Stärkung der Versorgungssicherheit durch die Identifikation kritischer Rohstoffe und Halbfabrikate für die Schweiz

ShortId
25.4419
Id
20254419
Updated
12.02.2026 08:36
Language
de
Title
Stärkung der Versorgungssicherheit durch die Identifikation kritischer Rohstoffe und Halbfabrikate für die Schweiz
AdditionalIndexing
15;09
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Schweiz ist als exportorientierter Standort auf stabile Lieferketten angewiesen. Geoökonomisch relevante Rohstoffe (z. B. seltene Erden, Lithium, Kupfer) und zentrale Halbfabrikate (Permanentmagnete, Batteriekomponenten, Halbleiter) sind essenziell für Energie, MEM, ICT, Mobilität, Pharma/MedTech und Verteidigung. Mit ihnen verbundene geopolitische Spannungen, Handelsrestriktionen und Logistikengpässe gefährden Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität.</p><p>&nbsp;</p><p>Fast alle Industrienationen evaluieren kritische Rohstoffe durch Identifikation von Verwundbarkeiten und laufendes Monitoring von Versorgungsrisiken. In der Schweiz existiert bisher weder eine Liste kritischer Rohstoffe/Halbfabrikate noch eine designierte Stelle, die die Versorgungslage beobachtet. Angeregt wird, die Leitung einer solchen Stelle beim VBS anzusiedeln, in Zusammenarbeit mit weiteren Departementen und Bundesämtern.</p><p>&nbsp;</p><p>Die internationalen Handelspolitik erfährt zahlreiche Verwerfungen. US-Zölle auf Schweizer Importe und chinesische Exportbeschränkungen u.a. auf seltene Erden treffen die Schweizer Industrie direkt. Als global kleiner Player hat die Schweiz auf solche Bewegungen kaum Einfluss. Umso wichtiger ist es, Risikoherde früh zu erkennen, um resilient und handlungsfähig zu bleiben.</p>
  • <span><p><span>Die Beobachtung von Lieferketten und potenziellen Versorgungsrisiken liegt grundsätzlich in der Verantwortung der Unternehmen im Rahmen ihres Business-Continuity-Managements. Sie verfügen über die unmittelbarsten Marktkenntnisse und können Risiken am frühesten erkennen und adressieren. Der Bund nimmt dabei eine ergänzende und koordinierende Rolle wahr, indem er den Austausch unter den Unternehmen fördert und kritische Handelsabhängigkeiten prüft. Der Bundesrat teilt das Anliegen, potenzielle Versorgungsrisiken bei Rohstoffen frühzeitig zu erkennen und zu beurteilen. Die im Postulat aufgeworfenen Fragestellungen werden bereits im Rahmen laufender Arbeiten und bestehender Berichte behandelt.</span></p><p><span>Die Identifikation potenziell kritischer Rohstoffe erfolgt gestützt auf die im Bericht «Versorgung der Schweizer Industrie mit mineralischen Rohstoffen für die Energiewende» vom 13. Dezember 2024 beschriebenen Kriterien und dem Vorgehen. Bereits im Jahr 2024 hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) die Expertengruppe «kritische Rohstoffe» mit Vertretern und Vertreterinnen von Wirtschaft und Bund sowie des Fachbereichs Industrie der Wirtschaftlichen Landesversorgung einberufen. Im Jahr 2025 wurde diese Arbeit weitergeführt. Die Expertengruppe überprüft auf Grundlage der aktuellen Marktlage sowie relevanter Entwicklungen jährlich, ob bei einzelnen Rohstoffen Versorgungsrisiken bestehen, die im Falle eines länger anhaltenden Ausfalls staatliche Massnahmen der Wirtschaftlichen Landesversorgung erforderlich machen könnten. Für die identifizierten Rohstoffe analysiert das BWL insbesondere die Importabhängigkeiten sowie deren Verwendungszwecke. Die Analysen im Jahr 2025, basierend auf den Importdaten von 2024, zeigten, dass bei keinem der untersuchten Rohstoffe – wie beispielsweise Lithium, Magnesium, Phosphor oder seltene Erdmetalle – derzeit eine versorgungskritische Situation vorliegt. Um den Austausch zwischen Bund, Politik und Wirtschaft weiter zu stärken, ist vorgesehen, die Expertengruppe im 2026 gezielt zu erweitern.</span></p><p><span>Die Analysen des Bundes fokussieren bewusst auf Rohstoffe. Eine systematische staatliche Überwachung von Halbfabrikaten ist aufgrund ihrer grossen Heterogenität, der schwierigen Abgrenzbarkeit und geringen volkswirtschaftlichen Bedeutung der einzelnen Produkte nicht verhältnismässig. Im Bericht vom 13. Dezember 2024 werden Halbfabrikate in Kapitel 2.2.2 dennoch einordnend berücksichtigt; Tabelle 1 weist Importmengen, Herkunft und Abhängigkeiten getrennt nach Rohform und Halbfabrikaten aus. </span></p><p><span>Der Bund bringt sich im Einzelfall ein, wenn andere Staaten in den Markt eingreifen, etwa durch Exportrestriktionen. Er nutzt hierfür seine etablierten diplomatischen Kanäle; entsprechende Interventionen waren in der Vergangenheit wiederholt erfolgreich. Aktuell klärt das SECO ab, ob Schweizer Unternehmen von Exportrestriktionen einzelner Staaten in einem breiteren Umfang betroffen sind.</span></p><p><span>Ergänzend ist unter der Federführung der interdepartementalen Plattform Rohstoffe (EDA, EFD, WBF) ein grundlegender Bericht des Bundesrates in Ausarbeitung, der die Rahmenbedingungen für den gesamten Schweizer Rohstoffsektor prüft und im Juni 2026 publiziert werden soll. Die Frage der Versorgung mit mineralischen Rohstoffen wird darin ebenfalls adressiert. Vor diesem Hintergrund erachtet der Bundesrat die Erstellung eines zusätzlichen Berichts im Sinne des Postulats nicht als zielführend.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, der die für die Schweiz kritischen Rohstoffe und Halbfabrikate benennt und</p><p>aufzeigt, wie die damit verbundenen Risiken identifiziert werden, um die langfristige Versorgungssicherheit zu gewährleisten.</p><p>&nbsp;</p><p>Der Bericht soll insbesondere:</p><ul><li>darlegen, welche Rohstoffe und Halbfabrikate für die Schweiz als kritisch eingestuft werden und nach welcher Methodik diese Einstufung erfolgt;</li><li>aufzeigen, welche Daten (z. B. Herkunft, Verwendungssektor, Lieferantenkonzentration, Lagerbestände) für die Beurteilung benötigt werden und wie sie beschafft werden;</li><li>die zuständigen Bundesstellen für die Identifikation kritischer Rohstoffe und die Datenbeschaffung benennen.&nbsp;</li><li>darstellen, welche Schlüsselbranchen (MEM, Pharma/MedTech, ICT, Energie, Mobilität, Verteidigung) sowie Verbände und KMU involviert sind und wie diese in die Identifikation relevanter Rohstoffe und Halbfabrikate sowie Risikoherde einbezogen werden;</li><li>skizzieren, wie ein Frühwarnsystem aussehen könnte (das zB. Preissprünge, Exportrestriktionen, geopolitische Ereignisse berücksichtigt).</li></ul><p>&nbsp;</p>
  • Stärkung der Versorgungssicherheit durch die Identifikation kritischer Rohstoffe und Halbfabrikate für die Schweiz
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Schweiz ist als exportorientierter Standort auf stabile Lieferketten angewiesen. Geoökonomisch relevante Rohstoffe (z. B. seltene Erden, Lithium, Kupfer) und zentrale Halbfabrikate (Permanentmagnete, Batteriekomponenten, Halbleiter) sind essenziell für Energie, MEM, ICT, Mobilität, Pharma/MedTech und Verteidigung. Mit ihnen verbundene geopolitische Spannungen, Handelsrestriktionen und Logistikengpässe gefährden Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität.</p><p>&nbsp;</p><p>Fast alle Industrienationen evaluieren kritische Rohstoffe durch Identifikation von Verwundbarkeiten und laufendes Monitoring von Versorgungsrisiken. In der Schweiz existiert bisher weder eine Liste kritischer Rohstoffe/Halbfabrikate noch eine designierte Stelle, die die Versorgungslage beobachtet. Angeregt wird, die Leitung einer solchen Stelle beim VBS anzusiedeln, in Zusammenarbeit mit weiteren Departementen und Bundesämtern.</p><p>&nbsp;</p><p>Die internationalen Handelspolitik erfährt zahlreiche Verwerfungen. US-Zölle auf Schweizer Importe und chinesische Exportbeschränkungen u.a. auf seltene Erden treffen die Schweizer Industrie direkt. Als global kleiner Player hat die Schweiz auf solche Bewegungen kaum Einfluss. Umso wichtiger ist es, Risikoherde früh zu erkennen, um resilient und handlungsfähig zu bleiben.</p>
    • <span><p><span>Die Beobachtung von Lieferketten und potenziellen Versorgungsrisiken liegt grundsätzlich in der Verantwortung der Unternehmen im Rahmen ihres Business-Continuity-Managements. Sie verfügen über die unmittelbarsten Marktkenntnisse und können Risiken am frühesten erkennen und adressieren. Der Bund nimmt dabei eine ergänzende und koordinierende Rolle wahr, indem er den Austausch unter den Unternehmen fördert und kritische Handelsabhängigkeiten prüft. Der Bundesrat teilt das Anliegen, potenzielle Versorgungsrisiken bei Rohstoffen frühzeitig zu erkennen und zu beurteilen. Die im Postulat aufgeworfenen Fragestellungen werden bereits im Rahmen laufender Arbeiten und bestehender Berichte behandelt.</span></p><p><span>Die Identifikation potenziell kritischer Rohstoffe erfolgt gestützt auf die im Bericht «Versorgung der Schweizer Industrie mit mineralischen Rohstoffen für die Energiewende» vom 13. Dezember 2024 beschriebenen Kriterien und dem Vorgehen. Bereits im Jahr 2024 hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) die Expertengruppe «kritische Rohstoffe» mit Vertretern und Vertreterinnen von Wirtschaft und Bund sowie des Fachbereichs Industrie der Wirtschaftlichen Landesversorgung einberufen. Im Jahr 2025 wurde diese Arbeit weitergeführt. Die Expertengruppe überprüft auf Grundlage der aktuellen Marktlage sowie relevanter Entwicklungen jährlich, ob bei einzelnen Rohstoffen Versorgungsrisiken bestehen, die im Falle eines länger anhaltenden Ausfalls staatliche Massnahmen der Wirtschaftlichen Landesversorgung erforderlich machen könnten. Für die identifizierten Rohstoffe analysiert das BWL insbesondere die Importabhängigkeiten sowie deren Verwendungszwecke. Die Analysen im Jahr 2025, basierend auf den Importdaten von 2024, zeigten, dass bei keinem der untersuchten Rohstoffe – wie beispielsweise Lithium, Magnesium, Phosphor oder seltene Erdmetalle – derzeit eine versorgungskritische Situation vorliegt. Um den Austausch zwischen Bund, Politik und Wirtschaft weiter zu stärken, ist vorgesehen, die Expertengruppe im 2026 gezielt zu erweitern.</span></p><p><span>Die Analysen des Bundes fokussieren bewusst auf Rohstoffe. Eine systematische staatliche Überwachung von Halbfabrikaten ist aufgrund ihrer grossen Heterogenität, der schwierigen Abgrenzbarkeit und geringen volkswirtschaftlichen Bedeutung der einzelnen Produkte nicht verhältnismässig. Im Bericht vom 13. Dezember 2024 werden Halbfabrikate in Kapitel 2.2.2 dennoch einordnend berücksichtigt; Tabelle 1 weist Importmengen, Herkunft und Abhängigkeiten getrennt nach Rohform und Halbfabrikaten aus. </span></p><p><span>Der Bund bringt sich im Einzelfall ein, wenn andere Staaten in den Markt eingreifen, etwa durch Exportrestriktionen. Er nutzt hierfür seine etablierten diplomatischen Kanäle; entsprechende Interventionen waren in der Vergangenheit wiederholt erfolgreich. Aktuell klärt das SECO ab, ob Schweizer Unternehmen von Exportrestriktionen einzelner Staaten in einem breiteren Umfang betroffen sind.</span></p><p><span>Ergänzend ist unter der Federführung der interdepartementalen Plattform Rohstoffe (EDA, EFD, WBF) ein grundlegender Bericht des Bundesrates in Ausarbeitung, der die Rahmenbedingungen für den gesamten Schweizer Rohstoffsektor prüft und im Juni 2026 publiziert werden soll. Die Frage der Versorgung mit mineralischen Rohstoffen wird darin ebenfalls adressiert. Vor diesem Hintergrund erachtet der Bundesrat die Erstellung eines zusätzlichen Berichts im Sinne des Postulats nicht als zielführend.</span></p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen, der die für die Schweiz kritischen Rohstoffe und Halbfabrikate benennt und</p><p>aufzeigt, wie die damit verbundenen Risiken identifiziert werden, um die langfristige Versorgungssicherheit zu gewährleisten.</p><p>&nbsp;</p><p>Der Bericht soll insbesondere:</p><ul><li>darlegen, welche Rohstoffe und Halbfabrikate für die Schweiz als kritisch eingestuft werden und nach welcher Methodik diese Einstufung erfolgt;</li><li>aufzeigen, welche Daten (z. B. Herkunft, Verwendungssektor, Lieferantenkonzentration, Lagerbestände) für die Beurteilung benötigt werden und wie sie beschafft werden;</li><li>die zuständigen Bundesstellen für die Identifikation kritischer Rohstoffe und die Datenbeschaffung benennen.&nbsp;</li><li>darstellen, welche Schlüsselbranchen (MEM, Pharma/MedTech, ICT, Energie, Mobilität, Verteidigung) sowie Verbände und KMU involviert sind und wie diese in die Identifikation relevanter Rohstoffe und Halbfabrikate sowie Risikoherde einbezogen werden;</li><li>skizzieren, wie ein Frühwarnsystem aussehen könnte (das zB. Preissprünge, Exportrestriktionen, geopolitische Ereignisse berücksichtigt).</li></ul><p>&nbsp;</p>
    • Stärkung der Versorgungssicherheit durch die Identifikation kritischer Rohstoffe und Halbfabrikate für die Schweiz

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