Wie viele Mädchen und Lehrerinnen wären von einem Kopftuchverbot betroffen?

ShortId
25.4433
Id
20254433
Updated
18.02.2026 21:27
Language
de
Title
Wie viele Mädchen und Lehrerinnen wären von einem Kopftuchverbot betroffen?
AdditionalIndexing
32;28;2831
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>In Österreich schätzen die Behörden, dass im November 2025 rund 12'000 Mädchen unter 14 Jahren von einem Kopftuchverbot an Schulen betroffen wären. 2019 waren es noch rund 3'000 Betroffene. Gründe für die Zunahme an Mädchen, die in der Schule ein Kopftuch tragen, welches das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt, sind neben familiärem Druck die wachsenden Einflüsse radikal-muslimischer Influencer in den sozialen Medien. In der Schweiz ist das Thema Kopftücher an Schulen ebenfalls sehr Besorgnis erregend und muss dringend geklärt werden.</p><p>&nbsp;</p><p>Für die Schweiz fehlen aktuelle Zahlen und Schätzungen zur Zahl der Kopftuch tragenden Schülerinnen und Lehrerinnen.</p>
  • <span><p>1./2.: &nbsp;Es gibt keine Zahlen zum Tragen des islamischen Kopftuchs durch Schülerinnen unter 16 Jahren an Schweizer Schulen. Daten zur Bevölkerungsentwicklung und zur Verbreitung religiöser Bekenntnisse in der Schweiz, Vergleiche mit Deutschland und Österreich sowie Studien können Anhaltspunkte liefern.</p><p>&nbsp;</p><p>3.: &nbsp;Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) lebten in der Schweiz Ende 2024 9'051'029 Personen. Etwa 540'000 Personen (6%) waren Musliminnen und Muslime. Bei Personen bis 15 Jahren sind etwa 12% Musliminnen und Muslime. Diese Zahl umfasst allerdings auch Knaben und die Aleviten, die sich vom Islam unterscheiden und das Kopftuch kaum tragen. Nimmt man gestützt auf die Zahlen des BFS die Jahrgänge von 2009 bis 2019 bei den Mädchen (5 bis 16 Jahre), so kommt man auf insgesamt etwa 490'000 Mädchen (Stand 2024). Bei einem Anteil von ca. 12% ergibt das rund 59'000 muslimische Mädchen und Mädchen aus anderen aus dem Islam hervorgegangenen Gemeinschaften dieser Jahrgänge in der Schweiz. Das BFS weist auch aus, dass 46% der Musliminnen und Muslime in der Schweiz nicht praktizierend sind. Überträgt man das auf die Kinder, kann man schätzen, dass knapp 32'000 muslimische Mädchen praktizierend sind oder aus praktizierenden Familien kommen. Allerdings heisst praktizierend keineswegs, dass auch das Kopftuch getragen wird. </p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Eine vom deutschen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz verfasste Studie «Muslimisches Leben in Deutschland 2020» (<a href="https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Forschungsberichte/fb38-muslimisches-leben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=15"><u>https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Forschungsberichte/fb38-muslimisches-leben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=15</u></a> ) hält fest, dass in Deutschland 0.9% der muslimischen Mädchen zwischen 0 und 10 Jahren und 11.5% der 11-15-jährigen Musliminnen ein Kopftuch tragen. Überträgt man das auf die Schweiz, käme man auf ca. 4'600 Mädchen zwischen 5 und 16 Jahren. Wie für Deutschland ist anzunehmen, dass die Zahl bei Mädchen, die jünger als zehn Jahre sind, bei uns vermutlich unter einem Prozent liegt. </p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Für den Bericht des Bundesrats «Getragene und an Bauten angebrachte religiöse Zeichen und Symbole» vom 9. Juni 2017 in Erfüllung des Postulates 13.3672, Aeschi (<a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/78547.pdf"><u>https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/78547.pdf</u></a> ) führte das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte eine Online-Befragung durch. Danach tragen 20% der Schülerinnen und Schüler religiöse Symbole (Ziff. 2.3.1.2, S. 12). Religiöse Symbole sind allerdings nicht nur Kopfbedeckungen, sondern auch wenig auffällige Anhänger, Ohrringe und Kettchen. Nimmt man an, dass die religiösen Symbole zur Hälfte Kopfbedeckungen sind, was viel scheint, so käme man bei 59'000 muslimischen Mädchen, Alevitinnen nicht abgezogen, auf ca. 5'900 kopftuchtragende Mädchen.</p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Gestützt auf die genannten Punkte kann man davon ausgehen, dass die Zahl der jungen Mädchen zwischen 0 und 10 Jahren, die Kopftuch tragen, gering ist. Für Mädchen zwischen 11 und 16 Jahren könnte sie zwischen 3'000 und 5'000 liegen. </p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Die vom Interpellanten genannte österreichische Schätzung ist zu hoch für die Schweiz. Zum einen hat Österreich eine deutlich grössere muslimische Bevölkerung. Zum anderen ist der Anteil der Musliminnen und Muslime türkischer, arabischer und nordafrikanischer Herkunft in Österreich wie auch in Deutschland wesentlich grösser als in der Schweiz, wo viele Musliminnen und Muslime aus Südosteuropa stammen. Die genannte deutsche Studie zeigt, dass die Zahl der Kopftuchträgerinnen bei Musliminnen aus Südosteuropa um ein Mehrfaches tiefer liegt als bei Musliminnen türkischer, arabischer oder nordafrikanischer Herkunft.</p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Zu Lehrerinnen, die an Schweizer Schulen ein islamisches Kopftuch tragen, gibt es ebenfalls keine Zahlen. Es dürfte sich aber um Einzelfälle handeln. Einige Kantone verbieten das Tragen auffälliger religiöser Symbole und damit auch des islamischen Kopftuchs mit Blick auf die religiöse Neutralität des Staates (z.B. Genf, Bern, Schwyz). In weiteren Kantonen gibt es entsprechende parlamentarische Vorstösse (z.B. Zürich, Thurgau, St. Gallen). Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz sprach sich am 21.&nbsp;Juli 2025 in der Sendung «10 vor 10» für den Verzicht von Lehrpersonen auf auffällige religiöse Symbole während des Unterrichts aus.</p></span>
  • <p>Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:</p><p>&nbsp;</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Wie viele Schülerinnen unter 16 Jahren tragen an Schweizer Schulen ein Kopftuch, welches das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt?</li><li>Wie viele Lehrerinnen tragen an Schweizer Schulen ein Kopftuch, welches das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt?</li><li>Wenn keine genauen Zahlen in Erfahrung gebracht werden können: Was sind plausible Schätzungen?</li></ul>
  • Wie viele Mädchen und Lehrerinnen wären von einem Kopftuchverbot betroffen?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In Österreich schätzen die Behörden, dass im November 2025 rund 12'000 Mädchen unter 14 Jahren von einem Kopftuchverbot an Schulen betroffen wären. 2019 waren es noch rund 3'000 Betroffene. Gründe für die Zunahme an Mädchen, die in der Schule ein Kopftuch tragen, welches das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt, sind neben familiärem Druck die wachsenden Einflüsse radikal-muslimischer Influencer in den sozialen Medien. In der Schweiz ist das Thema Kopftücher an Schulen ebenfalls sehr Besorgnis erregend und muss dringend geklärt werden.</p><p>&nbsp;</p><p>Für die Schweiz fehlen aktuelle Zahlen und Schätzungen zur Zahl der Kopftuch tragenden Schülerinnen und Lehrerinnen.</p>
    • <span><p>1./2.: &nbsp;Es gibt keine Zahlen zum Tragen des islamischen Kopftuchs durch Schülerinnen unter 16 Jahren an Schweizer Schulen. Daten zur Bevölkerungsentwicklung und zur Verbreitung religiöser Bekenntnisse in der Schweiz, Vergleiche mit Deutschland und Österreich sowie Studien können Anhaltspunkte liefern.</p><p>&nbsp;</p><p>3.: &nbsp;Gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) lebten in der Schweiz Ende 2024 9'051'029 Personen. Etwa 540'000 Personen (6%) waren Musliminnen und Muslime. Bei Personen bis 15 Jahren sind etwa 12% Musliminnen und Muslime. Diese Zahl umfasst allerdings auch Knaben und die Aleviten, die sich vom Islam unterscheiden und das Kopftuch kaum tragen. Nimmt man gestützt auf die Zahlen des BFS die Jahrgänge von 2009 bis 2019 bei den Mädchen (5 bis 16 Jahre), so kommt man auf insgesamt etwa 490'000 Mädchen (Stand 2024). Bei einem Anteil von ca. 12% ergibt das rund 59'000 muslimische Mädchen und Mädchen aus anderen aus dem Islam hervorgegangenen Gemeinschaften dieser Jahrgänge in der Schweiz. Das BFS weist auch aus, dass 46% der Musliminnen und Muslime in der Schweiz nicht praktizierend sind. Überträgt man das auf die Kinder, kann man schätzen, dass knapp 32'000 muslimische Mädchen praktizierend sind oder aus praktizierenden Familien kommen. Allerdings heisst praktizierend keineswegs, dass auch das Kopftuch getragen wird. </p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Eine vom deutschen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Deutschen Islam Konferenz verfasste Studie «Muslimisches Leben in Deutschland 2020» (<a href="https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Forschungsberichte/fb38-muslimisches-leben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=15"><u>https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Forschungsberichte/fb38-muslimisches-leben.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=15</u></a> ) hält fest, dass in Deutschland 0.9% der muslimischen Mädchen zwischen 0 und 10 Jahren und 11.5% der 11-15-jährigen Musliminnen ein Kopftuch tragen. Überträgt man das auf die Schweiz, käme man auf ca. 4'600 Mädchen zwischen 5 und 16 Jahren. Wie für Deutschland ist anzunehmen, dass die Zahl bei Mädchen, die jünger als zehn Jahre sind, bei uns vermutlich unter einem Prozent liegt. </p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Für den Bericht des Bundesrats «Getragene und an Bauten angebrachte religiöse Zeichen und Symbole» vom 9. Juni 2017 in Erfüllung des Postulates 13.3672, Aeschi (<a href="https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/78547.pdf"><u>https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/78547.pdf</u></a> ) führte das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte eine Online-Befragung durch. Danach tragen 20% der Schülerinnen und Schüler religiöse Symbole (Ziff. 2.3.1.2, S. 12). Religiöse Symbole sind allerdings nicht nur Kopfbedeckungen, sondern auch wenig auffällige Anhänger, Ohrringe und Kettchen. Nimmt man an, dass die religiösen Symbole zur Hälfte Kopfbedeckungen sind, was viel scheint, so käme man bei 59'000 muslimischen Mädchen, Alevitinnen nicht abgezogen, auf ca. 5'900 kopftuchtragende Mädchen.</p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Gestützt auf die genannten Punkte kann man davon ausgehen, dass die Zahl der jungen Mädchen zwischen 0 und 10 Jahren, die Kopftuch tragen, gering ist. Für Mädchen zwischen 11 und 16 Jahren könnte sie zwischen 3'000 und 5'000 liegen. </p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Die vom Interpellanten genannte österreichische Schätzung ist zu hoch für die Schweiz. Zum einen hat Österreich eine deutlich grössere muslimische Bevölkerung. Zum anderen ist der Anteil der Musliminnen und Muslime türkischer, arabischer und nordafrikanischer Herkunft in Österreich wie auch in Deutschland wesentlich grösser als in der Schweiz, wo viele Musliminnen und Muslime aus Südosteuropa stammen. Die genannte deutsche Studie zeigt, dass die Zahl der Kopftuchträgerinnen bei Musliminnen aus Südosteuropa um ein Mehrfaches tiefer liegt als bei Musliminnen türkischer, arabischer oder nordafrikanischer Herkunft.</p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;Zu Lehrerinnen, die an Schweizer Schulen ein islamisches Kopftuch tragen, gibt es ebenfalls keine Zahlen. Es dürfte sich aber um Einzelfälle handeln. Einige Kantone verbieten das Tragen auffälliger religiöser Symbole und damit auch des islamischen Kopftuchs mit Blick auf die religiöse Neutralität des Staates (z.B. Genf, Bern, Schwyz). In weiteren Kantonen gibt es entsprechende parlamentarische Vorstösse (z.B. Zürich, Thurgau, St. Gallen). Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz sprach sich am 21.&nbsp;Juli 2025 in der Sendung «10 vor 10» für den Verzicht von Lehrpersonen auf auffällige religiöse Symbole während des Unterrichts aus.</p></span>
    • <p>Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:</p><p>&nbsp;</p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Wie viele Schülerinnen unter 16 Jahren tragen an Schweizer Schulen ein Kopftuch, welches das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt?</li><li>Wie viele Lehrerinnen tragen an Schweizer Schulen ein Kopftuch, welches das Haupt nach islamischen Traditionen verhüllt?</li><li>Wenn keine genauen Zahlen in Erfahrung gebracht werden können: Was sind plausible Schätzungen?</li></ul>
    • Wie viele Mädchen und Lehrerinnen wären von einem Kopftuchverbot betroffen?

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