Medikamente als Kostentreiber in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung?
- ShortId
-
25.4614
- Id
-
20254614
- Updated
-
18.02.2026 20:36
- Language
-
de
- Title
-
Medikamente als Kostentreiber in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung?
- AdditionalIndexing
-
2841;15
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p>1. und 3. Die Kosten für Medikamente sind von 2014 bis 2024 im Vergleich zu anderen Leistungen stark überdurchschnittlich auf 9.226 Mrd. Franken (+58%) und auf 1024 Franken pro Kopf (+43%) gewachsen (Statistik Krankenversicherung BAG). Das Preisniveau von neuen Medikamenten hat sich in den letzten zehn Jahren auf über 1’500 Franken pro Packung fast verdoppelt. Besonders teure und breit eingesetzte Krebsmedikamente wie KEYTRUDA, DARZALEX haben einen grossen Anteil an der Kostenentwicklung. Aber auch teure Therapien bei selteneren Erkrankungen wie TRIKAFTA bei zystischer Fibrose oder VYNDAQEL bei Transthyretin-Amyloidose sowie neue teure Therapien wie DUPIXENT bei entzündlichen Erkrankungen wie atopische Dermatitis oder Asthma oder OCREVUS bei multipler Sklerose haben einen massgeblichen Anteil am Kostenwachstum. Das gilt auch für weniger teure, dafür breit eingesetzte Medikamente zur Behandlung von Diabetes und Adipositas (OZEMPIC, WEGOVY, FORXIGA, JARDIANCE) oder neu zur Behandlung von Migräne oder zur Senkung des Cholesterins eingesetzte Medikamente. Kritisch beurteilt der Bundesrat den starken Kostenanstieg gewisser patentgeschützter Präparate nach Patentablauf anderer vergleichbar wirksamer Arzneimittel. Entsprechend kostensteigernde Effekte entstehen zum Beispiel durch das Umstellen vom patentabgelaufenen EYLEA auf das teurere VABYSMO bei altersbedingter Makuladegeneration oder vom patentabgelaufenen XARELTO auf das teurere ELIQUIS zur Schlaganfallprophylaxe. </p><p> </p><p>2. In den letzten 10 Jahren wurden 443 neue Originalpräparate in die Spezialitätenliste (SL) aufgenommen. Gleichzeitig wurden auch viele neue Indikationen, Generika und Biosimilars oder Präparate mit bekanntem Wirkstoff aufgenommen. Gestrichen wurden in den letzten 10 Jahren insgesamt 33 Originalpräparate. In der SL sind derzeit ca. 3400 Arzneimittel aufgeführt.</p><p> </p><p>4. Gemäss W.A.I.T.-Indikator-Studie ist die Schweiz das zweitschnellste Land in Europa bei der Zeit zwischen Zulassung und Vergütung. Im Median dauert es 204 Tage, wobei die Bearbeitungszeiten bei BAG und Pharmaindustrie gleich lang sind. Erwähnt werden muss, dass die Gesuche beim BAG im Durchschnitt 100 Tage später eingereicht werden als es möglich wäre (Bericht Eidgenössische Finanzkontrolle 1/2024). Würden die Gesuche stets mit Vorbescheid Gutheissung Swissmedic oder mittels dem neuen Early Access Verfahren eingereicht, wäre eine Vergütung 60 Tage nach Swissmedic Zulassung in der Regel möglich.</p><p> </p><p>5. In der Analyse von Krankenversicherer und Pharmaindustrie im Jahr 2024 waren patentgeschützte Medikamente (ohne Preismodell) auf Basis von Fabrikabgabepreisen in den 9 Referenzländern 13% günstiger als in der Schweiz. Korrigiert auf den aktuellen Wechselkurs von ca. 0.93 CHF/Euro hätte die Differenz rund 16% betragen. Für Generika und Biosimilars lag sie wechselkursbereinigt bei 53% resp. 32%. Die RAND-Studie aus den USA zeigt, dass die nicht regulierten US-Medikamentenpreise vs. der Schweiz 119%, Deutschland 194%, Frankreich 226%, Italien 168%, Japan 247%, Kanada 129%, UK 170% höher liegen und durchschnittlich 178% höher als in 33 OECD-Ländern.</p><p> </p><p>6. Es ist richtig, dass vertrauliche Preismodelle im Ausland dazu führen, dass nicht die effektiv vergüteten Preise im Auslandpreisvergleich für die Preisfestsetzung berücksichtigt werden können. Dies führt in der Schweiz dazu, dass die Preise neuer Arzneimittel unabhängig von Nutzen immer stärker steigen, da der Auslandpreisvergleich und der therapeutische Quervergleich mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung derselben Erkrankung bei der Preisfestsetzung hälftig gewichtet werden. Im Jahr 2024 in die SL aufgenommene neue Krebsmedikamente waren insbesondere deshalb über 80% teurer als bestehende im therapeutischen Quervergleich berücksichtigte Arzneimittel. In der Schweiz werden derzeit bei 170 Arzneimitteln Preismodelle umgesetzt, wobei diese bei 112 Arzneimitteln vertraulich sind. Im Ausland existieren keine nicht vertraulichen Preismodelle und die Praxis mit Preismodellen wird breiter umgesetzt als in der Schweiz. Zuletzt hat auch Deutschland entschieden, vertrauliche Preismodelle einzuführen.</p></span>
- <p>Im Dezember 2025 wurde das jüngste Sorgenbarometer veröffentlicht. Die Gesundheitskosten sind mit grossem Abstand die drängendste Sorge der Bevölkerung. Die Medikamentenkosten machen mit 9,4 Milliarden Franken einen wesentlichen Anteil dieser Kosten aus. Gleichzeitig ist der Anteil an Medikamentenkosten gegenüber den OKP-Ausgaben in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Trotzdem beklagen sich gewisse Exponenten grosser Pharmakonzerne über angeblich zu tiefe Preise in der Schweiz und drohen mit Marktrückzug. </p><p> </p><p>Im Zusammenhang mit den Medikamentenpreisen und steigenden Ausgaben für Medikamente bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p> </p><p>1. Wie haben sich die Medikamentenkosten zulasten der OKP in den letzten zehn Jahren entwickelt? Welchen Anteil an der Kostenentwicklung haben besonders teure Therapien?</p><p>2. Wie viele neue Medikamenten wurden in den letzten zehn Jahre auf die Spezialitätenliste (SL) genommen und wie viele gestrichen?</p><p>3. Wie haben sich die Preise der Präparate mit neuen Wirkstoffen bei Markteintritt in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?</p><p>4. Wie lange dauert es, bis ein neues Medikament zugelassen wird? Wie lange ist die Zeitdauer zwischen Zulassung und Vergütung? Mit welchen Massnahmen könnte diese Zugangsdauer verkürzt werden?</p><p>5. Wie hoch liegen die Fabrikabgabepreise im Vergleich zu mit der Schweiz vergleichbaren europäischen Staaten?</p><p>6. Gemäss einem kürzlich publizierten Bericht eines grossen Krankenversicherers orientiert sich die Preisbildung für Medikamente in der Schweiz häufig an künstlich überhöhten Schaufensterpreisen aus dem Ausland. Trifft diese Aussage zu? Falls ja, wie verbreitet ist diese Praxis?</p>
- Medikamente als Kostentreiber in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung?
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <span><p>1. und 3. Die Kosten für Medikamente sind von 2014 bis 2024 im Vergleich zu anderen Leistungen stark überdurchschnittlich auf 9.226 Mrd. Franken (+58%) und auf 1024 Franken pro Kopf (+43%) gewachsen (Statistik Krankenversicherung BAG). Das Preisniveau von neuen Medikamenten hat sich in den letzten zehn Jahren auf über 1’500 Franken pro Packung fast verdoppelt. Besonders teure und breit eingesetzte Krebsmedikamente wie KEYTRUDA, DARZALEX haben einen grossen Anteil an der Kostenentwicklung. Aber auch teure Therapien bei selteneren Erkrankungen wie TRIKAFTA bei zystischer Fibrose oder VYNDAQEL bei Transthyretin-Amyloidose sowie neue teure Therapien wie DUPIXENT bei entzündlichen Erkrankungen wie atopische Dermatitis oder Asthma oder OCREVUS bei multipler Sklerose haben einen massgeblichen Anteil am Kostenwachstum. Das gilt auch für weniger teure, dafür breit eingesetzte Medikamente zur Behandlung von Diabetes und Adipositas (OZEMPIC, WEGOVY, FORXIGA, JARDIANCE) oder neu zur Behandlung von Migräne oder zur Senkung des Cholesterins eingesetzte Medikamente. Kritisch beurteilt der Bundesrat den starken Kostenanstieg gewisser patentgeschützter Präparate nach Patentablauf anderer vergleichbar wirksamer Arzneimittel. Entsprechend kostensteigernde Effekte entstehen zum Beispiel durch das Umstellen vom patentabgelaufenen EYLEA auf das teurere VABYSMO bei altersbedingter Makuladegeneration oder vom patentabgelaufenen XARELTO auf das teurere ELIQUIS zur Schlaganfallprophylaxe. </p><p> </p><p>2. In den letzten 10 Jahren wurden 443 neue Originalpräparate in die Spezialitätenliste (SL) aufgenommen. Gleichzeitig wurden auch viele neue Indikationen, Generika und Biosimilars oder Präparate mit bekanntem Wirkstoff aufgenommen. Gestrichen wurden in den letzten 10 Jahren insgesamt 33 Originalpräparate. In der SL sind derzeit ca. 3400 Arzneimittel aufgeführt.</p><p> </p><p>4. Gemäss W.A.I.T.-Indikator-Studie ist die Schweiz das zweitschnellste Land in Europa bei der Zeit zwischen Zulassung und Vergütung. Im Median dauert es 204 Tage, wobei die Bearbeitungszeiten bei BAG und Pharmaindustrie gleich lang sind. Erwähnt werden muss, dass die Gesuche beim BAG im Durchschnitt 100 Tage später eingereicht werden als es möglich wäre (Bericht Eidgenössische Finanzkontrolle 1/2024). Würden die Gesuche stets mit Vorbescheid Gutheissung Swissmedic oder mittels dem neuen Early Access Verfahren eingereicht, wäre eine Vergütung 60 Tage nach Swissmedic Zulassung in der Regel möglich.</p><p> </p><p>5. In der Analyse von Krankenversicherer und Pharmaindustrie im Jahr 2024 waren patentgeschützte Medikamente (ohne Preismodell) auf Basis von Fabrikabgabepreisen in den 9 Referenzländern 13% günstiger als in der Schweiz. Korrigiert auf den aktuellen Wechselkurs von ca. 0.93 CHF/Euro hätte die Differenz rund 16% betragen. Für Generika und Biosimilars lag sie wechselkursbereinigt bei 53% resp. 32%. Die RAND-Studie aus den USA zeigt, dass die nicht regulierten US-Medikamentenpreise vs. der Schweiz 119%, Deutschland 194%, Frankreich 226%, Italien 168%, Japan 247%, Kanada 129%, UK 170% höher liegen und durchschnittlich 178% höher als in 33 OECD-Ländern.</p><p> </p><p>6. Es ist richtig, dass vertrauliche Preismodelle im Ausland dazu führen, dass nicht die effektiv vergüteten Preise im Auslandpreisvergleich für die Preisfestsetzung berücksichtigt werden können. Dies führt in der Schweiz dazu, dass die Preise neuer Arzneimittel unabhängig von Nutzen immer stärker steigen, da der Auslandpreisvergleich und der therapeutische Quervergleich mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung derselben Erkrankung bei der Preisfestsetzung hälftig gewichtet werden. Im Jahr 2024 in die SL aufgenommene neue Krebsmedikamente waren insbesondere deshalb über 80% teurer als bestehende im therapeutischen Quervergleich berücksichtigte Arzneimittel. In der Schweiz werden derzeit bei 170 Arzneimitteln Preismodelle umgesetzt, wobei diese bei 112 Arzneimitteln vertraulich sind. Im Ausland existieren keine nicht vertraulichen Preismodelle und die Praxis mit Preismodellen wird breiter umgesetzt als in der Schweiz. Zuletzt hat auch Deutschland entschieden, vertrauliche Preismodelle einzuführen.</p></span>
- <p>Im Dezember 2025 wurde das jüngste Sorgenbarometer veröffentlicht. Die Gesundheitskosten sind mit grossem Abstand die drängendste Sorge der Bevölkerung. Die Medikamentenkosten machen mit 9,4 Milliarden Franken einen wesentlichen Anteil dieser Kosten aus. Gleichzeitig ist der Anteil an Medikamentenkosten gegenüber den OKP-Ausgaben in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Trotzdem beklagen sich gewisse Exponenten grosser Pharmakonzerne über angeblich zu tiefe Preise in der Schweiz und drohen mit Marktrückzug. </p><p> </p><p>Im Zusammenhang mit den Medikamentenpreisen und steigenden Ausgaben für Medikamente bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p> </p><p>1. Wie haben sich die Medikamentenkosten zulasten der OKP in den letzten zehn Jahren entwickelt? Welchen Anteil an der Kostenentwicklung haben besonders teure Therapien?</p><p>2. Wie viele neue Medikamenten wurden in den letzten zehn Jahre auf die Spezialitätenliste (SL) genommen und wie viele gestrichen?</p><p>3. Wie haben sich die Preise der Präparate mit neuen Wirkstoffen bei Markteintritt in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?</p><p>4. Wie lange dauert es, bis ein neues Medikament zugelassen wird? Wie lange ist die Zeitdauer zwischen Zulassung und Vergütung? Mit welchen Massnahmen könnte diese Zugangsdauer verkürzt werden?</p><p>5. Wie hoch liegen die Fabrikabgabepreise im Vergleich zu mit der Schweiz vergleichbaren europäischen Staaten?</p><p>6. Gemäss einem kürzlich publizierten Bericht eines grossen Krankenversicherers orientiert sich die Preisbildung für Medikamente in der Schweiz häufig an künstlich überhöhten Schaufensterpreisen aus dem Ausland. Trifft diese Aussage zu? Falls ja, wie verbreitet ist diese Praxis?</p>
- Medikamente als Kostentreiber in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung?
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