Einführung einer Gesetzesgrundlage für den regulierten Abschuss von Wölfen bei Überschreitung eines vordefinierten Schwellenwerts

ShortId
25.4464
Id
20254464
Updated
19.02.2026 14:57
Language
de
Title
Einführung einer Gesetzesgrundlage für den regulierten Abschuss von Wölfen bei Überschreitung eines vordefinierten Schwellenwerts
AdditionalIndexing
52;55;12
1
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <p>In den letzten Jahren ist die Wolfspopulation in der Schweiz exponentiell gewachsen: 2010 lebte rund ein Dutzend Wölfe in unserem Land, heute sind es weit über 300&nbsp;Tiere und mehr als 30&nbsp;Rudel. Die Folgen für die Alpwirtschaft werden immer gravierender und gefährden die traditionelle Weidewirtschaft, vor allem in den Alpentälern, wo viele Landwirtschaftsbetriebe ihre Tätigkeit bereits eingestellt haben oder kurz davorstehen. Entsprechend sind auch die Wohnbevölkerung sowie Touristinnen und Touristen zunehmend gefährdet.</p><p>Die Situation ist schon seit Langem unhaltbar. Ein so grosser Wolfsbestand verträgt sich nicht mit unserer Kulturlandschaft, zumal er sich vorwiegend auf die Kantone im Alpenraum konzentriert. Gemäss dem Konzept Wolf Schweiz genügen zwölf Rudel für den Arterhalt. Heute sind es dreimal so viele, und es werden tendenziell mehr.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Vergleich mit Schweden. Dort leben auf einer knapp elfmal so grossen Fläche wie der Schweiz (mit etwas mehr Einwohnerinnen und Einwohnern) rund 300&nbsp;Wölfe, also gleich viele wie bei uns. Nichtsdestotrotz hat die schwedische Regierung einen «Wolfsmanagementplan» verabschiedet, dank dem der Wolfsbestand auf 170&nbsp;Tiere gesenkt werden soll.</p><p>Unser heutiges System, das eine einzelfallbasierte Abschussbewilligung durch die Kantons- und Bundesbehörden vorsieht, hat sich als zu langsam, zu kompliziert und wirkungslos erwiesen. Bei Wolfsangriffen warten die Tierhalterinnen und Tierhalter oft wochen- oder monatelang auf Antwort, während die Schäden zunehmen und sich Schutzmassnahmen wie Zäune, Herdenschutzhunde oder Überwachungen für die Realitäten in der Alpenregion häufig als unzureichend oder unverhältnismässig herausstellen.</p><p>&nbsp;</p><p>Diese Motion fordert daher einen Paradigmenwechsel: von einem rein reaktiven zu einem proaktiven, regulierten Wolfsmanagement, das auf klaren, einheitlichen Zahlen basiert, analog dem schwedischen Modell. Übersteigt die Wolfspopulation in einer bestimmten Region den von Bund und Kantonen gemeinsam festgelegten Schwellenwert, sollen Letztere zügig und unbürokratisch eingreifen und mit der Zustimmung des Bundesamts für Umwelt Einzelwölfe oder Rudel abschiessen dürfen. Der Bundesrat regelt auf Verordnungsstufe das Verfahren zur Steuerung und Umsetzung der Massnahmen.</p><p>&nbsp;</p><p>Dieser Ansatz verfolgt in keiner Weise das Ziel, den Wolf in der Schweiz auszurotten. Im Übrigen ist der Wolf auch nicht vom Aussterben bedroht, sondern hat sich wieder dauerhaft angesiedelt. Die Wolfsbestände wachsen in ganz Europa stetig – so sehr, dass der Schutzstatus des Wolfs im Übereinkommen von Bern sogar herabgestuft wurde. Vor diesem Hintergrund muss ein stabiles Gleichgewicht zwischen der Präsenz dieses Raubtiers und seiner Koexistenz mit der Alpwirtschaft und der Nutztierhaltung Priorität haben; so wie bereits bei anderen geschützten Arten (etwa beim Steinbock), bei denen ein zielgerichtetes Management die Stabilität der Ökosysteme sicherstellt.</p>
  • Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen zu verabschieden, die den Abschuss von einzelnen Wölfen oder Rudeln erlauben, sobald die Wolfspopulation eine vordefinierte Anzahl Tiere erreicht. Dieser Schwellenwert soll in Absprache mit den Kantonen festgelegt werden und die territorialen, umweltbedingten und sozioökonomischen Besonderheiten der einzelnen Regionen berücksichtigen.</p>
  • Einführung einer Gesetzesgrundlage für den regulierten Abschuss von Wölfen bei Überschreitung eines vordefinierten Schwellenwerts
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In den letzten Jahren ist die Wolfspopulation in der Schweiz exponentiell gewachsen: 2010 lebte rund ein Dutzend Wölfe in unserem Land, heute sind es weit über 300&nbsp;Tiere und mehr als 30&nbsp;Rudel. Die Folgen für die Alpwirtschaft werden immer gravierender und gefährden die traditionelle Weidewirtschaft, vor allem in den Alpentälern, wo viele Landwirtschaftsbetriebe ihre Tätigkeit bereits eingestellt haben oder kurz davorstehen. Entsprechend sind auch die Wohnbevölkerung sowie Touristinnen und Touristen zunehmend gefährdet.</p><p>Die Situation ist schon seit Langem unhaltbar. Ein so grosser Wolfsbestand verträgt sich nicht mit unserer Kulturlandschaft, zumal er sich vorwiegend auf die Kantone im Alpenraum konzentriert. Gemäss dem Konzept Wolf Schweiz genügen zwölf Rudel für den Arterhalt. Heute sind es dreimal so viele, und es werden tendenziell mehr.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Vergleich mit Schweden. Dort leben auf einer knapp elfmal so grossen Fläche wie der Schweiz (mit etwas mehr Einwohnerinnen und Einwohnern) rund 300&nbsp;Wölfe, also gleich viele wie bei uns. Nichtsdestotrotz hat die schwedische Regierung einen «Wolfsmanagementplan» verabschiedet, dank dem der Wolfsbestand auf 170&nbsp;Tiere gesenkt werden soll.</p><p>Unser heutiges System, das eine einzelfallbasierte Abschussbewilligung durch die Kantons- und Bundesbehörden vorsieht, hat sich als zu langsam, zu kompliziert und wirkungslos erwiesen. Bei Wolfsangriffen warten die Tierhalterinnen und Tierhalter oft wochen- oder monatelang auf Antwort, während die Schäden zunehmen und sich Schutzmassnahmen wie Zäune, Herdenschutzhunde oder Überwachungen für die Realitäten in der Alpenregion häufig als unzureichend oder unverhältnismässig herausstellen.</p><p>&nbsp;</p><p>Diese Motion fordert daher einen Paradigmenwechsel: von einem rein reaktiven zu einem proaktiven, regulierten Wolfsmanagement, das auf klaren, einheitlichen Zahlen basiert, analog dem schwedischen Modell. Übersteigt die Wolfspopulation in einer bestimmten Region den von Bund und Kantonen gemeinsam festgelegten Schwellenwert, sollen Letztere zügig und unbürokratisch eingreifen und mit der Zustimmung des Bundesamts für Umwelt Einzelwölfe oder Rudel abschiessen dürfen. Der Bundesrat regelt auf Verordnungsstufe das Verfahren zur Steuerung und Umsetzung der Massnahmen.</p><p>&nbsp;</p><p>Dieser Ansatz verfolgt in keiner Weise das Ziel, den Wolf in der Schweiz auszurotten. Im Übrigen ist der Wolf auch nicht vom Aussterben bedroht, sondern hat sich wieder dauerhaft angesiedelt. Die Wolfsbestände wachsen in ganz Europa stetig – so sehr, dass der Schutzstatus des Wolfs im Übereinkommen von Bern sogar herabgestuft wurde. Vor diesem Hintergrund muss ein stabiles Gleichgewicht zwischen der Präsenz dieses Raubtiers und seiner Koexistenz mit der Alpwirtschaft und der Nutztierhaltung Priorität haben; so wie bereits bei anderen geschützten Arten (etwa beim Steinbock), bei denen ein zielgerichtetes Management die Stabilität der Ökosysteme sicherstellt.</p>
    • Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen zu verabschieden, die den Abschuss von einzelnen Wölfen oder Rudeln erlauben, sobald die Wolfspopulation eine vordefinierte Anzahl Tiere erreicht. Dieser Schwellenwert soll in Absprache mit den Kantonen festgelegt werden und die territorialen, umweltbedingten und sozioökonomischen Besonderheiten der einzelnen Regionen berücksichtigen.</p>
    • Einführung einer Gesetzesgrundlage für den regulierten Abschuss von Wölfen bei Überschreitung eines vordefinierten Schwellenwerts

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