Geothermieprojekte praxisnah fördern und Rechtssicherheit schaffen
- ShortId
-
26.3011
- Id
-
20263011
- Updated
-
28.01.2026 12:34
- Language
-
de
- Title
-
Geothermieprojekte praxisnah fördern und Rechtssicherheit schaffen
- AdditionalIndexing
-
66
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>In der aktuellen Praxis des Bundesamts für Energie (BFE) werden zahlreiche Projekte, die die Geothermie für die Wärmebereitstellung direkt nutzen wollen, nicht gefördert, weil die Temperatur ihrer geothermischen Ressourcen tiefer ist als die Temperatur der geplanten Wärmenutzung (Vorlauftemperatur). Oft streben solche Geothermieprojekte eine effiziente Doppelnutzung an. Damit ist gemeint, dass die geförderte Wärme zuerst direkt mittels Wärmetauscher ins Fernwärmenetz übertragen wird und in einem zweiten Schritt das etwas abgekühlte Wasser mittels Wärmepumpe nochmals für die Wärmeübertragung genutzt wird. Diese Doppelnutzung wird vom BFE als indirekte Nutzung klassiert und somit per Gesetz nicht gefördert. Es wird argumentiert, es handle sich um eine indirekte Nutzung, weil diese Projekte erstens eine Wärmepumpe nutzen und zweitens für eine Klassierung als direkte Nutzung eine höhere Temperatur als für die Vorlauftemperatur im Fernwärmenetz aus dem Untergrund gefördert werden müsste.</p><p>Damit verkennt das BFE Folgendes:</p><ol><li>Es ist gängige Praxis, dass in einem Fernwärmenetz mehrere Wärmeproduzenten angeschlossen sind. Geothermieanlagen sind selten die einzige Wärmequelle. Daher muss die Temperatur der geothermalen Ressource nicht zwingend der Vorlauftemperatur des Wärmenetzes entsprechen. Diese muss nur höher sein als jene des Rücklaufs des thermischen Netzes, um diesen direkt aufwärmen zu können.</li><li>Die zusätzliche indirekte Nutzung mittels Wärmepumpe ergibt zum Beispiel dann Sinn, wenn im Sommer Überschüsse aus der Solarenergie statt fossiler oder anderer erneuerbarer Wärmequellen (z. B. Holz) genutzt werden können. Die Doppelnutzung kann einen praktischen und effizienten Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmenetze leisten. </li><li>Das BFE verhindert mit der aktuellen Praxis wohl diverse Geothermieprojekte in der ganzen Schweiz (ca. 8 bis 14 von 19), die in der Erkundungsphase vom Bund mit finanziellen Mitteln unterstützt wurden. Viele der Projekte orientieren sich an der Anlage in Riehen (BS), die eine effiziente Doppelnutzung erfolgreich umsetzt. Es wäre widersinnig, diese Projekte zuerst in der Erkundungsphase zu unterstützen und sie nun ohne Mehrwert einzustellen. </li><li>Man unterscheidet in der Internationalen Energie Agentur (IEA) und der International Geothermal Association (IGA) lediglich zwischen indirekter Nutzung zur Stromproduktion und direkter Nutzung zur Wärmeproduktion inklusive Doppelnutzung (Wärmetauscher und Wärmepumpe). Mittelfristig sollte dies auch in der schweizerischen Gesetzgebung so festgehalten werden und eine Förderung einzig von der Bohrtiefe statt der Art der Nutzung an der Oberfläche abhängig sein.</li></ol>
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, sicherzustellen, dass Geothermieprojekte, die</p><ol style="list-style-type:lower-alpha;"><li>geothermale Flüssigkeiten nutzen, deren Temperatur höher als die Rücklauftemperatur des thermischen Netzes liegt und die direkt für dessen Erwärmung genutzt werden können, und</li><li>allenfalls mit einer Doppelnutzung (direkt per Wärmetauscher und anschliessend indirekt per Wärmepumpe) planen, </li></ol><p>als Projekte zur direkten Nutzung der Geothermie für die Wärmebereitstellung gelten und entsprechend gefördert werden. Zur Umsetzung soll die Praxis des BFE oder – falls nötig – die Verordnung angepasst beziehungsweise dem Parlament eine Gesetzesänderung unterbreitet werden.</p><p> </p><p>Eine Minderheit der Kommission (Egger Mike, Gafner, Gartmann, Guggisberg, Heimgartner, Rüegger, Strupler, Wandfluh, Wasserfallen Christian) beantragt, die Motion abzulehnen.</p>
- Geothermieprojekte praxisnah fördern und Rechtssicherheit schaffen
- State
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Eingereicht
- Related Affairs
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- Drafts
-
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- Index
- 0
- Texts
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- <p>In der aktuellen Praxis des Bundesamts für Energie (BFE) werden zahlreiche Projekte, die die Geothermie für die Wärmebereitstellung direkt nutzen wollen, nicht gefördert, weil die Temperatur ihrer geothermischen Ressourcen tiefer ist als die Temperatur der geplanten Wärmenutzung (Vorlauftemperatur). Oft streben solche Geothermieprojekte eine effiziente Doppelnutzung an. Damit ist gemeint, dass die geförderte Wärme zuerst direkt mittels Wärmetauscher ins Fernwärmenetz übertragen wird und in einem zweiten Schritt das etwas abgekühlte Wasser mittels Wärmepumpe nochmals für die Wärmeübertragung genutzt wird. Diese Doppelnutzung wird vom BFE als indirekte Nutzung klassiert und somit per Gesetz nicht gefördert. Es wird argumentiert, es handle sich um eine indirekte Nutzung, weil diese Projekte erstens eine Wärmepumpe nutzen und zweitens für eine Klassierung als direkte Nutzung eine höhere Temperatur als für die Vorlauftemperatur im Fernwärmenetz aus dem Untergrund gefördert werden müsste.</p><p>Damit verkennt das BFE Folgendes:</p><ol><li>Es ist gängige Praxis, dass in einem Fernwärmenetz mehrere Wärmeproduzenten angeschlossen sind. Geothermieanlagen sind selten die einzige Wärmequelle. Daher muss die Temperatur der geothermalen Ressource nicht zwingend der Vorlauftemperatur des Wärmenetzes entsprechen. Diese muss nur höher sein als jene des Rücklaufs des thermischen Netzes, um diesen direkt aufwärmen zu können.</li><li>Die zusätzliche indirekte Nutzung mittels Wärmepumpe ergibt zum Beispiel dann Sinn, wenn im Sommer Überschüsse aus der Solarenergie statt fossiler oder anderer erneuerbarer Wärmequellen (z. B. Holz) genutzt werden können. Die Doppelnutzung kann einen praktischen und effizienten Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmenetze leisten. </li><li>Das BFE verhindert mit der aktuellen Praxis wohl diverse Geothermieprojekte in der ganzen Schweiz (ca. 8 bis 14 von 19), die in der Erkundungsphase vom Bund mit finanziellen Mitteln unterstützt wurden. Viele der Projekte orientieren sich an der Anlage in Riehen (BS), die eine effiziente Doppelnutzung erfolgreich umsetzt. Es wäre widersinnig, diese Projekte zuerst in der Erkundungsphase zu unterstützen und sie nun ohne Mehrwert einzustellen. </li><li>Man unterscheidet in der Internationalen Energie Agentur (IEA) und der International Geothermal Association (IGA) lediglich zwischen indirekter Nutzung zur Stromproduktion und direkter Nutzung zur Wärmeproduktion inklusive Doppelnutzung (Wärmetauscher und Wärmepumpe). Mittelfristig sollte dies auch in der schweizerischen Gesetzgebung so festgehalten werden und eine Förderung einzig von der Bohrtiefe statt der Art der Nutzung an der Oberfläche abhängig sein.</li></ol>
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, sicherzustellen, dass Geothermieprojekte, die</p><ol style="list-style-type:lower-alpha;"><li>geothermale Flüssigkeiten nutzen, deren Temperatur höher als die Rücklauftemperatur des thermischen Netzes liegt und die direkt für dessen Erwärmung genutzt werden können, und</li><li>allenfalls mit einer Doppelnutzung (direkt per Wärmetauscher und anschliessend indirekt per Wärmepumpe) planen, </li></ol><p>als Projekte zur direkten Nutzung der Geothermie für die Wärmebereitstellung gelten und entsprechend gefördert werden. Zur Umsetzung soll die Praxis des BFE oder – falls nötig – die Verordnung angepasst beziehungsweise dem Parlament eine Gesetzesänderung unterbreitet werden.</p><p> </p><p>Eine Minderheit der Kommission (Egger Mike, Gafner, Gartmann, Guggisberg, Heimgartner, Rüegger, Strupler, Wandfluh, Wasserfallen Christian) beantragt, die Motion abzulehnen.</p>
- Geothermieprojekte praxisnah fördern und Rechtssicherheit schaffen
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