Strategie für präventive Weiterbildung und Umschulung bei berufsrelevanten Struktur- und Technologieumbrüchen

ShortId
25.4414
Id
20254414
Updated
12.02.2026 08:35
Language
de
Title
Strategie für präventive Weiterbildung und Umschulung bei berufsrelevanten Struktur- und Technologieumbrüchen
AdditionalIndexing
32;34;44
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Schweizer Wirtschaft steht insbesondere aber nicht nur durch den Einsatz von KI vor tiefgreifenden Veränderungen, welche Berufsbilder und Kompetenzanforderungen substanziell wandeln. Eine präventive, datenbasierte und partnerschaftlich getragene Strategie erhöht die Beschäftigungsfähigkeit, schont die ALV, stärkt die Innovationskraft und wahrt die Chancengerechtigkeit in allen Regionen.</p><p>Statt erst im Nachgang auf Stellenverluste zu reagieren, soll die Schweiz als Innovationsstandort proaktiv handeln. Eine kohärente Strategie ermöglicht es, Menschen im Erwerbsleben frühzeitig zu identifizieren, deren Tätigkeiten einem hohen Risiko unterliegen, und ihnen gezielt Weiterbildungen zugänglich zu machen. Dies entlastet mittelfristig die ALV, sichert das individuelle Erwerbseinkommen und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft.</p><p>Die Motion folgt dem Grundsatz der Eigenverantwortung in Verbindung mit gezielter staatlicher Unterstützung und betont den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zeiten des technologischen Wandels.</p>
  • <span><p><span>Das Bildungs- und das Beschäftigungssystem in der Schweiz sind eng aufeinander abgestimmt. Die Vermittlung beruflicher Kompetenzen erfolgt in einem fein abgestimmten System aus formalen Abschlüssen, rasch anpassungsfähiger, berufsorientierter Weiterbildung und informellem Lernen. Durch das Berufsprinzip und die Arbeitsmarktorientierung ist die Berufsbildung stetig gefordert, die sich wandelnden Anforderungen und Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft aufzunehmen und das Aus- und Weiterbildungssystem entsprechend zu gestalten und weiterzuentwickeln. </span></p><p><span>In der Vergangenheit hat sich bei verschiedenen Megatrends, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, gezeigt, dass die starke Arbeitsmarktorientierung des Bildungssystems Schlüssel für das Schritthalten mit neuen Entwicklungen ist. Alle beruflichen Grundbildungen und Abschlüsse der höheren Berufsbildung werden auf Initiative der Wirtschaft entwickelt und regelmässig überprüft sowie bei Bedarf angepasst. Neue Entwicklungen wie Applikationen mit Künstlicher Intelligenz (KI) können zudem in rasch konzipierten Kursen vermittelt oder durch Lernen am Arbeitsplatz erworben werden.</span></p><p><span>Die Digitalisierung und insbesondere der Einsatz von KI verändern den Arbeitsmarkt je nach Branche in sehr unterschiedlicher Form und Intensität. Die konkreten Auswirkungen lassen sich daher weder präzise voraussagen noch klar abgrenzen. Eine präventive Erfassung potenziell betroffener Personen ist, soweit überhaupt machbar, Aufgabe der Unternehmen oder Branchen. Ein Grossteil der Unternehmen unterstützt die berufsorientierte Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden. Dadurch stellen die Unternehmen sicher, dass die Mitarbeitenden mit den Veränderungen in der Arbeitswelt Schritt halten. Das Weiterbildungsangebot in der Schweiz ist breit und umfassend. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich so an neue Anforderungen anpassen, bestehende Kompetenzen erweitern oder neue Fähigkeiten dazulernen. Gestützt auf das Berufsbildungsgesetz hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation das Förderprogramm «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» lanciert, um kurze Weiterbildungen im Bereich Grundkompetenzen am Arbeitsplatz, insbesondere auch im Bereich der digitalen Kompetenzen, finanziell zu unterstützen. Auch in der Berufsinformation und -beratung bestehen bereits Strukturen und Angebote. So richtet sich die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung in den Kantonen vermehrt aus auf die Veränderungen des Arbeitsmarkts und deren Konsequenzen für Einzelpersonen. Zudem stehen verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung, wie beispielsweise «viamia», eine kostenlose berufliche Standortbestimmung für über 40-Jährige.</span></p><p><span>Der Bund verfolgt die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt systematisch und thematisiert diese in bestehenden Gremien. In der Tripartiten Berufsbildungskonferenz sind Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt vertreten und verfolgen entsprechende Entwicklungen und Herausforderungen. Sie stimmen ihre Massnahmen in den jeweiligen Zuständigkeiten aufeinander ab. Der nationale Bildungsbericht liefert periodisch fundiertes Steuerungswissen zu den Auswirkungen der Digitalisierung und KI auf das schweizerische Bildungssystem; der nächste Bericht erscheint im Frühling 2026. Zudem veröffentlicht der Bundesrat regelmässig Monitoringberichte über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt. Der nächste Bericht wird voraussichtlich 2027 erscheinen und sich auch mit den Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt befassen. Ferner hat sich die Schweiz an einer ländervergleichenden Studie der OECD beteiligt, die den Einsatz von KI zur Verbesserung der Arbeitsmarktrelevanz von Berufsbildungslehrplänen und -qualifikationen zum Thema hat.</span></p><p><span>Angesichts der bestehenden Strukturen und Massnahmen besteht kein Bedarf für eine zusätzliche Strategie. Das aktuelle System erlaubt es, Entwicklungen bottom-up frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Eine gesonderte präventive Weiterbildungsoffensive würde keinen Mehrwert schaffen und wäre aufgrund der schwer prognostizierbaren Auswirkungen von KI nicht zielführend.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Sozialpartnern und den relevanten Akteuren der Berufs-, Weiter- und Erwachsenenbildung eine nationale Strategie auszuarbeiten, die präventive Weiterbildung und Umschulung für Erwerbstätige sicherstellt, deren berufliche Tätigkeit voraussichtlich erheblich durch technologische, wirtschaftliche oder regulatorische Umbrüche, wie beispielsweise den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, verändert oder verdrängt werden. Ziel ist es, diesen Personen eine rasche berufliche Umorientierung oder Qualifizierung innerhalb ihres Tätigkeitsfeldes zu ermöglichen, um einen Übertritt in die Arbeitslosenversicherung (ALV) möglichst zu vermeiden.</p><p>&nbsp;</p><p>Eine Minderheit der Kommission (Hug, Balmer, de Montmollin, Freymond, Gafner, Heimgartner, Huber, Riem, Rüegsegger) beantragt, die Motion abzulehnen.</p>
  • Strategie für präventive Weiterbildung und Umschulung bei berufsrelevanten Struktur- und Technologieumbrüchen
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Schweizer Wirtschaft steht insbesondere aber nicht nur durch den Einsatz von KI vor tiefgreifenden Veränderungen, welche Berufsbilder und Kompetenzanforderungen substanziell wandeln. Eine präventive, datenbasierte und partnerschaftlich getragene Strategie erhöht die Beschäftigungsfähigkeit, schont die ALV, stärkt die Innovationskraft und wahrt die Chancengerechtigkeit in allen Regionen.</p><p>Statt erst im Nachgang auf Stellenverluste zu reagieren, soll die Schweiz als Innovationsstandort proaktiv handeln. Eine kohärente Strategie ermöglicht es, Menschen im Erwerbsleben frühzeitig zu identifizieren, deren Tätigkeiten einem hohen Risiko unterliegen, und ihnen gezielt Weiterbildungen zugänglich zu machen. Dies entlastet mittelfristig die ALV, sichert das individuelle Erwerbseinkommen und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft.</p><p>Die Motion folgt dem Grundsatz der Eigenverantwortung in Verbindung mit gezielter staatlicher Unterstützung und betont den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Zeiten des technologischen Wandels.</p>
    • <span><p><span>Das Bildungs- und das Beschäftigungssystem in der Schweiz sind eng aufeinander abgestimmt. Die Vermittlung beruflicher Kompetenzen erfolgt in einem fein abgestimmten System aus formalen Abschlüssen, rasch anpassungsfähiger, berufsorientierter Weiterbildung und informellem Lernen. Durch das Berufsprinzip und die Arbeitsmarktorientierung ist die Berufsbildung stetig gefordert, die sich wandelnden Anforderungen und Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft aufzunehmen und das Aus- und Weiterbildungssystem entsprechend zu gestalten und weiterzuentwickeln. </span></p><p><span>In der Vergangenheit hat sich bei verschiedenen Megatrends, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, gezeigt, dass die starke Arbeitsmarktorientierung des Bildungssystems Schlüssel für das Schritthalten mit neuen Entwicklungen ist. Alle beruflichen Grundbildungen und Abschlüsse der höheren Berufsbildung werden auf Initiative der Wirtschaft entwickelt und regelmässig überprüft sowie bei Bedarf angepasst. Neue Entwicklungen wie Applikationen mit Künstlicher Intelligenz (KI) können zudem in rasch konzipierten Kursen vermittelt oder durch Lernen am Arbeitsplatz erworben werden.</span></p><p><span>Die Digitalisierung und insbesondere der Einsatz von KI verändern den Arbeitsmarkt je nach Branche in sehr unterschiedlicher Form und Intensität. Die konkreten Auswirkungen lassen sich daher weder präzise voraussagen noch klar abgrenzen. Eine präventive Erfassung potenziell betroffener Personen ist, soweit überhaupt machbar, Aufgabe der Unternehmen oder Branchen. Ein Grossteil der Unternehmen unterstützt die berufsorientierte Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden. Dadurch stellen die Unternehmen sicher, dass die Mitarbeitenden mit den Veränderungen in der Arbeitswelt Schritt halten. Das Weiterbildungsangebot in der Schweiz ist breit und umfassend. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können sich so an neue Anforderungen anpassen, bestehende Kompetenzen erweitern oder neue Fähigkeiten dazulernen. Gestützt auf das Berufsbildungsgesetz hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation das Förderprogramm «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» lanciert, um kurze Weiterbildungen im Bereich Grundkompetenzen am Arbeitsplatz, insbesondere auch im Bereich der digitalen Kompetenzen, finanziell zu unterstützen. Auch in der Berufsinformation und -beratung bestehen bereits Strukturen und Angebote. So richtet sich die Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung in den Kantonen vermehrt aus auf die Veränderungen des Arbeitsmarkts und deren Konsequenzen für Einzelpersonen. Zudem stehen verschiedene Beratungsangebote zur Verfügung, wie beispielsweise «viamia», eine kostenlose berufliche Standortbestimmung für über 40-Jährige.</span></p><p><span>Der Bund verfolgt die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt systematisch und thematisiert diese in bestehenden Gremien. In der Tripartiten Berufsbildungskonferenz sind Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt vertreten und verfolgen entsprechende Entwicklungen und Herausforderungen. Sie stimmen ihre Massnahmen in den jeweiligen Zuständigkeiten aufeinander ab. Der nationale Bildungsbericht liefert periodisch fundiertes Steuerungswissen zu den Auswirkungen der Digitalisierung und KI auf das schweizerische Bildungssystem; der nächste Bericht erscheint im Frühling 2026. Zudem veröffentlicht der Bundesrat regelmässig Monitoringberichte über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt. Der nächste Bericht wird voraussichtlich 2027 erscheinen und sich auch mit den Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt befassen. Ferner hat sich die Schweiz an einer ländervergleichenden Studie der OECD beteiligt, die den Einsatz von KI zur Verbesserung der Arbeitsmarktrelevanz von Berufsbildungslehrplänen und -qualifikationen zum Thema hat.</span></p><p><span>Angesichts der bestehenden Strukturen und Massnahmen besteht kein Bedarf für eine zusätzliche Strategie. Das aktuelle System erlaubt es, Entwicklungen bottom-up frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Eine gesonderte präventive Weiterbildungsoffensive würde keinen Mehrwert schaffen und wäre aufgrund der schwer prognostizierbaren Auswirkungen von KI nicht zielführend.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Sozialpartnern und den relevanten Akteuren der Berufs-, Weiter- und Erwachsenenbildung eine nationale Strategie auszuarbeiten, die präventive Weiterbildung und Umschulung für Erwerbstätige sicherstellt, deren berufliche Tätigkeit voraussichtlich erheblich durch technologische, wirtschaftliche oder regulatorische Umbrüche, wie beispielsweise den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, verändert oder verdrängt werden. Ziel ist es, diesen Personen eine rasche berufliche Umorientierung oder Qualifizierung innerhalb ihres Tätigkeitsfeldes zu ermöglichen, um einen Übertritt in die Arbeitslosenversicherung (ALV) möglichst zu vermeiden.</p><p>&nbsp;</p><p>Eine Minderheit der Kommission (Hug, Balmer, de Montmollin, Freymond, Gafner, Heimgartner, Huber, Riem, Rüegsegger) beantragt, die Motion abzulehnen.</p>
    • Strategie für präventive Weiterbildung und Umschulung bei berufsrelevanten Struktur- und Technologieumbrüchen

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