Auswirkungen von Basel III final auf die Finanzierungskosten von Schweizer KMU überprüfen
- ShortId
-
25.4675
- Id
-
20254675
- Updated
-
18.02.2026 20:08
- Language
-
de
- Title
-
Auswirkungen von Basel III final auf die Finanzierungskosten von Schweizer KMU überprüfen
- AdditionalIndexing
-
24;15
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>KMU bilden das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Sie zeichnen sich durch Innovationskraft, hohe Anpassungsfähigkeit und kurze Entscheidungswege aus. Die enge Verzahnung von Werk- und Finanzplatz stellt dabei seit jeher einen zentralen Wettbewerbsvorteil der Schweiz dar. Ein guter und rascher Zugang zu Finanzierungsmitteln ermöglicht Investitionen und Wachstum und ist eine wesentliche Voraussetzung für unsere lebendige und vielfältige KMU-Landschaft.</p><p>Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind Unternehmen auf günstige Finanzierungsbedingungen und eine verlässliche Liquiditätsversorgung angewiesen. Eine vom SECO in Auftrag gegebene und am 12. Dezember 2025 publizierte Studie zu den wettbewerblichen Auswirkungen der Fusion von CS und UBS bestätigt, dass der Zusammenschluss in gewissen Bereichen zu Wettbewerbseinbussen führt. Die Konsolidierung im Bankensektor einerseits und verschärfte regulatorische Rahmenbedingungen andererseits führen dazu, dass Unternehmenskredite tendenziell teurer werden und weniger verfügbar sind. </p><p>Steigende Finanzierungskosten belasten die Unternehmen und hemmen das Wirtschaftswachstum. Zusätzliche administrative Anforderungen bei Fremdfinanzierungen – insbesondere die vermehrte Forderung nach externen Kreditratings – verursachen vor allem bei kleinen, mittelgrossen und inhabergeführten Unternehmen erhebliche Zusatzkosten und unnötigen administrativen Mehraufwand.</p><p>Basel III final stützt sich bei Unternehmenskrediten stark auf externe Kreditratings. Diese sind jedoch häufig nur für grössere Unternehmen verfügbar und mit hohem Kosten- und Administrationsaufwand verbunden. In der kleinteiligen Schweizer KMU-Landschaft sind solche Ratings kaum verbreitet, und viele Unternehmen sind auf diese Verfahren nicht vorbereitet. Zu den Banken, die bislang interne Risikomodelle angewandt haben (sog. IRB-Banken) zählen namhafte KMU-Kreditgeberinnen wie UBS, ZKB, Raiffeisen. Basel III final schränkt den Einsatz dieser internen Modelle durch einen verbindlichen Outputfloor zusätzlich ein. Davon sind insbesondere KMU mit gutem internem Kreditrating betroffen. Diese Unternehmen müssen entweder mit höheren Kreditkosten rechnen oder ein aufwändiges externes Kreditratingverfahren durchlaufen. Der daraus entstehende Kosten- und Administrationsaufwand für KMU steht in keinem angemessenen Verhältnis zu einem zusätzlichen Nutzen in der Bonitätsbeurteilung.</p>
- <span><p>In der Schweiz wurde Basel III final per 1. Januar 2025 mit der geänderten Verordnung über die Eigenmittel und Risikoverteilung der Banken und Wertpapierhäuser (Eigenmittelverordnung, ERV; SR 952.03) umgesetzt. Mit dem Inkrafttreten sind die Risikogewichte und damit die Eigenmittelanforderungen für Kredite gegenüber Unternehmen für die Ratingklasse 4 von 100% auf 75% und für Kredite gegenüber KMU ohne Rating von 100% auf 85% gesunken. Die übrigen Risikogewichte für unbesicherte Kredite an Unternehmen sind gleichgeblieben. Die Offenlegung der Banken zeigt, dass die risikogewichteten Aktiven (RWA) im Bankensystem und damit grundsätzlich auch die Kapitalanforderungen per 30. Juni 2025 gegenüber 31. Dezember 2024 insgesamt um 3 Prozent gesunken sind. Insbesondere sind die RWA auch im Bereich der Kreditrisiken, welcher hier thematisch im Vordergrund steht, gesunken. Aufgrund erster vorliegender Erkenntnisse lässt sich somit festhalten, dass die Eigenmittelanforderungen im Bankensektor insgesamt höher wären, wenn die Schweiz auf eine Umsetzung von Basel III final verzichtet hätte, und dass keine generelle Verteuerung der Kreditkonditionen auf Grund der regulatorischen Anpassung erkennbar ist. </p><p> </p><p>Der Bundesrat erachtet den guten Zugang von KMU zu Finanzierungsmöglichkeiten als zentral. Eine detaillierte Analyse der Auswirkungen der Umsetzung von Basel III final auf die Schweizer Unternehmen wäre allerdings sehr aufwändig und würde dennoch kein vollständiges Bild ermöglichen, da mit den regulatorischen Änderungen nur einer von verschiedenen für die Kreditkonditionen relevanten Faktoren betrachtet würde. Um die Finanzierungssituation von Schweizer KMU periodisch und breit zu analysieren, hat jedoch das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO in den vergangenen Jahren mehrere Umfragen in Auftrag gegeben. Die nächste Befragung wird 2026 durchgeführt. Dabei soll auch untersucht werden, wie sich die neuen Eigenkapital- und Risikogewichtungsvorschriften auf Kreditmargen, die Verfügbarkeit von Krediten und die Risikodifferenzierung im KMU-Segment auswirken. Die Ergebnisse werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 in einem Bericht veröffentlicht.</p><p>Die Auswirkungen der geplanten Anpassungen des Too-big-to-fail-Regimes auf Schweizer Unternehmen werden zudem in den dazugehörenden Regulierungsfolgenabschätzungen behandelt.</p><p> </p><p>Aus den dargelegten Gründen und da bereits in Auftrag gegebene Berichte wichtige Fragestellungen des Postulates behandeln werden, ist der Bundesrat der Ansicht, dass die Erstellung eines separaten Berichts zu den regulatorischen Anpassungen nicht angezeigt ist.</p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht darzulegen, welche Auswirkungen die Einführung von Basel III auf die Finanzierungskosten von Schweizer Unternehmen hat. Dabei soll der Bericht einen besonderen Fokus auf die Auswirkungen auf kleinere und mittelgrosse Unternehmen (KMU) legen.</p><p>Der Bericht soll insbesondere:</p><ul><li>prüfen, ob der in der Regulierungsfolgenabschätzung vom Juli 2022 angenommene «volkswirtschaftliche Nettonutzen aus Standardkonformität» angesichts der verzögerten und unvollständigen internationalen Umsetzung tatsächlich realisiert wurde</li><li>die Auswirkungen der Einführung von Basel III final auf Schweizer Unternehmen, insbesondere KMU, im Lichte seit der RFA 2022 veränderten Rahmenbedingungen neu bewerten, namentlich unter Berücksichtigung des Zusammenschlusses von Credit Suisse und UBS sowie der daraus resultierenden geplanten Anpassungen des Too-big-to-fail-Regimes</li><li>die Wechselwirkungen sowie die kumulative Wirkung von Basel III final und den geplanten Anpassungen des Too-big-to-fail-Regimes auf Schweizer Unternehmen / KMU darstellen</li><li>möglichst konkret aufzeigen, welche Konsequenzen sich aus Basel III final für Unternehmen / KMU mit gutem internem Kreditrating bei grossen IRB-Banken (z. B. UBS, ZKB, Raiffeisen) ergeben und welche Alternativen zu kostenintensiven und aufwändigen externen Kreditratingverfahren diesen Unternehmen zur Verfügung stehen</li></ul>
- Auswirkungen von Basel III final auf die Finanzierungskosten von Schweizer KMU überprüfen
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>KMU bilden das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft. Sie zeichnen sich durch Innovationskraft, hohe Anpassungsfähigkeit und kurze Entscheidungswege aus. Die enge Verzahnung von Werk- und Finanzplatz stellt dabei seit jeher einen zentralen Wettbewerbsvorteil der Schweiz dar. Ein guter und rascher Zugang zu Finanzierungsmitteln ermöglicht Investitionen und Wachstum und ist eine wesentliche Voraussetzung für unsere lebendige und vielfältige KMU-Landschaft.</p><p>Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten sind Unternehmen auf günstige Finanzierungsbedingungen und eine verlässliche Liquiditätsversorgung angewiesen. Eine vom SECO in Auftrag gegebene und am 12. Dezember 2025 publizierte Studie zu den wettbewerblichen Auswirkungen der Fusion von CS und UBS bestätigt, dass der Zusammenschluss in gewissen Bereichen zu Wettbewerbseinbussen führt. Die Konsolidierung im Bankensektor einerseits und verschärfte regulatorische Rahmenbedingungen andererseits führen dazu, dass Unternehmenskredite tendenziell teurer werden und weniger verfügbar sind. </p><p>Steigende Finanzierungskosten belasten die Unternehmen und hemmen das Wirtschaftswachstum. Zusätzliche administrative Anforderungen bei Fremdfinanzierungen – insbesondere die vermehrte Forderung nach externen Kreditratings – verursachen vor allem bei kleinen, mittelgrossen und inhabergeführten Unternehmen erhebliche Zusatzkosten und unnötigen administrativen Mehraufwand.</p><p>Basel III final stützt sich bei Unternehmenskrediten stark auf externe Kreditratings. Diese sind jedoch häufig nur für grössere Unternehmen verfügbar und mit hohem Kosten- und Administrationsaufwand verbunden. In der kleinteiligen Schweizer KMU-Landschaft sind solche Ratings kaum verbreitet, und viele Unternehmen sind auf diese Verfahren nicht vorbereitet. Zu den Banken, die bislang interne Risikomodelle angewandt haben (sog. IRB-Banken) zählen namhafte KMU-Kreditgeberinnen wie UBS, ZKB, Raiffeisen. Basel III final schränkt den Einsatz dieser internen Modelle durch einen verbindlichen Outputfloor zusätzlich ein. Davon sind insbesondere KMU mit gutem internem Kreditrating betroffen. Diese Unternehmen müssen entweder mit höheren Kreditkosten rechnen oder ein aufwändiges externes Kreditratingverfahren durchlaufen. Der daraus entstehende Kosten- und Administrationsaufwand für KMU steht in keinem angemessenen Verhältnis zu einem zusätzlichen Nutzen in der Bonitätsbeurteilung.</p>
- <span><p>In der Schweiz wurde Basel III final per 1. Januar 2025 mit der geänderten Verordnung über die Eigenmittel und Risikoverteilung der Banken und Wertpapierhäuser (Eigenmittelverordnung, ERV; SR 952.03) umgesetzt. Mit dem Inkrafttreten sind die Risikogewichte und damit die Eigenmittelanforderungen für Kredite gegenüber Unternehmen für die Ratingklasse 4 von 100% auf 75% und für Kredite gegenüber KMU ohne Rating von 100% auf 85% gesunken. Die übrigen Risikogewichte für unbesicherte Kredite an Unternehmen sind gleichgeblieben. Die Offenlegung der Banken zeigt, dass die risikogewichteten Aktiven (RWA) im Bankensystem und damit grundsätzlich auch die Kapitalanforderungen per 30. Juni 2025 gegenüber 31. Dezember 2024 insgesamt um 3 Prozent gesunken sind. Insbesondere sind die RWA auch im Bereich der Kreditrisiken, welcher hier thematisch im Vordergrund steht, gesunken. Aufgrund erster vorliegender Erkenntnisse lässt sich somit festhalten, dass die Eigenmittelanforderungen im Bankensektor insgesamt höher wären, wenn die Schweiz auf eine Umsetzung von Basel III final verzichtet hätte, und dass keine generelle Verteuerung der Kreditkonditionen auf Grund der regulatorischen Anpassung erkennbar ist. </p><p> </p><p>Der Bundesrat erachtet den guten Zugang von KMU zu Finanzierungsmöglichkeiten als zentral. Eine detaillierte Analyse der Auswirkungen der Umsetzung von Basel III final auf die Schweizer Unternehmen wäre allerdings sehr aufwändig und würde dennoch kein vollständiges Bild ermöglichen, da mit den regulatorischen Änderungen nur einer von verschiedenen für die Kreditkonditionen relevanten Faktoren betrachtet würde. Um die Finanzierungssituation von Schweizer KMU periodisch und breit zu analysieren, hat jedoch das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO in den vergangenen Jahren mehrere Umfragen in Auftrag gegeben. Die nächste Befragung wird 2026 durchgeführt. Dabei soll auch untersucht werden, wie sich die neuen Eigenkapital- und Risikogewichtungsvorschriften auf Kreditmargen, die Verfügbarkeit von Krediten und die Risikodifferenzierung im KMU-Segment auswirken. Die Ergebnisse werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 in einem Bericht veröffentlicht.</p><p>Die Auswirkungen der geplanten Anpassungen des Too-big-to-fail-Regimes auf Schweizer Unternehmen werden zudem in den dazugehörenden Regulierungsfolgenabschätzungen behandelt.</p><p> </p><p>Aus den dargelegten Gründen und da bereits in Auftrag gegebene Berichte wichtige Fragestellungen des Postulates behandeln werden, ist der Bundesrat der Ansicht, dass die Erstellung eines separaten Berichts zu den regulatorischen Anpassungen nicht angezeigt ist.</p></span><br><br>Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht darzulegen, welche Auswirkungen die Einführung von Basel III auf die Finanzierungskosten von Schweizer Unternehmen hat. Dabei soll der Bericht einen besonderen Fokus auf die Auswirkungen auf kleinere und mittelgrosse Unternehmen (KMU) legen.</p><p>Der Bericht soll insbesondere:</p><ul><li>prüfen, ob der in der Regulierungsfolgenabschätzung vom Juli 2022 angenommene «volkswirtschaftliche Nettonutzen aus Standardkonformität» angesichts der verzögerten und unvollständigen internationalen Umsetzung tatsächlich realisiert wurde</li><li>die Auswirkungen der Einführung von Basel III final auf Schweizer Unternehmen, insbesondere KMU, im Lichte seit der RFA 2022 veränderten Rahmenbedingungen neu bewerten, namentlich unter Berücksichtigung des Zusammenschlusses von Credit Suisse und UBS sowie der daraus resultierenden geplanten Anpassungen des Too-big-to-fail-Regimes</li><li>die Wechselwirkungen sowie die kumulative Wirkung von Basel III final und den geplanten Anpassungen des Too-big-to-fail-Regimes auf Schweizer Unternehmen / KMU darstellen</li><li>möglichst konkret aufzeigen, welche Konsequenzen sich aus Basel III final für Unternehmen / KMU mit gutem internem Kreditrating bei grossen IRB-Banken (z. B. UBS, ZKB, Raiffeisen) ergeben und welche Alternativen zu kostenintensiven und aufwändigen externen Kreditratingverfahren diesen Unternehmen zur Verfügung stehen</li></ul>
- Auswirkungen von Basel III final auf die Finanzierungskosten von Schweizer KMU überprüfen
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