Teure Sekundärregelenergie belastet Haushalte und gefährdet Energiewende
- ShortId
-
25.4561
- Id
-
20254561
- Updated
-
19.02.2026 19:01
- Language
-
de
- Title
-
Teure Sekundärregelenergie belastet Haushalte und gefährdet Energiewende
- AdditionalIndexing
-
66;15;52
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p>1. Der Bundesrat teilt die Einschätzung, dass die Preisobergrenze das unvollständige Funktionieren des SRE-Marktmechanismus nur teilweise zu korrigieren vermag. Es handelt sich um eine Übergangsmassnahme, die die Situation stabilisieren soll, bis nachhaltigere Lösungen umgesetzt sind. </p><p>2. Gemeinsam mit der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) und der Branche verfolgt der Bundesrat aufmerksam die Entwicklungen auf den Märkten für Systemdienstleistungen. Er wird bei Bedarf eingreifen und gegebenenfalls auch gesetzliche Anpassungen vorschlagen. Im Rahmen einer im November 2025 veröffentlichten externen Studie über die Funktionsweise des Marktes (<a href="https://www.elcom.admin.ch/dam/de/sd-web/qMExbjqI0M9Q/Analyse%20und%20Optimierung%20des%20Marktdesigns%20f%C3%BCr%20die%20Regelleistung%20und%20-energie%20in%20der%20Schweiz%20%E2%80%93%20Studie%20im%20Auftrag%20der%20ElCom.pdf"><u>www.elcom.admin.ch</u></a> > Publikationen und Veranstaltungen > Berichte und Studien > Berichte zur Marktüberwachung > Analyse und Optimierung des Marktdesigns für die Regelleistung und -energie in der Schweiz – Studie im Auftrag der ElCom) wurden verschiedene Ansätze zur effizienteren Ausgestaltung der SRE-Beschaffungsmechanismen analysiert. Die Studie zeigt auf, dass in diesem Bereich Handlungsbedarf besteht. Die Ansätze wurden der Branche vorgestellt; eine allfällige Umsetzung wird gegenwärtig geprüft. </p><p> </p><p>Der Bundesrat nimmt die Bereitschaft und das Engagement von Swissgrid und den Marktakteuren zur Kenntnis, die entsprechenden Anpassungen rasch vorzunehmen. Zur Begrenzung der Kosten werden derzeit zahlreiche weitere Schritte unternommen. Erstens hält die Branche die von der ElCom empfohlene Preisgrenze im Jahr 2026 freiwillig aufrecht. Dies gilt übergangsweise, bis weitere Massnahmen den SRE-Beschaffungsmechanismus effektiver machen. Zweitens sind Bestrebungen im Gange, durch den Einbezug von Flexibilität, den Einsatz neuer Technologien und die Einbindung kleinerer Akteure eine wettbewerblichere Preisbildung zu fördern (Senkung der Mindestangebotsmenge von 5 MW auf 1 MW durch Swissgrid, Ausbau der Plattform Equigy und des Produkts PV4Balancing). Die vollständige Implementierung dieser Massnahmen ist bis 2027 geplant. Drittens werden grosse Anstrengungen unternommen, um den Bedarf an Regelenergie zu reduzieren. So hat die nationale Netzgesellschaft Swissgrid beispielsweise im Jahr 2026 einen neuen Mechanismus zur Berechnung des Ausgleichsenergiepreises eingeführt. Darüber hinaus hat die Branche neue Empfehlungen herausgegeben, und einige Anbieter stellen neue digitale Plattformen bereit, die insbesondere den Zugang zum Intraday-Markt zu erleichtern sollen. </p><p> </p><p>3. Die genannten Massnahmen werden gegenwärtig innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens umgesetzt. Eine Überprüfung ihrer Wirksamkeit ist vorgesehen. Aus der oben erwähnten Studie der ElCom und der im April 2025 veröffentlichten Studie zur Analyse des Marktes für Sekundärregelenergie (<a href="http://www.elcom.admin.ch"><u>www.elcom.admin.ch</u></a> > Publikationen und Veranstaltungen > Berichte und Studien > Berichte zur Marktüberwachung) geht hervor, dass die Mehrkosten auf die kürzlich erfolgte Änderung des Auktionsdesigns und die Anpassung der Preisbildung auf dem Markt zurückzuführen sind. Momentan wird ausgewertet, welche weiteren Schritte daraus abzuleiten sind. Ferner wird in einer vom Bundesamt für Energie (BFE) in Auftrag gegebenen Studie, deren Erkenntnisse im ersten Quartal 2026 vorliegen werden, der Regelbedarf der Schweiz demjenigen ausgewählter europäischer Länder gegenübergestellt. Anhand der Ergebnisse dieser Untersuchungen wird entschieden, ob zusätzliche Massnahmen, wie die Anpassung der bestehenden rechtlichen Grundlagen, erforderlich sind.</p><p> </p><p>4. Ergänzend zu den oben genannten Massnahmen wäre der Zugang der Schweiz zu den europäischen Regelenergieplattformen ein sehr wirksames Mittel, um die Liquidität zu erhöhen und die Preise zu senken. Der Bundesrat hat im Rahmen des Stromabkommens mit der Europäischen Union die Weichen dafür gestellt. Da die Schweiz kein Mitglied des europäischen Strombinnenmarktes ist, bleibt ihr dieser Zugang vorerst verwehrt. Die Öffnung des Marktes für Stromkundinnen und -kunden mit geringem Verbrauch würde einen Wettbewerb zwischen Grundversorgungsanbietern und zwischen Bilanzgruppen ermöglichen. Dadurch entstünden Anreize, die Ausgeglichenheit der Energiebilanz zu verbessern, um die Ausgleichsenergiekosten zu senken und damit attraktiv zu bleiben. Der Nationalrat hat überdies im Zuge der Änderung des Elektrizitätsgesetzes (Beschleunigung beim Aus- und Umbau der Stromnetze, EleG; BBl <em>2025</em> 1832) einen Artikel in den Erlass aufgenommen, der die Verantwortung der Bilanzgruppen für die Ausgeglichenheit der Energie- und Leistungsbilanz im Stromversorgungsgesetz (StromVG; SR <em>734.7</em>) verankert. Der Bundesrat hat davon Kenntnis genommen und wird zu gegebener Zeit über mögliche Änderungen der Rechtsgrundlage zu den Systemdienstleistungen informieren.</p></span>
- <p>Nach einer Umstellung des Beschaffungsregime sind in der Schweiz die Preise für Sekundärregelenergie (SRE) stark angestiegen. Diese Kostenexplosion schlägt direkt auf die Strompreise der Bevölkerung und der Wirtschaft durch und gefährdet auch die Energiewende insgesamt.</p><p> </p><p>Gemäss ElCom lassen sich die hohen Preise weder mit fundamentalen Marktentwicklungen noch mit realen Kosten erklären. Vielmehr kommt sie zum Schluss, dass der Marktmechanismus bei SRE nur unvollständig funktioniert und sich bei der SRE-Beschaffung auch keine marktorientierten Ergebnisse ergeben. Aufgrund dieses Marktversagens mussten die Stromkundinnen und -kunden seit 2022 rund eine Viertelmilliarde Franken zu viel für den Strom bezahlen. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass auch bei starkem Ausbau der Erneuerbaren der Bedarf an Regelenergie tief bleiben und die Kosten für Ausgleichsenergie moderat ausfallen können.</p><p> </p><p>Die ElCom hat reagiert und bis Ende 2025 eine Preisobergrenze für Angebotspreise der Sekundärregel-Energielieferung eingeführt. Der Preis-Cap erzielte jedoch nicht den erhofften Effekt; vielmehr erhöhten sich die Kosten der negativen SRE sogar. Auch Swissgrid hat erkannt, dass der Markt nicht funktioniert und hat angekündigt, ab 2026 einen neuen Preismechanismus für Ausgleichsenergie einzuführen. In welchem Umfang diese Massnahme den massiven Kosten entgegenwirkt, ist jedoch fraglich. Gemäss ElCom braucht es entsprechend tiefgreifende Reformen, um den Regelenergiemarkt transparenter, wettbewerblicher und effizienter zu gestalten. Auch der Bundesrat anerkennt in seiner Antwort auf meine Interpellation 24.4687 Handlungsbedarf und hält zusätzliche Massnahmen für notwendig. </p><p> </p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p> </p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass der Preis-Cap das unvollständige Funktionieren des SRE-Marktmechanismus nur partiell korrigieren kann?</li><li>Welche weiteren Massnahmen plant der Bundesrat, um eine faire und wettbewerbliche Preisbildung sowie die Liquidität des Regelenergiemarktes sicherzustellen?</li><li>Wie rasch und effektiv können unter den bestehenden rechtlichen Grundlagen die nötigen Anpassungen bei SRE erfolgen?</li><li>Welche gesetzlichen Grundlagen können gemäss Bundesrat angepasst werden, um einen funktionierenden und wettbewerblichen Regelenergiemarkt mit tiefen Ausgleichsenergiekosten sicherzustellen?</li></ul>
- Teure Sekundärregelenergie belastet Haushalte und gefährdet Energiewende
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <span><p>1. Der Bundesrat teilt die Einschätzung, dass die Preisobergrenze das unvollständige Funktionieren des SRE-Marktmechanismus nur teilweise zu korrigieren vermag. Es handelt sich um eine Übergangsmassnahme, die die Situation stabilisieren soll, bis nachhaltigere Lösungen umgesetzt sind. </p><p>2. Gemeinsam mit der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) und der Branche verfolgt der Bundesrat aufmerksam die Entwicklungen auf den Märkten für Systemdienstleistungen. Er wird bei Bedarf eingreifen und gegebenenfalls auch gesetzliche Anpassungen vorschlagen. Im Rahmen einer im November 2025 veröffentlichten externen Studie über die Funktionsweise des Marktes (<a href="https://www.elcom.admin.ch/dam/de/sd-web/qMExbjqI0M9Q/Analyse%20und%20Optimierung%20des%20Marktdesigns%20f%C3%BCr%20die%20Regelleistung%20und%20-energie%20in%20der%20Schweiz%20%E2%80%93%20Studie%20im%20Auftrag%20der%20ElCom.pdf"><u>www.elcom.admin.ch</u></a> > Publikationen und Veranstaltungen > Berichte und Studien > Berichte zur Marktüberwachung > Analyse und Optimierung des Marktdesigns für die Regelleistung und -energie in der Schweiz – Studie im Auftrag der ElCom) wurden verschiedene Ansätze zur effizienteren Ausgestaltung der SRE-Beschaffungsmechanismen analysiert. Die Studie zeigt auf, dass in diesem Bereich Handlungsbedarf besteht. Die Ansätze wurden der Branche vorgestellt; eine allfällige Umsetzung wird gegenwärtig geprüft. </p><p> </p><p>Der Bundesrat nimmt die Bereitschaft und das Engagement von Swissgrid und den Marktakteuren zur Kenntnis, die entsprechenden Anpassungen rasch vorzunehmen. Zur Begrenzung der Kosten werden derzeit zahlreiche weitere Schritte unternommen. Erstens hält die Branche die von der ElCom empfohlene Preisgrenze im Jahr 2026 freiwillig aufrecht. Dies gilt übergangsweise, bis weitere Massnahmen den SRE-Beschaffungsmechanismus effektiver machen. Zweitens sind Bestrebungen im Gange, durch den Einbezug von Flexibilität, den Einsatz neuer Technologien und die Einbindung kleinerer Akteure eine wettbewerblichere Preisbildung zu fördern (Senkung der Mindestangebotsmenge von 5 MW auf 1 MW durch Swissgrid, Ausbau der Plattform Equigy und des Produkts PV4Balancing). Die vollständige Implementierung dieser Massnahmen ist bis 2027 geplant. Drittens werden grosse Anstrengungen unternommen, um den Bedarf an Regelenergie zu reduzieren. So hat die nationale Netzgesellschaft Swissgrid beispielsweise im Jahr 2026 einen neuen Mechanismus zur Berechnung des Ausgleichsenergiepreises eingeführt. Darüber hinaus hat die Branche neue Empfehlungen herausgegeben, und einige Anbieter stellen neue digitale Plattformen bereit, die insbesondere den Zugang zum Intraday-Markt zu erleichtern sollen. </p><p> </p><p>3. Die genannten Massnahmen werden gegenwärtig innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens umgesetzt. Eine Überprüfung ihrer Wirksamkeit ist vorgesehen. Aus der oben erwähnten Studie der ElCom und der im April 2025 veröffentlichten Studie zur Analyse des Marktes für Sekundärregelenergie (<a href="http://www.elcom.admin.ch"><u>www.elcom.admin.ch</u></a> > Publikationen und Veranstaltungen > Berichte und Studien > Berichte zur Marktüberwachung) geht hervor, dass die Mehrkosten auf die kürzlich erfolgte Änderung des Auktionsdesigns und die Anpassung der Preisbildung auf dem Markt zurückzuführen sind. Momentan wird ausgewertet, welche weiteren Schritte daraus abzuleiten sind. Ferner wird in einer vom Bundesamt für Energie (BFE) in Auftrag gegebenen Studie, deren Erkenntnisse im ersten Quartal 2026 vorliegen werden, der Regelbedarf der Schweiz demjenigen ausgewählter europäischer Länder gegenübergestellt. Anhand der Ergebnisse dieser Untersuchungen wird entschieden, ob zusätzliche Massnahmen, wie die Anpassung der bestehenden rechtlichen Grundlagen, erforderlich sind.</p><p> </p><p>4. Ergänzend zu den oben genannten Massnahmen wäre der Zugang der Schweiz zu den europäischen Regelenergieplattformen ein sehr wirksames Mittel, um die Liquidität zu erhöhen und die Preise zu senken. Der Bundesrat hat im Rahmen des Stromabkommens mit der Europäischen Union die Weichen dafür gestellt. Da die Schweiz kein Mitglied des europäischen Strombinnenmarktes ist, bleibt ihr dieser Zugang vorerst verwehrt. Die Öffnung des Marktes für Stromkundinnen und -kunden mit geringem Verbrauch würde einen Wettbewerb zwischen Grundversorgungsanbietern und zwischen Bilanzgruppen ermöglichen. Dadurch entstünden Anreize, die Ausgeglichenheit der Energiebilanz zu verbessern, um die Ausgleichsenergiekosten zu senken und damit attraktiv zu bleiben. Der Nationalrat hat überdies im Zuge der Änderung des Elektrizitätsgesetzes (Beschleunigung beim Aus- und Umbau der Stromnetze, EleG; BBl <em>2025</em> 1832) einen Artikel in den Erlass aufgenommen, der die Verantwortung der Bilanzgruppen für die Ausgeglichenheit der Energie- und Leistungsbilanz im Stromversorgungsgesetz (StromVG; SR <em>734.7</em>) verankert. Der Bundesrat hat davon Kenntnis genommen und wird zu gegebener Zeit über mögliche Änderungen der Rechtsgrundlage zu den Systemdienstleistungen informieren.</p></span>
- <p>Nach einer Umstellung des Beschaffungsregime sind in der Schweiz die Preise für Sekundärregelenergie (SRE) stark angestiegen. Diese Kostenexplosion schlägt direkt auf die Strompreise der Bevölkerung und der Wirtschaft durch und gefährdet auch die Energiewende insgesamt.</p><p> </p><p>Gemäss ElCom lassen sich die hohen Preise weder mit fundamentalen Marktentwicklungen noch mit realen Kosten erklären. Vielmehr kommt sie zum Schluss, dass der Marktmechanismus bei SRE nur unvollständig funktioniert und sich bei der SRE-Beschaffung auch keine marktorientierten Ergebnisse ergeben. Aufgrund dieses Marktversagens mussten die Stromkundinnen und -kunden seit 2022 rund eine Viertelmilliarde Franken zu viel für den Strom bezahlen. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass auch bei starkem Ausbau der Erneuerbaren der Bedarf an Regelenergie tief bleiben und die Kosten für Ausgleichsenergie moderat ausfallen können.</p><p> </p><p>Die ElCom hat reagiert und bis Ende 2025 eine Preisobergrenze für Angebotspreise der Sekundärregel-Energielieferung eingeführt. Der Preis-Cap erzielte jedoch nicht den erhofften Effekt; vielmehr erhöhten sich die Kosten der negativen SRE sogar. Auch Swissgrid hat erkannt, dass der Markt nicht funktioniert und hat angekündigt, ab 2026 einen neuen Preismechanismus für Ausgleichsenergie einzuführen. In welchem Umfang diese Massnahme den massiven Kosten entgegenwirkt, ist jedoch fraglich. Gemäss ElCom braucht es entsprechend tiefgreifende Reformen, um den Regelenergiemarkt transparenter, wettbewerblicher und effizienter zu gestalten. Auch der Bundesrat anerkennt in seiner Antwort auf meine Interpellation 24.4687 Handlungsbedarf und hält zusätzliche Massnahmen für notwendig. </p><p> </p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p> </p><ul style="list-style-type:disc;"><li>Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass der Preis-Cap das unvollständige Funktionieren des SRE-Marktmechanismus nur partiell korrigieren kann?</li><li>Welche weiteren Massnahmen plant der Bundesrat, um eine faire und wettbewerbliche Preisbildung sowie die Liquidität des Regelenergiemarktes sicherzustellen?</li><li>Wie rasch und effektiv können unter den bestehenden rechtlichen Grundlagen die nötigen Anpassungen bei SRE erfolgen?</li><li>Welche gesetzlichen Grundlagen können gemäss Bundesrat angepasst werden, um einen funktionierenden und wettbewerblichen Regelenergiemarkt mit tiefen Ausgleichsenergiekosten sicherzustellen?</li></ul>
- Teure Sekundärregelenergie belastet Haushalte und gefährdet Energiewende
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