«Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)». Volksinitiative
Details
- ID
- 20250067
- Title
- «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)». Volksinitiative
- Description
- Botschaft vom 13. August 2025 zur Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)»
- InitialSituation
- <h2 class="Titel_d"><strong>Medienmitteilung des Bundesrates vom 13.08.2025</strong></h2><p class="Standard_d"><strong>Bundesrat empfiehlt Ablehnung der «Ernährungsinitiative»</strong></p><p class="Standard_d"><strong>Der Bundesrat hat am 13. August 2025 die Botschaft zur Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)» verabschiedet. Er empfiehlt dem Parlament, die Initiative ohne direkten Gegenentwurf oder indirekten Gegenvorschlag abzulehnen. Die Ziele der Initiative wären nur mit tiefgreifenden staatlichen Interventionen erreichbar. Berechtigte Anliegen der Initiative wird der Bundesrat auch bei der Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2030 berücksichtigen.</strong></p><p class="Standard_d">Am 16. August 2024 war die sogenannte «Ernährungsinitiative» eingereicht worden. Sie sieht die Stärkung der Selbstversorgung, die Sicherung der Grundwasserressourcen sowie die Förderung einer nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft vor und verlangt unter anderem, dass die Land- und Ernährungswirtschaft vermehrt auf die Produktion und den Konsum von pflanzlichen statt tierischen Lebensmitteln ausgerichtet wird. Die Ernährungssicherheit soll durch eine Steigerung des Netto-Selbstversorgungsgrads von heute 46 Prozent auf mindestens 70 Prozent erhöht werden. Weiter fordert die Initiative die Sicherstellung von genügend sauberem Trinkwasser, der Biodiversität und der Bodenfruchtbarkeit. Die in den Umweltzielen Landwirtschaft festgelegten Höchstwerte für Dünger- bzw. Nährstoffeinträge in die Umwelt dürfen nicht mehr überschritten werden. Die Ziele sollen bis 10 Jahre nach Annahme der Initiative erreicht werden.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">Ziele der Initiative nur mit tiefgreifenden staatlichen Eingriffen erreichbar</p><p class="Standard_d">Aus Sicht des Bundesrats sind die Ziele der Ernährungsinitiative innerhalb der von ihr vorgegebenen Fristen nicht realistisch. Dies gilt insbesondere für die geforderte Erhöhung des Netto-Selbstversorgungsgrades von heute 46 Prozent auf mindestens 70 Prozent bei gleichzeitiger Erreichung der Umweltziele Landwirtschaft. Dafür müsste die Produktion und der Konsum von Fleisch stark reduziert und die pflanzliche Produktion zur menschlichen Ernährung stark ausgeweitet werden. Dies wäre nur möglich, wenn der Staat massiv in die Produktion und in den Konsum von Lebensmitteln eingreifen würde. Die kurze Umsetzungsfrist hätte zudem zur Folge, dass bestehende Infrastrukturen direkt in der Landwirtschaft oder in den vor- und nachgelagerten Stufen nicht vollständig amortisiert werden könnten. Um eine sozialverträgliche Entwicklung des Sektors sicherzustellen, wären umfassende finanzielle Unterstützungsmassnahmen des Bundes erforderlich.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">Bundesrat empfiehlt die Ablehnung der Initiative</p><p class="Standard_d">Im Rahmen der Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2030 wird der Bundesrat Massnahmen zur Stärkung der Wertschöpfung in der Land- und Ernährungswirtschaft sowie zur administrativen Entlastung der landwirtschaftlichen Betriebe vorschlagen. Gleichzeitig wird die Vorlage wichtige Anliegen der Initiative wie die Stärkung der Ernährungssicherheit und die Reduktion des ökologischen Fussabdrucks der Land- und Ernährungswirtschaft aufnehmen. Dabei wird der Bundesrat erreichbare Ziele und einen realistischen Zeitrahmen festlegen. Der Bundesrat wird die Vorschläge zur künftigen Agrarpolitik voraussichtlich 2026 behandeln. Eine zusätzliche Verfassungsgrundlage, wie sie die Initiative fordert, ist dazu nicht notwendig.</p><p class="Standard_d">Der Bundesrat empfiehlt daher die Initiative ohne direkten Gegenentwurf oder indirekten Gegenvorschlag zur Ablehnung.</p><p class="Standard_d"> </p><p><a href="https://www.blw.admin.ch/de/ernaehrungsinitiative">Ernährungsinitiative</a></p>
- Objectives
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- Number
- 0
- Text
- Botschaft vom 13. August 2025 zur Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)»
- Resolutions
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Date Council Text
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- Number
- 1
- Text
- Bundesbeschluss über die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung – durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser (Ernährungsinitiative)»
- Resolutions
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Date Council Text 17.12.2025 1 Beschluss gemäss Entwurf 17.03.2026 2 Zustimmung 20.03.2026 2 Annahme in der Schlussabstimmung 20.03.2026 1 Annahme in der Schlussabstimmung
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- Number
- 2
- Text
- Resolutions
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Date Council Text
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- Proceedings
- <h3 class="SDA_Meldung_d">SDA-Meldung</h3><h3 class="Debatte_sda_linksbündig_d"><strong>Debatte im Nationalrat, 10.12.2025</strong></h3><p class="Standard_d"><strong>Kaum Unterstützung für Ernährungsinitiative im Nationalrat</strong></p><p class="Standard_d"><strong>Der Nationalrat hat am Mittwoch eine Grundsatzdebatte über die Landwirtschaftspolitik geführt. Er nahm seine Beratungen über die Ernährungsinitiative auf. Das Volksbegehren dürfte es im Parlament schwer haben: Alle Fraktionen sprachen sich dagegen aus.</strong></p><p class="Standard_d">Entscheide zur Initiative mit dem offiziellen Titel "Für eine sichere Ernährung - durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser" fällte die grosse Kammer noch keine.</p><p class="Standard_d">Die Ernährungsinitiative verlangt, die Lebensmittelproduktion vermehrt auf pflanzliche Kost auszurichten. Konkret fordert sie einen Netto-Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln von mindestens 70 Prozent. Das Ziel soll innert zehn Jahren erreicht werden. Zudem verlangt die Initiative unter anderem die Sicherung der Grundwasserressourcen und der Fruchtbarkeit der Böden. Dabei geht es namentlich um den Eintrag von Stickstoffverbindungen und Phosphor.</p><p class="Standard_d">Heute liegt der Selbstversorgungsgrad nach Angaben des Bundesrats bei 46 Prozent. Hinter der Initiative stehen Franziska Herren vom Verein "Sauberes Wasser für alle" sowie sechs weitere Personen. Herren war bereits treibende Kraft der 2021 an der Urne abgelehnten Trinkwasserinitiative.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">Vorbehalte in allen Lagern</p><p class="Standard_d">Der Bundesrat ist gegen die Initiative. Die Wirtschaftskommission des Nationalrats beantragt mit 23 Stimmen und zwei Enthaltungen, aber ohne Gegenstimme ein Nein.</p><p class="Standard_d">Sowohl die Landesregierung als auch die vorberatende Kommission wenden ein, die Initiative könne nur mit tiefen Eingriffen in die Produktion und den Konsum von Lebensmitteln erreicht werden. Die Wahlfreiheit würde drastisch eingeschränkt.</p><p class="Standard_d">Auch im Ratsplenum gab es kaum Unterstützung für das Volksbegehren. Den geforderten Selbstversorgungsgrad habe die Schweiz selbst zur Zeit der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg nicht vollständig erreicht, sagte Olivier Feller (FDP/VD) namens der vorberatenden Kommission. Es sei fraglich, ob die Bevölkerung zu den damaligen Opfern bereit sei. Damals habe man Parkflächen und Sportplätze umgegraben.</p><p class="Standard_d">Martin Hübscher (SVP/ZH) kritisierte, die Umsetzung der Initiative ginge auf Kosten der Biodiversitätsflächen. Er warnte als zweiter Kommissionssprecher zudem vor steigenden Lebensmittelpreisen.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">Radikal andere Ernährung</p><p class="Standard_d">Markus Ritter (Mitte/SG) erinnerte daran, dass es in der Schweiz heute weniger Kulturland gebe als während des Zweiten Weltkriegs. Damals seien Lebensmittel rationiert gewesen. Um die Ziele der Initiative zu erreichen, müsste man den Konsum von Milchprodukten, Eiern und Fleisch drastisch einschränken. "Ribelmais, Griessmus und Haferbrei kämen wieder auf unsere Tische", sagte der Mitte-Fraktionssprecher und Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes.</p><p class="Standard_d">Die Initiative verkenne die Realität in der Landwirtschaft, sagte SVP-Fraktionssprecherin Katja Riem (BE): "Wir leben in einem Land, in dem grosse Teile der Flächen nur dank tierischer Nutzung produktiv sind". Wie zahlreiche andere Rednerinnen und Redner stellte sie sich zudem gegen eine Bevormundung der Bevölkerung.</p><p class="Standard_d">Daniela Schneeberger (FDP/BL) sagte im Namen der freisinnigen Fraktion, die Initiative wolle eine vegane Ernährung forcieren. Das Volksbegehren sei unsozial, da höhere Lebensmittelpreise besonders Haushalte mit geringem Einkommen träfen.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">Verständnis für Grundanliegen</p><p class="Standard_d">Auch aus dem linken Lager gab es Kritik. Eine Mehrheit ihrer Fraktion werde das Volksbegehren ablehnen, kündigte Sophie Michaud Gigon (Grüne/VD) an. Die Initiative werfe berechtigte Fragen auf, sagte sie. Die Forderungen der Initiative seien aber für ein kleines Land wie die Schweiz unrealistisch. Die volkswirtschaftlichen Kosten wären gewaltig.</p><p class="Standard_d">Ein Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent sei unrealistisch und die Umsetzungsfrist von zehn Jahren zu kurz, befand auch Jacqueline Badran (SP/ZH). Abgesehen von diesen Elementen sei die Initiative aber inhaltlich richtig.</p><p class="Standard_d">Badran warf der bürgerlichen Mehrheit vor, die im Abstimmungskampf zur Trinkwasserinitiative gemachten Versprechen zu brechen, beispielsweise im Hinblick auf Pflanzenschutzmittel. Sie warnte vor irreversiblen Schäden für Trinkwasser und Biodiversität.</p><p class="Standard_d">Auch die Grünliberalen unterstrichen, die Frage der nachhaltigen Nutzung von Böden und Trinkwasser sei wichtig. Céline Weber (GLP/VD) warnte aber vor Protektionismus. "Die Schweiz ist keine Insel". Steigende Lebensmittelpreise würden dem Einkaufstourismus Vorschub leisten. Verschiedene Rednerinnen und Redner warnten zudem vor einem Verlust von Arbeitsplätzen insbesondere in der Nahrungsmittelindustrie, bei Käsereien und Metzgereien.</p><p> </p><h3 class="SDA_Meldung_d">SDA-Meldung</h3><h3 class="Debatte_sda_linksbündig_d"><strong>Debatte im Nationalrat, 17.12.2025</strong></h3><p class="Standard_d"><strong>Nationalrat will von der Ernährungsinitiative nichts wissen</strong></p><p class="Standard_d"><strong>Der Nationalrat will nichts wissen von der Ernährungsinitiative. Keine einzige Fraktion befürwortet das Begehren, das in den Worten vieler Ratsmitglieder diktieren würde, was auf den Teller kommt. Auch eine alternative, weniger weit gehende Verfassungsbestimmung lehnte der Rat ab.</strong></p><p class="Standard_d">Seine Nein-Empfehlung beschloss der Nationalrat am Mittwoch ohne Abstimmung, entsprechend dem unbestrittenen Antrag der zuständigen Kommission. Die Initiative "Für eine sichere Ernährung - durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser" verlangt, die Lebensmittelproduktion vermehrt auf pflanzliche Kost auszurichten.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">70 Prozent Netto-Selbstversorgung</p><p class="Standard_d">Die Selbstversorgung soll laut Initiativtext verstärkt werden. Konkret soll der Netto-Selbstversorgungsgrad auf mindestens 70 Prozent steigen, und das innert zehn Jahren. Zudem sollen die Grundwasserressourcen und die Fruchtbarkeit der Böden gesichert sein. Dabei geht es namentlich um den Eintrag von Stickstoffverbindungen und Phosphor.</p><p class="Standard_d">Heute liegt der Selbstversorgungsgrad nach Angaben des Bundesrats bei 46 Prozent. Hinter der Initiative stehen Franziska Herren vom Verein "Sauberes Wasser für alle" sowie sechs weitere Personen. Herren war bereits treibende Kraft der 2021 an der Urne abgelehnten Trinkwasserinitiative.</p><p class="Standard_d">Den geforderten Netto-Selbstversorgungsgrad nannten zahlreiche Nationalratsmitglieder unrealistisch. Während der Anbauschlacht im Zweiten Weltkrieg sei er nicht vollständig erreicht worden, sagte etwa Olivier Feller (FDP/VD). Es sei fraglich, ob die Bevölkerung zu den damaligen Opfern bereit sei. Damals habe man Parkflächen und Sportplätze umgegraben.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">"Ribelmais, Griessmus und Haferbrei"</p><p class="Standard_d">Bauernverbandspräsident Markus Ritter (Mitte/SG) erinnerte daran, dass es in der Schweiz heute weniger Kulturland gebe als während des Zweiten Weltkriegs. Damals seien Lebensmittel rationiert gewesen. Um die Ziele der Initiative zu erreichen, müsste man den Konsum von Milchprodukten, Eiern und Fleisch drastisch einschränken. "Ribelmais, Griessmus und Haferbrei kämen wieder auf unsere Tische."</p><p class="Standard_d">Nadja Umbricht Pieren (SVP/BE) sprach von "staatlichem Vegan-Zwang". Mündige Menschen könnten selbst entscheiden, was eine gesunde Ernährung sei. Inländische tierische Produkte würden mit der Initiative zum Luxusgut, das sich nur noch wenige leisten könnten. Erschwinglicher könnten nur Produkte aus dem Ausland sein.</p><p class="Standard_d">Viehzucht gehöre zur Schweizer Kultur, sagte Nicolas Kolly (SVP/FR). In den Voralpen und Alpen würden keine Sonnenblumen gepflanzt, um veganen Greyerzer oder Raclettekäse herzustellen. Lukas Reimann (SVP/SG) wollte die Selbstversorgung steigern. Würden Nahrungsmittel in Krisenzeiten knapp, schaue jedes Land für sich, mahnte er.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">"Es kann nicht so weitergehen"</p><p class="Standard_d">Einmal mehr werde längst Diskutiertes und Entschiedenes diskutiert, stellte Simone de Montmollin (FDP/GE) fest. Der Wechsel zu mehr Nachhaltigkeit müsse mit den Bauern, Bäuerinnen, Konsumenten und Konsumentinnen erfolgen.</p><p class="Standard_d">Bei SP, Grünen und GLP fanden die Initiantinnen und Initianten mehr Gehör, und sie wollten zumindest den Erhalt der Gewässerqualität, der Boden-Fruchtbarkeit und der Biodiversität in die Verfassung schreiben. Der von ihnen vorgeschlagene direkte Gegenvorschlag kam aber mit 73 gegen 121 Stimmen nicht durch.</p><p class="Standard_d">"Wir können nicht so tun, als hätte unsere Nahrungsmittelproduktion keine problematischen Folgen", sagte Ueli Schmezer (SP/BE). Abhilfe zu schaffen, heisse standortgerecht produzieren, mit dem vorhandenen Futter und mit weniger Hochleistung.</p><p class="Standard_d">"Wie es ist, kann es nicht weitergehen, da haben die Initiantinnen und Initianten Recht", sagte auch Gabriela Suter (SP/AG). Der Gegenvorschlag mache umsetzbar, was die Initiative als Probleme benenne. Er sei eine pragmatische Antwort auf ein gesellschaftlich relevantes Problem, fügte Niklaus-Samuel Gugger (EVP/ZH) hinzu.</p><p class="Standard_d"> </p><p class="Standard_d">In der Agrarpolitik ab 2030</p><p class="Standard_d">Der Bundesrat lehnte die Initiative ab, und er wollte auch keinen Gegenvorschlag dazu. Mit seiner Agrarpolitik ab 2030 wolle der Bundesrat die Anliegen der Initiative aufnehmen, versicherte Landwirtschaftsminister Guy Parmelin im Rat. "Er wird dabei realistische Ziele und eine realistische Agenda vorlegen."</p><p> </p><h3 class="SDA_Meldung_d">SDA-Meldung</h3><h3 class="Debatte_sda_linksbündig_d"><strong>Debatte im Ständerat, 17.03.2026</strong></h3><p><strong>Ernährungsinitiative bleibt im Parlament chancenlos</strong></p><p><strong>Das Parlament erteilt der Ernährungsinitiative eine Absage. Nach dem Nationalrat hat am Dienstag auch der Ständerat das Volksbegehren oppositionslos abgelehnt. Die Räte befürchten zu weit gehende Eingriffe in die Landwirtschaft und die Ernährungsweise der Bevölkerung.</strong></p><p>Mit ihrem Entscheid folgte die kleine Kammer der Wirtschaftskommission des Ständerats. Diese hatte mit 11 Stimmen bei einer Enthaltung, aber ohne Gegenstimme, ein Nein zur Initiative beantragt. Einen anders lautenden Antrag gab es wie schon bei der Behandlung des Geschäfts im Nationalrat während der Wintersession keinen. Das Geschäft ist bereit für die Schlussabstimmung.</p><p> </p><p>Frist von zehn Jahren</p><p>Die Initiative mit dem offiziellen Titel "Für eine sichere Ernährung - durch Stärkung einer nachhaltigen inländischen Produktion, mehr pflanzliche Lebensmittel und sauberes Trinkwasser" verlangt, die Lebensmittelproduktion vermehrt auf pflanzliche Kost auszurichten. Konkret fordert sie einen Netto-Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln von mindestens 70 Prozent. Das Ziel soll innert zehn Jahren erreicht werden.</p><p>Zudem verlangt die Initiative unter anderem die Sicherung der Grundwasserressourcen und der Fruchtbarkeit der Böden. Dabei geht es namentlich um den Eintrag von Stickstoffverbindungen und Phosphor.</p><p>Heute liegt der Selbstversorgungsgrad nach Angaben des Bundesrats bei 46 Prozent. Hinter der Initiative stehen Franziska Herren vom Verein "Sauberes Wasser für alle" sowie sechs weitere Personen. Herren war bereits treibende Kraft der 2021 an der Urne abgelehnten Trinkwasserinitiative.</p><p>Wie schon in der vorberatenden Kommission wurden auch in der Debatte gewisse Sympathien für das Grundanliegen der Initiative geäussert. Gerade angesichts der heutigen geopolitischen Gegebenheiten seien die Ernährungssicherheit und eine möglichst grosse Ernährungsautonomie ein wichtiges Thema, schrieb die ständerätliche Wirtschaftskommission nach der Beratung der Initiative im Januar.</p><p> </p><p>Viel Grasland in der Schweiz</p><p>Allerdings überwogen bereits in der Kommission Zweifel an der praktischen Umsetzbarkeit der Initiative. Insbesondere die Forderung eines Netto-Selbstversorgungsgrads von 70 Prozent in Kombination mit der kurzen geforderten Frist sei unrealistisch, lautete der Einwand.</p><p>Die Schweiz bestehe überwiegend aus Grasland, grossen Voralpen- und Alpgebieten sowie weiteren grünen Flächen im Mittellland, sagte Kommissionssprecher Peter Hegglin (Mitte/ZG): "Gras kann bekanntlich vom Menschen nicht direkt verwertet werden und wird darum durch die Rindviehhaltung nutzbar gemacht." Auch weitere Ziele der Initiative seien nur mit massiven Eingriffen in die landwirtschaftliche Produktion umsetzbar.</p><p>Der Grundgedanke der Initiative sei richtig, sagte Tiana Angelina Moser (GLP/ZH). "Die Umweltziele, auf die sich die Initiative bezieht, sind selbstverständlich unterstützungswürdig." Ohne intakte Ökosysteme gebe es längerfristig in der Schweiz keine Ernährungssicherheit. "Die Initiative weist zurecht auf bestehende Probleme hin. Der Weg ist aber zu extrem."</p><p>Wenn Fleisch nicht mehr in der Schweiz produziert werde, werde es einfach im Ausland gekauft, sagte Werner Salzmann (SVP/BE). Das sei nicht sinnvoll. Salzmann vertrat zudem die Ansicht, das eigentliche Problem für die Ernährungssicherheit sei die Zuwanderung: "Land wird überbaut. Mehr Leute kommen ins Land. Das ist der Grund, warum die Produktionsfläche pro Person abnimmt."</p><p> </p><p>Warnung vor Ernährungs-Diktat</p><p>Die Initiative brächte eine Art Diktat darüber, was auf den Teller komme, sagte Isabelle Chassot (Mitte/FR). Es sei zudem unrealistisch anzunehmen, dass auf heute für die Viehwirtschaft genutzten Flächen künftig überall Getreide angebaut würde. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass sie nicht mehr bewirtschaftet würden.</p><p>Der Schweizerische Bauernverband (SBV) hatte sich bereits Anfang Januar an einer Medienkonferenz gegen die Initiative in Stellung gebracht. Das Volksbegehren sei "eine Zwängerei und Utopie", sagte SBV-Direktor Martin Rufer damals.</p><p>Um das angestrebte Ziel von 70 Prozent Netto-Selbstversorgungsgrad zu erreichen, müsste der Staat laut dem SBV die Grenzen schliessen und die Bevölkerung zu einer mehrheitlich veganen Ernährung zwingen. Die Initiative ziele in erster Linie auf die tierische Produktion. Doch mit ihren Auflagen schwäche sie auch den Pflanzenbau.</p><p> </p><p>Gegenvorschlag war kein Thema mehr</p><p>Einen Gegenvorschlag zur Initiative wird es nicht geben. Im Nationalrat hatte die sich die Ratslinke im Dezember für einen Gegenvorschlag eingesetzt, der sich auf die Erhaltung der Ökosysteme und der Biodiversität sowie den Schutz von Gewässerqualität, Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität beschränkt. Sie hatte dafür aber keine Mehrheit gefunden. Im Ständerat lag kein entsprechender Antrag vor.</p><p>Auch der Bundesrat lehnt die Initiative ab, und auch er wollte keinen Gegenvorschlag dazu. Mit seiner Agrarpolitik ab 2030 wolle der Bundesrat die Umwelt-Anliegen der Initiative aufnehmen, versicherte Landwirtschaftsminister Guy Parmelin wie bereits während der Nationalratsdebatte im Dezember.</p><p> </p><h2 class="Titel_d"><strong>Auskünfte</strong></h2><p class="Auskünfte_d">Sekretariat der Kommissionen für Wirtschaft und Abgaben (WAK)</p><p class="Auskünfte_d"><a href="mailto:wak.cer@parl.admin.ch">wak.cer@parl.admin.ch</a></p><p class="Auskünfte_d"><a href="https://www.parlament.ch/de/organe/kommissionen/sachbereichskommissionen/kommissionen-wak">Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK)</a></p>
- Updated
- 31.03.2026 09:00