Gibt es eine Nahrungskonkurrenz bei bestäubenden Insekten?

ShortId
25.4486
Id
20254486
Updated
18.02.2026 13:50
Language
de
Title
Gibt es eine Nahrungskonkurrenz bei bestäubenden Insekten?
AdditionalIndexing
52;36
1
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <p>Ich bitte den Bundesrat daher um die Beantwortung der folgenden Fragen:&nbsp;&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><ol><li>Welche Forschungsaktivitäten laufen im nationalen Kontext, um diese Diskussion auf einer wissenschaftlich fundierten Basis zu führen?&nbsp;</li><li>Gibt es heute bereits umfassende, wissenschaftliche Grundlagen, welche die spezifischen Verhältnisse der Schweiz berücksichtigen&nbsp;und konkrete Faktoren wie verschiedene Jahreszeiten und Landschaftstypen ausreichend miteinbeziehen, um die Frage einer möglichen Nahrungskonkurrenz zwischen Honigbienen, Wildbienen und anderen Insekten fundiert zu beurteilen?&nbsp;</li><li>Wenn ja:&nbsp;Wird nachgewiesen, wie gross der Einfluss dieser Konkurrenz für die Erhaltung der Wildbienenpopulation im Vergleich zu anderen Einflussfaktoren ist?&nbsp;</li><li>Hält der Bundesrat die derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse für ausreichend, um als Grundlage für rechtsverbindliche Regulierungen der Honigbiene zu dienen und um behördliche Einschränkungen der Honigbienenhaltung auf kantonaler oder regionaler Ebene zu rechtfertigen?&nbsp;</li></ol>
  • <span><p><span>1. Agroscope, das Institut für Bienengesundheit (Uni Bern) und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) führen im Zeitraum 2025-2029 gemeinsam das Forschungsprojekt </span><em><span>BEENERGIA</span></em><span> durch. Dieses wird fundierte Erkenntnisse zu den Wechselwirkungen zwischen Honig- und Wildbienen bereitstellen sowie Lösungsvorschläge zur Konfliktminderung liefern, welche den Entscheidungsträgern als Grundlage dienen können.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. und 3. Der Einfluss der städtischen Imkerei auf Wildbienenbestände lässt sich mit den bisher durchgeführten Studien nicht quantifizieren. Die Zusammenhänge sind komplex, da viele Faktoren gleichzeitig wirken (z. B. Lebensraumverlust, Versiegelung, Pestizide, Klimawandel). Die WSL-Studie </span><em><span>City4Bees</span></em><span> (2012-2018, </span><span>bafu.admin.ch &gt; Publikationen, Medien &gt; Externe Studien &gt; Biodiversität &gt; </span><em><span>City4Bees</span></em><span>) gibt erste Hinweise, dass einzelne urbane Räume nicht über genügend Nahrungsquellen für Bienen verfügen. Das kann potenziell auch Wildbienen beeinträchtigen. Zudem hat die Studie einen Zusammenhang zwischen Nahrungsverfügbarkeit und Gesundheit (physische und reproduktive Aspekte) der Wildbienen gezeigt: je geringer die Nahrungsverfügbarkeit, desto schlechter die Gesundheit der Wildbienen. Die Ergebnisse der WSL-Studie sind gemäss den Autoren jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da sie nur für den untersuchten Raum – hier städtische Gärten – gelten. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. Die derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse implizieren keine Notwendigkeit einer flächendeckenden Regelung oder pauschalen Beschränkung der Honigbienenhaltung in der Schweiz. Denkbar sind räumlich und zeitlich begrenzte spezifische Regelungen, beispielsweise beim Vorkommen gefährdeter Wildbienen in schützenswerten Lebensräumen oder bei deutlich limitiertem Blütenangebot. Wichtig sind in jedem Fall Massnahmen, welche die Biodiversität beispielsweise in Siedlungsräumen fördern und so auch Nahrungsangebote für Bienen bereitstellen. Die Förderung der Biodiversität ist die wirkungsvollste Massnahme, um Nahrung für alle Bienen bereitzustellen. </span></p></span>
  • <p>Wild- und Honigbienen sind nebst zahlreichen weiteren Insekten zentral für die Bestäubungsleistung von Pflanzen. Sie sind für die Biodiversität ebenso wie für die Landwirtschaft unverzichtbar.&nbsp;Rund um Honig- und Wildbienen ist in letzter Zeit eine Kontroverse entstanden. Die Rede ist von einer möglichen Nahrungskonkurrenz. Honigbienen werden zum Teil als negativ für die Artenvielfalt und als Bedrohung für die Wildbienen dargestellt.&nbsp;&nbsp;Diese Kontroverse ist einer ganzheitlichen Betrachtung der Bestäubungsleistung der Insekten und ihrer Bedeutung für die Biodiversität nicht zuträglich.&nbsp;</p>
  • Gibt es eine Nahrungskonkurrenz bei bestäubenden Insekten?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Ich bitte den Bundesrat daher um die Beantwortung der folgenden Fragen:&nbsp;&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><ol><li>Welche Forschungsaktivitäten laufen im nationalen Kontext, um diese Diskussion auf einer wissenschaftlich fundierten Basis zu führen?&nbsp;</li><li>Gibt es heute bereits umfassende, wissenschaftliche Grundlagen, welche die spezifischen Verhältnisse der Schweiz berücksichtigen&nbsp;und konkrete Faktoren wie verschiedene Jahreszeiten und Landschaftstypen ausreichend miteinbeziehen, um die Frage einer möglichen Nahrungskonkurrenz zwischen Honigbienen, Wildbienen und anderen Insekten fundiert zu beurteilen?&nbsp;</li><li>Wenn ja:&nbsp;Wird nachgewiesen, wie gross der Einfluss dieser Konkurrenz für die Erhaltung der Wildbienenpopulation im Vergleich zu anderen Einflussfaktoren ist?&nbsp;</li><li>Hält der Bundesrat die derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse für ausreichend, um als Grundlage für rechtsverbindliche Regulierungen der Honigbiene zu dienen und um behördliche Einschränkungen der Honigbienenhaltung auf kantonaler oder regionaler Ebene zu rechtfertigen?&nbsp;</li></ol>
    • <span><p><span>1. Agroscope, das Institut für Bienengesundheit (Uni Bern) und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) führen im Zeitraum 2025-2029 gemeinsam das Forschungsprojekt </span><em><span>BEENERGIA</span></em><span> durch. Dieses wird fundierte Erkenntnisse zu den Wechselwirkungen zwischen Honig- und Wildbienen bereitstellen sowie Lösungsvorschläge zur Konfliktminderung liefern, welche den Entscheidungsträgern als Grundlage dienen können.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>2. und 3. Der Einfluss der städtischen Imkerei auf Wildbienenbestände lässt sich mit den bisher durchgeführten Studien nicht quantifizieren. Die Zusammenhänge sind komplex, da viele Faktoren gleichzeitig wirken (z. B. Lebensraumverlust, Versiegelung, Pestizide, Klimawandel). Die WSL-Studie </span><em><span>City4Bees</span></em><span> (2012-2018, </span><span>bafu.admin.ch &gt; Publikationen, Medien &gt; Externe Studien &gt; Biodiversität &gt; </span><em><span>City4Bees</span></em><span>) gibt erste Hinweise, dass einzelne urbane Räume nicht über genügend Nahrungsquellen für Bienen verfügen. Das kann potenziell auch Wildbienen beeinträchtigen. Zudem hat die Studie einen Zusammenhang zwischen Nahrungsverfügbarkeit und Gesundheit (physische und reproduktive Aspekte) der Wildbienen gezeigt: je geringer die Nahrungsverfügbarkeit, desto schlechter die Gesundheit der Wildbienen. Die Ergebnisse der WSL-Studie sind gemäss den Autoren jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da sie nur für den untersuchten Raum – hier städtische Gärten – gelten. </span></p><p><span>&nbsp;</span></p><p><span>4. Die derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse implizieren keine Notwendigkeit einer flächendeckenden Regelung oder pauschalen Beschränkung der Honigbienenhaltung in der Schweiz. Denkbar sind räumlich und zeitlich begrenzte spezifische Regelungen, beispielsweise beim Vorkommen gefährdeter Wildbienen in schützenswerten Lebensräumen oder bei deutlich limitiertem Blütenangebot. Wichtig sind in jedem Fall Massnahmen, welche die Biodiversität beispielsweise in Siedlungsräumen fördern und so auch Nahrungsangebote für Bienen bereitstellen. Die Förderung der Biodiversität ist die wirkungsvollste Massnahme, um Nahrung für alle Bienen bereitzustellen. </span></p></span>
    • <p>Wild- und Honigbienen sind nebst zahlreichen weiteren Insekten zentral für die Bestäubungsleistung von Pflanzen. Sie sind für die Biodiversität ebenso wie für die Landwirtschaft unverzichtbar.&nbsp;Rund um Honig- und Wildbienen ist in letzter Zeit eine Kontroverse entstanden. Die Rede ist von einer möglichen Nahrungskonkurrenz. Honigbienen werden zum Teil als negativ für die Artenvielfalt und als Bedrohung für die Wildbienen dargestellt.&nbsp;&nbsp;Diese Kontroverse ist einer ganzheitlichen Betrachtung der Bestäubungsleistung der Insekten und ihrer Bedeutung für die Biodiversität nicht zuträglich.&nbsp;</p>
    • Gibt es eine Nahrungskonkurrenz bei bestäubenden Insekten?

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