Stärkung der Standortattraktivität der Schweiz für industrielle Investitionen
- ShortId
-
25.4460
- Id
-
20254460
- Updated
-
18.02.2026 21:18
- Language
-
de
- Title
-
Stärkung der Standortattraktivität der Schweiz für industrielle Investitionen
- AdditionalIndexing
-
32;36;15;24
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Mit ihrer Offenheit, stabilen Rahmenbedingungen, vergleichsweise schlanken Regulierungen, einer verlässlichen Infrastruktur sowie einer hervorragenden Bildungs- und Forschungslandschaft bietet die Schweiz nach wie vor ein sehr gutes Umfeld für Investitionen und Innovation. Dies schlägt sich unter anderem auch in Schweizer Spitzenpositionen in internationalen Rankings nieder. So belegte die Schweiz in der Neuauflage 2025 des Global Innovation Index der World Intellectual Property Organization sowie im World Competitiveness Ranking der IMD Lausanne den Spitzenplatz.</p><p> </p><p>Es ist keine Tendenz festzustellen, dass die Schweiz bei Investitionsvorhaben systematisch übergangen würde. Die Schweiz gehört gemäss Daten des Internationalen Währungsfonds weltweit zu den grössten Kapitalimporteuren. Gemäss dem Bericht über die Direktinvestitionen 2024 der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben Schweizerisch beherrschte Konzerne, die im Ausland tätig sind, ihren Personalbestand in der Schweiz in den vergangenen Jahren gar leicht ausgebaut. Umgekehrt gehört die Schweiz weltweit auch zu den grössten Kapitalexporteuren. Die Investitionen im Ausland erwirtschaften gemäss SNB Kapitalerträge von über 100 Milliarden Franken pro Jahr.</p><p> </p><p>Der Bundesrat ist überzeugt, dass angesichts der mittelfristig bestehenden Unsicherheit und Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Schweiz eine Verbesserung der allgemeinen Standortbedingungen für alle Unternehmen der zielführendste Weg ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu erhalten. Die wirtschaftspolitische Agenda vom 22. Mai 2024 wurde in der bundesrätlichen Klausur vom 20. August 2025 bekräftig, wobei Anstrengungen zur Reduktion der Produktionskosten von Unternehmen und zur regulatorischen Entlastung zur Priorität erklärt wurden. Das am 26. November 2025 verabschiedete Paket mit konkreten Massnahmen und die konsequente Umsetzung des Unternehmungsentlastungsgesetzes (SR 930.31) sind Ausdruck davon. Zudem verabschiedet der Bundesrat alle vier Jahre eine Botschaft über die Standortförderung des Bundes, so zuletzt am 25. Januar 2023 (BBl 2023 554).</p><p> </p><p>Im Steuerbereich wird der Bundesrat im Rahmen des Berichts zum Postulat Walti 23.3752 voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 eine Auslegeordnung zu mittel- und längerfristigen steuerpolitischen Herausforderungen vorlegen, insbesondere auch vor dem Hintergrund der internationalen Entwicklungen bei der OECD-Mindeststeuer. Der Stärkung der Fachkräftebasis dienen unter anderem die Revision des Berufsbildungsgesetzes (SR 412.10) sowie die Arbeiten zur Erleichterung des Zugangs zum Schweizer Arbeitsmarkt für Drittstaatsangehörige. Im Bereich «Life Science» wird eine Arbeitsgruppe die allgemeinen und sektorspezifischen Rahmenbedingungen des Standorts Schweiz überprüfen und allfälligen Anpassungsbedarf identifizieren.</p><p> </p><p>Die Bemühungen international aktiver Unternehmen, vermehrt vor Ort für nationale Märkte zu produzieren, sind bereits seit einiger Zeit auf globaler Ebene zu beobachten. Der Bundesrat verfolgt damit einhergehende Entwicklungen bei den ausländischen Direktinvestitionen aufmerksam und ist sich der Risiken für Wohlstand, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bewusst, wenn hochinnovative Industrien wichtige Teile der Wertschöpfung ins Ausland verlagern sollten. Wie schon im Lagebericht zur Schweizer Volkswirtschaft 2024 wird der Bundesrat auch in kommenden Analysen anhand einer Vielzahl von Indikatoren die Standortattraktivität der Schweiz beurteilen und daraus einen allfälligen wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf ableiten.</p>
- <p>In jüngerer Zeit haben globale Unternehmen z.B. aus der Pharmaindustrie mehrfach entschieden, bedeutende Investitionen nicht in der Schweiz, sondern in anderen europäischen Ländern zu tätigen. Diese Entwicklungen weisen darauf hin, dass die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts unter Druck steht. Gleichzeitig hängt ein wesentlicher Teil unseres Wohlstands von Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion ab. Dabei geht es ausdrücklich um Investitionsentscheide innerhalb Europas und nicht um Fragen der Zoll- oder Industriepolitik der USA.</p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ul><li>Wie beurteilt der Bundesrat die Tatsache, dass vermehrt europäische Standorte den Zuschlag für grosse Investitionsvorhaben erhalten, während die Schweiz weniger berücksichtigt wird? Welche Standortfaktoren spielen dabei aus seiner Sicht die zentrale Rolle?</li><li>Welche Rückmeldungen aus der Industrie liegen dem Bundesrat dazu vor, weshalb Unternehmen aktuell eher andere europäische Länder für Produktions- und Forschungsinvestitionen auswählen? Welche Herausforderungen werden besonders häufig genannt, etwa Kostenstrukturen, regulatorische Anforderungen, Bewilligungsverfahren oder die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte?</li><li>Welche Massnahmen – neben einer in mehreren Motionen geforderte Life-Science-Strategie oder dem "Paket für die Wettbewerbsfähigkeit" hinaus – erachtet der Bundesrat als notwendig, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz als Innovations- und Produktionsstandort zu stärken? Prüft er gezielte Reformen bei Bewilligungsverfahren, steuerliche Anreize, die Stärkung der Fachkräftebasis oder eine koordinierte Strategie für industrielle Wertschöpfung?</li><li>Wie will der Bundesrat sicherstellen, dass die Schweiz im Standortwettbewerb innerhalb Europas nicht weiter an Boden verliert? Welche Rolle kommt Kantonen, Hochschulen und privaten Akteuren in einer gemeinsamen Standortstrategie zu?</li><li>Welche Risiken für Wohlstand, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sieht der Bundesrat, wenn hochinnovative Industrien wichtige Teile der Wertschöpfung vermehrt im Ausland ansiedeln?</li><li>Verfügt der Bundesrat über Zielwerte oder Indikatoren, anhand derer er die Entwicklung der Standortattraktivität der Schweiz im Bereich Forschung, Entwicklung und Produktion bis 2030 messen will?</li></ul>
- Stärkung der Standortattraktivität der Schweiz für industrielle Investitionen
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Mit ihrer Offenheit, stabilen Rahmenbedingungen, vergleichsweise schlanken Regulierungen, einer verlässlichen Infrastruktur sowie einer hervorragenden Bildungs- und Forschungslandschaft bietet die Schweiz nach wie vor ein sehr gutes Umfeld für Investitionen und Innovation. Dies schlägt sich unter anderem auch in Schweizer Spitzenpositionen in internationalen Rankings nieder. So belegte die Schweiz in der Neuauflage 2025 des Global Innovation Index der World Intellectual Property Organization sowie im World Competitiveness Ranking der IMD Lausanne den Spitzenplatz.</p><p> </p><p>Es ist keine Tendenz festzustellen, dass die Schweiz bei Investitionsvorhaben systematisch übergangen würde. Die Schweiz gehört gemäss Daten des Internationalen Währungsfonds weltweit zu den grössten Kapitalimporteuren. Gemäss dem Bericht über die Direktinvestitionen 2024 der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben Schweizerisch beherrschte Konzerne, die im Ausland tätig sind, ihren Personalbestand in der Schweiz in den vergangenen Jahren gar leicht ausgebaut. Umgekehrt gehört die Schweiz weltweit auch zu den grössten Kapitalexporteuren. Die Investitionen im Ausland erwirtschaften gemäss SNB Kapitalerträge von über 100 Milliarden Franken pro Jahr.</p><p> </p><p>Der Bundesrat ist überzeugt, dass angesichts der mittelfristig bestehenden Unsicherheit und Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Schweiz eine Verbesserung der allgemeinen Standortbedingungen für alle Unternehmen der zielführendste Weg ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu erhalten. Die wirtschaftspolitische Agenda vom 22. Mai 2024 wurde in der bundesrätlichen Klausur vom 20. August 2025 bekräftig, wobei Anstrengungen zur Reduktion der Produktionskosten von Unternehmen und zur regulatorischen Entlastung zur Priorität erklärt wurden. Das am 26. November 2025 verabschiedete Paket mit konkreten Massnahmen und die konsequente Umsetzung des Unternehmungsentlastungsgesetzes (SR 930.31) sind Ausdruck davon. Zudem verabschiedet der Bundesrat alle vier Jahre eine Botschaft über die Standortförderung des Bundes, so zuletzt am 25. Januar 2023 (BBl 2023 554).</p><p> </p><p>Im Steuerbereich wird der Bundesrat im Rahmen des Berichts zum Postulat Walti 23.3752 voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 eine Auslegeordnung zu mittel- und längerfristigen steuerpolitischen Herausforderungen vorlegen, insbesondere auch vor dem Hintergrund der internationalen Entwicklungen bei der OECD-Mindeststeuer. Der Stärkung der Fachkräftebasis dienen unter anderem die Revision des Berufsbildungsgesetzes (SR 412.10) sowie die Arbeiten zur Erleichterung des Zugangs zum Schweizer Arbeitsmarkt für Drittstaatsangehörige. Im Bereich «Life Science» wird eine Arbeitsgruppe die allgemeinen und sektorspezifischen Rahmenbedingungen des Standorts Schweiz überprüfen und allfälligen Anpassungsbedarf identifizieren.</p><p> </p><p>Die Bemühungen international aktiver Unternehmen, vermehrt vor Ort für nationale Märkte zu produzieren, sind bereits seit einiger Zeit auf globaler Ebene zu beobachten. Der Bundesrat verfolgt damit einhergehende Entwicklungen bei den ausländischen Direktinvestitionen aufmerksam und ist sich der Risiken für Wohlstand, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bewusst, wenn hochinnovative Industrien wichtige Teile der Wertschöpfung ins Ausland verlagern sollten. Wie schon im Lagebericht zur Schweizer Volkswirtschaft 2024 wird der Bundesrat auch in kommenden Analysen anhand einer Vielzahl von Indikatoren die Standortattraktivität der Schweiz beurteilen und daraus einen allfälligen wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf ableiten.</p>
- <p>In jüngerer Zeit haben globale Unternehmen z.B. aus der Pharmaindustrie mehrfach entschieden, bedeutende Investitionen nicht in der Schweiz, sondern in anderen europäischen Ländern zu tätigen. Diese Entwicklungen weisen darauf hin, dass die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts unter Druck steht. Gleichzeitig hängt ein wesentlicher Teil unseres Wohlstands von Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion ab. Dabei geht es ausdrücklich um Investitionsentscheide innerhalb Europas und nicht um Fragen der Zoll- oder Industriepolitik der USA.</p><p> </p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><ul><li>Wie beurteilt der Bundesrat die Tatsache, dass vermehrt europäische Standorte den Zuschlag für grosse Investitionsvorhaben erhalten, während die Schweiz weniger berücksichtigt wird? Welche Standortfaktoren spielen dabei aus seiner Sicht die zentrale Rolle?</li><li>Welche Rückmeldungen aus der Industrie liegen dem Bundesrat dazu vor, weshalb Unternehmen aktuell eher andere europäische Länder für Produktions- und Forschungsinvestitionen auswählen? Welche Herausforderungen werden besonders häufig genannt, etwa Kostenstrukturen, regulatorische Anforderungen, Bewilligungsverfahren oder die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte?</li><li>Welche Massnahmen – neben einer in mehreren Motionen geforderte Life-Science-Strategie oder dem "Paket für die Wettbewerbsfähigkeit" hinaus – erachtet der Bundesrat als notwendig, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz als Innovations- und Produktionsstandort zu stärken? Prüft er gezielte Reformen bei Bewilligungsverfahren, steuerliche Anreize, die Stärkung der Fachkräftebasis oder eine koordinierte Strategie für industrielle Wertschöpfung?</li><li>Wie will der Bundesrat sicherstellen, dass die Schweiz im Standortwettbewerb innerhalb Europas nicht weiter an Boden verliert? Welche Rolle kommt Kantonen, Hochschulen und privaten Akteuren in einer gemeinsamen Standortstrategie zu?</li><li>Welche Risiken für Wohlstand, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sieht der Bundesrat, wenn hochinnovative Industrien wichtige Teile der Wertschöpfung vermehrt im Ausland ansiedeln?</li><li>Verfügt der Bundesrat über Zielwerte oder Indikatoren, anhand derer er die Entwicklung der Standortattraktivität der Schweiz im Bereich Forschung, Entwicklung und Produktion bis 2030 messen will?</li></ul>
- Stärkung der Standortattraktivität der Schweiz für industrielle Investitionen
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