PFAS im Gesundheitsbereich
- ShortId
-
25.4752
- Id
-
20254752
- Updated
-
18.02.2026 17:50
- Language
-
de
- Title
-
PFAS im Gesundheitsbereich
- AdditionalIndexing
-
2841;52
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p>1. Bei per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) handelt es sich um eine sehr grosse Stoffgruppe. Es existiert kein zentrales System zur Erfassung von PFAS in Medizinprodukten auf Produktebene. Eine umfassende Aufzählung aller zutreffenden PFAS ist daher nicht möglich. In Medizinprodukten werden PFAS vor allem als Polymere eingesetzt (z.B. Verpackungen). Nicht-polymere PFAS kommen weniger häufig zur Anwendung (z.B. Gleitmittel, Beschichtungen).</p><p> </p><p>2./3. Zur Herstellung von Arzneimittelwirkstoffen können PFAS-haltige Rohstoffe und Reagenzien (z.B. Trifluoressigsäure) verwendet werden; auch wenn der Wirkstoff selbst kein PFAS ist. Am Ende der Herstellung ist der Wirkstoff hochrein, d.h. er enthält keine Reagenzien, Rohstoffe oder Zwischenprodukte. Zusätzlich werden PFAS in der pharmazeutischen Herstellung in Materialien mit Produktkontakt (z. B. Schläuche, Dichtungen, Filtermembranen) eingesetzt. In der Schweiz sind mindestens 50 Arzneimittelwirkstoffe, die zu den PFAS zählen, zugelassen. PFAS können darüber hinaus in Hilfsstoffen (z.B. Treibgase von Inhalationspräparaten) und für die Verpackung (z.B. beschichtete Gummistopfen zum Verschliessen von Glasbehältern) von Arzneimitteln eingesetzt werden. Der Herstellungsprozess, die Inhaltsstoffe sowie die Verpackung sind in der bei Swissmedic eingereichten Zulassungsdokumentation beschrieben.</p><p> </p><p>4. Die EU prüft gegenwärtig eine Beschränkung aller PFAS. Dabei evaluiert sie auch, wo und in welchen Mengen PFAS jeweils zum Einsatz kommen, ob Alternativen verfügbar sind und für welche Anwendungen Übergangsfristen benötigt werden. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat die Informationen aus dem Beschränkungsvorschlag aktualisiert und am 9. Oktober 2025 in einem Hintergrunddokument publiziert (www.echa.europa.eu > Presse > Wissenschaftliche Themen in der Diskussion > Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) > Updated PFAS restriction proposal [Draft Background Document]). Gemäss diesem Dokument wird die in der EU jährlich eingesetzte Menge an PFAS bei Medizinprodukten im Mittel auf rund 9200 Tonnen abgeschätzt, bei verschreibungspflichtigen Humanarzneimitteln auf über 500 Tonnen (Wirkstoffe). Für den Schweizer Markt liegt keine ähnliche Erhebung vor. Die Menge an PFAS, welche in der Arzneimittelherstellung verwendet wird, kann hierbei nicht abgeschätzt werden, weil der ECHA-Bericht diese Verwendungen nicht spezifisch nach Verwendungszweck aufschlüsselt und Wirkstoffe in Arzneimitteln vom PFAS- Beschränkungsvorschlag ausgenommen sind.</p><p> </p><p>5./6. Die heilmittelrechtlichen Anforderungen an Arzneimittel und Medizinprodukte decken im Wesentlichen die Sicherheit von Produkten, Patientinnen und Patienten sowie Anwendenden ab. Aspekte des Umweltschutzes werden darin untergeordnet berücksichtigt. </p><p>Die Freisetzung von PFAS ist grundsätzlich bei allen Medizinprodukten und Arzneimitteln möglich, die PFAS enthalten. Für mögliche Freisetzungswege von PFAS ist der gesamte Lebenszyklus der Produkte von der Herstellung bis zur Entsorgung zu betrachten. In der Vollzugshilfe des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) «Entsorgung von medizinischen Abfällen» ist ausgeführt, wie medizinische Abfälle umweltgerecht entsorgt werden. Werden die in der Vollzugshilfe festgehaltenen Grundsätze eingehalten, sollten bei der Entsorgung keine schädlichen Stoffe in die Umwelt gelangen. Der Beitrag der PFAS aus Arzneimitteln zur Gesamtbelastung ist nicht bekannt, wird aber als eher gering eingeschätzt.</p><p> </p><p>7. In der EU wird zurzeit eine umfassende Beschränkung der PFAS diskutiert, welche auch Medizinprodukte und andere medizinische Anwendungen beinhalten würde (ausgenommen Wirkstoffe von Arzneimitteln). Das Schweizer Chemikalienrecht ist grundsätzlich mit demjenigen der EU abgestimmt. Damit können das Schutzniveau bezüglich menschlicher Gesundheit und Umwelt gleich hoch gehalten sowie Handelshemmnisse vermieden werden. Der Bundesrat erachtet einen Schweizer «Alleingang» grundsätzlich als nicht zielführend. Dies insbesondere, weil dies aufgrund der global ausgerichteten Arzneimittel- und Medizinproduktelieferketten zu Versorgungsstörungen führen könnte und da PFAS-haltige Gegenstände und Zubereitungen oft aus dem Ausland importiert werden und die PFAS-Gehalte beim Grenzübertritt meist nicht erfasst werden können. Der Bundesrat will deshalb am eingeschlagenen Weg festhalten, mit dem EU-Recht abgestimmte chemikalienrechtliche Verbote für die Schweiz zu übernehmen. Mit einer international koordinierten Vorgehensweise kann zudem die Wirksamkeit der Massnahmen erhöht werden.</p></span>
- <p>PFAS sind eine Gruppe von tausenden fluorhaltigen Industriechemikalien, die Wasser-, Fett- und Schmutz abweisen. Sie werden in Alltagsprodukten wie Antihaftbeschichtungen, Imprägnierungen und Verpackungen verwendet, sind extrem stabil, schwer abbaubar, weshalb sie sich in der Umwelt und auch in unserem Körper anreichern.</p><p>Viele PFAS sind nachweislich gesundheitsschädigend. Sie können u.a. Krebs verursachen, das Immunsystem schwächen oder unfruchtbar machen. PFAS gefährden also nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Zukunft, weil sie sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken und Kinder im Mutterleib schädigen können. Es ist besorgniserregenden, dass der Gesundheitssektor offenbar auf die Verwendung von PFAS-haltigen Produkten angewiesen ist (Schläuche, Katheter etc.) und dass PFAS bei der Produktion von Arzneimitteln verwendet werden oder in Medikamenten enthalten sind. </p><p>Die Medizin, die uns vor Krankheiten schützen oder heilen soll, tut dies offenbar durch den Einsatz von gesundheitsschädigenden Produkten. </p><p>Auf die Motion 25.3801 «PFAS schrittweise reduzieren. Sektorielle Absenkpfade und Massnahmen definieren» schreibt der Bundesrat: «dort, wo PFAS jedoch durch sichere Alternativen ersetzt werden können, muss dies geschehen» und in Fällen, in denen dies heute noch nicht möglich ist, sei «ein risikobasierter und zeitlich abgestufter Absenkpfad sinnvoll».</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen für die Situation in der Schweiz zu beantworten:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Welche PFAS werden in Medizinprodukten verwendet und wo ist dies dokumentiert?</li><li>Welche PFAS werden zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet und wo ist dies dokumentiert?</li><li>Welche PFAS werden in Arzneimitteln verwendet und wo ist dies dokumentiert?</li><li>Wie gross ist die Menge an PFAS, die in Medizinprodukten sowie zur Herstellung von bzw. in Arzneimitteln verwendet werden, in absoluten Zahlen und relativ zu anderen Bereichen?</li><li>Bei welchen Medizinprodukten besteht das Risiko, dass PFAS in die Umwelt gelangen und was sind die Eintragswege? Wie gross ist der Anteil von PFAS in der Umwelt, der darauf zurückgeht?</li><li>Bei welchen Arzneimitteln besteht dieses Risiko und wie gross ist ihr Anteil in der Umwelt?</li><li>Ist er bereit, den „currently unavoidable use“ von PFAS in Medizinprodukten und Arzneimitteln zu eruieren und einen ambitionierten und terminierten Reduktionspfad festzulegen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, bis wann?</li></ol>
- PFAS im Gesundheitsbereich
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <span><p>1. Bei per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) handelt es sich um eine sehr grosse Stoffgruppe. Es existiert kein zentrales System zur Erfassung von PFAS in Medizinprodukten auf Produktebene. Eine umfassende Aufzählung aller zutreffenden PFAS ist daher nicht möglich. In Medizinprodukten werden PFAS vor allem als Polymere eingesetzt (z.B. Verpackungen). Nicht-polymere PFAS kommen weniger häufig zur Anwendung (z.B. Gleitmittel, Beschichtungen).</p><p> </p><p>2./3. Zur Herstellung von Arzneimittelwirkstoffen können PFAS-haltige Rohstoffe und Reagenzien (z.B. Trifluoressigsäure) verwendet werden; auch wenn der Wirkstoff selbst kein PFAS ist. Am Ende der Herstellung ist der Wirkstoff hochrein, d.h. er enthält keine Reagenzien, Rohstoffe oder Zwischenprodukte. Zusätzlich werden PFAS in der pharmazeutischen Herstellung in Materialien mit Produktkontakt (z. B. Schläuche, Dichtungen, Filtermembranen) eingesetzt. In der Schweiz sind mindestens 50 Arzneimittelwirkstoffe, die zu den PFAS zählen, zugelassen. PFAS können darüber hinaus in Hilfsstoffen (z.B. Treibgase von Inhalationspräparaten) und für die Verpackung (z.B. beschichtete Gummistopfen zum Verschliessen von Glasbehältern) von Arzneimitteln eingesetzt werden. Der Herstellungsprozess, die Inhaltsstoffe sowie die Verpackung sind in der bei Swissmedic eingereichten Zulassungsdokumentation beschrieben.</p><p> </p><p>4. Die EU prüft gegenwärtig eine Beschränkung aller PFAS. Dabei evaluiert sie auch, wo und in welchen Mengen PFAS jeweils zum Einsatz kommen, ob Alternativen verfügbar sind und für welche Anwendungen Übergangsfristen benötigt werden. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat die Informationen aus dem Beschränkungsvorschlag aktualisiert und am 9. Oktober 2025 in einem Hintergrunddokument publiziert (www.echa.europa.eu > Presse > Wissenschaftliche Themen in der Diskussion > Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) > Updated PFAS restriction proposal [Draft Background Document]). Gemäss diesem Dokument wird die in der EU jährlich eingesetzte Menge an PFAS bei Medizinprodukten im Mittel auf rund 9200 Tonnen abgeschätzt, bei verschreibungspflichtigen Humanarzneimitteln auf über 500 Tonnen (Wirkstoffe). Für den Schweizer Markt liegt keine ähnliche Erhebung vor. Die Menge an PFAS, welche in der Arzneimittelherstellung verwendet wird, kann hierbei nicht abgeschätzt werden, weil der ECHA-Bericht diese Verwendungen nicht spezifisch nach Verwendungszweck aufschlüsselt und Wirkstoffe in Arzneimitteln vom PFAS- Beschränkungsvorschlag ausgenommen sind.</p><p> </p><p>5./6. Die heilmittelrechtlichen Anforderungen an Arzneimittel und Medizinprodukte decken im Wesentlichen die Sicherheit von Produkten, Patientinnen und Patienten sowie Anwendenden ab. Aspekte des Umweltschutzes werden darin untergeordnet berücksichtigt. </p><p>Die Freisetzung von PFAS ist grundsätzlich bei allen Medizinprodukten und Arzneimitteln möglich, die PFAS enthalten. Für mögliche Freisetzungswege von PFAS ist der gesamte Lebenszyklus der Produkte von der Herstellung bis zur Entsorgung zu betrachten. In der Vollzugshilfe des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) «Entsorgung von medizinischen Abfällen» ist ausgeführt, wie medizinische Abfälle umweltgerecht entsorgt werden. Werden die in der Vollzugshilfe festgehaltenen Grundsätze eingehalten, sollten bei der Entsorgung keine schädlichen Stoffe in die Umwelt gelangen. Der Beitrag der PFAS aus Arzneimitteln zur Gesamtbelastung ist nicht bekannt, wird aber als eher gering eingeschätzt.</p><p> </p><p>7. In der EU wird zurzeit eine umfassende Beschränkung der PFAS diskutiert, welche auch Medizinprodukte und andere medizinische Anwendungen beinhalten würde (ausgenommen Wirkstoffe von Arzneimitteln). Das Schweizer Chemikalienrecht ist grundsätzlich mit demjenigen der EU abgestimmt. Damit können das Schutzniveau bezüglich menschlicher Gesundheit und Umwelt gleich hoch gehalten sowie Handelshemmnisse vermieden werden. Der Bundesrat erachtet einen Schweizer «Alleingang» grundsätzlich als nicht zielführend. Dies insbesondere, weil dies aufgrund der global ausgerichteten Arzneimittel- und Medizinproduktelieferketten zu Versorgungsstörungen führen könnte und da PFAS-haltige Gegenstände und Zubereitungen oft aus dem Ausland importiert werden und die PFAS-Gehalte beim Grenzübertritt meist nicht erfasst werden können. Der Bundesrat will deshalb am eingeschlagenen Weg festhalten, mit dem EU-Recht abgestimmte chemikalienrechtliche Verbote für die Schweiz zu übernehmen. Mit einer international koordinierten Vorgehensweise kann zudem die Wirksamkeit der Massnahmen erhöht werden.</p></span>
- <p>PFAS sind eine Gruppe von tausenden fluorhaltigen Industriechemikalien, die Wasser-, Fett- und Schmutz abweisen. Sie werden in Alltagsprodukten wie Antihaftbeschichtungen, Imprägnierungen und Verpackungen verwendet, sind extrem stabil, schwer abbaubar, weshalb sie sich in der Umwelt und auch in unserem Körper anreichern.</p><p>Viele PFAS sind nachweislich gesundheitsschädigend. Sie können u.a. Krebs verursachen, das Immunsystem schwächen oder unfruchtbar machen. PFAS gefährden also nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unsere Zukunft, weil sie sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken und Kinder im Mutterleib schädigen können. Es ist besorgniserregenden, dass der Gesundheitssektor offenbar auf die Verwendung von PFAS-haltigen Produkten angewiesen ist (Schläuche, Katheter etc.) und dass PFAS bei der Produktion von Arzneimitteln verwendet werden oder in Medikamenten enthalten sind. </p><p>Die Medizin, die uns vor Krankheiten schützen oder heilen soll, tut dies offenbar durch den Einsatz von gesundheitsschädigenden Produkten. </p><p>Auf die Motion 25.3801 «PFAS schrittweise reduzieren. Sektorielle Absenkpfade und Massnahmen definieren» schreibt der Bundesrat: «dort, wo PFAS jedoch durch sichere Alternativen ersetzt werden können, muss dies geschehen» und in Fällen, in denen dies heute noch nicht möglich ist, sei «ein risikobasierter und zeitlich abgestufter Absenkpfad sinnvoll».</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen für die Situation in der Schweiz zu beantworten:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Welche PFAS werden in Medizinprodukten verwendet und wo ist dies dokumentiert?</li><li>Welche PFAS werden zur Herstellung von Arzneimitteln verwendet und wo ist dies dokumentiert?</li><li>Welche PFAS werden in Arzneimitteln verwendet und wo ist dies dokumentiert?</li><li>Wie gross ist die Menge an PFAS, die in Medizinprodukten sowie zur Herstellung von bzw. in Arzneimitteln verwendet werden, in absoluten Zahlen und relativ zu anderen Bereichen?</li><li>Bei welchen Medizinprodukten besteht das Risiko, dass PFAS in die Umwelt gelangen und was sind die Eintragswege? Wie gross ist der Anteil von PFAS in der Umwelt, der darauf zurückgeht?</li><li>Bei welchen Arzneimitteln besteht dieses Risiko und wie gross ist ihr Anteil in der Umwelt?</li><li>Ist er bereit, den „currently unavoidable use“ von PFAS in Medizinprodukten und Arzneimitteln zu eruieren und einen ambitionierten und terminierten Reduktionspfad festzulegen? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, bis wann?</li></ol>
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