Gesundheitsversorgung von LGBTQIA+-Kindern, Jugendlichen und Regenbogenfamilien. Datenlage, Sensibilisierung und Handlungsbedarf
- ShortId
-
25.4634
- Id
-
20254634
- Updated
-
18.02.2026 20:25
- Language
-
de
- Title
-
Gesundheitsversorgung von LGBTQIA+-Kindern, Jugendlichen und Regenbogenfamilien. Datenlage, Sensibilisierung und Handlungsbedarf
- AdditionalIndexing
-
2841;28
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p>1. und 2.<strong> </strong>Der Bund erhebt aktuell weder im Rahmen der Bundesstatistik noch im Rahmen eigenständiger Erhebungen Daten zur Gesundheitsversorgung von LGBTQIA+-Kindern, -Jugendlichen und Regenbogenfamilien. Im Bericht vom 9. Dezember 2022 in Erfüllung des Postulates 19.3064 Marti Samira «Gesundheit von LGBT-Personen in der Schweiz» stellte der Bundesrat Optimierungspotenzial in Bezug auf die Datenlage von LGBT+-Personen fest und beauftragte das eidgenössische Departement des Innern (EDI), zu prüfen, inwiefern standardisierte nationale Befragungen zu gesundheitlichen und sozialen Themen Fragen zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität aufnehmen könnten. Der Bericht des Büro BASS «Datenlage zu Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung in nationalen Befragungen» (2025) im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit zeigt, dass gewisse nationale Bevölkerungsbefragungen Informationen zur Geschlechtsidentität oder zur sexuellen Orientierung in der jüngsten Erhebungswelle bereits integriert haben. Jedoch ist die Stichprobengrösse bei nationalen Befragungen insbesondere bei nicht-binären Personen i.d.R. zu klein, um statistisch belastbare Auswertungen vornehmen zu können. Zudem werden in den meisten statistischen Erhebungen keine Personen befragt, die jünger als 16 Jahre alt sind. </p><p><strong> </strong></p><p>3. und 4.<strong> </strong>Das Medizinalberufegesetz (MedBG; SR 811.11), das Gesundheitsberufegesetz (GesBG; SR 811.21) und das Psychologieberufegesetz (PsyG; SR 935.81) sehen für die darin geregelten Berufe u.a. die Berufspflichten vor, im Interesse der Patientin bzw. des Patienten zu handeln und sich lebenslang fortzubilden. Regelmässige Akkreditierungen stellen sicher, dass die Aus- bzw. Weiterbildungsgänge es den Studierenden erlauben, die dafür notwendigen Kompetenzen zu erwerben. Die Bereitstellung von konkreten Bildungsinhalten ist Sache der Bildungsverantwortlichen. Gegebenenfalls können im Rahmen der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen «Hate Crimes» gegenüber LGBTIQ-Personen 2026-2030 (Umsetzung des Postulates Barrile 20.3820 «Nationaler Aktionsplan gegen LGBTQ-feindliche "hate crimes») spezifische Empfehlungen für die Bildungsanbieter geprüft werden. Der Bund hat allerdings keine gesetzliche Grundlage, um spezifische Angebote im Bereich Aus-, Weiter- und Fortbildung finanziell zu unterstützen oder ihre Durchführung einzufordern. </p><p><strong> </strong></p><p>5.<strong> </strong>Wie in seiner Stellungnahme festgehalten, beantragt der Bundesrat die Annahme des Postulates 25.4155 Balmer «Wie steht es um die medizinische Versorgung von Transjugendlichen in der Schweiz?». Er sieht es als sinnvoll und notwendig an, einen Bericht zum aktuellen Stand der medizinischen Versorgung von trans Jugendlichen zu erstellen, der u.a. den Zugang zu medizinischen Leistungen und allfällige Mängel aufzeigt sowie mögliche Verbesserungsvorschläge und deren Kostenfolgen beleuchtet. Zudem erarbeitet die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften im Auftrag des BAG und in Erfüllung der Motion 23.3967 «Verbesserung der Behandlung von Kindern, die mit einer Variation der geschlechtlichen Entwicklung (DSD) geboren wurden» zurzeit medizin-ethische Richtlinien für die Behandlung von Kindern mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung. Aufgrund der aktuellen Ressourcensituation können in den kommenden Jahren keine nationalen Erhebungen zur Versorgungssicherheit und Gleichstellung von LGBTQIA+-Kindern, -Jugendlichen und Regenbogenfamilien geplant und durchgeführt werden. Die aktuell vorhandenen Daten wurden hingegen im Rahmen des Berichtes «Gesundheit – für alle? Bericht zu gesundheitlichen Ungleichheiten in der Schweiz» des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums vom November 2025 ausgewertet und publiziert. </p><p><strong> </strong></p><p>6. Die Chancengleichheit wird in der neuen Strategie nichtübertragbare Krankheiten/Sucht/psychische Gesundheit (Ersatzstrategie ab 2029) wie auch in den entsprechenden Aktionsplänen aufgegriffen. Die spezifischen Bedürfnisse der von der Interpellantin genannten Zielgruppen werden geprüft und bei der Ausarbeitung konkreter Massnahmen berücksichtigt, doch kann sich die Gesamtstrategie nur sehr allgemein zu diesem Thema positionieren. </p></span>
- <p>Queere Kinder, Jugendliche und Regenbogenfamilien berichten wiederholt von Diskriminierung, Unsicherheiten und fehlender Sensibilisierung im Schweizer Gesundheitswesen. Internationale Studien (e.g. <a href="https://data.europa.eu/doi/10.2811/7746">European Union Agency for Fundamental Rights., 2020</a>; <a href="https://publications.aap.org/pediatrics/article/142/4/e20182162/37381/Ensuring-Comprehensive-Care-and-Support-for">Rafferty et al., 2018</a>; <a href="https://www.thetrevorproject.org/survey-2024/">The Trevor Project, 2024</a>) zeigen, dass LGBTQIA+-Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen und negative Versorgungserfahrungen aufweisen. In der Schweiz fehlen jedoch weitgehend systematische Daten zur Situation dieser Patient:innengruppe, insbesondere im pädiatrischen und familienbezogenen Kontext.</p><p> </p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p> </p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Welche Daten erhebt der Bund aktuell zur Gesundheitsversorgung von LGBTQIA+-Kindern, -Jugendlichen und Regenbogenfamilien, insbesondere in pädiatrischen, ambulanten und stationären Settings?</li><li>Wie beurteilt der Bundesrat die bestehende Datenlage zur gesundheitlichen Versorgung und zu Diskriminierungserfahrungen dieser Personengruppe in der Schweiz?</li><li>Welche Massnahmen bestehen derzeit auf Bundesebene zur Sensibilisierung und Weiterbildung von Gesundheitsfachpersonen im Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt bei Kindern, Jugendlichen und Familien?</li><li>Sieht der Bundesrat einen Handlungsbedarf, um Aus- und Weiterbildungsinhalte zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Gesundheitswesen systematisch zu stärken? Falls ja, in welchen Bereichen?</li><li>Welche Rolle könnten wissenschaftlich begleitete Schulungsprogramme und nationale Erhebungen aus Sicht des Bundesrats spielen, um die Versorgungssicherheit und Gleichstellung von LGBTQIA+-Kindern, -Jugendlichen und Regenbogenfamilien nachhaltig zu verbessern?</li><li>Ist der Bundesrat bereit zu prüfen, wie bestehende nationale Strategien im Gesundheitsbereich gezielt um die Bedürfnisse von LGBTQIA+-Kindern, Jugendlichen und Regenbogenfamilien ergänzt werden könnten?</li></ol>
- Gesundheitsversorgung von LGBTQIA+-Kindern, Jugendlichen und Regenbogenfamilien. Datenlage, Sensibilisierung und Handlungsbedarf
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <span><p>1. und 2.<strong> </strong>Der Bund erhebt aktuell weder im Rahmen der Bundesstatistik noch im Rahmen eigenständiger Erhebungen Daten zur Gesundheitsversorgung von LGBTQIA+-Kindern, -Jugendlichen und Regenbogenfamilien. Im Bericht vom 9. Dezember 2022 in Erfüllung des Postulates 19.3064 Marti Samira «Gesundheit von LGBT-Personen in der Schweiz» stellte der Bundesrat Optimierungspotenzial in Bezug auf die Datenlage von LGBT+-Personen fest und beauftragte das eidgenössische Departement des Innern (EDI), zu prüfen, inwiefern standardisierte nationale Befragungen zu gesundheitlichen und sozialen Themen Fragen zur sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität aufnehmen könnten. Der Bericht des Büro BASS «Datenlage zu Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung in nationalen Befragungen» (2025) im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit zeigt, dass gewisse nationale Bevölkerungsbefragungen Informationen zur Geschlechtsidentität oder zur sexuellen Orientierung in der jüngsten Erhebungswelle bereits integriert haben. Jedoch ist die Stichprobengrösse bei nationalen Befragungen insbesondere bei nicht-binären Personen i.d.R. zu klein, um statistisch belastbare Auswertungen vornehmen zu können. Zudem werden in den meisten statistischen Erhebungen keine Personen befragt, die jünger als 16 Jahre alt sind. </p><p><strong> </strong></p><p>3. und 4.<strong> </strong>Das Medizinalberufegesetz (MedBG; SR 811.11), das Gesundheitsberufegesetz (GesBG; SR 811.21) und das Psychologieberufegesetz (PsyG; SR 935.81) sehen für die darin geregelten Berufe u.a. die Berufspflichten vor, im Interesse der Patientin bzw. des Patienten zu handeln und sich lebenslang fortzubilden. Regelmässige Akkreditierungen stellen sicher, dass die Aus- bzw. Weiterbildungsgänge es den Studierenden erlauben, die dafür notwendigen Kompetenzen zu erwerben. Die Bereitstellung von konkreten Bildungsinhalten ist Sache der Bildungsverantwortlichen. Gegebenenfalls können im Rahmen der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans gegen «Hate Crimes» gegenüber LGBTIQ-Personen 2026-2030 (Umsetzung des Postulates Barrile 20.3820 «Nationaler Aktionsplan gegen LGBTQ-feindliche "hate crimes») spezifische Empfehlungen für die Bildungsanbieter geprüft werden. Der Bund hat allerdings keine gesetzliche Grundlage, um spezifische Angebote im Bereich Aus-, Weiter- und Fortbildung finanziell zu unterstützen oder ihre Durchführung einzufordern. </p><p><strong> </strong></p><p>5.<strong> </strong>Wie in seiner Stellungnahme festgehalten, beantragt der Bundesrat die Annahme des Postulates 25.4155 Balmer «Wie steht es um die medizinische Versorgung von Transjugendlichen in der Schweiz?». Er sieht es als sinnvoll und notwendig an, einen Bericht zum aktuellen Stand der medizinischen Versorgung von trans Jugendlichen zu erstellen, der u.a. den Zugang zu medizinischen Leistungen und allfällige Mängel aufzeigt sowie mögliche Verbesserungsvorschläge und deren Kostenfolgen beleuchtet. Zudem erarbeitet die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften im Auftrag des BAG und in Erfüllung der Motion 23.3967 «Verbesserung der Behandlung von Kindern, die mit einer Variation der geschlechtlichen Entwicklung (DSD) geboren wurden» zurzeit medizin-ethische Richtlinien für die Behandlung von Kindern mit einer Variante der Geschlechtsentwicklung. Aufgrund der aktuellen Ressourcensituation können in den kommenden Jahren keine nationalen Erhebungen zur Versorgungssicherheit und Gleichstellung von LGBTQIA+-Kindern, -Jugendlichen und Regenbogenfamilien geplant und durchgeführt werden. Die aktuell vorhandenen Daten wurden hingegen im Rahmen des Berichtes «Gesundheit – für alle? Bericht zu gesundheitlichen Ungleichheiten in der Schweiz» des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums vom November 2025 ausgewertet und publiziert. </p><p><strong> </strong></p><p>6. Die Chancengleichheit wird in der neuen Strategie nichtübertragbare Krankheiten/Sucht/psychische Gesundheit (Ersatzstrategie ab 2029) wie auch in den entsprechenden Aktionsplänen aufgegriffen. Die spezifischen Bedürfnisse der von der Interpellantin genannten Zielgruppen werden geprüft und bei der Ausarbeitung konkreter Massnahmen berücksichtigt, doch kann sich die Gesamtstrategie nur sehr allgemein zu diesem Thema positionieren. </p></span>
- <p>Queere Kinder, Jugendliche und Regenbogenfamilien berichten wiederholt von Diskriminierung, Unsicherheiten und fehlender Sensibilisierung im Schweizer Gesundheitswesen. Internationale Studien (e.g. <a href="https://data.europa.eu/doi/10.2811/7746">European Union Agency for Fundamental Rights., 2020</a>; <a href="https://publications.aap.org/pediatrics/article/142/4/e20182162/37381/Ensuring-Comprehensive-Care-and-Support-for">Rafferty et al., 2018</a>; <a href="https://www.thetrevorproject.org/survey-2024/">The Trevor Project, 2024</a>) zeigen, dass LGBTQIA+-Jugendliche ein erhöhtes Risiko für psychische Belastungen und negative Versorgungserfahrungen aufweisen. In der Schweiz fehlen jedoch weitgehend systematische Daten zur Situation dieser Patient:innengruppe, insbesondere im pädiatrischen und familienbezogenen Kontext.</p><p> </p><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p> </p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Welche Daten erhebt der Bund aktuell zur Gesundheitsversorgung von LGBTQIA+-Kindern, -Jugendlichen und Regenbogenfamilien, insbesondere in pädiatrischen, ambulanten und stationären Settings?</li><li>Wie beurteilt der Bundesrat die bestehende Datenlage zur gesundheitlichen Versorgung und zu Diskriminierungserfahrungen dieser Personengruppe in der Schweiz?</li><li>Welche Massnahmen bestehen derzeit auf Bundesebene zur Sensibilisierung und Weiterbildung von Gesundheitsfachpersonen im Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt bei Kindern, Jugendlichen und Familien?</li><li>Sieht der Bundesrat einen Handlungsbedarf, um Aus- und Weiterbildungsinhalte zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Gesundheitswesen systematisch zu stärken? Falls ja, in welchen Bereichen?</li><li>Welche Rolle könnten wissenschaftlich begleitete Schulungsprogramme und nationale Erhebungen aus Sicht des Bundesrats spielen, um die Versorgungssicherheit und Gleichstellung von LGBTQIA+-Kindern, -Jugendlichen und Regenbogenfamilien nachhaltig zu verbessern?</li><li>Ist der Bundesrat bereit zu prüfen, wie bestehende nationale Strategien im Gesundheitsbereich gezielt um die Bedürfnisse von LGBTQIA+-Kindern, Jugendlichen und Regenbogenfamilien ergänzt werden könnten?</li></ol>
- Gesundheitsversorgung von LGBTQIA+-Kindern, Jugendlichen und Regenbogenfamilien. Datenlage, Sensibilisierung und Handlungsbedarf
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