Gravierende Nachteile für Eurocity-Züge von Zürich nach Bologna und Genova. Werden diese internationalen Verbindungen diskriminiert?

ShortId
25.4830
Id
20254830
Updated
11.02.2026 15:45
Language
de
Title
Gravierende Nachteile für Eurocity-Züge von Zürich nach Bologna und Genova. Werden diese internationalen Verbindungen diskriminiert?
AdditionalIndexing
48
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Gemäss seiner Eignerstrategie erwartet der Bund von der SBB im internationalen Personenfernverkehr, dass sie ihre Marktstellung durch Kooperationen stärkt. In Umsetzung dieser Strategie hat die SBB mit dem Fahrplan 2026 unter anderem zwei neue Direktverbindungen von Zürich nach Bologna und Genova eingeführt. Die IGöV Schweiz hat diese neuen Verbindungen analysiert (<a href="file:///Users/florencebrenzikofer/Library/Containers/com.apple.mail/Data/Library/Mail%20Downloads/AFC1C76C-4AA0-4C63-BC88-18441D5E1E2D/Danke!%20Das%20Faktenblatt%20ist%20online%20https:/igoev.ch/analyse-der-neuen-verbindungen-von-zuerich-nach-bologna-und-genova/"><u>Link</u></a>). Demnach weisen diese Verbindungen schwerwiegende Nachteile auf und sind für die Fahrgäste nur begrenzt attraktiv. So verkehren sie nicht über Milano Centrale, womit Fahrgäste, die in Milano umsteigen wollen, diese Züge nicht benutzen werden. Sie haben zudem massiv längere Fahrzeiten als inneritalienische Fernverkehrszüge auf den gleichen Strecken. Im Übrigen hat sich auf der Strecke Chiasso-Milano in den vergangenen 15 Jahren die Fahrzeit der Eurocity-Züge aus der Schweiz erheblich verlängert. Im Vergleich zu einem Regionalzug dauert die Fahrt im EC auf dieser Strecke bis zu 23 Minuten länger. Sollte zukünftig der Giruno-Zug im Verkehr nach Italien vermehrt eingesetzt werden, so könnten vermutlich Verbesserungen erreicht werden.</p>
  • <span><ol><li><span>Ja, es ist dem Bundesrat bekannt, dass sich die Fahrzeiten des Eurocity zwischen Chiasso und Milano seit 2010 um 8 Minuten erhöht haben. Damit wird primär die Stabilität des Fahrplans gewährleistet. </span></li></ol><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="2"><li><span>Idealerweise würden diese Verbindungen via Milano Centrale geführt werden, oder es müsste aufgrund der Nicht-Bedienung des Kopfbahnhofes von Milano Centrale eine kürzere Fahrzeit erreicht werden. Beides ist wegen den Infrastrukturverhältnissen im Raum Milano zurzeit nicht möglich. Aus Sicht des Bundesrates ist die Route via Milano Centrale für die Destinationen Bologna und Genova weniger entscheidend als die Möglichkeit, die Zieldestinationen Bologna und Genova umsteigefrei zu erreichen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass bereits ein sehr gutes und dichtes EC-Angebot nach Milano Centrale besteht, welches mit dem Fahrplan 2026 weiter ausgebaut wurde. An den bedienten Bahnhöfen Milano Lambrate und Milano Rogoredo bestehen gute Anschlüsse an U-Bahn-Linien, mit welcher verschiedene Ziele im Stadtzentrum und in der Agglomeration direkt erreicht werden. </span></li></ol><p><span>Richtung Bologna–Firenze muss bis auf weiteres die Stammlinie benutzt werden. Die Fahrzeiten sind auf dieser Linie deshalb wenig attraktiv. Die SBB arbeitet mit ihrem Kooperationspartner Trenitalia zusammen, damit schnellere Direktverbindungen möglich werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="3"><li><span>Die Fahrzeiten der EC-Züge sind abhängig von den verfügbaren Trassen in Italien. Die Attraktivität der Züge liegt primär in der Direktverbindung aus der Schweiz. Die Direktverbindung nach Genova ist im Normalfall (ohne Baustelleneinfluss) gut konkurrenzfähig, sie dauert mit 5 Stunden 19 Minuten aktuell nur 8 Minuten länger als eine Umsteigeverbindung via Milano Centrale. Künftig wird eine weitere Reduktion der Fahrzeit dank der Inbetriebnahme des «Terzo valico», dem Infrastrukturausbau zwischen Tortona und Genova, erwartet.</span></li></ol><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="4"><li><span>Die Fahrzeit der Züge ist nicht nur von der Zulassung der Giruno-Züge der SBB in Italien abhängig, sondern auch von den verfügbaren Trassen. Aktuell ist der Giruno in Italien für eine Geschwindigkeit von 200 km/h zugelassen. Für die Strecken in Richtung Venezia und Genova läuft aktuell das Zulassungsverfahren für 250 km/h. </span></li></ol><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="5"><li><span>Der Bundesrat sieht hier keine Anzeichen für Diskriminierung, die bestehende Situation ist gemäss obgenannten Antworten nachvollziehbar.</span></li></ol><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="6"><li><span>Die Schweiz steht regelmässig im direkten Austausch mit den italienischen Behörden und thematisiert das Thema attraktiver Bahnverbindungen Schweiz – Italien regelmässig. Im Jahre 2023 haben Bundesrat Albert Rösti und der italienische Verkehrsminister Matteo Salvini eine Absichtserklärung unterzeichnet. Bis 2035 wollen die beiden Länder die nötigen Projekte sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr umsetzen, um das Angebot attraktiver zu gestalten.</span></li></ol></span>
  • <p>Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:</p><ol><li>Ist dem Bundesrat bekannt, dass sich die Fahrzeiten auf der Bahnstrecke Chiasso-Milano in den vergangenen 15 Jahren um 20 Prozent erhöht haben?</li><li>Wie beurteilt er den Umstand, dass die neuen Zugverbindungen Zürich-Bologna und Zürich-Genova nicht über Milano Centrale verkehren und somit für die Fahrgäste deutlich weniger attraktiv sind?</li><li>Wie beurteilt er den Umstand, dass die angesprochenen EC-Züge deutlich längere Fahrzeiten haben als inneritalienische Fernverkehrszüge?</li><li>Die für den internationalen Verkehr vorgesehenen Giruno-Züge der SBB sind in Italien nur auf wenigen Strecken zugelassen. Ist eine generelle Zulassung dieses Zuges in Italien erreichbar, damit die internationalen Verbindungen aus der Schweiz beschleunigt werden können?</li><li>Sieht er in den gravierenden Nachteilen, welche die Verbindungen aus der Schweiz erleiden, Anzeichen für eine Diskriminierung?</li><li>Sieht er Möglichkeiten, im direkten Austausch mit den italienischen Behörden in naher Zukunft Verbesserungen für diese wichtigen Bahnverbindungen zu erreichen?</li></ol>
  • Gravierende Nachteile für Eurocity-Züge von Zürich nach Bologna und Genova. Werden diese internationalen Verbindungen diskriminiert?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Gemäss seiner Eignerstrategie erwartet der Bund von der SBB im internationalen Personenfernverkehr, dass sie ihre Marktstellung durch Kooperationen stärkt. In Umsetzung dieser Strategie hat die SBB mit dem Fahrplan 2026 unter anderem zwei neue Direktverbindungen von Zürich nach Bologna und Genova eingeführt. Die IGöV Schweiz hat diese neuen Verbindungen analysiert (<a href="file:///Users/florencebrenzikofer/Library/Containers/com.apple.mail/Data/Library/Mail%20Downloads/AFC1C76C-4AA0-4C63-BC88-18441D5E1E2D/Danke!%20Das%20Faktenblatt%20ist%20online%20https:/igoev.ch/analyse-der-neuen-verbindungen-von-zuerich-nach-bologna-und-genova/"><u>Link</u></a>). Demnach weisen diese Verbindungen schwerwiegende Nachteile auf und sind für die Fahrgäste nur begrenzt attraktiv. So verkehren sie nicht über Milano Centrale, womit Fahrgäste, die in Milano umsteigen wollen, diese Züge nicht benutzen werden. Sie haben zudem massiv längere Fahrzeiten als inneritalienische Fernverkehrszüge auf den gleichen Strecken. Im Übrigen hat sich auf der Strecke Chiasso-Milano in den vergangenen 15 Jahren die Fahrzeit der Eurocity-Züge aus der Schweiz erheblich verlängert. Im Vergleich zu einem Regionalzug dauert die Fahrt im EC auf dieser Strecke bis zu 23 Minuten länger. Sollte zukünftig der Giruno-Zug im Verkehr nach Italien vermehrt eingesetzt werden, so könnten vermutlich Verbesserungen erreicht werden.</p>
    • <span><ol><li><span>Ja, es ist dem Bundesrat bekannt, dass sich die Fahrzeiten des Eurocity zwischen Chiasso und Milano seit 2010 um 8 Minuten erhöht haben. Damit wird primär die Stabilität des Fahrplans gewährleistet. </span></li></ol><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="2"><li><span>Idealerweise würden diese Verbindungen via Milano Centrale geführt werden, oder es müsste aufgrund der Nicht-Bedienung des Kopfbahnhofes von Milano Centrale eine kürzere Fahrzeit erreicht werden. Beides ist wegen den Infrastrukturverhältnissen im Raum Milano zurzeit nicht möglich. Aus Sicht des Bundesrates ist die Route via Milano Centrale für die Destinationen Bologna und Genova weniger entscheidend als die Möglichkeit, die Zieldestinationen Bologna und Genova umsteigefrei zu erreichen. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass bereits ein sehr gutes und dichtes EC-Angebot nach Milano Centrale besteht, welches mit dem Fahrplan 2026 weiter ausgebaut wurde. An den bedienten Bahnhöfen Milano Lambrate und Milano Rogoredo bestehen gute Anschlüsse an U-Bahn-Linien, mit welcher verschiedene Ziele im Stadtzentrum und in der Agglomeration direkt erreicht werden. </span></li></ol><p><span>Richtung Bologna–Firenze muss bis auf weiteres die Stammlinie benutzt werden. Die Fahrzeiten sind auf dieser Linie deshalb wenig attraktiv. Die SBB arbeitet mit ihrem Kooperationspartner Trenitalia zusammen, damit schnellere Direktverbindungen möglich werden.</span></p><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="3"><li><span>Die Fahrzeiten der EC-Züge sind abhängig von den verfügbaren Trassen in Italien. Die Attraktivität der Züge liegt primär in der Direktverbindung aus der Schweiz. Die Direktverbindung nach Genova ist im Normalfall (ohne Baustelleneinfluss) gut konkurrenzfähig, sie dauert mit 5 Stunden 19 Minuten aktuell nur 8 Minuten länger als eine Umsteigeverbindung via Milano Centrale. Künftig wird eine weitere Reduktion der Fahrzeit dank der Inbetriebnahme des «Terzo valico», dem Infrastrukturausbau zwischen Tortona und Genova, erwartet.</span></li></ol><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="4"><li><span>Die Fahrzeit der Züge ist nicht nur von der Zulassung der Giruno-Züge der SBB in Italien abhängig, sondern auch von den verfügbaren Trassen. Aktuell ist der Giruno in Italien für eine Geschwindigkeit von 200 km/h zugelassen. Für die Strecken in Richtung Venezia und Genova läuft aktuell das Zulassungsverfahren für 250 km/h. </span></li></ol><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="5"><li><span>Der Bundesrat sieht hier keine Anzeichen für Diskriminierung, die bestehende Situation ist gemäss obgenannten Antworten nachvollziehbar.</span></li></ol><p><span>&nbsp;</span></p><ol start="6"><li><span>Die Schweiz steht regelmässig im direkten Austausch mit den italienischen Behörden und thematisiert das Thema attraktiver Bahnverbindungen Schweiz – Italien regelmässig. Im Jahre 2023 haben Bundesrat Albert Rösti und der italienische Verkehrsminister Matteo Salvini eine Absichtserklärung unterzeichnet. Bis 2035 wollen die beiden Länder die nötigen Projekte sowohl im Güter- als auch im Personenverkehr umsetzen, um das Angebot attraktiver zu gestalten.</span></li></ol></span>
    • <p>Der Bundesrat wird um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:</p><ol><li>Ist dem Bundesrat bekannt, dass sich die Fahrzeiten auf der Bahnstrecke Chiasso-Milano in den vergangenen 15 Jahren um 20 Prozent erhöht haben?</li><li>Wie beurteilt er den Umstand, dass die neuen Zugverbindungen Zürich-Bologna und Zürich-Genova nicht über Milano Centrale verkehren und somit für die Fahrgäste deutlich weniger attraktiv sind?</li><li>Wie beurteilt er den Umstand, dass die angesprochenen EC-Züge deutlich längere Fahrzeiten haben als inneritalienische Fernverkehrszüge?</li><li>Die für den internationalen Verkehr vorgesehenen Giruno-Züge der SBB sind in Italien nur auf wenigen Strecken zugelassen. Ist eine generelle Zulassung dieses Zuges in Italien erreichbar, damit die internationalen Verbindungen aus der Schweiz beschleunigt werden können?</li><li>Sieht er in den gravierenden Nachteilen, welche die Verbindungen aus der Schweiz erleiden, Anzeichen für eine Diskriminierung?</li><li>Sieht er Möglichkeiten, im direkten Austausch mit den italienischen Behörden in naher Zukunft Verbesserungen für diese wichtigen Bahnverbindungen zu erreichen?</li></ol>
    • Gravierende Nachteile für Eurocity-Züge von Zürich nach Bologna und Genova. Werden diese internationalen Verbindungen diskriminiert?

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