Wo ist der BAFU-Indikator zu den Schutzgebieten geblieben?

ShortId
25.4698
Id
20254698
Updated
18.02.2026 20:11
Language
de
Title
Wo ist der BAFU-Indikator zu den Schutzgebieten geblieben?
AdditionalIndexing
04;52
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p>Die Schweiz ist Vertragsstaat der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD). 2010 verabschiedete die CBD in Nagoya (Japan) die 20 «Aichi Biodiversity Targets» für die Dekade bis 2020. Der Bundesrat berücksichtigte diese Beschlüsse in seiner Strategie Biodiversität Schweiz (SBS) von 2012. Im Kontext eines der Aichi-Ziele hielt die SBS in Anhang 3 die «ausgewiesenen Flächen für die Biodiversität» fest. Diese dienten als Grundlage für den gleichnamigen Indikator des BAFU in der Staatsrechnung 2023. Der Anteil der «ausgewiesenen Gebiete für die Biodiversität» an der Landesfläche wurde mit 13.6 Prozent beziffert. </p><p>&nbsp;</p><p>Seither haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Im Dezember 2022 verabschiedete die CBD in Montreal (Kanada) das neue globale Rahmenwerk «Global Biodiversity Framework» (GBF), welches die Aichi-Ziele ablöste. Ein Ziel des GBF will bis 2030 weltweit 30 Prozent der Landes- und Meeresflächen für die Biodiversität sichern («30 by 30»). Sowohl die Aichi-Ziele als auch das GBF legten dem Flächenziel sowohl Schutzgebiete (protected areas) als auch andere wirksame flächenbasierte Massnahmen (other effective area-based conservation measures OECM) zu Grunde. Allerdings wurden die OECM erst 2018 durch die CBD definiert. Dementsprechend konzentrierte sich die Umsetzung des Aichi-Ziels auf die Schutzgebiete. </p><p>&nbsp;</p><p>Die OECM spielen hingegen beim neuen 30%-Ziel eine wichtige Rolle. Der Bundesrat hat deshalb den Anhang 3 der SBS im Einklang mit den internationalen Beschlüssen des GBF von 2022 angepasst und die «Gebiete für die Biodiversität», mit welchen die Schweiz zum globalen Ziel beiträgt, im Anhang des Aktionsplans Strategie Biodiversität Schweiz 2. Phase (AP SBS II) festgelegt.</p><p>&nbsp;</p><p>Vor diesem Hintergrund beantwortet der Bundesrat die Fragen wie folgt:</p><p>&nbsp;</p><p>1.&nbsp;Der BAFU-Indikator «ausgewiesene Gebiete für die Biodiversität» wurde im Nachgang der erläuterten Beschlüsse und nach der Publikation des Anhanges des AP SBS II im November 2024 ausser Betrieb genommen.</p><p>2.&nbsp;Das BAFU plant die Aufschaltung des neuen Indikators «Gebiete für die Biodiversität» demnächst. Gründe für die verspätete Aufschaltung sind unter anderem erforderliche Abklärungen zu Flächen wie den Biotopen von regionaler Bedeutung, für die der Bund über keine einheitliche Datengrundlage verfügt. </p><p>3. und 4. Der Indikator «Gebiete für die Biodiversität» bildet die Liste des Bundesrates im Anhang des AP SBS II ab. Er definiert, gestützt auf eine Analyse der internationalen Kriterien, welche Gebiete als Schutzgebiet oder als OECM zählen. Bei den Gebieten in der Kategorie «provisorische Aufnahme bis 2030» sind spezifische Anrechenbarkeitskriterien wie die Verfügbarkeit der Geodaten nachzubessern.</p><p>5.&nbsp;Der Zuwachs an Fläche ist durch eine konsequente Umsetzung der globalen Vorgaben insbesondere für die OECM zu erklären. Der Indikator «Gebiete für die Biodiversität» berücksichtigt dabei diese OECM-Gebiete, welche nicht als Schutzgebiete ausgewiesen sind, aber aufgrund ihrer sonstigen Definition einen wirksamen Beitrag zur Biodiversität leisten. Dieser Indikator bildet zugleich die Basis für die internationale Berichterstattung an die CBD.</p></span>
  • <p>Schutzgebiete sind zusammen mit anderen Massnahmen das wichtigste Instrument zur Sicherung der Biodiversität, unserer Lebensgrundlagen. Sie sind eine zentrale Massnahme der Strategie Biodiversität Schweiz und des Globalen Biodiversitätsrahmens der Staatengemeinschaft. Die Arbeit für die Schutzgebiete stagniert in unserem Land seit langem. In einem paneuropäischen Vergleich fungiert die Schweiz in Sachen Schutzgebiete zusammen mit Bosnien-Herzegowina ganz am Schluss.</p><p>Diese schlechte Bilanz müsste für Bund und Kantone Ansporn sein, die Fläche der Schutzgebiete zu vergrössern und ihren fachgerechten Unterhalt zu garantieren. Gleichzeitig ist festzustellen, dass der bisherige Indikator zu den Schutzgebieten beim BAFU seit einiger Zeit nicht mehr öffentlich verfügbar ist. &nbsp;</p><p>Bevor der BAFU-Indikator entfernt wurde, konnte man dort lesen: «Die Schutzgebiete von nationaler, regionaler und lokaler Bedeutung machen derzeit 10,75 % der Landesfläche aus. ... Weitere 2,65 % der Landesfläche sind in anderer Form der Biodiversität gewidmet. Gesamthaft sind rund 13,4 % der Landesfläche der Schweiz als Gebiete für den Schutz der Biodiversität ausgewiesen.»</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wann wurde der BAFU-Indikator zu Schutzgebieten gestrichen und was wird damit bezweckt?<br>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wann wird der Indikator wieder aufgeschaltet?&nbsp;</p><p>Bis 2018 hat der Bundesrat im Voranschlag bei den BAFU-Zielen den Indikator «Schutzgebiete: Anteil an der Landesfläche» verwendet. Doch bereits 2019 verschwand das. Der Bundesrat wechselte auf «ausgewiesene Gebiete für Biodiversität», die 2025 14,8 % der Landesfläche umfasst haben sollen. Das waren zwar keine «Schutzgebiete», aber wenigstens «ausgewiesene» Flächen. Für den Voranschlag 2026 wurde der Indikator erneut angepasst und neu als «Gebiete für die Biodiversität» bezeichnet. Damit verbunden ist ein deutlicher Anstieg des ausgewiesenen Flächenanteils auf 21,4 % für 2025. Es wird bislang nicht erläutert, wie sich dieser neue Indikator zusammensetzt und was er genau abbildet. Aus Sicht der Biodiversität wäre es wichtig, transparente und konsistente Indikatoren zu verwenden und gleichzeitig wirksame Massnahmen umzusetzen.</p><p>3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wofür steht der Indikator «Gebiete für die Biodiversität» im Voranschlag 2026 und wie setzt er sich zusammen?<br>4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wie erklärt der Bundesrat den erstaunlichen Zuwachs von Flächen für die Biodiversität?</p>
  • Wo ist der BAFU-Indikator zu den Schutzgebieten geblieben?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p>Die Schweiz ist Vertragsstaat der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD). 2010 verabschiedete die CBD in Nagoya (Japan) die 20 «Aichi Biodiversity Targets» für die Dekade bis 2020. Der Bundesrat berücksichtigte diese Beschlüsse in seiner Strategie Biodiversität Schweiz (SBS) von 2012. Im Kontext eines der Aichi-Ziele hielt die SBS in Anhang 3 die «ausgewiesenen Flächen für die Biodiversität» fest. Diese dienten als Grundlage für den gleichnamigen Indikator des BAFU in der Staatsrechnung 2023. Der Anteil der «ausgewiesenen Gebiete für die Biodiversität» an der Landesfläche wurde mit 13.6 Prozent beziffert. </p><p>&nbsp;</p><p>Seither haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Im Dezember 2022 verabschiedete die CBD in Montreal (Kanada) das neue globale Rahmenwerk «Global Biodiversity Framework» (GBF), welches die Aichi-Ziele ablöste. Ein Ziel des GBF will bis 2030 weltweit 30 Prozent der Landes- und Meeresflächen für die Biodiversität sichern («30 by 30»). Sowohl die Aichi-Ziele als auch das GBF legten dem Flächenziel sowohl Schutzgebiete (protected areas) als auch andere wirksame flächenbasierte Massnahmen (other effective area-based conservation measures OECM) zu Grunde. Allerdings wurden die OECM erst 2018 durch die CBD definiert. Dementsprechend konzentrierte sich die Umsetzung des Aichi-Ziels auf die Schutzgebiete. </p><p>&nbsp;</p><p>Die OECM spielen hingegen beim neuen 30%-Ziel eine wichtige Rolle. Der Bundesrat hat deshalb den Anhang 3 der SBS im Einklang mit den internationalen Beschlüssen des GBF von 2022 angepasst und die «Gebiete für die Biodiversität», mit welchen die Schweiz zum globalen Ziel beiträgt, im Anhang des Aktionsplans Strategie Biodiversität Schweiz 2. Phase (AP SBS II) festgelegt.</p><p>&nbsp;</p><p>Vor diesem Hintergrund beantwortet der Bundesrat die Fragen wie folgt:</p><p>&nbsp;</p><p>1.&nbsp;Der BAFU-Indikator «ausgewiesene Gebiete für die Biodiversität» wurde im Nachgang der erläuterten Beschlüsse und nach der Publikation des Anhanges des AP SBS II im November 2024 ausser Betrieb genommen.</p><p>2.&nbsp;Das BAFU plant die Aufschaltung des neuen Indikators «Gebiete für die Biodiversität» demnächst. Gründe für die verspätete Aufschaltung sind unter anderem erforderliche Abklärungen zu Flächen wie den Biotopen von regionaler Bedeutung, für die der Bund über keine einheitliche Datengrundlage verfügt. </p><p>3. und 4. Der Indikator «Gebiete für die Biodiversität» bildet die Liste des Bundesrates im Anhang des AP SBS II ab. Er definiert, gestützt auf eine Analyse der internationalen Kriterien, welche Gebiete als Schutzgebiet oder als OECM zählen. Bei den Gebieten in der Kategorie «provisorische Aufnahme bis 2030» sind spezifische Anrechenbarkeitskriterien wie die Verfügbarkeit der Geodaten nachzubessern.</p><p>5.&nbsp;Der Zuwachs an Fläche ist durch eine konsequente Umsetzung der globalen Vorgaben insbesondere für die OECM zu erklären. Der Indikator «Gebiete für die Biodiversität» berücksichtigt dabei diese OECM-Gebiete, welche nicht als Schutzgebiete ausgewiesen sind, aber aufgrund ihrer sonstigen Definition einen wirksamen Beitrag zur Biodiversität leisten. Dieser Indikator bildet zugleich die Basis für die internationale Berichterstattung an die CBD.</p></span>
    • <p>Schutzgebiete sind zusammen mit anderen Massnahmen das wichtigste Instrument zur Sicherung der Biodiversität, unserer Lebensgrundlagen. Sie sind eine zentrale Massnahme der Strategie Biodiversität Schweiz und des Globalen Biodiversitätsrahmens der Staatengemeinschaft. Die Arbeit für die Schutzgebiete stagniert in unserem Land seit langem. In einem paneuropäischen Vergleich fungiert die Schweiz in Sachen Schutzgebiete zusammen mit Bosnien-Herzegowina ganz am Schluss.</p><p>Diese schlechte Bilanz müsste für Bund und Kantone Ansporn sein, die Fläche der Schutzgebiete zu vergrössern und ihren fachgerechten Unterhalt zu garantieren. Gleichzeitig ist festzustellen, dass der bisherige Indikator zu den Schutzgebieten beim BAFU seit einiger Zeit nicht mehr öffentlich verfügbar ist. &nbsp;</p><p>Bevor der BAFU-Indikator entfernt wurde, konnte man dort lesen: «Die Schutzgebiete von nationaler, regionaler und lokaler Bedeutung machen derzeit 10,75 % der Landesfläche aus. ... Weitere 2,65 % der Landesfläche sind in anderer Form der Biodiversität gewidmet. Gesamthaft sind rund 13,4 % der Landesfläche der Schweiz als Gebiete für den Schutz der Biodiversität ausgewiesen.»</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wann wurde der BAFU-Indikator zu Schutzgebieten gestrichen und was wird damit bezweckt?<br>2.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wann wird der Indikator wieder aufgeschaltet?&nbsp;</p><p>Bis 2018 hat der Bundesrat im Voranschlag bei den BAFU-Zielen den Indikator «Schutzgebiete: Anteil an der Landesfläche» verwendet. Doch bereits 2019 verschwand das. Der Bundesrat wechselte auf «ausgewiesene Gebiete für Biodiversität», die 2025 14,8 % der Landesfläche umfasst haben sollen. Das waren zwar keine «Schutzgebiete», aber wenigstens «ausgewiesene» Flächen. Für den Voranschlag 2026 wurde der Indikator erneut angepasst und neu als «Gebiete für die Biodiversität» bezeichnet. Damit verbunden ist ein deutlicher Anstieg des ausgewiesenen Flächenanteils auf 21,4 % für 2025. Es wird bislang nicht erläutert, wie sich dieser neue Indikator zusammensetzt und was er genau abbildet. Aus Sicht der Biodiversität wäre es wichtig, transparente und konsistente Indikatoren zu verwenden und gleichzeitig wirksame Massnahmen umzusetzen.</p><p>3.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wofür steht der Indikator «Gebiete für die Biodiversität» im Voranschlag 2026 und wie setzt er sich zusammen?<br>4.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wie erklärt der Bundesrat den erstaunlichen Zuwachs von Flächen für die Biodiversität?</p>
    • Wo ist der BAFU-Indikator zu den Schutzgebieten geblieben?

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