Leerstehende Verkaufsflächen in den Schweizer Innenstädten

ShortId
25.4886
Id
20254886
Updated
21.02.2026 11:43
Language
de
Title
Leerstehende Verkaufsflächen in den Schweizer Innenstädten
AdditionalIndexing
2846;15
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Das Phänomen der leeren Schaufenster betrifft zahlreiche Städte. In manchen Kantonen sind die Geschäftsmieten in den vergangenen 15&nbsp;Jahren um über 50&nbsp;Prozent gestiegen. Es wird immer schwieriger, den für die Miete erforderlichen Umsatz zu erwirtschaften, was zu Ladenschliessungen führt und gar dazu, dass Detailhandelsgeschäfte selbst im Erdgeschoss hauptsächlich durch andere Dienstleistungen verdrängt werden.&nbsp;</p><p>Die Wiederbelebung der Innenstädte liegt zum Teil natürlich in der Zuständigkeit der lokalen Behörden. Der Immobliliensektor spielt aber – namentlich über die Kosten – in der Praxis auch eine entscheidende Rolle.</p>
  • <span><p>1. Der Bund erhebt keine entsprechenden Daten. Laut Wüest Partner haben sich von 2000 bis 2024 die Angebotsmieten für Gewerbeflächen nominell um 19,4 Prozent erhöht, diejenigen für Verkaufsflächen um 11,6 Prozent und für Büroflächen um 17,9 Prozent (vgl. <a href="https://www.wuest.io/online_services_classic/angebotspreisindex/index.phtml"><u>https://www.wuest.io/online_services_classic/angebotspreisindex/index.phtml</u></a>). Die Inflation lag über den gleichen Zeitraum bei 15 Prozent (vgl. <a href="https://lik-app.bfs.admin.ch/de/lik/rechner"><u>https://lik-app.bfs.admin.ch/de/lik/rechner</u></a>). Deutlich stärker stiegen die Preise von Einfamilienhäusern (+91,5%), Eigentumswohnungen (+88,5%) und Mietwohnungen (+49,4%) (vgl. <a href="https://www.wuest.io/online_services_classic/angebotspreisindex/index.phtml"><u>https://www.wuest.io/online_services_classic/angebotspreisindex/index.phtml</u></a>). </p><p>2. Es ist davon auszugehen, dass der vergleichsweise schwache Anstieg der Mietzinsen für Gewerbe- und Verkaufsflächen mit veränderten Konsumgewohnheiten und einer tendenziell geringeren Nachfrage zusammenhängt. Die Schwierigkeiten für den Detailhandel sind nicht neu: Schon vor Jahren hat der Bund den Aufbau des «Netzwerks Altstadt» unterstützt, das sich solcher Problemlagen annahm. Wenn sich lokal Herausforderungen bezüglich der Belebung von Zentren und des Detailhandelsangebots ergeben, können sich Gemeinden in einem ersten Schritt an die Siedlungsberatung von EspaceSuisse wenden, in die das Netzwerk Altstadt integriert wurde (vgl. <a href="https://www.espacesuisse.ch/de/beratung/siedlungsberatung"><u>https://www.espacesuisse.ch/de/beratung/siedlungsberatung</u></a>).</p><p>3. Offizielle Statistiken zu den Eigentumsverhältnissen von Gewerbeimmobilien gibt es nicht. Laut einer Schätzung, die von Wüest Partner im Rahmen des Geschäftsmieten-Monitorings im Jahr 2020 erstellt wurde (vgl. <a href="https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=80620"><u>news.admin.ch/de/nsb?id=80620</u></a>), belief sich der Marktwert von vermieteten Geschäftsliegenschaften 2020 auf rund 650 Milliarden Franken. Geschäftsliegenschaften im Wert von etwa 150 Milliarden waren im Besitz institutioneller Investoren. Der Anteil der institutionellen Investoren an den gesamten Mietzinsen aus Geschäftsliegenschaften wurde auf ca. 20 Prozent geschätzt.</p><p>4. Im 3. Quartal 2025 standen rund 3,4 Prozent aller Verkaufs- und rund 8 Prozent aller Büroflächen leer. Bei Wohnungen betrug die Leerstandsquote am 1. Juni 2025 1,00 Prozent. An den meisten Lagen besteht somit kein besonders hoher Wettbewerbsdruck um Gewerbe- und Verkaufsflächen; in urbanen Gebieten kann die Situation anders aussehen. Vor der Konkurrenz durch alternative Nutzungen können diese Flächen geschützt werden, indem in der Nutzungsplanung Arbeits- oder Gewerbezonen ausgeschieden oder in Misch- oder Zentrumszonen Mindestanteile für Gewerbeflächen festgelegt werden. Dies dämpft auch die Preisentwicklung für Gewerbe- und Verkaufsflächen.</p><p>5. Leerstände aus Gründen der Bilanzwertsicherung dürften selten sein. Aus Gründen der true and fair-Bewertung muss der Wert einer Liegenschaft korrigiert werden, wenn sie zu lange leer steht. </p><p>6. Der Preisdruck ist bei Gewerbe- und Verkaufsflächen bedeutend kleiner als beim Wohnen, wo die Förderinstrumente bzw. deren Finanzierung angesichts der Kosten überdies auch beschränkt sind. Der Bundesrat ist daher der Ansicht, dass sich das Engagement des Bundes auf den Wohnbereich fokussieren soll, wo die Knappheit des Angebots sich in den letzten Jahren besonders akzentuiert hat. In der Nutzungsplanung bestehen zudem Instrumente zum Schutz von Gewerbeflächen. Ausserdem unterstützt der Bund bereits heute vier Bürgschaftsgenossenschaften für KMU (vgl. <a href="https://kmu-buergschaften.ch/"><u>https://kmu-buergschaften.ch/</u></a>).</p></span>
  • <ul><li>Wie haben sich die Mieten für Gewerbeflächen und insbesondere für Verkaufsflächen in der Schweiz in den letzten 25&nbsp;Jahren entwickelt?</li><li>Wie beurteilt der Bundesrat diese Entwicklung in einem notabene schwierigen Umfeld für den Detailhandel, der mit dem starken Franken und sich wandelnden Konsumgewohnheiten hin zu mehr Online-Shopping konfrontiert ist?</li><li>Wie hoch ist der Anteil an Gewerbeimmobilien nach Eigentümertypen, wie sie in der Mietwohnungsstatistik ausgewiesen werden (Gesellschaften und Fonds, Genossenschaften, Privatpersonen)? Welche wichtigsten Entwicklungen waren dabei in den letzten 25&nbsp;Jahren zu beobachten?</li><li>Wie kann das Risiko der Verdrängung kleiner und unabhängiger Geschäfte aus den Innenstädten infolge hoher Mietzinse begrenzt werden?</li><li>Welche Massnahmen zieht der Bundesrat in Betracht, um das Phänomen einzudämmen, dass Flächen leerstehen, weil sie aus Gründen der Bilanzwerterhaltung zu sehr hohen Mietpreisen angeboten werden?</li><li>Könnten gewisse Unterstützungsinstrumente des Bundes für bezahlbaren Wohnraum (Bürgschaften, Garantien, Fonds de roulement) nicht ausgeweitet werden, um auch die Schaffung von bezahlbaren Gewerbeflächen zu fördern?</li></ul>
  • Leerstehende Verkaufsflächen in den Schweizer Innenstädten
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Das Phänomen der leeren Schaufenster betrifft zahlreiche Städte. In manchen Kantonen sind die Geschäftsmieten in den vergangenen 15&nbsp;Jahren um über 50&nbsp;Prozent gestiegen. Es wird immer schwieriger, den für die Miete erforderlichen Umsatz zu erwirtschaften, was zu Ladenschliessungen führt und gar dazu, dass Detailhandelsgeschäfte selbst im Erdgeschoss hauptsächlich durch andere Dienstleistungen verdrängt werden.&nbsp;</p><p>Die Wiederbelebung der Innenstädte liegt zum Teil natürlich in der Zuständigkeit der lokalen Behörden. Der Immobliliensektor spielt aber – namentlich über die Kosten – in der Praxis auch eine entscheidende Rolle.</p>
    • <span><p>1. Der Bund erhebt keine entsprechenden Daten. Laut Wüest Partner haben sich von 2000 bis 2024 die Angebotsmieten für Gewerbeflächen nominell um 19,4 Prozent erhöht, diejenigen für Verkaufsflächen um 11,6 Prozent und für Büroflächen um 17,9 Prozent (vgl. <a href="https://www.wuest.io/online_services_classic/angebotspreisindex/index.phtml"><u>https://www.wuest.io/online_services_classic/angebotspreisindex/index.phtml</u></a>). Die Inflation lag über den gleichen Zeitraum bei 15 Prozent (vgl. <a href="https://lik-app.bfs.admin.ch/de/lik/rechner"><u>https://lik-app.bfs.admin.ch/de/lik/rechner</u></a>). Deutlich stärker stiegen die Preise von Einfamilienhäusern (+91,5%), Eigentumswohnungen (+88,5%) und Mietwohnungen (+49,4%) (vgl. <a href="https://www.wuest.io/online_services_classic/angebotspreisindex/index.phtml"><u>https://www.wuest.io/online_services_classic/angebotspreisindex/index.phtml</u></a>). </p><p>2. Es ist davon auszugehen, dass der vergleichsweise schwache Anstieg der Mietzinsen für Gewerbe- und Verkaufsflächen mit veränderten Konsumgewohnheiten und einer tendenziell geringeren Nachfrage zusammenhängt. Die Schwierigkeiten für den Detailhandel sind nicht neu: Schon vor Jahren hat der Bund den Aufbau des «Netzwerks Altstadt» unterstützt, das sich solcher Problemlagen annahm. Wenn sich lokal Herausforderungen bezüglich der Belebung von Zentren und des Detailhandelsangebots ergeben, können sich Gemeinden in einem ersten Schritt an die Siedlungsberatung von EspaceSuisse wenden, in die das Netzwerk Altstadt integriert wurde (vgl. <a href="https://www.espacesuisse.ch/de/beratung/siedlungsberatung"><u>https://www.espacesuisse.ch/de/beratung/siedlungsberatung</u></a>).</p><p>3. Offizielle Statistiken zu den Eigentumsverhältnissen von Gewerbeimmobilien gibt es nicht. Laut einer Schätzung, die von Wüest Partner im Rahmen des Geschäftsmieten-Monitorings im Jahr 2020 erstellt wurde (vgl. <a href="https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=80620"><u>news.admin.ch/de/nsb?id=80620</u></a>), belief sich der Marktwert von vermieteten Geschäftsliegenschaften 2020 auf rund 650 Milliarden Franken. Geschäftsliegenschaften im Wert von etwa 150 Milliarden waren im Besitz institutioneller Investoren. Der Anteil der institutionellen Investoren an den gesamten Mietzinsen aus Geschäftsliegenschaften wurde auf ca. 20 Prozent geschätzt.</p><p>4. Im 3. Quartal 2025 standen rund 3,4 Prozent aller Verkaufs- und rund 8 Prozent aller Büroflächen leer. Bei Wohnungen betrug die Leerstandsquote am 1. Juni 2025 1,00 Prozent. An den meisten Lagen besteht somit kein besonders hoher Wettbewerbsdruck um Gewerbe- und Verkaufsflächen; in urbanen Gebieten kann die Situation anders aussehen. Vor der Konkurrenz durch alternative Nutzungen können diese Flächen geschützt werden, indem in der Nutzungsplanung Arbeits- oder Gewerbezonen ausgeschieden oder in Misch- oder Zentrumszonen Mindestanteile für Gewerbeflächen festgelegt werden. Dies dämpft auch die Preisentwicklung für Gewerbe- und Verkaufsflächen.</p><p>5. Leerstände aus Gründen der Bilanzwertsicherung dürften selten sein. Aus Gründen der true and fair-Bewertung muss der Wert einer Liegenschaft korrigiert werden, wenn sie zu lange leer steht. </p><p>6. Der Preisdruck ist bei Gewerbe- und Verkaufsflächen bedeutend kleiner als beim Wohnen, wo die Förderinstrumente bzw. deren Finanzierung angesichts der Kosten überdies auch beschränkt sind. Der Bundesrat ist daher der Ansicht, dass sich das Engagement des Bundes auf den Wohnbereich fokussieren soll, wo die Knappheit des Angebots sich in den letzten Jahren besonders akzentuiert hat. In der Nutzungsplanung bestehen zudem Instrumente zum Schutz von Gewerbeflächen. Ausserdem unterstützt der Bund bereits heute vier Bürgschaftsgenossenschaften für KMU (vgl. <a href="https://kmu-buergschaften.ch/"><u>https://kmu-buergschaften.ch/</u></a>).</p></span>
    • <ul><li>Wie haben sich die Mieten für Gewerbeflächen und insbesondere für Verkaufsflächen in der Schweiz in den letzten 25&nbsp;Jahren entwickelt?</li><li>Wie beurteilt der Bundesrat diese Entwicklung in einem notabene schwierigen Umfeld für den Detailhandel, der mit dem starken Franken und sich wandelnden Konsumgewohnheiten hin zu mehr Online-Shopping konfrontiert ist?</li><li>Wie hoch ist der Anteil an Gewerbeimmobilien nach Eigentümertypen, wie sie in der Mietwohnungsstatistik ausgewiesen werden (Gesellschaften und Fonds, Genossenschaften, Privatpersonen)? Welche wichtigsten Entwicklungen waren dabei in den letzten 25&nbsp;Jahren zu beobachten?</li><li>Wie kann das Risiko der Verdrängung kleiner und unabhängiger Geschäfte aus den Innenstädten infolge hoher Mietzinse begrenzt werden?</li><li>Welche Massnahmen zieht der Bundesrat in Betracht, um das Phänomen einzudämmen, dass Flächen leerstehen, weil sie aus Gründen der Bilanzwerterhaltung zu sehr hohen Mietpreisen angeboten werden?</li><li>Könnten gewisse Unterstützungsinstrumente des Bundes für bezahlbaren Wohnraum (Bürgschaften, Garantien, Fonds de roulement) nicht ausgeweitet werden, um auch die Schaffung von bezahlbaren Gewerbeflächen zu fördern?</li></ul>
    • Leerstehende Verkaufsflächen in den Schweizer Innenstädten

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