Atomkraft stagniert und verliert den Anschluss - weshalb kommuniziert der Bundesrat irreführend?

ShortId
26.7092
Id
20267092
Updated
09.03.2026 16:15
Language
de
Title
Atomkraft stagniert und verliert den Anschluss - weshalb kommuniziert der Bundesrat irreführend?
AdditionalIndexing
66
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <span><p>Zwar ist es zutreffend, dass der globale Ausbau der Kernenergie nach Fukushima im Jahr 2011 eine gewisse Zeit stagnierte. Seit Beginn des Ukrainekriegs vor vier Jahren hat sich die Situation aber grundlegend verändert. Gemäss der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) befinden sich derzeit weltweit 63 Kernkraftwerke im Bau, ein deutliches Zeichen für den erneuten internationalen Ausbauwillen. Zudem sprechen Marktanalysen von einer „Nuclear Renaissance“ mit bis zu 2200 Milliarden USD an Investitionen und einer möglichen Verdopplung der weltweiten Kapazitäten bis 2050.</p><p>&nbsp;</p><p>Auch politisch hat die Kernenergie an Gewicht gewonnen: Im Rahmen der europäischen Nuklear-Allianz haben sich 16 Länder verpflichtet, bis 2050 den Anteil der Kernenergie im europäischen Strommix um 50 Prozent zu steigern. Schon heute stellt die Kernenergie mit über 20 Prozent den grössten Anteil im EU-Strommix. Darüber hinaus haben sich vor zwei Jahren 22 Länder, darunter die USA, das Ziel gesetzt, ihre Kernenergieproduktion bis 2050 zu verdreifachen. </p><p>&nbsp;</p><p>Besonders dynamisch entwickelt sich zudem die Technologie der kleinen modularen Reaktoren (SMR). Mehrere grosse US‑Technologiekonzerne haben angekündigt, substanzielle Investitionen in deren Entwicklung und Bau zu tätigen. Das ist ein Hinweis darauf, dass Kernenergie künftig auch neue industrielle Anwendungen und Geschäftsmodelle stärken wird.</p><p>&nbsp;</p><p>Vor diesem Hintergrund kann die Kernenergie als zuverlässige, grundlastfähige, raumschonende und wetterunabhängige Stromquelle einen wichtigen Beitrag leisten, um Versorgungslücken zu vermeiden und die Netzstabilität zu stärken. Damit unterstützt sie auch das Ziel, das Risiko von Versorgungsengpässen oder möglichen Blackouts zu verringern.</p></span>
  • <p>Am 19. Februar schrieb Bundesrat Rösti auf Instagram: «Die Kernenergie gewinnt weltweit an Bedeutung». Tatsächlich ist ihr Anteil an der globalen Stromproduktion seit dem Höchststand 1996 von 17,5 auf 9 Prozent gesunken, gleichzeitig ist die Produktion von Atomstrom deutlich teurer als bspw. Solarstrom, weshalb weltweit rund zwanzigmal mehr in Erneuerbare investiert als in Kernkraft.&nbsp;<br>Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Ist diese verallgemeinerte Aussage nicht irreführend?</p>
  • Atomkraft stagniert und verliert den Anschluss - weshalb kommuniziert der Bundesrat irreführend?
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <span><p>Zwar ist es zutreffend, dass der globale Ausbau der Kernenergie nach Fukushima im Jahr 2011 eine gewisse Zeit stagnierte. Seit Beginn des Ukrainekriegs vor vier Jahren hat sich die Situation aber grundlegend verändert. Gemäss der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) befinden sich derzeit weltweit 63 Kernkraftwerke im Bau, ein deutliches Zeichen für den erneuten internationalen Ausbauwillen. Zudem sprechen Marktanalysen von einer „Nuclear Renaissance“ mit bis zu 2200 Milliarden USD an Investitionen und einer möglichen Verdopplung der weltweiten Kapazitäten bis 2050.</p><p>&nbsp;</p><p>Auch politisch hat die Kernenergie an Gewicht gewonnen: Im Rahmen der europäischen Nuklear-Allianz haben sich 16 Länder verpflichtet, bis 2050 den Anteil der Kernenergie im europäischen Strommix um 50 Prozent zu steigern. Schon heute stellt die Kernenergie mit über 20 Prozent den grössten Anteil im EU-Strommix. Darüber hinaus haben sich vor zwei Jahren 22 Länder, darunter die USA, das Ziel gesetzt, ihre Kernenergieproduktion bis 2050 zu verdreifachen. </p><p>&nbsp;</p><p>Besonders dynamisch entwickelt sich zudem die Technologie der kleinen modularen Reaktoren (SMR). Mehrere grosse US‑Technologiekonzerne haben angekündigt, substanzielle Investitionen in deren Entwicklung und Bau zu tätigen. Das ist ein Hinweis darauf, dass Kernenergie künftig auch neue industrielle Anwendungen und Geschäftsmodelle stärken wird.</p><p>&nbsp;</p><p>Vor diesem Hintergrund kann die Kernenergie als zuverlässige, grundlastfähige, raumschonende und wetterunabhängige Stromquelle einen wichtigen Beitrag leisten, um Versorgungslücken zu vermeiden und die Netzstabilität zu stärken. Damit unterstützt sie auch das Ziel, das Risiko von Versorgungsengpässen oder möglichen Blackouts zu verringern.</p></span>
    • <p>Am 19. Februar schrieb Bundesrat Rösti auf Instagram: «Die Kernenergie gewinnt weltweit an Bedeutung». Tatsächlich ist ihr Anteil an der globalen Stromproduktion seit dem Höchststand 1996 von 17,5 auf 9 Prozent gesunken, gleichzeitig ist die Produktion von Atomstrom deutlich teurer als bspw. Solarstrom, weshalb weltweit rund zwanzigmal mehr in Erneuerbare investiert als in Kernkraft.&nbsp;<br>Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Ist diese verallgemeinerte Aussage nicht irreführend?</p>
    • Atomkraft stagniert und verliert den Anschluss - weshalb kommuniziert der Bundesrat irreführend?

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