Welche Rolle spielt die Flugreiseklasse für die Klimabelastung?
- ShortId
-
25.4753
- Id
-
20254753
- Updated
-
18.02.2026 17:49
- Language
-
de
- Title
-
Welche Rolle spielt die Flugreiseklasse für die Klimabelastung?
- AdditionalIndexing
-
52;48
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <span><p>1) Für die Zuordnung der Klimawirkung eines Linienfluges auf Passagiere in verschiedenen Buchungsklassen werden oft die Platz- und Gewichtsanteile pro Passagier verwendet. Die Klimabelastung kann über Gewichtungsfaktoren auf die Emissionen pro Passagier abgebildet werden. Die Faktoren unterscheiden sich je nach Flugzeugtyp und Flugstrecke deutlich. Beispielsweise verwendet die <em>International Air Transport Association</em> (IATA) für Langstreckenflüge folgende Gewichtungsfaktoren: Economy 1.0, Premium Economy 1,5, Business Class 4.0 und First Class 5.0.</p><p> </p><p>2) Die Hauptunterschiede sind die unterschiedlichen Platz- und Gewichtsanteile, welche dem jeweiligen Passagier zugeordnet werden. </p><p> </p><p>3) Üblicherweise werden die Unterschiede in der Auslastung von verschiedenen Flugreiseklassen nicht berücksichtigt. Mit der Angabe der voraussichtlich durch den jeweiligen Flug verursachten Emissionen gemäss Artikel 7<em>a</em> CO<sub>2</sub>-Gesetz (SR 641.71) erhalten die Fluggäste Informationen über die Auswirkungen auf das Klima. Es ist nicht verpflichtend, dabei die unterschiedlichen Beförderungsklassen zu berücksichtigen, da zum Zeitpunkt des Angebots wichtige Parameter, wie z.B. der Flugzeugtyp, noch nicht feststehen. Für die Umsetzung der Informationsmassnahmen publizierte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am 15. Januar 2026 eine Vollzugshilfe (www.bafu.admin.ch > Themen > Klima > Rechtsetzung und Vollzug > Vollzugshilfen).</p><p> </p><p>4) Der Emissionsfaktor im RUMBA hängt von der Flugklasse sowie von der Flugdistanz ab:</p><table><tbody><tr><td><p>Emissionsfaktoren pro Flugklasse und Flugdistanz (in kg CO<sub>2</sub>-Äquivalente / Pkm)</p></td><td><p>Kurzstrecken (bis 800 km)</p></td><td><p>Mittelstreckenflug (801 bis 3’000km)</p></td><td><p>Langstreckenflug (über 3'000 km)</p></td></tr><tr><td><p>Economy-Klasse</p></td><td><p>0.286</p></td><td><p>0.231</p></td><td><p>0.183</p></td></tr><tr><td><p>Business-Klasse</p></td><td><p>0.442</p></td><td><p>0.361</p></td><td><p>0.410</p></td></tr></tbody></table><p>Diese Faktoren berücksichtigen die Treibhausgasemissionen aus Herstellung, Wartung und Betrieb der Flugzeuge sowie der Infrastruktur (inkl. Flughafenbetrieb), der Energiebereitstellung und den RFI-Faktor (Radiative Forcing Index) von 2.5 für die Berücksichtigung der weiteren klimawirksamen Effekte neben CO<sub>2</sub>. Sie basieren auf Zahlen der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB; Liste der Ökobilanzdaten im Baubereich IPB 2009/1:2022, Version 6.2), von mobitool sowie einer Studie von treeze (Rolf Frischknecht & Luana Krebs 2021: Life Cycle Inventories of Air Transport Services, Update and Completion, treeze Ltd. Im Auftrag des Bundesamts für Zivilluftfahrt).</p><p> </p><p>5) Die Bleiplatten, welche die Swiss in einigen ihrer Airbus A330-Langstreckenflugzeuge einbaut, dienen einer technischen Schwerpunkt-Korrektur des Flugzeugs infolge des Einbaus von neuen First-Class-Sitzen. Die Auswirkung dieses Mehrgewichts auf die Klimawirkung hängt von der jeweiligen Flugdistanz und Auslastung ab. Durch die Erhöhung des Leergewichts sinkt die Nutzlast (Gewicht von transportierten Passagieren und Fracht), denn in jedem Falle darf das Flugzeug das maximal zugelassene Abfluggewicht nicht überschreiten.</p><p> </p><p>6) Die Annahme einer Reduktion der Klimabelastung wäre nur dann stimmig, wenn die Nachfrage gleichbleibt und durch eine höhere Auslastung weniger Flüge durchgeführt würden. Ein grösseres Sitzplatzangebot könnte jedoch genauso zu einer Zunahme bei der Nachfrage wie zu einer Abnahme von Flügen führen. Ebenfalls offen ist, wie sich dies auf den Transport von Fracht, welche im Frachtraum der Langstreckenflugzeuge mitgeführt wird, auswirkt. Zudem wäre ein Wechsel von First- und Business-Klasse auf die Business Aviation zu erwarten, was zu Mehremissionen führen würde. Der Bundesrat erachtet eine Reduktion der Klimawirkung durch eine Einschränkung auf Economy-Sitze als nicht realistisch. So müssten sämtliche Flugzeuge, welche die Schweiz bedienen, auf Economy-only umgebaut werden, was für Airlines mit Sitz im Ausland besonders unrealistisch erscheint. Eine solche Regulierung wäre zudem ein schwerwiegender Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit von Fluggesellschaften.</p></span>
- <p>Die Klimabelastung der Luftfahrt steigt rasant und dürfte im Jahre 2025 die Werte von 2019 (Vor-Corona-Hoch) sogar übersteigen. Mit dem revidierten CO2-Gesetz soll die Transparenz über die Klimabelastung durch eine Deklarationspflicht erhöht werden. Offenbar gibt es grosse Unterschiede bei der Klimabelastung je nach Flugreiseklasse (Economy, Premium-Economy, Business und First). Deshalb interessieren folgende Fragen:</p><p>- Wie stark unterscheidet sich die anrechenbare Klimabelastung pro Flugreiseklasse?</p><p>- Was sind die Hauptgründe für diese Unterschiede? </p><p>- Wie wird die Auslastung der jeweiligen Flugklasse berücksichtigt? Wie muss diese berücksichtigt werden bei der künftigen Deklarationspflicht gemäss CO2-Gesetz?</p><p>- Wie werden die Emissionen pro Flugreiseklasse im Ressourcen- und Umweltmanagement der Bundesverwaltung (RUMBA) unterschieden? Welche Faktoren werden verwendet?</p><p>- Wie verändern die zusätzlich eingebauten Bleiplatten der Swiss die anrechenbare Klimawirkung der First-Flüge?</p><p>- Wie gross wäre die gesamte Reduktion der Klimabelastung für Flüge ab der Schweiz, wenn nur noch Economy-Klasse angeboten würde?</p>
- Welche Rolle spielt die Flugreiseklasse für die Klimabelastung?
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
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- Drafts
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- Index
- 0
- Texts
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- <span><p>1) Für die Zuordnung der Klimawirkung eines Linienfluges auf Passagiere in verschiedenen Buchungsklassen werden oft die Platz- und Gewichtsanteile pro Passagier verwendet. Die Klimabelastung kann über Gewichtungsfaktoren auf die Emissionen pro Passagier abgebildet werden. Die Faktoren unterscheiden sich je nach Flugzeugtyp und Flugstrecke deutlich. Beispielsweise verwendet die <em>International Air Transport Association</em> (IATA) für Langstreckenflüge folgende Gewichtungsfaktoren: Economy 1.0, Premium Economy 1,5, Business Class 4.0 und First Class 5.0.</p><p> </p><p>2) Die Hauptunterschiede sind die unterschiedlichen Platz- und Gewichtsanteile, welche dem jeweiligen Passagier zugeordnet werden. </p><p> </p><p>3) Üblicherweise werden die Unterschiede in der Auslastung von verschiedenen Flugreiseklassen nicht berücksichtigt. Mit der Angabe der voraussichtlich durch den jeweiligen Flug verursachten Emissionen gemäss Artikel 7<em>a</em> CO<sub>2</sub>-Gesetz (SR 641.71) erhalten die Fluggäste Informationen über die Auswirkungen auf das Klima. Es ist nicht verpflichtend, dabei die unterschiedlichen Beförderungsklassen zu berücksichtigen, da zum Zeitpunkt des Angebots wichtige Parameter, wie z.B. der Flugzeugtyp, noch nicht feststehen. Für die Umsetzung der Informationsmassnahmen publizierte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) am 15. Januar 2026 eine Vollzugshilfe (www.bafu.admin.ch > Themen > Klima > Rechtsetzung und Vollzug > Vollzugshilfen).</p><p> </p><p>4) Der Emissionsfaktor im RUMBA hängt von der Flugklasse sowie von der Flugdistanz ab:</p><table><tbody><tr><td><p>Emissionsfaktoren pro Flugklasse und Flugdistanz (in kg CO<sub>2</sub>-Äquivalente / Pkm)</p></td><td><p>Kurzstrecken (bis 800 km)</p></td><td><p>Mittelstreckenflug (801 bis 3’000km)</p></td><td><p>Langstreckenflug (über 3'000 km)</p></td></tr><tr><td><p>Economy-Klasse</p></td><td><p>0.286</p></td><td><p>0.231</p></td><td><p>0.183</p></td></tr><tr><td><p>Business-Klasse</p></td><td><p>0.442</p></td><td><p>0.361</p></td><td><p>0.410</p></td></tr></tbody></table><p>Diese Faktoren berücksichtigen die Treibhausgasemissionen aus Herstellung, Wartung und Betrieb der Flugzeuge sowie der Infrastruktur (inkl. Flughafenbetrieb), der Energiebereitstellung und den RFI-Faktor (Radiative Forcing Index) von 2.5 für die Berücksichtigung der weiteren klimawirksamen Effekte neben CO<sub>2</sub>. Sie basieren auf Zahlen der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB; Liste der Ökobilanzdaten im Baubereich IPB 2009/1:2022, Version 6.2), von mobitool sowie einer Studie von treeze (Rolf Frischknecht & Luana Krebs 2021: Life Cycle Inventories of Air Transport Services, Update and Completion, treeze Ltd. Im Auftrag des Bundesamts für Zivilluftfahrt).</p><p> </p><p>5) Die Bleiplatten, welche die Swiss in einigen ihrer Airbus A330-Langstreckenflugzeuge einbaut, dienen einer technischen Schwerpunkt-Korrektur des Flugzeugs infolge des Einbaus von neuen First-Class-Sitzen. Die Auswirkung dieses Mehrgewichts auf die Klimawirkung hängt von der jeweiligen Flugdistanz und Auslastung ab. Durch die Erhöhung des Leergewichts sinkt die Nutzlast (Gewicht von transportierten Passagieren und Fracht), denn in jedem Falle darf das Flugzeug das maximal zugelassene Abfluggewicht nicht überschreiten.</p><p> </p><p>6) Die Annahme einer Reduktion der Klimabelastung wäre nur dann stimmig, wenn die Nachfrage gleichbleibt und durch eine höhere Auslastung weniger Flüge durchgeführt würden. Ein grösseres Sitzplatzangebot könnte jedoch genauso zu einer Zunahme bei der Nachfrage wie zu einer Abnahme von Flügen führen. Ebenfalls offen ist, wie sich dies auf den Transport von Fracht, welche im Frachtraum der Langstreckenflugzeuge mitgeführt wird, auswirkt. Zudem wäre ein Wechsel von First- und Business-Klasse auf die Business Aviation zu erwarten, was zu Mehremissionen führen würde. Der Bundesrat erachtet eine Reduktion der Klimawirkung durch eine Einschränkung auf Economy-Sitze als nicht realistisch. So müssten sämtliche Flugzeuge, welche die Schweiz bedienen, auf Economy-only umgebaut werden, was für Airlines mit Sitz im Ausland besonders unrealistisch erscheint. Eine solche Regulierung wäre zudem ein schwerwiegender Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit von Fluggesellschaften.</p></span>
- <p>Die Klimabelastung der Luftfahrt steigt rasant und dürfte im Jahre 2025 die Werte von 2019 (Vor-Corona-Hoch) sogar übersteigen. Mit dem revidierten CO2-Gesetz soll die Transparenz über die Klimabelastung durch eine Deklarationspflicht erhöht werden. Offenbar gibt es grosse Unterschiede bei der Klimabelastung je nach Flugreiseklasse (Economy, Premium-Economy, Business und First). Deshalb interessieren folgende Fragen:</p><p>- Wie stark unterscheidet sich die anrechenbare Klimabelastung pro Flugreiseklasse?</p><p>- Was sind die Hauptgründe für diese Unterschiede? </p><p>- Wie wird die Auslastung der jeweiligen Flugklasse berücksichtigt? Wie muss diese berücksichtigt werden bei der künftigen Deklarationspflicht gemäss CO2-Gesetz?</p><p>- Wie werden die Emissionen pro Flugreiseklasse im Ressourcen- und Umweltmanagement der Bundesverwaltung (RUMBA) unterschieden? Welche Faktoren werden verwendet?</p><p>- Wie verändern die zusätzlich eingebauten Bleiplatten der Swiss die anrechenbare Klimawirkung der First-Flüge?</p><p>- Wie gross wäre die gesamte Reduktion der Klimabelastung für Flüge ab der Schweiz, wenn nur noch Economy-Klasse angeboten würde?</p>
- Welche Rolle spielt die Flugreiseklasse für die Klimabelastung?
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