundesverwaltung von vielen Personen als interessant und sinnhaft angesehen werden. Im Bereich der Nebenleistungen ist die Konkurrenzfähigkeit der Bundesverwaltung weitgehend gewährleistet, während die Vergütung für höhere und höchste Kader, im Vergleich vor allem mit grösseren Unternehmen der Privatwirtschaft, Defizite aufweist, insbesondere weil beim Bund keine variablen Vergütungsteile bestehen (s. Vergleichsstudie über die Anstellungsbedingungen der Bundesverwaltung gegenüber dem öffentlichen, halböffentlichen und privaten Sektor von PricewaterhouseCoopers AG; www.</span><a href="https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=102818"><span>news.admin.ch/de/nsb?id=102818</span></a><span>).</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Was den Wechsel von Topkadern aus der Bundesverwaltung in die Privatwirtschaft angeht, so kommt dies regelmässig vor. Solche Wechsel werden jedoch nicht selten kritisch beurteilt (s. z.B. Ip. Masshardt 19.4550 Karenzfrist für Angestellte des obersten Kaders der Bundesverwaltung). Es geht dabei insbesondere um allfällige Interessenkonflikte. Eine Massnahme zur Vermeidung von Interessenkonflikten besteht in der vertraglichen Vereinbarung von Karenzfristen (s. Art. 94b BPV; SR 172.220.111.3). Strengere Karenzfristregelungen für Topkader der Bundesverwaltung hätten jedoch weitere negative Auswirkungen, wenn Spitzenkräfte in die Privatwirtschaft wechseln wollen.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>Die Voraussetzungen für Wechsel von Topkadern aus der Privatwirtschaft in die Bundesverwaltung bestehen. Letztlich ist es jedoch immer ein persönlicher Entscheid, sich für eine Position in der Bundesverwaltung zu bewerben. Allfälligen Förderungsbemühungen in diesem Bereich – über interessante Arbeitsinhalte und konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen hinaus – sind daher Grenzen gesetzt. </span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, den Wechsel von Führungskräften aus der Privatwirtschaft in die Bundesverwaltung und umgekehrt zu fördern. Die Vergütungshöhe soll nicht Teil dieser Förderung sein. Es geht insbesondere darum, geschlossene Amts- und Staatskarrieren zu verhindern.</p>
    • Geschlossene Staatskarrieren verhindern

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