Operiert das BAG bei Arzneimittelpreisen mit objektiven Zahlen?
- ShortId
-
25.4684
- Id
-
20254684
- Updated
-
18.02.2026 19:45
- Language
-
de
- Title
-
Operiert das BAG bei Arzneimittelpreisen mit objektiven Zahlen?
- AdditionalIndexing
-
15;2841;04;36
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p>1./ 2./ 4. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) berücksichtigt verschiedene Studien für den Preis- und Kostenvergleich mit anderen Ländern. Generell ist es wichtig, die solchen Vergleichen zugrundeliegenden Parameter - insbesondere auch in Bezug auf die verwendeten Wechselkurse - auszuweisen und auf allfällige Verzerrungen hinzuweisen. Wichtig ist ausserdem der Hinweis, dass vertrauliche Preismodelle, die in der Schweiz vergleichsweise zurückhaltend umgesetzt werden, in den internationalen Vergleichsstudien nicht berücksichtigt werden können. Dennoch ist der Bundesrat der Ansicht, dass insgesamt festzuhalten ist, dass die verfügbaren unabhängigen Analysen den Schluss nahelegen, dass sowohl die Preise als auch die Kosten für Medikamente in der Schweiz die höchsten in Europa sind.</p><p> </p><p>Der jährlich durchgeführte Auslandpreisvergleich von TLV Schweden und IQVIA zeigt, dass die Preise patentgeschützter Medikamente in der Schweiz 60%, in Deutschland 35%, in Dänemark 24%, in Österreich 15%, in den Niederlanden 12%, in Belgien 11%, in UK 9%, in Frankreich 4% und in Finnland 1% über den schwedischen Preisen liegen. Die genannten Länder dienen der Schweiz als Referenz bei der Preisfestsetzung. Die Studie verwendet den Durchschnitt der Wechselkurse der Jahre 2022-2024. In diesem Zeitraum fiel die Schwedische Krone von 9.47 auf 8.33 Fr./100 SEK (-12%), liegt aber aktuell wieder bei 8.70 Fr./100 SEK (SNB 12.01.2026) und damit nur leicht unter dem für die Studie verwendeten Wert von 8.76 Fr./100 SEK. Die Übereinstimmungsrate der 1'303 untersuchten Medikamente lag im Fall der Schweiz bei 53% (fast 700 untersuchte Medikamente), was dem sechsthöchsten Wert unter den 20 untersuchten Ländern entsprach. </p><p> </p><p>In den vergangenen Jahren wurde vom BAG und den Akteuren stets primär der Auslandpreisvergleich von Santésuisse und der Pharmaverbände berücksichtigt. Beim aktuellsten Vergleich von 2024 waren im Jahr 2023 patentgeschützte Medikamente ohne Preismodell auf Basis von Fabrikabgabepreisen in den 9 Referenzländern der Schweizer Preisbildung (AUT, BEL, DEN, FIN, FRA, GER, NED, SWE, UK) 13% günstiger als in der Schweiz. Korrigiert auf den aktuellen Wechselkurs von ca. 0.93 CHF/Euro hätte die Differenz rund 16% betragen. Im Bereich der patentabgelaufenen Originalpräparate liegt die wechselkurskorrigierte Differenz bei schätzungsweise 17 %, für Generika bei 53% und für Biosimilars bei 32%. Dieser Vergleich berücksichtigt 250 von 3400 in der Spezialitätenliste aufgeführte Arzneimittel und weist im Vergleich mit einzelnen Ländern (z.B. Frankreich) Lücken auf. Neue Preismodelle verringern zudem die Aussagekraft. Eine weitere vom BAG berücksichtigte Studie ist die amerikanische RAND-Studie, die zeigt, dass die nicht regulierten US-Medikamentenpreise (patentgeschützte Medikamente und patentabgelaufene Medikamente) 119% höher liegen als in der Schweiz, 194% höher als in Deutschland, 226% höher als in Frankreich, 168% höher als in Italien, 247% höher als in Japan, 129% höher als in Kanada, 170% höher als im UK und 178% höher als im Durchschnitt der 33 OECD-Länder. </p><p> </p><p>3. Die erwähnten Studien liefern keine kaufkraftbereinigten Vergleiche. </p><p>Die Schweiz hat gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) eine sehr hohe Kaufkraft. Gross sind die Preisunterschiede insbesondere bei lokal arbeitsintensiven Gütern und Dienstleistungen wie Nahrungsmittel, Bauen oder Haarschnitt, geringer sind sie bei global handelbaren Gütern wie Elektronik, Softwares oder eben auch Medikamenten. Im Gegensatz zu anderen Gütern ist die Preisfestsetzung von Medikamenten reguliert. Zu erwähnen ist ausserdem, dass bei der Preisfestsetzung die Kaufkraft durch den Vergleich mit Ländern hoher Kaufkraft oder Pharmastandorten im Auslandpreisvergleich sowie im therapeutischen Quervergleich mit Schweizer Preisen gebührend berücksichtigt wird. Zudem basiert der Auslandpreisvergleich auf Fabrikabgabepreisen. D.h. erheblich kaufkraftrelevante Bestandteile wie Vertriebsmargen, Lagerung oder Abgabepauschalen in der Schweiz sind ausgeschlossen. Entsprechend zeigt der kaufkraftadjustierte Kostenvergleich der OECD vom November 2025 (OECD - Health at a Glance 2025), dass die Schweiz bezüglich Kosten pro Kopf (in USD) Nr. 3 von 33 OECD-Ländern ist: USA 1’713, Deutschland 1’158, Schweiz 1’061, Kanada 990, Japan 983, Italien 846, Österreich 845, Frankreich 813, Belgien 742, Finnland 655, Schweden 651, UK 557, die Niederlande 485, Dänemark 404. Dänemark hat einen hohen Anteil der Kosten im stationären Bereich, ansonsten sind die Zahlen aber vergleichbar. Diese Daten deuten aus Sicht des Bundesrats darauf hin, dass die Schweizer Bevölkerung auch kaufkraftbereinigt in Europa hohe Kosten für Medikamente bezahlt. </p></span>
- <p>Wenn das BAG über die Kosten von Arzneimitteln informiert, bezieht es sich jeweils auf die Schwedische TLV-Studie. Diese kommt zum Schluss, dass die Schweizer Preise im europäischen Vergleich die bei weitem höchsten sind. Darauf basiert das BAG viele seiner Aussagen zum Arzneimittelmarkt. Entsprechend kommt dieser Studie eine hohe Bedeutung zu. Aus der betroffenen Pharmabranche kommt fundamentale Kritik an diesem Ländervergleich. Die Studie berücksichtige Vergleichsprodukte nur ca. die Hälfte der Vergleichsprodukte bei patentgeschützten Arzneimitteln. Sie lasse zudem die enormen Wechselkursbewegungen ausser Acht (die Schwedische Krone hat in den letzten zehn Jahren 37% zum Schweizer Franken eingebüsst). Zudem wähle die Studie überwiegend Vergleichsländer, die nicht direkt mit der Schweiz vergleichbar seien und sich nicht an den 9 Vergleichsländern nach den gesetzlichen Preiskriterien des Auslandpreisvergleichs orientiere. Schliesslich beziehe sie das hohe Mengenwachstum aufgrund der demographischen Entwicklung in der Schweiz nicht in die Berechnungen ein.</p><p>Daraus ergeben sich folgende Fragen:</p><p> </p><p>1. Inwiefern hat das BAG die Aussagen der TLV aufgrund der genannten Wechselkurs- und Mengeneffekte validiert?</p><p>2. Inwiefern wurden die grundlegenden Annahmen der TLV-Studie, etwa den Umfang der vergleichsfähigen Medikamente und die Auswahl der Vergleichsländer, durch das BAG bezüglich eines aussagekräftigen Ländervergleichs überprüft?</p><p>3. Bezieht das BAG bei seinen Aussagen zum Ländervergleich bei Arzneimittelpreisen die Kaufkraftunterschiede mit ein?</p><p>4. Warum verwendet das BAG eine ausländische Studie und nicht inländische, wie zum Beispiel den gemeinsamen Auslandpreisvergleich von Santésuisse und Interpharma, welche die Schweizer Situation allenfalls genauer abbilden können?</p>
- Operiert das BAG bei Arzneimittelpreisen mit objektiven Zahlen?
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <span><p>1./ 2./ 4. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) berücksichtigt verschiedene Studien für den Preis- und Kostenvergleich mit anderen Ländern. Generell ist es wichtig, die solchen Vergleichen zugrundeliegenden Parameter - insbesondere auch in Bezug auf die verwendeten Wechselkurse - auszuweisen und auf allfällige Verzerrungen hinzuweisen. Wichtig ist ausserdem der Hinweis, dass vertrauliche Preismodelle, die in der Schweiz vergleichsweise zurückhaltend umgesetzt werden, in den internationalen Vergleichsstudien nicht berücksichtigt werden können. Dennoch ist der Bundesrat der Ansicht, dass insgesamt festzuhalten ist, dass die verfügbaren unabhängigen Analysen den Schluss nahelegen, dass sowohl die Preise als auch die Kosten für Medikamente in der Schweiz die höchsten in Europa sind.</p><p> </p><p>Der jährlich durchgeführte Auslandpreisvergleich von TLV Schweden und IQVIA zeigt, dass die Preise patentgeschützter Medikamente in der Schweiz 60%, in Deutschland 35%, in Dänemark 24%, in Österreich 15%, in den Niederlanden 12%, in Belgien 11%, in UK 9%, in Frankreich 4% und in Finnland 1% über den schwedischen Preisen liegen. Die genannten Länder dienen der Schweiz als Referenz bei der Preisfestsetzung. Die Studie verwendet den Durchschnitt der Wechselkurse der Jahre 2022-2024. In diesem Zeitraum fiel die Schwedische Krone von 9.47 auf 8.33 Fr./100 SEK (-12%), liegt aber aktuell wieder bei 8.70 Fr./100 SEK (SNB 12.01.2026) und damit nur leicht unter dem für die Studie verwendeten Wert von 8.76 Fr./100 SEK. Die Übereinstimmungsrate der 1'303 untersuchten Medikamente lag im Fall der Schweiz bei 53% (fast 700 untersuchte Medikamente), was dem sechsthöchsten Wert unter den 20 untersuchten Ländern entsprach. </p><p> </p><p>In den vergangenen Jahren wurde vom BAG und den Akteuren stets primär der Auslandpreisvergleich von Santésuisse und der Pharmaverbände berücksichtigt. Beim aktuellsten Vergleich von 2024 waren im Jahr 2023 patentgeschützte Medikamente ohne Preismodell auf Basis von Fabrikabgabepreisen in den 9 Referenzländern der Schweizer Preisbildung (AUT, BEL, DEN, FIN, FRA, GER, NED, SWE, UK) 13% günstiger als in der Schweiz. Korrigiert auf den aktuellen Wechselkurs von ca. 0.93 CHF/Euro hätte die Differenz rund 16% betragen. Im Bereich der patentabgelaufenen Originalpräparate liegt die wechselkurskorrigierte Differenz bei schätzungsweise 17 %, für Generika bei 53% und für Biosimilars bei 32%. Dieser Vergleich berücksichtigt 250 von 3400 in der Spezialitätenliste aufgeführte Arzneimittel und weist im Vergleich mit einzelnen Ländern (z.B. Frankreich) Lücken auf. Neue Preismodelle verringern zudem die Aussagekraft. Eine weitere vom BAG berücksichtigte Studie ist die amerikanische RAND-Studie, die zeigt, dass die nicht regulierten US-Medikamentenpreise (patentgeschützte Medikamente und patentabgelaufene Medikamente) 119% höher liegen als in der Schweiz, 194% höher als in Deutschland, 226% höher als in Frankreich, 168% höher als in Italien, 247% höher als in Japan, 129% höher als in Kanada, 170% höher als im UK und 178% höher als im Durchschnitt der 33 OECD-Länder. </p><p> </p><p>3. Die erwähnten Studien liefern keine kaufkraftbereinigten Vergleiche. </p><p>Die Schweiz hat gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) eine sehr hohe Kaufkraft. Gross sind die Preisunterschiede insbesondere bei lokal arbeitsintensiven Gütern und Dienstleistungen wie Nahrungsmittel, Bauen oder Haarschnitt, geringer sind sie bei global handelbaren Gütern wie Elektronik, Softwares oder eben auch Medikamenten. Im Gegensatz zu anderen Gütern ist die Preisfestsetzung von Medikamenten reguliert. Zu erwähnen ist ausserdem, dass bei der Preisfestsetzung die Kaufkraft durch den Vergleich mit Ländern hoher Kaufkraft oder Pharmastandorten im Auslandpreisvergleich sowie im therapeutischen Quervergleich mit Schweizer Preisen gebührend berücksichtigt wird. Zudem basiert der Auslandpreisvergleich auf Fabrikabgabepreisen. D.h. erheblich kaufkraftrelevante Bestandteile wie Vertriebsmargen, Lagerung oder Abgabepauschalen in der Schweiz sind ausgeschlossen. Entsprechend zeigt der kaufkraftadjustierte Kostenvergleich der OECD vom November 2025 (OECD - Health at a Glance 2025), dass die Schweiz bezüglich Kosten pro Kopf (in USD) Nr. 3 von 33 OECD-Ländern ist: USA 1’713, Deutschland 1’158, Schweiz 1’061, Kanada 990, Japan 983, Italien 846, Österreich 845, Frankreich 813, Belgien 742, Finnland 655, Schweden 651, UK 557, die Niederlande 485, Dänemark 404. Dänemark hat einen hohen Anteil der Kosten im stationären Bereich, ansonsten sind die Zahlen aber vergleichbar. Diese Daten deuten aus Sicht des Bundesrats darauf hin, dass die Schweizer Bevölkerung auch kaufkraftbereinigt in Europa hohe Kosten für Medikamente bezahlt. </p></span>
- <p>Wenn das BAG über die Kosten von Arzneimitteln informiert, bezieht es sich jeweils auf die Schwedische TLV-Studie. Diese kommt zum Schluss, dass die Schweizer Preise im europäischen Vergleich die bei weitem höchsten sind. Darauf basiert das BAG viele seiner Aussagen zum Arzneimittelmarkt. Entsprechend kommt dieser Studie eine hohe Bedeutung zu. Aus der betroffenen Pharmabranche kommt fundamentale Kritik an diesem Ländervergleich. Die Studie berücksichtige Vergleichsprodukte nur ca. die Hälfte der Vergleichsprodukte bei patentgeschützten Arzneimitteln. Sie lasse zudem die enormen Wechselkursbewegungen ausser Acht (die Schwedische Krone hat in den letzten zehn Jahren 37% zum Schweizer Franken eingebüsst). Zudem wähle die Studie überwiegend Vergleichsländer, die nicht direkt mit der Schweiz vergleichbar seien und sich nicht an den 9 Vergleichsländern nach den gesetzlichen Preiskriterien des Auslandpreisvergleichs orientiere. Schliesslich beziehe sie das hohe Mengenwachstum aufgrund der demographischen Entwicklung in der Schweiz nicht in die Berechnungen ein.</p><p>Daraus ergeben sich folgende Fragen:</p><p> </p><p>1. Inwiefern hat das BAG die Aussagen der TLV aufgrund der genannten Wechselkurs- und Mengeneffekte validiert?</p><p>2. Inwiefern wurden die grundlegenden Annahmen der TLV-Studie, etwa den Umfang der vergleichsfähigen Medikamente und die Auswahl der Vergleichsländer, durch das BAG bezüglich eines aussagekräftigen Ländervergleichs überprüft?</p><p>3. Bezieht das BAG bei seinen Aussagen zum Ländervergleich bei Arzneimittelpreisen die Kaufkraftunterschiede mit ein?</p><p>4. Warum verwendet das BAG eine ausländische Studie und nicht inländische, wie zum Beispiel den gemeinsamen Auslandpreisvergleich von Santésuisse und Interpharma, welche die Schweizer Situation allenfalls genauer abbilden können?</p>
- Operiert das BAG bei Arzneimittelpreisen mit objektiven Zahlen?
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