Entwicklung von Laufställen und Weidegang für Rinder

ShortId
25.4853
Id
20254853
Updated
19.02.2026 14:59
Language
de
Title
Entwicklung von Laufställen und Weidegang für Rinder
AdditionalIndexing
55;52
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p>Laufställe haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verbreitet. Der Bundesrat teilt die Einschätzung, dass solche Stallsysteme im Vergleich zur Anbindehaltung eine wesentliche Verbesserung des Tierwohls darstellen. Gleichzeitig anerkennt er, dass der regelmässige Weidegang ein zentraler Faktor für das Wohlbefinden von Rindern ist und positive Effekte auf Tiergesundheit, Umwelt, Kulturlandschaft sowie die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung hat.</p><p>1. und 2. Der Bundesrat verfügt über verschiedene Daten zur Entwicklung der Rinderhaltung, insbesondere aus der landwirtschaftlichen Strukturerhebungen des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) sowie betreffend der Teilnahme der Betriebe an Tierwohlprogrammen. Tiere in Laufställen werden häufig für das BTS-Programm (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) angemeldet. Anmeldungen für das RAUS-Programm (regelmässiger Auslauf ins Freie) und für den Weidebeitrag (Beitrag für besonders hohen Auslauf- und Weideanteil) sind demgegenüber unabhängig vom Stallsystem möglich.</p><p>Eine systematische Erhebung der effektiven Weidezeiten vor und nach der Umstellung auf Laufstallhaltung liegt nicht vor. Der Bundesrat stützt sich daher auf aggregierte Daten. Die Angaben im Agrarinformationssystem AGIS des BLW zeigen, dass beispielsweise der Anteil der Milchkühe, welche sowohl für BTS- als auch für RAUS- oder Weidebeiträge angemeldet sind, weiterhin zunimmt. Er stieg von 40 Prozent im Jahr 2014 auf fast 55 Prozent im Jahr 2025. Der Anteil der Milchkühe, für die nur RAUS- oder Weidebeiträge ausgerichtet werden, ist leicht sinkend und liegt aktuell bei rund 36 Prozent. Die Kombination von Laufstall mit Weidegang hat eine hohe Bedeutung, auch bei grösseren Betrieben: Bei Betrieben mit 50 und mehr Milchkühen sind fast 78 Prozent der Kühe für BTS- und RAUS- oder Weidebeiträge angemeldet, während nur 7 Prozent ausschliesslich RAUS- oder Weidebeiträge erhalten.</p><p>Ein Rückgang der Weidezeiten von Rindern durch die Laufstallhaltung kann somit nicht festgestellt werden. Veränderungen können zudem verschiedene betriebliche und strukturelle Ursachen haben und lassen sich nicht allein durch die Stallsysteme begründen.</p><p>3. Die Agrarpolitik des Bundes verfolgt das Ziel, eine tiergerechte und nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Laufställe leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Tierwohls. Gleichzeitig misst der Bundesrat dem regelmässigen Auslauf und dem Weidegang eine hohe Bedeutung bei. Mit Blick auf die ökologische Nachhaltigkeit entspricht eine Kombination aus modernen Stallhaltungssystemen und regelmässigem Weidegang einem optimale Haltungssystem. Je nach baulicher und technischer Ausgestaltung und Management kann die Tierhaltung ausschliesslich in modernen und tierfreundlichen Ställen ohne regelmässigen Weidegang mit erhöhten Ammoniakemissionen verbunden sein.</p><p>4. Bereits heute fördern Programme wie RAUS und Weidebeitrag den Auslauf von Nutztieren durch klare Mindestanforderungen. Der Bundesrat überprüft laufend deren Wirksamkeit und nimmt Anpassungen im Rahmen der ordentlichen agrarpolitischen Prozesse vor.</p></span>
  • <p>In den letzten Jahrzehnten haben sich in der Schweiz die Laufställe stark entwickelt. Im Vergleich zu den Anbindeställen haben sie das Tierwohl deutlich verbessert. Sie ermöglichen den Rindern mehr Bewegungsfreiheit innerhalb des Stalls, fördern die Kontakte zwischen den Tieren und verringern physische Belastungen, die durch ein permanentes Angebundensein verursacht werden.</p><p>Der regelmässige Auslauf auf einer Weide bleibt aber ein zentraler Faktor für das Wohlbefinden der Rinder. Der Weidegang ermöglicht den Tieren nicht nur Bewegung, das Ausleben natürlicher Verhaltensweisen und eine bessere Gesundheit, sondern hat anerkanntermassen auch Vorteile für die Umwelt, die Kulturlandschaft und die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung. Die Weidehaltung gilt daher hinsichtlich des Tierwohls im Vergleich zu einer reinen Stallhaltung grundsätzlich als überlegen, selbst wenn es sich bei den Ställen um Laufställe handelt.</p><p>In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich die Praxis konkret entwickelt hat: Hat die Verbreitung der Laufställe dazu geführt, dass der Auslauf auf der Weide beibehalten wurde oder gar zunahm, oder ist in den Betrieben im Gegenteil ein Rückgang des Auslaufs zu beobachten?</p><p>Daher bitte ich den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><ol><li>Verfügt der Bundesrat über Daten, anhand deren beurteilt werden kann, ob Rinder durchschnittlich weniger oft Auslauf auf einer Weide haben, wenn sie von einer Anbindehaltung in einen Laufstall wechseln?</li><li>Wenn für die Rinder in Laufställen ein Rückgang des Auslaufs auf einer Weide festzustellen ist: Wie erklärt sich der Bundesrat dies?</li><li>Ist der Bundesrat der Ansicht, dass eine Entwicklung der Rinderhaltung hin zu mehr Laufställen mit weniger regelmässigem Weidegang mit den Zielen der Agrarpolitik in Bezug auf Tierwohl, Nachhaltigkeit und Akzeptanz durch die Bevölkerung vereinbar ist?</li><li>Erwägt der Bundesrat allenfalls eine Anpassung der Agrarpolitik, um sicherzustellen, dass die vermehrte Nutzung von Laufställen systematisch mit ausreichend Weidegang einhergeht?</li></ol>
  • Entwicklung von Laufställen und Weidegang für Rinder
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p>Laufställe haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verbreitet. Der Bundesrat teilt die Einschätzung, dass solche Stallsysteme im Vergleich zur Anbindehaltung eine wesentliche Verbesserung des Tierwohls darstellen. Gleichzeitig anerkennt er, dass der regelmässige Weidegang ein zentraler Faktor für das Wohlbefinden von Rindern ist und positive Effekte auf Tiergesundheit, Umwelt, Kulturlandschaft sowie die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung hat.</p><p>1. und 2. Der Bundesrat verfügt über verschiedene Daten zur Entwicklung der Rinderhaltung, insbesondere aus der landwirtschaftlichen Strukturerhebungen des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) sowie betreffend der Teilnahme der Betriebe an Tierwohlprogrammen. Tiere in Laufställen werden häufig für das BTS-Programm (besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) angemeldet. Anmeldungen für das RAUS-Programm (regelmässiger Auslauf ins Freie) und für den Weidebeitrag (Beitrag für besonders hohen Auslauf- und Weideanteil) sind demgegenüber unabhängig vom Stallsystem möglich.</p><p>Eine systematische Erhebung der effektiven Weidezeiten vor und nach der Umstellung auf Laufstallhaltung liegt nicht vor. Der Bundesrat stützt sich daher auf aggregierte Daten. Die Angaben im Agrarinformationssystem AGIS des BLW zeigen, dass beispielsweise der Anteil der Milchkühe, welche sowohl für BTS- als auch für RAUS- oder Weidebeiträge angemeldet sind, weiterhin zunimmt. Er stieg von 40 Prozent im Jahr 2014 auf fast 55 Prozent im Jahr 2025. Der Anteil der Milchkühe, für die nur RAUS- oder Weidebeiträge ausgerichtet werden, ist leicht sinkend und liegt aktuell bei rund 36 Prozent. Die Kombination von Laufstall mit Weidegang hat eine hohe Bedeutung, auch bei grösseren Betrieben: Bei Betrieben mit 50 und mehr Milchkühen sind fast 78 Prozent der Kühe für BTS- und RAUS- oder Weidebeiträge angemeldet, während nur 7 Prozent ausschliesslich RAUS- oder Weidebeiträge erhalten.</p><p>Ein Rückgang der Weidezeiten von Rindern durch die Laufstallhaltung kann somit nicht festgestellt werden. Veränderungen können zudem verschiedene betriebliche und strukturelle Ursachen haben und lassen sich nicht allein durch die Stallsysteme begründen.</p><p>3. Die Agrarpolitik des Bundes verfolgt das Ziel, eine tiergerechte und nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Laufställe leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Tierwohls. Gleichzeitig misst der Bundesrat dem regelmässigen Auslauf und dem Weidegang eine hohe Bedeutung bei. Mit Blick auf die ökologische Nachhaltigkeit entspricht eine Kombination aus modernen Stallhaltungssystemen und regelmässigem Weidegang einem optimale Haltungssystem. Je nach baulicher und technischer Ausgestaltung und Management kann die Tierhaltung ausschliesslich in modernen und tierfreundlichen Ställen ohne regelmässigen Weidegang mit erhöhten Ammoniakemissionen verbunden sein.</p><p>4. Bereits heute fördern Programme wie RAUS und Weidebeitrag den Auslauf von Nutztieren durch klare Mindestanforderungen. Der Bundesrat überprüft laufend deren Wirksamkeit und nimmt Anpassungen im Rahmen der ordentlichen agrarpolitischen Prozesse vor.</p></span>
    • <p>In den letzten Jahrzehnten haben sich in der Schweiz die Laufställe stark entwickelt. Im Vergleich zu den Anbindeställen haben sie das Tierwohl deutlich verbessert. Sie ermöglichen den Rindern mehr Bewegungsfreiheit innerhalb des Stalls, fördern die Kontakte zwischen den Tieren und verringern physische Belastungen, die durch ein permanentes Angebundensein verursacht werden.</p><p>Der regelmässige Auslauf auf einer Weide bleibt aber ein zentraler Faktor für das Wohlbefinden der Rinder. Der Weidegang ermöglicht den Tieren nicht nur Bewegung, das Ausleben natürlicher Verhaltensweisen und eine bessere Gesundheit, sondern hat anerkanntermassen auch Vorteile für die Umwelt, die Kulturlandschaft und die gesellschaftliche Akzeptanz der Tierhaltung. Die Weidehaltung gilt daher hinsichtlich des Tierwohls im Vergleich zu einer reinen Stallhaltung grundsätzlich als überlegen, selbst wenn es sich bei den Ställen um Laufställe handelt.</p><p>In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie sich die Praxis konkret entwickelt hat: Hat die Verbreitung der Laufställe dazu geführt, dass der Auslauf auf der Weide beibehalten wurde oder gar zunahm, oder ist in den Betrieben im Gegenteil ein Rückgang des Auslaufs zu beobachten?</p><p>Daher bitte ich den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:</p><ol><li>Verfügt der Bundesrat über Daten, anhand deren beurteilt werden kann, ob Rinder durchschnittlich weniger oft Auslauf auf einer Weide haben, wenn sie von einer Anbindehaltung in einen Laufstall wechseln?</li><li>Wenn für die Rinder in Laufställen ein Rückgang des Auslaufs auf einer Weide festzustellen ist: Wie erklärt sich der Bundesrat dies?</li><li>Ist der Bundesrat der Ansicht, dass eine Entwicklung der Rinderhaltung hin zu mehr Laufställen mit weniger regelmässigem Weidegang mit den Zielen der Agrarpolitik in Bezug auf Tierwohl, Nachhaltigkeit und Akzeptanz durch die Bevölkerung vereinbar ist?</li><li>Erwägt der Bundesrat allenfalls eine Anpassung der Agrarpolitik, um sicherzustellen, dass die vermehrte Nutzung von Laufställen systematisch mit ausreichend Weidegang einhergeht?</li></ol>
    • Entwicklung von Laufställen und Weidegang für Rinder

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