Untertitelung und maschinelle Übersetzung der Medienkonferenzen des Bundesrates

ShortId
25.4668
Id
20254668
Updated
18.02.2026 20:11
Language
de
Title
Untertitelung und maschinelle Übersetzung der Medienkonferenzen des Bundesrates
AdditionalIndexing
04;2831;34
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p><u>Antwort zu 1.–5.</u></p><p>Für den Bundesrat ist es zentral, dass seine Informationen über die Regierungsgeschäfte und -entscheide von der Bevölkerung verstanden werden. Wenn er sich direkt an die Bevölkerung richtet, tut er das daher meist in drei bis vier Landessprachen. Auch alle wichtigen schriftlichen Informationsangebote zu seinen Geschäften (Medienmitteilungen, Botschaften, Gesetzestexte) werden immer in drei Landessprachen veröffentlicht.</p><p>Mit seinen Medienkonferenzen richtet sich der Bundesrat an die akkreditierten Bundeshausjournalistinnen und -journalisten. Er stellt sich ihren Fragen und ermöglicht damit eine unabhängige, vermittelnde und kritische Berichterstattung. Die Übertragungen der Medienkonferenzen werden im Weiteren vor allem von Parteien, Verbänden und Behörden genutzt. Deren Mitarbeitende verfügen über die Fachkenntnisse, um den oft ins Detail gehenden Fragen und Antworten zu folgen. Medienkonferenzen sind in der Regel nicht auf die breite Bevölkerung ausgerichtet und stossen bei ihr im Normalfall auf wenig Interesse; sie nutzt andere Kanäle, um sich über die Entscheide des Bundesrates zu informieren.</p><p>Infolge des vom Parlament beschlossenen Stabilisierungsprogramms 2017-2019 und der deswegen erforderlichen Sparmassnahmen werden die Medienkonferenzen des Bundesrats seit 2017 auf Youtube übertragen, wo dies kostenfrei möglich ist. Der Wechsel zu Youtube erlaubte jährliche Einsparungen von rund 200'000 Franken. Bei archivierten Medienkonferenzen bietet Youtube seinen Nutzerinnen und Nutzern automatisierte Untertitel an, die Lücken und Fehler aufweisen.</p><p>Um eigene, qualitativ bessere Live-Untertitel zur Verfügung stellen zu können, müsste Youtube verlassen und wieder eine eigene Plattform betrieben werden. Dies wäre mit erheblichen Kosten verbunden. Eine automatisierte Untertitelung würde zusätzliche Kosten generieren. Hinzu kommt, dass KI-gestützte Lösungen nicht fehlerfrei arbeiten. Wie die Abklärungen mit den Parlamentsdiensten zeigen, führen insbesondere Sprachwechsel sowie Frage-Antwort-Sequenzen, wie sie fester Bestandteil von Medienkonferenzen sind, zu Ausfällen und Fehlern bei der Untertitelung. Um Untertitel in der für die Regierungskommunikation erforderlichen Qualität anzubieten, müssten sie geprüft und korrigiert werden, was zu weiteren zusätzlichen und absehbar hohen Kosten führen würde. </p><p>Automatisierte Übersetzungen setzt das Parlament nicht ein. Eine genügende Übersetzungsqualität lässt sich derzeit in Echtzeit allein mit professionellen Simultanübersetzungen erreichen. Wegen des aussergewöhnlichen Interesses wurden die Medienkonferenzen zu Covid während der Pandemie simultan in drei Landessprachen übersetzt. Diese kostete pro Medienkonferenz zwischen 4'500 CHF und 7'800 CHF. Würde man alle Medienkonferenzen durchgängig simultan übersetzen lassen, wäre mit jährlichen Zusatzkosten von 300'000 bis 500'000 CHF zu rechnen.</p><p>Aufgrund des begrenzten Interesses der Bevölkerung, der hohen Kosten, der vom Parlament im Dezember 2025 beschlossenen Sparmassnahmen im Bereich der Information der Öffentlichkeit, sowie der noch mangelnden Qualität KI-generierter Untertitel und Übersetzungen erachtet der Bundesrat eine durchgängige Untertitelung oder Übersetzung seiner Medienkonferenzen als nicht angezeigt. Vor diesem Hintergrund verzichtet der Bundesrat darauf, ein entsprechendes Pilotprojekt zu entwickeln.</p></span>
  • <p>Die Kommunikation des Bundesrates ist wichtig, damit die Bevölkerung zeitnah über die Entscheidungen der Landesregierung informiert ist und sie richtig versteht. In einem mehrsprachigen Land ist es für die demokratische Transparenz grundlegend, dass der Zugang zu den offiziellen Informationen gewährleistest ist. Darüber hinaus gehören die Verständlichkeit und die Gleichbehandlung der Landessprachen zu den Grundsätzen im Sprachengesetz.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Die Lösungen, die zur Verfügung stehen, um die Medienkonferenzen der Landesregierung mitzuverfolgen – insbesondere die von YouTube generierten Untertitel – sind weder ausreichend noch genügend leistungsfähig, um eine einheitliche Information in allen Landessprachen zu gewährleisten. Die positiven Erfahrungen auf der Internetsite des Parlaments, das die maschinell generierte Untertitelung bereits eingeführt hat, zeigen, dass diese Lösung technisch machbar und finanziell tragbar ist. Die Möglichkeiten, die heute mit der künstlichen Intelligenz zur Verfügung stehen, ermöglichen es, noch effizientere, wirtschaftlich tragbare und skalierbare Lösungen zu realisieren. Für das simultane Übersetzen ist dies im Rahmen der Parlamentsarbeit bereits sichergestellt und die personellen und technischen Ressourcen wären verfügbar.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>&nbsp;</p><ol><li>Ist der Bundesrat bereit, die Einführung der maschinell generierten Untertitelung der Medienkonferenzen zu prüfen, um die Zugänglichkeit für die Bevölkerung (mit einer anderen Lösung als YouTube) zu verbessern?</li><li>Erachtet der Bundesrat es als zweckmässig, als zusätzliche Massnahme ein Tool zu integrieren, das eine maschinelle Übersetzung der Untertitel in alle Landessprachen in Echtzeit ermöglicht, damit die Bevölkerung die Inhalte vermehrt sofort versteht?</li><li>Wie beurteilt der Bundesart die Auswirkungen dieser Instrumente auf die Transparenz und die Qualität der Behördenkommunikation? Würde dies nicht eine konsequentere Umsetzung des «Leitbildes der Konferenz der Informationsdienste des Bundes (KID)» erlauben, das vorsieht, dass in Bezug auf die Information und Kommunikation von Bundesrat und Bundesverwaltung die «Informationen [...] in der Regel dreisprachig (deutsch, französisch, italienisch)» erfolgen.</li><li>Mit welchen Kosten rechnet der Bundesrat unter Berücksichtigung der Erfahrungen, die mit der Internetsite des Parlaments bereits gesammelt wurden, und der heutigen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz?</li><li>Ist der Bundesrat bereit, ein Pilotprojekt zu entwickeln, um die Einführung von automatisch generierten Untertiteln und automatischen Übersetzungen technisch und betrieblich zu testen, und dabei einen Zeitplan, die Anforderungen und die Bewertungskriterien festzulegen?</li></ol>
  • Untertitelung und maschinelle Übersetzung der Medienkonferenzen des Bundesrates
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p><u>Antwort zu 1.–5.</u></p><p>Für den Bundesrat ist es zentral, dass seine Informationen über die Regierungsgeschäfte und -entscheide von der Bevölkerung verstanden werden. Wenn er sich direkt an die Bevölkerung richtet, tut er das daher meist in drei bis vier Landessprachen. Auch alle wichtigen schriftlichen Informationsangebote zu seinen Geschäften (Medienmitteilungen, Botschaften, Gesetzestexte) werden immer in drei Landessprachen veröffentlicht.</p><p>Mit seinen Medienkonferenzen richtet sich der Bundesrat an die akkreditierten Bundeshausjournalistinnen und -journalisten. Er stellt sich ihren Fragen und ermöglicht damit eine unabhängige, vermittelnde und kritische Berichterstattung. Die Übertragungen der Medienkonferenzen werden im Weiteren vor allem von Parteien, Verbänden und Behörden genutzt. Deren Mitarbeitende verfügen über die Fachkenntnisse, um den oft ins Detail gehenden Fragen und Antworten zu folgen. Medienkonferenzen sind in der Regel nicht auf die breite Bevölkerung ausgerichtet und stossen bei ihr im Normalfall auf wenig Interesse; sie nutzt andere Kanäle, um sich über die Entscheide des Bundesrates zu informieren.</p><p>Infolge des vom Parlament beschlossenen Stabilisierungsprogramms 2017-2019 und der deswegen erforderlichen Sparmassnahmen werden die Medienkonferenzen des Bundesrats seit 2017 auf Youtube übertragen, wo dies kostenfrei möglich ist. Der Wechsel zu Youtube erlaubte jährliche Einsparungen von rund 200'000 Franken. Bei archivierten Medienkonferenzen bietet Youtube seinen Nutzerinnen und Nutzern automatisierte Untertitel an, die Lücken und Fehler aufweisen.</p><p>Um eigene, qualitativ bessere Live-Untertitel zur Verfügung stellen zu können, müsste Youtube verlassen und wieder eine eigene Plattform betrieben werden. Dies wäre mit erheblichen Kosten verbunden. Eine automatisierte Untertitelung würde zusätzliche Kosten generieren. Hinzu kommt, dass KI-gestützte Lösungen nicht fehlerfrei arbeiten. Wie die Abklärungen mit den Parlamentsdiensten zeigen, führen insbesondere Sprachwechsel sowie Frage-Antwort-Sequenzen, wie sie fester Bestandteil von Medienkonferenzen sind, zu Ausfällen und Fehlern bei der Untertitelung. Um Untertitel in der für die Regierungskommunikation erforderlichen Qualität anzubieten, müssten sie geprüft und korrigiert werden, was zu weiteren zusätzlichen und absehbar hohen Kosten führen würde. </p><p>Automatisierte Übersetzungen setzt das Parlament nicht ein. Eine genügende Übersetzungsqualität lässt sich derzeit in Echtzeit allein mit professionellen Simultanübersetzungen erreichen. Wegen des aussergewöhnlichen Interesses wurden die Medienkonferenzen zu Covid während der Pandemie simultan in drei Landessprachen übersetzt. Diese kostete pro Medienkonferenz zwischen 4'500 CHF und 7'800 CHF. Würde man alle Medienkonferenzen durchgängig simultan übersetzen lassen, wäre mit jährlichen Zusatzkosten von 300'000 bis 500'000 CHF zu rechnen.</p><p>Aufgrund des begrenzten Interesses der Bevölkerung, der hohen Kosten, der vom Parlament im Dezember 2025 beschlossenen Sparmassnahmen im Bereich der Information der Öffentlichkeit, sowie der noch mangelnden Qualität KI-generierter Untertitel und Übersetzungen erachtet der Bundesrat eine durchgängige Untertitelung oder Übersetzung seiner Medienkonferenzen als nicht angezeigt. Vor diesem Hintergrund verzichtet der Bundesrat darauf, ein entsprechendes Pilotprojekt zu entwickeln.</p></span>
    • <p>Die Kommunikation des Bundesrates ist wichtig, damit die Bevölkerung zeitnah über die Entscheidungen der Landesregierung informiert ist und sie richtig versteht. In einem mehrsprachigen Land ist es für die demokratische Transparenz grundlegend, dass der Zugang zu den offiziellen Informationen gewährleistest ist. Darüber hinaus gehören die Verständlichkeit und die Gleichbehandlung der Landessprachen zu den Grundsätzen im Sprachengesetz.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Die Lösungen, die zur Verfügung stehen, um die Medienkonferenzen der Landesregierung mitzuverfolgen – insbesondere die von YouTube generierten Untertitel – sind weder ausreichend noch genügend leistungsfähig, um eine einheitliche Information in allen Landessprachen zu gewährleisten. Die positiven Erfahrungen auf der Internetsite des Parlaments, das die maschinell generierte Untertitelung bereits eingeführt hat, zeigen, dass diese Lösung technisch machbar und finanziell tragbar ist. Die Möglichkeiten, die heute mit der künstlichen Intelligenz zur Verfügung stehen, ermöglichen es, noch effizientere, wirtschaftlich tragbare und skalierbare Lösungen zu realisieren. Für das simultane Übersetzen ist dies im Rahmen der Parlamentsarbeit bereits sichergestellt und die personellen und technischen Ressourcen wären verfügbar.&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:</p><p>&nbsp;</p><ol><li>Ist der Bundesrat bereit, die Einführung der maschinell generierten Untertitelung der Medienkonferenzen zu prüfen, um die Zugänglichkeit für die Bevölkerung (mit einer anderen Lösung als YouTube) zu verbessern?</li><li>Erachtet der Bundesrat es als zweckmässig, als zusätzliche Massnahme ein Tool zu integrieren, das eine maschinelle Übersetzung der Untertitel in alle Landessprachen in Echtzeit ermöglicht, damit die Bevölkerung die Inhalte vermehrt sofort versteht?</li><li>Wie beurteilt der Bundesart die Auswirkungen dieser Instrumente auf die Transparenz und die Qualität der Behördenkommunikation? Würde dies nicht eine konsequentere Umsetzung des «Leitbildes der Konferenz der Informationsdienste des Bundes (KID)» erlauben, das vorsieht, dass in Bezug auf die Information und Kommunikation von Bundesrat und Bundesverwaltung die «Informationen [...] in der Regel dreisprachig (deutsch, französisch, italienisch)» erfolgen.</li><li>Mit welchen Kosten rechnet der Bundesrat unter Berücksichtigung der Erfahrungen, die mit der Internetsite des Parlaments bereits gesammelt wurden, und der heutigen Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz?</li><li>Ist der Bundesrat bereit, ein Pilotprojekt zu entwickeln, um die Einführung von automatisch generierten Untertiteln und automatischen Übersetzungen technisch und betrieblich zu testen, und dabei einen Zeitplan, die Anforderungen und die Bewertungskriterien festzulegen?</li></ol>
    • Untertitelung und maschinelle Übersetzung der Medienkonferenzen des Bundesrates

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