Charakterisierung von Rohstoff-Lagerstätten von nationalem Interesse
- ShortId
-
25.4421
- Id
-
20254421
- Updated
-
10.02.2026 10:13
- Language
-
de
- Title
-
Charakterisierung von Rohstoff-Lagerstätten von nationalem Interesse
- AdditionalIndexing
-
52;15
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Der weltweit wachsende Rohstoffbedarf für Schlüsselindustrien, verstärkt durch geopolitische Spannungen und Handelskonflikte, rückt das Thema kritische Rohstoffe (Technologiemetalle) ins Zentrum globaler strategischer Auseinandersetzungen. Verlässliche, aktuelle Daten über das nationale Rohstoffpotential sind die Grundlage für vorausschauende Rohstoffpolitik, resiliente Lieferketten und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Während viele europäische Länder Primär- und zunehmend auch Sekundärrohstoffdaten systematisch erfassen, fehlt der Schweiz eine flächendeckende, standardisierte Datengrundlage.</p><p>Der von der Fachgruppe Georessourcen Schweiz der ETH Zürich im Auftrag des Bundesamts für Landestopografie swisstopo vorgelegte Bericht „Critical Raw Materials in Switzerland – A review“ zeigt diese Lücke: Mangels Prospektion stützt er sich auf Einzelfunde und kann das nationale Potenzial nur begrenzt quantifizieren. Art. 5 der Landesgeologieverordnung verpflichtet den Bund zur Bereitstellung geologischer Daten von nationalem Interesse. Dieser Auftrag ist konsequent umzusetzen, mit regelmässiger, standardisierter Erhebung relevanter Rohstoffdaten.</p><p> </p><p>Sekundärrohstoff-Potenziale sind integraler Bestandteil moderner Rohstoffpolitik und in eine Übersicht zu Rohstoffen von nationalem Interesse zu integrieren. Der Bundesrat hält im Bericht „Abfallwirtschaft, Abfallvermeidung, Abfallplanung, Messung“ (02/2023) fest, dass die Schweizer Abfallwirtschaft zu einer Plattform für hochwertige Sekundärrohstoffe werden soll und dadurch Importabhängigkeiten reduziert werden können. „Vertiefte Abklärungen des Rückgewinnungspotenzials von Technologiemetallen“ werden dabei als wesentliche Handlungsfelder genannt. </p><p> </p>
- <span><p><span>Im Bericht in Erfüllung des Postulats </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20203950"><u><span>20.3950</span></u></a><span> und mit seiner Antwort an die Interpellation</span></p><p><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253188"><u><span>25.3188</span></u></a><span> hat der Bundesrat die Wichtigkeit bestimmter mineralischer Rohstoffe und</span></p><p><span>Halbfabrikate und die damit verbundenen Versorgungsrisiken anerkannt. </span></p><p><span>Die drei gestellten Fragen werden wie folgt beantwortet:</span></p><p><span> </span></p><p><span>1. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) konzentriert sich, gestützt auf das Landesversorgungsgesetz (LVG), ausschliesslich auf die für die Schweiz lebenswichtigen Güter und Dienstleistungen sowie die dafür relevanten Rohstoffe. </span><span>Zur Lagebeurteilung </span><span>analysiert das BWL regelmässig Zolldaten und überwacht aktuell folgende mineralische Rohstoffe: Gallium, Beryllium, Chrom, Hafnium, Rhenium, Thallium, Niob, Germanium, Lithium, Magnesium, Phosphor und Seltene Erden; die Liste wird bei Bedarf angepasst. Zudem führt das BWL jährlich Fachgespräche mit der Rohstoffbranche, um Versorgungsrisiken im Sinne der wirtschaftlichen Landesversorgung frühzeitig zu erkennen und entsprechende Massnahmen vorzubereiten. Änderungen der Versorgungslage werden im monatlichen Bericht des BWL «Lagebeurteilung der wirtschaftlichen Landesversorgung WL» publiziert. In Übereinstimmung mit dem Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20203950"><u><span>20.3950</span></u></a><span> setzt sich die Schweiz in ihrer Aussenwirtschaftspolitik aktiv für die Festigung der Versorgungssicherheit ein, insbesondere durch Handels-/bilaterale Instrumente wie Freihandelsabkommen oder sektorielle Absichtserklärungen, durch internationales Engagement für eine nachhaltige Bewirtschaftung mineralischer Rohstoffe sowie durch nationale und internationale Kooperationen mit den relevanten Organisationen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. </span><span> </span><span>Die ETH Zürich hat in ihrem Bericht „Critical Raw Materials in Switzerland – A review“ Regionen mit Anreicherungen von den sogenannten kritischen Rohstoffen in der Schweiz lokalisiert (z. B. Kupfer und Mangan), doch erlaubt die spärliche Datenlage keine robuste Aussage über deren Abbauwürdigkeit. Um diese Lücken in der Wissensbasis zu schliessen, </span><span>ist ein Prospektionsprogramm mit dem Einbezug der Kantone und der Wissenschaft erforderlich.</span><span> Vorgängig ist zwingend zu definieren, welche Rohstoffe von nationalem Interesse sind (s. Frage 1), damit das Potenzial des Schweizer Untergrunds gezielt untersucht werden kann. Die Umsetzung eines schweizweiten Prospektionsprogramms zur Charakterisierung primärer mineralischer Lagerstätten kritischer Rohstoffe würde in den Kompetenzbereich der Landesgeologie (Bundesamt für Landestopografie) fallen. Diese verfügt jedoch aktuell über keine Ressourcen und kein Mandat für die Durchführung eines solchen Programms. Eine vertiefte Charakterisierung der mineralischen Lagerstätten kritischer Rohstoffe würde auch das nationale Prospektionsprogramm unterstützen, das der Bundesrat im Rahmen der Motion </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20204063"><u><span>20.4063</span></u></a><span> vorlegen muss. Die operative Umsetzung dieser Motion ist jedoch ungewiss, da sie von finanziellen Entscheidungen im Zusammenhang mit der angespannten Haushaltslage des Bundes abhängt.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. Eine erste Übersicht der Potenziale zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen liegt vor und wird laufend erweitert. Das durch Horizon Europe finanzierte EU-Projekt «FutuRaM» hat die «Urban Mine Platform» entwickelt. Diese bietet die Möglichkeit, die Verfügbarkeit und Rückgewinnbarkeit von Sekundär- und kritischen Rohstoffen in Europa zu analysieren und stellt für sieben zentrale Abfallströme Prognosen bis 2050 bereit (Batterien, Gebäude, Bergbauabfall, Schlacken und Aschen, Fahrzeuge, elektrische und elektronische Geräte sowie Windturbinen). Das EU-Projekt «RAWCLIC» liefert ergänzend Erkenntnisse zur künftigen Nachfrage, zum Angebot an Rohstoffen und zu den damit verbundenen Umweltauswirkungen sowie zur Materialsubstitution. Beide Projekte, an denen die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) als Projektpartnerin beteiligt ist, werden durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mitfinanziert. Zusammen mit der EMPA arbeitet das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zudem im Bereich der Gewinnung von Sekundärrohstoffen </span><span>aus elektrischen und elektronischen Altgeräten</span><span>. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Gewinnung seltener Technologiemetalle, darunter Gallium, Antimon, Indium und Neodym. Auch bei </span><span>Abfallverbrennungsrückständen </span><span>(Schlacken, Aschen) werden vom BAFU unterstützte Forschungsprojekte durchgeführt, mit dem Ziel, das Verwertungspotenzial dieser Abfallfraktionen besser auszuschöpfen.</span></p></span>
- <p>Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><ul><li>Plant der Bundesrat, Kriterien wie wirtschaftliche Bedeutung, strategische Relevanz und Versorgungsrisiken für Rohstoffe von nationalem Interesse (insb. Erze von Technologiemetallen) festzulegen und periodisch zu aktualisieren? In welchem Verfahren und Zeithorizont?</li><li>Beabsichtigt der Bundesrat ein schweizweites Prospektionsprogramm zur Charakterisierung potenzieller primärer mineralischer Lagerstätten von Rohstoffen von nationalem Interesse?</li><li>Plant der Bundesrat eine Übersicht der Potenziale zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen von nationalem Interesse (Deponien, Schlacken, Industrieabfälle, E‑Schrott, Katalysatoren)?</li></ul>
- Charakterisierung von Rohstoff-Lagerstätten von nationalem Interesse
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Der weltweit wachsende Rohstoffbedarf für Schlüsselindustrien, verstärkt durch geopolitische Spannungen und Handelskonflikte, rückt das Thema kritische Rohstoffe (Technologiemetalle) ins Zentrum globaler strategischer Auseinandersetzungen. Verlässliche, aktuelle Daten über das nationale Rohstoffpotential sind die Grundlage für vorausschauende Rohstoffpolitik, resiliente Lieferketten und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Während viele europäische Länder Primär- und zunehmend auch Sekundärrohstoffdaten systematisch erfassen, fehlt der Schweiz eine flächendeckende, standardisierte Datengrundlage.</p><p>Der von der Fachgruppe Georessourcen Schweiz der ETH Zürich im Auftrag des Bundesamts für Landestopografie swisstopo vorgelegte Bericht „Critical Raw Materials in Switzerland – A review“ zeigt diese Lücke: Mangels Prospektion stützt er sich auf Einzelfunde und kann das nationale Potenzial nur begrenzt quantifizieren. Art. 5 der Landesgeologieverordnung verpflichtet den Bund zur Bereitstellung geologischer Daten von nationalem Interesse. Dieser Auftrag ist konsequent umzusetzen, mit regelmässiger, standardisierter Erhebung relevanter Rohstoffdaten.</p><p> </p><p>Sekundärrohstoff-Potenziale sind integraler Bestandteil moderner Rohstoffpolitik und in eine Übersicht zu Rohstoffen von nationalem Interesse zu integrieren. Der Bundesrat hält im Bericht „Abfallwirtschaft, Abfallvermeidung, Abfallplanung, Messung“ (02/2023) fest, dass die Schweizer Abfallwirtschaft zu einer Plattform für hochwertige Sekundärrohstoffe werden soll und dadurch Importabhängigkeiten reduziert werden können. „Vertiefte Abklärungen des Rückgewinnungspotenzials von Technologiemetallen“ werden dabei als wesentliche Handlungsfelder genannt. </p><p> </p>
- <span><p><span>Im Bericht in Erfüllung des Postulats </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20203950"><u><span>20.3950</span></u></a><span> und mit seiner Antwort an die Interpellation</span></p><p><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20253188"><u><span>25.3188</span></u></a><span> hat der Bundesrat die Wichtigkeit bestimmter mineralischer Rohstoffe und</span></p><p><span>Halbfabrikate und die damit verbundenen Versorgungsrisiken anerkannt. </span></p><p><span>Die drei gestellten Fragen werden wie folgt beantwortet:</span></p><p><span> </span></p><p><span>1. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) konzentriert sich, gestützt auf das Landesversorgungsgesetz (LVG), ausschliesslich auf die für die Schweiz lebenswichtigen Güter und Dienstleistungen sowie die dafür relevanten Rohstoffe. </span><span>Zur Lagebeurteilung </span><span>analysiert das BWL regelmässig Zolldaten und überwacht aktuell folgende mineralische Rohstoffe: Gallium, Beryllium, Chrom, Hafnium, Rhenium, Thallium, Niob, Germanium, Lithium, Magnesium, Phosphor und Seltene Erden; die Liste wird bei Bedarf angepasst. Zudem führt das BWL jährlich Fachgespräche mit der Rohstoffbranche, um Versorgungsrisiken im Sinne der wirtschaftlichen Landesversorgung frühzeitig zu erkennen und entsprechende Massnahmen vorzubereiten. Änderungen der Versorgungslage werden im monatlichen Bericht des BWL «Lagebeurteilung der wirtschaftlichen Landesversorgung WL» publiziert. In Übereinstimmung mit dem Bericht des Bundesrates in Erfüllung des Postulats </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20203950"><u><span>20.3950</span></u></a><span> setzt sich die Schweiz in ihrer Aussenwirtschaftspolitik aktiv für die Festigung der Versorgungssicherheit ein, insbesondere durch Handels-/bilaterale Instrumente wie Freihandelsabkommen oder sektorielle Absichtserklärungen, durch internationales Engagement für eine nachhaltige Bewirtschaftung mineralischer Rohstoffe sowie durch nationale und internationale Kooperationen mit den relevanten Organisationen.</span></p><p><span> </span></p><p><span>2. </span><span> </span><span>Die ETH Zürich hat in ihrem Bericht „Critical Raw Materials in Switzerland – A review“ Regionen mit Anreicherungen von den sogenannten kritischen Rohstoffen in der Schweiz lokalisiert (z. B. Kupfer und Mangan), doch erlaubt die spärliche Datenlage keine robuste Aussage über deren Abbauwürdigkeit. Um diese Lücken in der Wissensbasis zu schliessen, </span><span>ist ein Prospektionsprogramm mit dem Einbezug der Kantone und der Wissenschaft erforderlich.</span><span> Vorgängig ist zwingend zu definieren, welche Rohstoffe von nationalem Interesse sind (s. Frage 1), damit das Potenzial des Schweizer Untergrunds gezielt untersucht werden kann. Die Umsetzung eines schweizweiten Prospektionsprogramms zur Charakterisierung primärer mineralischer Lagerstätten kritischer Rohstoffe würde in den Kompetenzbereich der Landesgeologie (Bundesamt für Landestopografie) fallen. Diese verfügt jedoch aktuell über keine Ressourcen und kein Mandat für die Durchführung eines solchen Programms. Eine vertiefte Charakterisierung der mineralischen Lagerstätten kritischer Rohstoffe würde auch das nationale Prospektionsprogramm unterstützen, das der Bundesrat im Rahmen der Motion </span><a href="https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20204063"><u><span>20.4063</span></u></a><span> vorlegen muss. Die operative Umsetzung dieser Motion ist jedoch ungewiss, da sie von finanziellen Entscheidungen im Zusammenhang mit der angespannten Haushaltslage des Bundes abhängt.</span></p><p><span> </span></p><p><span>3. Eine erste Übersicht der Potenziale zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen liegt vor und wird laufend erweitert. Das durch Horizon Europe finanzierte EU-Projekt «FutuRaM» hat die «Urban Mine Platform» entwickelt. Diese bietet die Möglichkeit, die Verfügbarkeit und Rückgewinnbarkeit von Sekundär- und kritischen Rohstoffen in Europa zu analysieren und stellt für sieben zentrale Abfallströme Prognosen bis 2050 bereit (Batterien, Gebäude, Bergbauabfall, Schlacken und Aschen, Fahrzeuge, elektrische und elektronische Geräte sowie Windturbinen). Das EU-Projekt «RAWCLIC» liefert ergänzend Erkenntnisse zur künftigen Nachfrage, zum Angebot an Rohstoffen und zu den damit verbundenen Umweltauswirkungen sowie zur Materialsubstitution. Beide Projekte, an denen die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) als Projektpartnerin beteiligt ist, werden durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mitfinanziert. Zusammen mit der EMPA arbeitet das Bundesamt für Umwelt (BAFU) zudem im Bereich der Gewinnung von Sekundärrohstoffen </span><span>aus elektrischen und elektronischen Altgeräten</span><span>. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Gewinnung seltener Technologiemetalle, darunter Gallium, Antimon, Indium und Neodym. Auch bei </span><span>Abfallverbrennungsrückständen </span><span>(Schlacken, Aschen) werden vom BAFU unterstützte Forschungsprojekte durchgeführt, mit dem Ziel, das Verwertungspotenzial dieser Abfallfraktionen besser auszuschöpfen.</span></p></span>
- <p>Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:</p><ul><li>Plant der Bundesrat, Kriterien wie wirtschaftliche Bedeutung, strategische Relevanz und Versorgungsrisiken für Rohstoffe von nationalem Interesse (insb. Erze von Technologiemetallen) festzulegen und periodisch zu aktualisieren? In welchem Verfahren und Zeithorizont?</li><li>Beabsichtigt der Bundesrat ein schweizweites Prospektionsprogramm zur Charakterisierung potenzieller primärer mineralischer Lagerstätten von Rohstoffen von nationalem Interesse?</li><li>Plant der Bundesrat eine Übersicht der Potenziale zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen von nationalem Interesse (Deponien, Schlacken, Industrieabfälle, E‑Schrott, Katalysatoren)?</li></ul>
- Charakterisierung von Rohstoff-Lagerstätten von nationalem Interesse
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