Wissenschaftlicher Ansatz für die Wolfsregulierung

ShortId
26.4033
Id
20264033
Updated
29.07.2026 11:06
Language
de
Title
Wissenschaftlicher Ansatz für die Wolfsregulierung
AdditionalIndexing
52;36
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Der Bundesrat verfolgt derzeit eine Politik der proaktiven Wolfsregulierung. Er hält jedoch fest, dass der Wolf eine geschützte Art ist und sein Bestand in der Schweiz erhalten bleiben muss. Die Entwicklung der Wolfspopulationen wird durch natürliche ökologische Grenzen bestimmt, insbesondere durch den verfügbaren Lebensraum und das Nahrungsangebot. Nähern sich die Populationen ihrer natürlichen Tragfähigkeit (Raum, Nahrungsverfügbarkeit), stabilisieren sich die Fortpflanzungsraten. Umgekehrt können starke Eingriffe, wie sie in der Schweiz heute gang und gäbe sind, Ausgleichseffekte auslösen, etwa eine erhöhte Reproduktion oder eine rasche Wiederbesiedlung freier Reviere.&nbsp;</p><p>Die Befürchtung eines ungebremsten Wachstums der Wolfspopulation ist wissenschaftlich nicht begründet. Beim Wolf ist die Populationsdynamik in erster Linie territorial und sozial geprägt; die Population stabilisiert sich dank der Errichtung abgegrenzter Reviere – ein Prozess, der sich in einigen Regionen der Schweiz bereits vollzogen hat. Umgekehrt führt die heutige starke Regulierung durch den Abschuss zahlreicher Rudel weniger zu einer Reduktion der Bestände als vielmehr zu einer Destabilisierung der Sozialstruktur, begleitet von einer erhöhten Abwanderung. Aufgrund massiver Eingriffe und zu geringer Bestände werden die genetische Vielfalt und damit das langfristige Überleben der Art weiterhin gefährdet.</p>
  • <p>Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Auf welche wissenschaftlichen Studien stützt sich der Bundesrat, wenn er geltend macht, dass die proaktive Wolfsregulierung die Schäden an den Herden nachhaltig verringert?&nbsp;</li><li>Wie wird angesichts der hohen Abschusszahlen im Rahmen der proaktiven Wolfsregulierung die genetische Vielfalt der Wölfe in der Schweiz überwacht und sichergestellt, wie es Artikel&nbsp;79 der Bundesverfassung verlangt?</li><li>Welche konkreten Massnahmen gewährleisten eine koordinierte Regulierung grenzüberschreitender Rudel und welche wissenschaftlichen Informationen werden mit den Nachbarstaaten ausgetauscht, um einen umfassenden Überblick über den Zustand der Wolfspopulation zu erhalten?&nbsp;</li><li>Beabsichtigt der Bundesrat, die wissenschaftlichen Kreise in die Revision des Jagdgesetzes einzubeziehen, welche im Anschluss an die vom Parlament angenommenen parlamentarischen Vorstösse zum Wolf angekündigt wurde? Wenn ja: wann und wie?</li></ol>
  • Wissenschaftlicher Ansatz für die Wolfsregulierung
State
Eingereicht
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Der Bundesrat verfolgt derzeit eine Politik der proaktiven Wolfsregulierung. Er hält jedoch fest, dass der Wolf eine geschützte Art ist und sein Bestand in der Schweiz erhalten bleiben muss. Die Entwicklung der Wolfspopulationen wird durch natürliche ökologische Grenzen bestimmt, insbesondere durch den verfügbaren Lebensraum und das Nahrungsangebot. Nähern sich die Populationen ihrer natürlichen Tragfähigkeit (Raum, Nahrungsverfügbarkeit), stabilisieren sich die Fortpflanzungsraten. Umgekehrt können starke Eingriffe, wie sie in der Schweiz heute gang und gäbe sind, Ausgleichseffekte auslösen, etwa eine erhöhte Reproduktion oder eine rasche Wiederbesiedlung freier Reviere.&nbsp;</p><p>Die Befürchtung eines ungebremsten Wachstums der Wolfspopulation ist wissenschaftlich nicht begründet. Beim Wolf ist die Populationsdynamik in erster Linie territorial und sozial geprägt; die Population stabilisiert sich dank der Errichtung abgegrenzter Reviere – ein Prozess, der sich in einigen Regionen der Schweiz bereits vollzogen hat. Umgekehrt führt die heutige starke Regulierung durch den Abschuss zahlreicher Rudel weniger zu einer Reduktion der Bestände als vielmehr zu einer Destabilisierung der Sozialstruktur, begleitet von einer erhöhten Abwanderung. Aufgrund massiver Eingriffe und zu geringer Bestände werden die genetische Vielfalt und damit das langfristige Überleben der Art weiterhin gefährdet.</p>
    • <p>Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:</p><ol><li>Auf welche wissenschaftlichen Studien stützt sich der Bundesrat, wenn er geltend macht, dass die proaktive Wolfsregulierung die Schäden an den Herden nachhaltig verringert?&nbsp;</li><li>Wie wird angesichts der hohen Abschusszahlen im Rahmen der proaktiven Wolfsregulierung die genetische Vielfalt der Wölfe in der Schweiz überwacht und sichergestellt, wie es Artikel&nbsp;79 der Bundesverfassung verlangt?</li><li>Welche konkreten Massnahmen gewährleisten eine koordinierte Regulierung grenzüberschreitender Rudel und welche wissenschaftlichen Informationen werden mit den Nachbarstaaten ausgetauscht, um einen umfassenden Überblick über den Zustand der Wolfspopulation zu erhalten?&nbsp;</li><li>Beabsichtigt der Bundesrat, die wissenschaftlichen Kreise in die Revision des Jagdgesetzes einzubeziehen, welche im Anschluss an die vom Parlament angenommenen parlamentarischen Vorstösse zum Wolf angekündigt wurde? Wenn ja: wann und wie?</li></ol>
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